App statt Karte: So funktioniert Lidls Bonusprogramm Lidl Plus in der Praxis

App statt Karte: So funktioniert Lidls Bonusprogramm Lidl Plus in der Praxis

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In Österreich, Dänemark und Spanien scannen Lidl-Kunden App-Gutscheine an der Kasse, um Rabatt auf ihren Einkauf zu bekommen. In den Läden bedeutet das: noch mehr Aktionsschilder.

Partner und Sponsoren:

Huhu, Sie da! Darf’s beim Einkauf noch ein bisschen mehr sein – ein bisschen mehr Rabatt nämlich? Wie wär’s zum Beispiel mit 10 Prozent auf Pfirsiche und Snack-Gurken, 16 Prozent auf Gourmetsaucen, 29 Prozent auf Putenaufschnitt? Oder zahlen Sie lieber einen Euro weniger für die Hendl-Grillplatte, das Kürbiskernöl, die Schweine-Medaillons? Zu jedem Baguette aus dem Brötchenknast gibt’s ein zweites kostenlos dazu!

Während Penny seit Wochen Lärm um die Einführung von Payback in seinen deutschen Filialen macht und Netto (ohne Hund) an der Kasse schon seit 2015 nach der Deutschland-Card fragt, testet Discount-Rivale Lidl im europäischen Ausland ebenso leise wie sorgfältig sein eigenes Kundenbindungsprogramm „Lidl Plus“.

Nein, Originalitätspreis gibt’s damit keinen zu gewinnen. Aber wertvolle Kundendaten. Und genau um die geht’s ja.


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Falls Ihnen die Angelegenheit irgendwie spanisch vorkommt: Das liegt vielleicht daran, dass Lidls „digitale Kundenkarte“ in Spanien bereits seit Ende 2016 freigeschaltet und Ihnen schon mal beim Urlaubseinkauf begegnet ist. Seit kurzem kann „die Vorteils-App von Lidl“ (Android, iOS) auch in Dänemark und Österreich genutzt werden. Oder wie’s auf Werbeplakaten im Laden heißt:

„Jetzt downloaden!“
„Downloaden lohnt sich“
„Jetzt noch mehr sparen“

Das System funktioniert so wie vor einem Jahr hier im Blog beschrieben: Kunden registrieren sich mit ihrer Handynummer und E-Mail-Adresse und profitieren fortan von einem kleinen Rabattdurcheinander: Reguläre Aktionsprodukte gibt’s für App-Nutzer noch einmal einen Schwung günstiger; dazu kommen so genannte „Supergutscheine“, die wöchentlich wechseln und extra aktiviert werden müssen, um in den Genuss der Vergünstigung zu kommen: z.B. marinierte Schweinesteaks (1 Euro Rabatt), Roggenbrot und Hirtenkäse (minus 35 Prozent) und – hmmm, lecker – „Hühneraufstrich“ (zwei zum Preis von einem).

An der Kasse muss lediglich der in die App integrierte QR-Code vor die Metalltulpe gehalten werden, die Rabatte werden nach dem Scan automatisch verrechnet.

Nachher ist außerdem ein digitaler Kassenzettel abrufbar. Und zur Belohnung gibt’s einen weiteren Coupon zum Freirubbeln für den nächsten Einkauf (1 Euro Rabatt auf „Puten-Grillies“!).


Screenshots [M]: Lidl/Smb

Der wöchentliche Werbeprospekt und eine Marktsuche sind bei Lidl Plus (das an manchen Stellen in der App „Lidl+“ heißt) ebenfalls integriert. Hauptziel des Discounters ist es aber natürlich, mehr über das Einkaufsverhalten seiner Kunden in Erfahrung bringen und sie im Zweifel mit passenden Rabatten zu versorgen, um sie wieder in die Läden zu locken – genau wie die Wettbewerber, die sich in Deutschland etablierten Bonussystemen angeschlossen haben.

App-Anschub mit Gewinnspiel

In den App-Store-Bewertungen wundern sich Nutzer, warum Sie bei der Lidl-Plus-Anmeldung auch ihr Geburtsdatum und die komplette Postadresse angeben müssen. (Letztere werde benötigt, „wenn Sie bei einem unserer Preisausschreiben gewinnen“.) Aber Lidl gibt sich große Mühe, eventuelle Bedenken mit diversen Belohnungen zu zerstreuen, um die Verbreitung der App anzuschieben.

Zusätzlich zum 30 Tage gültigen „Willkommens-Bonus“ in Höhe von 5 Euro veranstaltet die Discountkette derzeit ein Gewinnspiel, bei dem ausschließlich App-Downloader teilnehmen können.

Und die aktuellen Lidl-Plus-Aktionsprodukte sind nicht nur online, sondern auch im regulären Wochenprospekt äußerst prominent abgebildet.


Abb. [M]: Lidl/Smb

Obwohl das alles nicht sonderlich elaboriert ist, reicht das vielen Kunden ja womöglich, um dem Download-Aufforderungsdauerfeuer nachzugeben und sich tatsächlich zu registrieren.

