Zum Kleben gezwungen: Aldi verschenkt jetzt auch Sammelbilder

Zum Kleben gezwungen: Aldi verschenkt jetzt auch Sammelbilder

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Haben Sie den einsamen Flamingo schon doppelt (Nummer 32)? Die verdutzt guckende Affenbande (Nummer 91)? Fehlt Ihnen gar der neuseeländische Zungenraustreck-Māori mit dem Goldrand (Nummer 80)? Dann sammeln Sie vermutlich „Die Welt in Farbe“. (Oder haben, falls nicht, einfach eine rege Fantasie.)

Wegschauen, Kinder! Dem Zebra hat jemand die Hufe abgeschnitten! Sammelaktion "Die Welt in Farbe" bei Aldi Süd

Seit zwei Wochen werden Discount-Kunden beim Einkaufen mit Tütchen belohnt, in denen jeweils fünf Sammelbilder stecken, herausgegeben vom Klebeimperium Panini und seriositätsbesiegelt durch den Herkunftsaufdruck „National Geographic Kids“. Und obwohl zahlreiche leidgeprüfte Eltern bestätigen dürften, dass solche Aktionen im deutschen Handel längst nichts Besonderes mehr sind, ist diese eine Ausnahme: Weil „Die Welt in Farbe“ bei Aldi Süd passiert, dem (bislang) letzten Bollwerk der Treueaktionverweigerung.

Jeweils für 10 Euro Einkaufswert gibt’s an der Kasse ein neues Päckchen Kleb-Stoff. Wer das dazugehörige Album vollstickern mag, kann sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, jetzt im Laden die Vorräte fürs nächste Osterfest zu erwerben. (Oder für 39 Cent einfach Tütchen dazuzukaufen, aber das dürfte auf Dauer eher zur Mangelernährung führen.)


Am Ende der sechswöchigen Aktion lädt der Discounter sogar zum Doppler-Tausch in seine Filialen.

Und wenn Sie bitte kurz nachschauen würden, ob zwischendurch die Pforten zur Hölle zugefroren sind, könnten wir kurz klären, warum das eine kleine Sensation ist.

Weil Aldi keine Sammelbildaktionen macht. Basta.

Zumindest war das bisher die Politik des Unternehmens. Andererseits hätte sich vor ein paar Jahren vermutlich auch niemand vorstellen können, dass Aldi eigene Veggie-Produkte ins Regal stellt, eine Luxus-Eigenmarke entwickelt, große Markenprodukte ins Sortiment aufnimmt und seine Läden erkennbar renovieren würde. Der Aldi-Süden war dem Norden zwar schon immer ein paar Modernisierungsschritte voraus, die erste Sammelbildaktion ist nun aber ein Bruch mit einer alten Regel, von der im Konzern vermutlich niemand gedacht hätte, dass sie mal gebrochen würde. Die Regel lautet: Aldi macht, was Aldi für richtig hält – und nicht, was die Konkurrenz für richtig hält.

Nun hält es die Konkurrenz aber schon seit geraumer Zeit für richtig, einen bunten Zirkus diverser Treueaktionen zu veranstalten, die nicht nur aufwändig beworben werden, sondern offensichtlich auch zu funktionieren scheinen; Rewe und Edeka haben den Anfang gemacht – und als Lidl aufsprang, war das schon ein Signal.

Dass Aldi jetzt nachzieht, ist tatsächlich außergewöhnlich. Weil der Marktführer bislang daran gewöhnt war, den Ton angeben zu können und sich nicht bewegen zu müssen.

Im Ausland ist diese Regel schon länger obsolet. Um sich dort im Wettbewerb zu positionieren und den Konkurrenten Marktanteile abzujagen, befindet sich Aldi in einem ständigen Anpassungsprozess; zum Beispiel in Großbritannien, wo neue Ladenkonzepte in der City ausprobiert werden (siehe Supermarktblog) und an neuen Produktkategorien gearbeitet wird, die nicht mehr zur klassischen Harddiscount-Philopsophie passen, bei der alles auf größtmögliche Einfachheit konzentriert war. Mit Bio-Gemüse will Aldi UK neue Kundengruppen von sich überzeugen; das britische Fachblatt „Grocer“ berichtete außerdem, der Discounter habe sich den neuen (Eigenmarken-)Namen „Acti leaf“ für Milchersatzprodukte schützen lassen, der sehr nach dem Vorbild des Herstellers Alpro aussieht.

