Wer profitiert vom Aus für Schlecker?

Wer profitiert vom Aus für Schlecker?

Partner und Sponsoren:

Ein älterer Herr steht irritiert in einer dm-Filiale in Berlin-Wedding, hält eine Mitarbeiterin an, die gerade Ware in die Regale räumt, und fragt nach seinem Putzmittel. Das Putzmittel ist grün. Der Mann weiß genau, wie es aussieht. Nur nicht, wie es heißt. „Beim Schlecker hab ich immer gewusst, wo’s steht. Aber die haben jetzt zugemacht“, sagt er. Die Verkäuferin pampt genervt zurück: „Was Schlecker im Sortiment hatte, kann ich Ihnen aber nicht sagen.“ Dann führt sie ihn zum meterlangen Putzmittelregal. Selbstbedienung, bitte.

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Am 29. Juni schließen die meisten Schlecker-Filialen, die noch übrig geblieben sind. Oder vorher, wenn sie schon leer sind. In der vergangenen Woche gab es „30 % auf alles, Einzelartikel bis 50 % reduziert“. Für die letzten roten Schilder im Schaufenster haben die Mitarbeiter in den Filialen, die noch nicht umgebaut wurden, die Aufkleber mit dem neuen Logo und „For You. Vor Ort“ rausreißen müssen. Drinnen demonstrieren die Läden mit den leer gekauften Regalen noch einmal ihre ganze Traurigkeit.

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Die Reaktionen auf die angekündigte Schließung könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Die Markenartikelhersteller gruseln sich vor den nächsten Monaten, weil manche Schlecker-Filialen von den Kunden fast gestürmt wurden, als die Rabattaktion losging. Die Unternehmen befürchten, dass sich manche Kunden soviel auf Vorrat gekauft haben, dass die Umsätze mit Drogerieartikeln demnächst ziemlich in den Keller gehen. Das könnte wiederum andere Drogerien oder Discounter dazu veranlassen, die Preise ebenfalls zu senken, spekuliert die „Lebensmittelzeitung“:


„Damit könnte eine Preisspirale losgetreten werden, die Handel und Industrie gleichermaßen zu schaffen macht.“

Anfang der Woche hat Schlecker die Rabatte auf bis zu 70 Prozent erhöht. dpa zitiert den Insolvenzverwalter: „Es gibt einen Run, die Leute stehen Schlange.“ Ausgerechnet mit seiner Pleite wischt Schlecker der Konkurrenz zum Schluss noch mal eins aus.

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In der Schlecker-Filiale in Brandenburg an der Havel, Wilhelmsburger Straße, gibt es definitiv kein Toilettenpapier mehr.

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„Sparen Sie sich den Weg zum Drogeriemarkt! Wir führen 13.000 Artikel für Körperpflege und Hygiene“, wirbt Real diese Woche auf der Titelseite der als Programmzeitschrift verkleideten Werbepostille „Einkauf aktuell“ (die das an dieser Stelle ursprünglich verlinkte pdf inzwischen gelöscht hat). Rewe arbeitet schon seit längerer Zeit daran, sein Drogerie-Sortiment zu vergrößern und zu verbilligen. Edeka hübscht die Drogerie-Abteilungen in seinen Märkten auf. Penny bringt im Herbst seine neue Drogerie-Eigenmarke „Today“ in die Regale. Für Supermärkte und Discounter ist die Schlecker-Pleite die perfekte Gelegenheit, um die früheren Kunden zu sich in die Läden zu locken. Den Schlecker-Konkurrenten dm, Rossmann und Müller wollen sie die Käufer jedenfalls nicht kampflos überlassen.

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Wer sein altes Waschmittel beim Laden um die Ecke nicht findet, kauft ein anderes. Und wenn man sich schon umgewöhnen muss, darf das Neue ruhig ein bisschen günstiger sein als das alte. Vielleicht reicht ja auch eine Eigenmarke. Für die Hersteller der klassischen Marken ist das Ende von Schlecker also nicht nur bedauernswert – sondern der kritische Punkt, an dem viele treue Käufer plötzlich geradezu herausgefordert werden, sich ihre Marke abzugewöhnen.

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Der Schlecker-Twitter-Account hat derzeit 336 Follower.

Foto: Supermarktblog

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