Nach Deliveroo-Rückzug: Lieferküchen-Start-up Keatz pausiert Betrieb in Deutschland

Nach Deliveroo-Rückzug: Lieferküchen-Start-up Keatz pausiert Betrieb in Deutschland

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Der Rückzug von Deliveroo aus dem deutschen Markt zieht erste Konsequenzen nach sich.

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Der Rückzug von Deliveroo aus dem deutschen Markt zieht erste Konsequenzen nach sich. Weil Lieferando als einziger hierzulande verbliebener Lieferanbieter für digitale Essensbestellungen derzeit keine virtuellen Restaurantkonzepte auf seiner Plattform duldet, muss das Berliner Lieferküchen-Start-up Keatz seinen Betrieb in Deutschland aussetzen, wie holyEATS berichtet.

Auf Anfrage bestätigt Keatz-Co-Gründer Dimitrios Ploutarchos:

„Für uns bedeutet das nun, dass wir unsere Küchen in Deutschland bis auf weiteres schließen werden. Wir werden uns nun auf Spanien und die Niederlande konzentrieren und haben weitere europäische Länder für eine Expansion im Visier.“

Das ist auch deshalb ärgerlich, weil Keatz (ehemals: Green Gurus bzw. Guru Collective) ursprünglich mit eigener Lieferlogistik in Deutschland gestartet war, diese aber vor anderthalb Jahren zu Gunsten von Deliveroo und Foodora aufgegeben hatte (siehe holyEATS; hier im Blog ist vor zwei Jahren ein ausführliches Porträt des Unternehmens erschienen).

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Zum Prinzip von Keatz gehört es, virtuelle Restaurantmarken für digitale Bestellplattformen zu entwickeln, um schnell auf neue Food Trends zu reagieren; die Gerichte werden allesamt in zentralen Lieferküchen zubereitet und von dort ausgeliefert. Zu den in Deutschland aktiven Marken gehörten zuletzt „VeganStreets“, „SumoRamen“, „OnoOnoPoké“, „ConvoyBBQ“, „MoodyMonkey“, „GringoBurritos“, „SpoonySoups“ und „GreenGurus“ (mit dem alles anfing).

Keatz war der erste deutsche Anbieter solcher „Ghost Restaurants“ und hatte in den vergangenen Monaten von Investoren immer wieder Millionenbeträge erhalten, um sein Konzept auszuweiten – zuletzt im März. Allerdings hatte sich Mitgründer Paul Gebhardt bereits kritisch zu Expansionsmöglichkeiten im Heimatmarkt geäußert, „da die Deutschen sehr sparsam leben und kaum Essen bestellen würden“, wie „Gründerszene“ schrieb.

Kritisch gegenüber Lieferküchen

In Europa ist Keatz auch in Amsterdam, Barcelona und Madrid aktiv und arbeitet mit mehreren Lieferdienstanbietern zusammen. In Deutschland waren die Restaurantmarken über Deliveroo und Foodora aufgeschaltet; Foodora Deutschland ging nach der Übernahme durch Takeaway.com im Frühjahr in Lieferando auf.

Die Lieferando-Mutter steht virtuellen Restaurants, die von derselben Adresse aus liefern, aus bislang nicht näher spezifizierten Gründen kritisch gegenüber. Im Interview mit „Food Service“ erklärte Joris Wilton, Manager Investor Relations, gerade:

„Wir bleiben bei unserer bisherigen Linie: Wir erlauben keine sogenannten Multi-Line-Küchen, bei denen eine Gastronomie auf unserer Plattform wie mehrere verschiedene Restaurants auftritt – obwohl alles am selben Ort zubereitet wird.“

„In Ordnung“ finde man hingegen, „[w]enn ein Restaurant zum Verzehr vor Ort ein bestimmtes Angebot hat, bei uns aber ausschließlich mit einer anderen, lieferoptimierten Karte gelistet ist“.

Eine ausführliche Analyse zu den Konsequenzen des Rückzugs von Deliveroo in Deutschland ist bei holyEATS erschienen.

Titelfoto: Keatz, Foto im Text: Supermarktblog

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4 Kommentare
  • Interessant, in meiner Heimatstadt gibt es einen Inder, der bei Lieferando unter anderem Namen auch als Pizza sowie als Burgerladen auftritt. Geliefert wird immer vom indischen Lieferant.

    • Lieferando scheint Ausnahmen zuzulassen; ich habe das im letzten Absatz ergänzt. (Nachvollziehbar finde ich diese Regelung aber nicht.)

      In welcher Stadt liefert denn der Pizza-/Burger-Inder?

    • Dass ein Restaurant unter verschiedenen „Shops“ bei Lieferando.de vertreibt, ist doch bekannt. Ein Beispiel ist Pizza Bulls, die auch als Burger Bulls Speisen anbieten. In Berlin rund um Charlottenburg gibt es weitere Beispiele.

  • „Zu den in Deutschland aktiven Marken gehörten zuletzt „VeganStreets“, „SumoRamen“, „OnoOnoPoké“, „ConvoyBBQ“, „MoodyMonkey“, „GringoBurritos“, „SpoonySoups“ und „GreenGurus“ (mit dem alles anfing).“

    Alle noch nie gehört … aber ok, ich lebe natürlich nicht im hippen Berlin, Köln, oder München …. sondern „auf dem Land“ 😉

    Hier fährt man zum Döner-Imbiss, wenn es mal schnell gehen soll. Die Bestellungen bei Pizzadienst haben wir bereits eingestellt – zu oft kam die Pizza mit „lapprigem“ Boden und teils auch nicht mehr heiß zuhause an. Da schmeckt TK-Frischteig-Pizza wesentlich besser ….. und wenn genug Zeit ist, wird sie selber gemacht (Teig und Belag).

    Insofern kann ich verstehen, daß die Deutschen nicht gerade die Essens-Bestell-Weltmeister sind. Hippster in den Metropolen mal ausgenommen … 😉

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