Aldi wird vielfältiger. Auch in Deutschland wird in den kommenden Jahren wichtig sein, wie flexibel Aldi sein bisheriges Konzept den wachsenden Ansprüchen der Kunden anpassen kann. Die neue Flexibilität muss erst noch gelernt werden.

Was den Preis und die Umsätze im Discount-Markt angeht, mag Aldi immer noch den Ton angeben. Doch in vielen anderen Kategorien hat die Konkurrenz teilweise schon Jahre Vorsprung.

Foto: Supermarktblog

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20 Kommentare
  • Wobei Aldi auch schon in ganz zentralen Bereichen der Nachzügler war, insbesondere bei der Einführung der Frischesortimente und der Kassentechnik.

  • Aldi Süd scheint sich ja tatsächlich von seinem minimalistischen Einkaufserlebnis-Konzept verabschieden zu wollen. Fragt sich nur warum, wo das doch gerade ein Alleinstellungsmerkmal war.

    Bei meinem letzten Einkauf wurde ich auch schon mit den Sammelbildchen belästigt, viel beunruhigender war allerdings, was ich davor erlebt habe:
    Da stand ich am Ende meines Einkaufs kurz vor der Kasse, nur noch das Gemüse fehlte in meinem Einkaufswagen und was sehe ich da, die Gemüseabteilung war weg, verschwunden! Stattdessen eine lieblose Lebkuchenanhäufung und eine etwas verloren wirkende Mini-Fischtiefkühltruhe… Die Gemüseabteilung habe ich schließlich ganz hinten in der Ecke, am Ende des Süßigkeitenregals, das ich bei meiner Enkaufsrunde immer auslasse, wieder gefunden.

    Verabschiedet sich Aldi jetzt etwa von seinem einheitlichen Filialaufbau?
    Das war doch gerade eines der Discounter-Alleinstellungsmerkmale. Ich hoffe, das ist kein neuer Trend, als viel Reisender bevorzuge ich den Discounter gerade weil man alles schnell findet, egal wo man ist.

    • Eine vor knapp 3 Wochen neueröffnete Aldi-Süd-Filiale hat Tiefkühl da, wo normalerweise Obst&Gemüse ist, das dafür nöher zum Eingang gekommen ist, wo Foodaktion hingehört. Mindestens eine andere recht neue ist ähnlich aufgebaut, aber beide haben keinen rechteckigen Standardgrundriss. Bei einer Bestandsfiliale, die Gänge primär quer zu den Kassen hat, ist Obst&Gemüse in die zweite Reihe hinter Aktionsfood gekommen (zuvor nebeneinander). Sonst kenn ich keine in jüngerer Zeit umgeräumte Filialen. Teilweise hat Obst&Gemüse Gondelköpfe für Aktionsgemüse bekommen, wie es sie generell in neueren Filialen gibt.

      Bei den innerstädtischen Filialen gibts sowieso erhebliche Variationen im Aufbau je nach Örtlichkeit. Selbst bei freistehenden ist das Grundstück oft zu klein für Standardmaße, und Aldi Süd baut auch oft Tiefgaragen oder aufgesattelte Parkhäuser, die zusätzliche Zwänge erzeugen.

    • Obst & Gemüse plakativ in Eingangsnähe hätte ich ja verstanden, aber es ist wirklich im hintersten Eck versteckt. Die kleinen Innenstadtfilialen kenne ich auch, „meine“ Filiale liegt aber im Industriegebiet einer Kleinstadt und bis vor kurzem war ja auch noch alles standardmäßig einsortiert, am Grundriss kann es hier also nicht liegen.

  • Für die Einführung dieses Irrsinns sollte man den Verantwortlichen bei Aldi Süd „eine kleben“. Wenigstens dort war man vom Sammelterror verschont. Aldi Nord wird in Kürze nachziehen vermute ich, denn seit 2012 kopiert der Norden den Süden ja immer öfter und auffälliger. Die Sonderangebote gleichen sich inzwischen oft und auch den Ladenbau (vor allem die dominierende Farbe Grau) hat sich Aldi Nord offensichtlich in Teilen abgeschaut.

  • Die meisten Aldi Süd Filialen in meiner Stadt haben auch blitzartig erst neulich die Gemüseabteilung in die hinterste Ecke verlegt, wo sonst Geschirrreiniger etc waren. Ich tu mir noch immer schwer, das Gemüse wiederzufinden.