Ob sich die Nutzung wirklich für alle Kunden lohnt, ist eine andere Sache. Um Coupons wirklich passend zu den Vorlieben des jeweiligen Verwenders ausspucken zu können, dürfte die Analyse einiger Einkäufe notwendig sein; bis dahin muss man schon arg verführungsbereit sein, um in der wöchentlichen Auswahl der acht „Supergutscheine“ jedes Mal was zu finden, das man tatsächlich in den Einkaufswagen legen will.

Preisdurcheinander am Regal

Für Lidl ist das Programm nicht nur eine prima Gelegenheit, Profile seiner Kunden anzulegen, sondern auch, um darüber auf neu eingeführte Produkte hinzuweisen oder Deals mit Markenherstellern abzuschließen, damit deren Marke als Plus-Produkt auftaucht. (So wie in dieser Woche Schokoladentafeln von Milka.)


Screenshots [M]: Lidl/Smb

Zugleich muss die Discountkette aufpassen, dass Lidl Plus nicht zum Bumerang wird. Das liegt vor allem daran, wie das Programm in die Läden integriert ist.

Aktionsprodukte, auf die es zusätzlich Lidl-Plus-Rabatt gibt, sind derzeit am Regal mit gelben Preisschildern gekennzeichnet. Auf denen steht (klein) nicht nur der durchgestrichene Originalpreis, sondern darunter auch (groß) der reguläre Rabattpreis („Aktion!“, „Billiger!“) und direkt daneben noch einmal der rabattierte Rabattpreis in blau („Lidl Plus Aktion“).

Wer sich zuvor nicht intensiv mit dem Unterschied befasst hat, könnte auf die Idee kommen, regulär zum Plus-Preis einkaufen zu können (und wundert sich dann an der Kasse, dass dem nicht so ist, wenn er keinen QR-Code scannt).

Besonders kurios wirken die gelben Hinweise, wenn sie sich zwischen die regulären Neon-Aktionsschilder an der Kühltruhe quetschen müssen, wo sie kaum noch zur Geltung kommen:

Mag sein, dass Lidl seine Kunden damit in der Einführungsphase erst einmal neugierig machen will. Aber schon die Logik, dass manche Lidl-Plus-Rabatte am Regal gekennzeichnet sind und andere (kundenindividuelle) nicht, ist seltsam. Erst recht im Discount, dessen unumstößliches Prinzip es mal war, den Einkauf so einfach wie möglich zu gestalten.

Im Moment sorgen die Lidl-Plus-Bonushinweise eher dafür, dass das Angebot im Laden noch unübersichtlicher ist als es angesichts der gewohnten Preisschilderflut ohnehin schon war (siehe Supermarktblog).

Das gleiche nochmal in Hellblau

Andererseits scheint genau das gerade ein internationaler Trend zu sein: Amazon pflastert seine Whole-Foods-Märkte min den USA gerade mit hellblauen Hinweisen auf Vergünstigungen für Mitglieder seines Prime-Programms zu. Dagegen fällt die Lidl-Variante geradezu dezent aus. (Dass man dem Geschäft damit auch schaden könnte, scheint in Seattle niemand zu befürchten.)

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Wenn Lidls Plus-Test auch in den neu hinzu gekommenen Ländern erfolgreich verläuft, dürfte die Einführung in Deutschland nur eine Frage der Zeit sein. Für die technischen Voraussetzungen hat die Kette im vergangenen Jahr mit einer Modernisierung ihres Kassensystems bereits gesorgt. Im Grunde genommen müsste die App bloß noch für deutsche Accounts freigeschaltet und beworben werden.

Fotos: Supermarktblog"

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17 Kommentare
  • Erstaunlich finde ich, dass die Discounter es aber nicht hinbekommen, dass die Apps im Laden nutzbar sind, da häufig kein mobiler Internetempfang da ist, häufig zu erleben bei Penny, aber auch Lidl. Da ggf. aber das Preisschild der Auslöser zur Aktivierung des Coupons sein kann, ist ein funktionierendes Netz unabdingbar… hoffentlich wird auch hier nachgebessert.

  • Eine Seuche. Ich meide aufgrund der Kundenclubs schon die Rewe-Märkte Billa und Merkur wo ich kann. Wenn das bei Lidl überhand nimmt, werde ich auch dort nicht mehr einkaufen. Kompliziert den Einkauf vollkommen unnötigerweise.

  • Payback und Payback-Kopien haben für mich in Discountern nichts verloren. Einer der wenigen verbliebenen Unterschiede zu Supermärkten war der große Vorteil, dort nicht mit Treuepunkten und Bonuskarten belästigt zu werden. Wenn diese Flut an Werbung und Belästigung auch dort einfällt ist das der letzte Sargnagel für den Discount wie man ihn kannte und dann gibt es nur noch Supermärkte.

