Drogeriemarkt Budni in Berlin: Café-Experiment schon wieder beendet?

Drogeriemarkt Budni in Berlin: Café-Experiment schon wieder beendet?

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Kaffee, Kuchen und frisch belegte Backwaren aus dem Drogeriemarkt – geht das? Na klar, glaubte Budni zu Start in Berlin. Inzwischen hat sich das ein Stück weit relativiert.

Partner und Sponsoren:

Zu ihrem Start in Berlin eröffnete die Drogeriemarktkette Bundikowsky im Spätsommer des vergangenen Jahres im Bezirk Prenzlauer Berg ihr erstes City-Drogeriemarkt-Café – eine Mischung aus Laden und Innenstadt-Treffpunkt für Kunden, die es bei ihren Einkäufen mal nicht ganz so eilig haben (siehe Supermarktblog).

An einem schicken Café-Tresen gab’s außer Kaffee und Cappuccino auch Kuchen. Wer zum Lunch dableiben wollte, hatte die Auswahl zwischen Sandwiches und Salaten von Natsu sowie sehr lecker belegten Brötchen und Bagels des Berliner Büro-Caterers The Breakfast Company. Zusammen mit dem Angebot aus gekühlten Lebensmitteln, Obst und Gemüse sowie Bio-Backwaren wollte sich Budni als „Nahversorger im Viertel“ etablieren.

Ein halbes Jahr später lässt sich sagen: Das scheinen noch nicht alle Kunden auf Anhieb verstanden zu haben – auch, weil sich Budni in der Kommunikation bislang wenig geschickt angestellt hat.


Vor zwei Wochen mussten die verpackten Mittagssnacks und Smoothies mitsamt den Suppen aus ihrer Kühltheke im Laden nach vorn in die Café-Vitrine umziehen; Kuchen gibt es dort derzeit keinen mehr. Auch die frisch belegten Backwaren haben ihren Platz im Brötchenknast komplett geräumt. Vorgeschnittenes Obst im Becher und Müslis von Greenitsch Fresh Food Deli sind dort gleich mitverschwunden.

Kaffee gibt es weiterhin. Allerdings funktioniert der dunkelgrün gekachelte Tresen nun vorrangig als Standardkasse, die im Normalbetrieb alleine besetzt ist. (Erst wenn mehrere Kunden gleichzeitig bezahlen wollen, wird eine der regulären Kassen zusätzlich geöffnet.)

Anders gesagt: Auf den ersten Blick sieht es sehr so aus, als hätte Budni sein Café-Experiment nach sechs Monaten schon wieder beendet.

Aus Hamburg heißt es dazu, „dass Blechkuchen und Bagels hier [in der Filiale] nicht so sehr nachgefragt wurden“:

„Wir haben daraufhin das Angebot auf süße Franzbrötchen oder Florentiner, sowie auf herzhafte Kleinigkeiten, etwa Spinattaschen, die man aus der Hand essen kann, umgestellt.“

Dass es nicht genügend Kunden für das ursprüngliche Angebot gab, könnte natürlich daran liegen, dass es im näheren Umkreis schon zahlreiche Cafés und Bäcker gibt. Allerdings muss sich Budni dann auch die Frage gefallen lassen, was eigentlich falsch läuft, wenn man es nicht schafft, in einer Kuchen- und Belegte-Bagel-Umgebung Kuchen und belegte Bagel zu verkaufen.

Zu einem nicht ganz unwesentlichen Teil dürfte die geringe Nachfrage selbstverschuldet sein. Denn dass es drinnen im Laden überhaupt ein erweitertes Angebot an Mittagssnacks gibt, lässt sich von draußen auch Monate nach der Eröffnung nur schwer erahnen.

  • Es mag ja schick sein, die großen Schaufenster im Grafitti-Design der Kiez-Umgebung anzupassen. Das sorgt aber zum einen dafür, dass man sehr genau hingucken muss, um überhaupt den Eingang zu finden – und durchgucken kann man auch nicht mehr richtig.
  • Die direkt auf Glas notierten Hinweise, dass es an Ort und Stelle u.a. „Snacks“ und „Backwaren“ gibt, lassen sich allenfalls aus der Ferne entziffern – nicht aber, wenn man direkt vorm Laden steht.

  • Und die belegten Backwaren im Brötchenknast zu verstecken, der vom Café aus nicht einsehbar ist, war wohl auch keine ganz so gute Idee; in der Auslage vorne hätten deutlich mehr Kunden davon Notiz genommen.

Dabei war man eigentlich schon auf dem richtigen Weg: Per Klappschild werden vorbeieilende Passanten seit einiger Zeit mit dem Angebot abgebremst, einen „Meal Deal“ zu ergattern (ganz wie in Großbritannien) – Sandwich oder Salat plus Limonade zum Vorzugspreis. Das Schild hätte sich ganz wunderbar um einen „Kuchen Deal“ oder einen „Bagel Deal“ erweitern lassen, um die Berliner drauf zu stoßen, dass es in ihrer neuen Nachbarschaftsdrogerie mehr gibt als Shampoo, Duschgel und Naturkosmetik.

Stattdessen hat sich Budni mit seiner Initiative, die Kuchenvitrine nicht leerstehen zu lassen, eine neue völlig unnötige Hürde in sein Mittagssnack-Angebot eingebaut: Kunden erschließt sich jedenfalls kaum, warum sie die hinter Glas gerückten, für die Selbstbedienung verpackten Natsu-Salate, Sandwiches und Sushi-Boxen plötzlich am Café-Kassentresen separat erfragen müssen.

Das ist vor allem deshalb kurios, weil es so gar nicht mit der Budni-Selbstwahrnehmung zusammenpasst:

„Da wir – wie in all unseren Filialen – auch hier sehr nah an den Kunden handeln und individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen, passen wir das Sortiment des Cafés aktuell an.“

Heißt wohl: Das Café soll bleiben. Wo sich die Spinattaschen jetzt verstecken, hab ich zwar noch nicht herausgefunden. Aber Heißgetränke würden gut nachgefragt, „weitere süße und salzige Snacks“ sollen folgen und die belegten Bagels sind auch wieder aufgetaucht: in der zweiten Berliner Budni-Filiale am südlichen Ende des Bezirks („Es hat sich gezeigt, dass dort zahlreiche Berufstätige in der Mittagspause dieses Angebot gern annehmen“).

Insgesamt ist Budni „mit der Frequenz in unserem Café schon sehr zufrieden, besonders abends sind häufig alle Sitzplätze besetzt“.

Man werde sich „auf gar keinen Fall von diesem Konzept verabschieden“ und könne sich weiterhin vorstellen, es an anderen Standorten einzubauen, wenn ausreichend Platz dafür ist.

„Es lohnt sich, genau hinzusehen, was die Kunden wünschen und sich darauf einzustellen“,

meint man in Hamburg – und hat völlig recht. Dazu müsste allerdings auch die Anstrengung gehören, den Berliner Kunden ein neues Konzept zu erklären, das die bislang in dieser Form noch gar nicht kannten (und deshalb nur durch Zufall entdecken konnten). Immerhin ergänzt Budni so konsequent die Reihe von Händlern, die der Überzeugung sind, gastronomische Angebote nebenbei mitbetreiben zu können, ohne sich sehr genau zu überlegen, wie sie in die Umgebung passen und an wen sie sich eigentlich richten sollen. (Grüße an Rewe.)

Fotos: Supermarktblog

Mehr Texte über Budni im Supermarktblog.

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