  • Hier im Frankfurter Raum ist in den von mir besuchten Filialen noch alles gleich – sprich, der Aufbau wurde nicht verändert. Die Klebebildchen von Panini haben mich auch sehr überrascht. Sowas bin ich von ALDI nicht gewohnt und irgendwie wirkt die bunte Sammelbox an der sterilen Kasse ungewohnt deplaziert.

    Für mich persönlich ist das aber kein Grund, mich aufzuregen. Ich kann derlei Kundenbindungsprogramme sehr gut ignorieren. Und da ich Single bin, redet mir auch keiner bei der Entscheidung rein, vielleicht doch Klebebildchen mitzunehmen…

  • Aldi Süd verkauft jetzt hier auch Parkplätze (für 4 €/h). Kunden kriegen 1 Stunde gratis. Ist eine normale (ziemlich alte) Filiale in einem Gewerbegebiet und nicht besonders zentral gelegen. Ist noch nicht in Betrieb, aber die Technik (wie in Parkhäusern) ist installiert und die Preisschilder stehn auch schon.

    • Falls Sie da mal vorbeikommen: Könnten Sie ein Foto davon machen? Und das sind doch nicht wirklich 4 Euro pro Stunde, oder?

    • Na da wird es vielleicht viele Berufstätige geben, die da kostenlos parken würden …. das BMW IT-Zentrum sieht man da z.B.

      In Tübingen-Derendingen (in der Nähe einer Schule) ist auch eine Aldi Süd Filiale – da muß man eine Parkscheibe benutzen und die Stadt Tübingen kontrolliert und verteilt Knöllchen. Meiner Info gehört der Stadt dieser Aldi-Parkplatz oder die Stadt hat ihn irgendwie gepachtet…

    • Am Samstag komm ich wahrscheinlich vorbei, aber an die Kamera muss ich dann auch noch denken. Der Preis war wohl schon richtig; vermutlich soll das primär abschreckende Wirkung haben (oder Kurzzeitnutzer zum anschließenden Einkauf motivieren). Die Filiale läuft sehr gut und braucht viele Parkplätze selber, auch wenn aus den Wohngebieten gegenüber viele zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen. Der Preis ist für München an sich nicht ungewöhnlich, aber in der Lage ist es viel.

      Vorallem Lidl verlangt oft Parkscheibe und schleppt wohl auch ziemlich radikal ab. Was ohne härtere Maßnahmen in Gebieten mit hohem Parkdruck passiert, hat man früher bei Plus gesehn; da war oft der Parkplatz voll und der Laden leer.

    • Bilder sind hier. Leider war es schon dämmrig, deshalb miese Qualität und verwackelt. Fragen Sie eigentlich immer, bevor Sie im Laden fotografieren? Hab den Kassenautomaten lieber unauffällig fotografiert; deshalb hat der auch mäßige Qualität.

      Bei genauer Betrachtung preisen sie die Benutzung für Nichtkunden nicht gerade an; um an den Kassenautmaten zu kommen, muss man eh durch die Kasse. Blöd könnte es für Benutzer der Packstation sein, die es da auch gibt. Die Schranken waren aber auch heute noch dauernd offen (könnte auch sein, dass das nur zu Bürozeiten genutzt wird). Der Lidl mit dm 200 Meter weiter hat übrigens ein identisches Schild wie hier (gibts auch bei anderen).

      Der Laden hat außerdem neue Tief- und Fleischkühltruhen gekriegt. Wirken etwas tiefer als die alten. Obst&Gemüse ist teilweise auch neu, aber am alten Platz direkt vor der Kasse. Wirkt auch etwas tiefer. Jedenfalls fehlen die hängenden Preisschilder; die sind jetzt überall unter der Ware. An den Gondelköpfen steht da nachwievor Massenware (und nicht die Angebote wie in vielen neueren Läden). Die hat die Preisauszeichnung jetzt ganz am Boden (und so klein, dass man ohne Bücken nur den Preis lesen kann) an Gebilden, die wohl hauptsächlich als Rammschutz oder Einparkhilfe für die Paletten dienen. Die Filiale ist schon ungefähr 30 Jahre alt, eher mehr.