  • Und wieder ein kleiner Schritt der Discounter weg von ihrer Ursprungsidee. Dieses Loch wird irgendwann so groß, da muss jemand einspringen. „Aldi Original“, oder so.

  • Ich stelle mir das an der Kasse auch furchtbar vor, wenn die Mutti bevor sie ihr Kleingeld aus den hintersten Winkeln Ihres Geldbeutels kramt, vorher auch noch ihr Smartphone entsperrt, die App startet und 7 Barcodes einscannen will. Als wenn die Schlangen noch nicht lang genug wären.

    • Es muss nur einmal gescannt werden, alle aktivierten Coupons werden dann automatisch berücksichtigt.

  • Und dann erst die Diskussionen der Rentner: „Aber am Preisschild stand doch 49cent statt 59cent!“ während sie mit Kassenzettel in der Hand stehenbleiben und alles blockieren. Kann mich den Vorrednern nur anschliessen, als konsequenter Bonuskartenverzichter kann ich nicht verstehen wie für manche Leute die Gier nach ein paar Cent gespart ein gläsernes Konsumverhalten legitimieren kann – während solche Systeme (Deutschlandcard, Payback etc) für einen Nichtbenutzer zumeist ein Ärgernis ist weil man in der Schlange wartet.

  • Kompletter Usability-Horror! Hat sich ein Marketing-Team ausgedacht das mal wieder keinen Cent in UX investieren wollte. Im meinen Augen eher abschrenkend NICHT zu Lidl zu gehen

    • Führen Sie den Horror doch mal ein bisschen aus, falls Sie mögen. Würde mich interessieren.

    • „Abschreckend NICHT zu Lidl zu gehen“ => quasi doppelte Verneinung ! Man wird abgeschreckt (davon), nicht zu Lidl zu gehen => also man sollte eo ipso genau das machen, nämlich hingehen zu Lidl !!!

  • Da ist die Usabilitykompetenz aber gänzlich fix im Wasserklosett herunterge-BWL-ert worden.
    Die Frage des Nutzens dieser überkomplizierten Rabattmethode erschliesst sich mir nicht. Klar, Lidl will die Kundendaten, schon klar.
    Aber dank App sehen sie doch eh was gekauft wurde ohne den Benutzer mit abstruse Rabatten auf Einzelartikel zu derangieren. Ein generelles wochenweises Wechseln „Für Lidl+ Inhaber diese Woche -10% auf Backwaren“, „Nächste Woche -15% auf Frischobst“ ist für den Kunden (und die dahinter an der Kasse wartenden“ doch einfacher. Und man müsste es nicht an jedes Etikett dranheften.

  • @Jan
    Also dann möchte ich mal eine Lanze für Bonuskarten-Nutzer brechen. Das ist im Idealfall eine mündige und informierte Entscheidung, seine Daten für einen bestimmten Preis zu verkaufen. Zum Beispiel Payback: Rewe, real, dm, Aral und Co erfahren von mir, was Amazon und Co gratis kriegen: Was ich bei ihnen kaufe. Und ich kriege dafür 100-200 Euro im Jahr (mit konsequentem Einsatz von Payback Pay jetzt offenbar bis auf weiteres das dreifache). Diesen Handel gehe ich ein. Andere Bonusprogramme mit schlechterem Aufwand-Nutzen-Verhältnis lasse ich links liegen. Und das von Lidl scheint mir erstmal dazuzugehören.

  • Zunächst große Begeisterung bei meiner Frau und mir: Da machen wir mit. Wir erwateten eine Karte wie bei PayBack, die wird von der Kassiererin an die Kasse gehalten und fertig. Zuhause angekommen schau ich auf den PC und schwupp! schon ist der neueste Punktestand auf dem Bildschirm mit dem ich dann etwas verbilligt einkaufen kann. So kompliziert wie das neue LIDL-System ist, kommt es für uns alte Leute ÜBERHAUPT NICHT in Frage. Das fängt schon damit an, dass meine Frau (bald 80) kein Handy besitzt und mein UraltHandy nicht berührt.

  • Sehr geehrte Damen und Herren !
    Ich besitze kein Smartphone und auch keine App. und werde jetzt dadurch
    bei Ihrem neuen Payback – System praktisch benachteiligt.
    Finden Sie das in Ordnung. Wo bleibt da die Gleichbehandlung Ihrer
    Kunden ?
    Bitte um Nachricht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Jacobsen

    • Lieber Herr Jacobsen! Ich empfehle Ihnen die Belegung eines Volkshochschulkurses Internetbenutzung. Beste Grüße!

  • ich nutze die app seit paar wochen, paar cent hab ich schon gespart, bis ich endlich wusste wie das funktioniert. würde nur gern wissen wofür der qr code scanner in der app benutzt werden soll. welchen code soll ich denn lesen? so richtig erklären kann einem die app wohl keiner,versuch es weiter, da ich nun mal zu lidl einkaufen gehe. paar cent gespaart macht nicht reich aber auch nicht ärmer.

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