  • Mit Panini-Sammelbildchen bin ich groß geworden, aber so gewöhnliche Tierbilder hätten mich schon als kleiner Bengel eher kalt gelassen.
    Aber zu Aldi: Der Kette haftet hierzulande ja noch immer das Image des Billigdiscounters für die Unterschichtklientel an. In den USA, wo meine Mutter seit Jahren lebt, ist Aldi hingegen eine ganz gewöhnliche Supermarktkette unter vielen, muss dort u.a. mit Giants und Wal-Mart konkurrieren und darf sich kein Schmuddel-Image erlauben. Meine Mutter ist jedes mal entsetzt, wenn ich ihr erzähle, was sich bei uns in den Aldis typischerweise für Gestalten rumtreiben und mit was für Dumping-Angeboten die Kunden zu ködern versuchen. Ich gehe fast nie in einen Laden dieser Kette einkaufen, finde die Filialen alle irgendwie schäbig. Es wäre wünschenswert, dass sich Aldi auch in Deutschland zukünftig endlich mal ganz anders präsentiert und durch Qualität und Vielfalt im Angebot überzeugt, anstatt nur mit Quantität von relativ wenigen Produkten zu locken. So ein paar Tiersticker wie in den 70ern und 80ern reichen da noch lange nicht aus, um einen Trend zum Besseren zu erkennen.
    Torben

  • … und wenn ein Händler für SEINE KÄUFLICH ERWORBENE FLÄCHE eine Schranke aufstellt, ist dies sein Recht. Diese Gewerbefläche ist nicht nach DDR -Mentalität Volkseigentum. Schließlich ZAHLT MAN ALS KUNDE KEINEN CENT. Denn welcher Kunde benötigt mehr als 40 Minuten für einen Einkauf bei Aldi, Lidl & Co`? Nur ein Falschparker kann dies darüber aufregen.

    • Sie kennen die Umgangsregeln in diesem Blog vielleicht noch nicht, deshalb erläutere ich Sie gerne: Wir pflegen uns hier in den Kommentaren nicht in Großschrift anzuschreien. Jeder darf seine Meinung sagen. Auch wenn ich der Ihren konkret widersprechen würde: Wenn Discounter Flächen erwerben, um darauf Parkplätze zu bauen (für Mitleser: wir beziehen uns auch auf diesen Beitrag), lassen sich diese freilich nicht mehr für wichtigere Zwecke nutzen, z.B. eine in vielen großen Städten dringenden benötigte Wohnbebauung. Aldi, Lidl & Co. schaffen Platz für Autos, der Menschen nicht mehr zur Verfügung steht, und sonntags steht die Fläche dann überhaupt niemandem mehr zur Verfügung, weil sich dann kein Geschäft machen lässt (außervielleicht den Skatern, die sich erfreulicherweise nicht wegschranken lassen). Ich glaube, das wird uns – wie viele andere Bausünden vergangener Jahrzehnte – irgendwann noch schön um die Ohren fliegen. Tatsächlich rege ich mich ein bisschen darüber auf, würde mich aber als Nicht-Autobesitzer nicht als Falschparker bezeichnen.

      Ihren zweiten Kommentar, der ausschließlich in Großschrift gebrüllt hat, habe ich gelöscht.

    • Wobei die Schranken immerhin ein Beitrag dazu sind, das Autofahren insgesamt unattraktiver zu machen, auch wenn der Zweck ist, das Einkaufen dort mit Auto durch garantierte Parkplatzverfügbarkeit attraktiver zu machen. Für Radfahrer (insbesondere mit Anhänger) kann der Zugang allerdings auch erschwert werden.

  • Ich finde es nicht gut, dass Aldi nachgezogen ist mit den Sammelbildchen. Obwohl ich selbst 2 Kindergartenkinder habe, die jetzt auch mit sammeln. Ich kaufe schon mein Leben lang jede Woche bei Aldi ein und schätze die verlässliche Qualität (auch der wöchentlichen Angebote). Ich mag nicht jede Woche schauen müssen, was gerade wo im Prospekt im Angebot ist. Die Preise bleiben einfach konstant. Den ganzen Werbefirlefanz braucht kein Mensch. Ich will an der Kasse schnell bedient werden, gute Qualität, einen aufgeräumten Markt, verlässliche Preise ohne vergleichen zu müssen. Insbesondere bei Real kommt man sich als Kunde um es deutlich auszudrücken verarscht vor. Da wird mit allen Mitteln getrickst, dass man die teuersten Produkte kauft bzw. solche, die morgen nicht mehr haltbar sind. Die Wochenangebote der anderen Discounter sind qualitativ auch weit von Aldi entfernt. Persönlich mag ich Rewe noch ganz gerne – hier bin ich auch wöchentlich Kunde für Markensachen, die ich bei Aldi nicht bekomme.

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