Dieser Text ist (mit Absicht) ziemlich Banane

Dieser Text ist (mit Absicht) ziemlich Banane

Inhalt:

Die Supermärkte haben gemerkt, dass sie Bio-Bananen gar nicht unbedingt in Plastik einschweißen müssen, um sie an der Kasse zu identifizieren. Im Discount hat sich diese Erkenntnis bislang noch nicht durchgesetzt.

Partner und Sponsoren:

Wenn Sie die „Simpsons“ nicht mögen, eine Abneigung gegen Käse haben und die Straßenseite wechseln, sobald Ihnen der Briefträger mit seinem Wägelchen entgegenruckelt, müssen wir uns heute mal vorzeitig voneinander verabschieden. (Tschüß!) Denn dann ist dieser Text ganz bestimmt nichts für Sie. Es geht darin nämlich um: Bananen. Die von Rewe zum Beispiel. Fällt Ihnen auf, was an dem folgenden Bild ungewöhnlich ist?

Bio-Bananen bei Rewe

Ganz genau: Die Bananen sind nicht (mehr) in Plastik verpackt! Dabei war das in vielen Supermärkten bis vor kurzem noch Standard, vor allem bei Bio-Ware. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe.

1. In der EG-Ökoverordnung (bzw. den dazu gehörenden Durchführungs-Verordnungen) steht die Vorschrift, dass Unternehmen bei Herstellung, Transport und Lagerung Vorkehrungen treffen müssen, „um jedes mögliche Vermischen oder Vertauschen mit nichtökologischen/nichtbiologischen Erzeugnissen zu unterbinden“ und deren Identifizierung eindeutig zu gewährleisten. Die Regelung soll verhindern, dass wir – absichtlich oder aus Versehen – beschummelt werden. Deshalb lassen viele Läden, in denen es außer konventionellem Obst und Gemüse auch nach Bio gibt, die Bio-Artikel in Plastik verpacken.


Was natürlich völliger Unsinn ist, wenn Kunden ein nachhaltig erzeugtes Produkt kaufen möchten, um zur Schonung des Planeten beizutragen, auf dem sie es zu verspeisen gedenken – und dabei gleichzeitig den Berg an unnötigem Plastikmüll vergrößern.

Schließlich sind Bananen von Natur aus schon ganz clever verpackt! Die Verpackung ist nicht nur leicht zu öffnen, sie zeigt sogar noch den Reifegrad an. Das soll ihr erstmal ein Verpackungsdesigner nachmachen. Trotzdem haben die Supermärkte lange nicht auf Plastik verzichtet:

2. Damit sie selbst nicht beschummelt werden. Weil an der Kasse die Gefahr bestünde, dass irrtümlicherweise der niedrigere Preis für die ebenfalls unverpackte konventionelle Ware berechnet wird.

Inzwischen scheint sich die Einsicht durchgesetzt zu haben, das auch auf anderem Weg erreichen zu können. Rewe erklärt auf Supermarktblog-Anfrage, man sei „der Auffassung, dass Plastikverpackungen zukünftig weiter reduziert werden müssen“:

„Daher beschäftigen wir uns seit geraumer Zeit mit dem Thema und erproben Alternativen, wie sich diese über die gesamte Prozesskette hinweg und im Alltag eines Supermarktes bewähren. Dazu gehören Netze (z.B. bei Äpfel, Zitronen). Oder auch Aufkleber, die sich bei Bananen aktuell als Lösung durchsetzt.“

Aufkleber, natürlich! Hätte man auch früher drauf kommen können. So wie Kaiser’s Tengelmann, wo Bananen schon länger einfach mit gut sichtbaren Aufklebern versehen werden, um Verwechselungen trotz fehlender Umverpackung auszuschließen. So:

Bio-Bananen bei Kaiser's

Dieselbe Erkenntnis hat auch Marktführer Edeka erreicht. Dort heißt es:

„Bei unseren Bananen der Marke Edeka Bio setzen wir keine Umverpackungen ein. Auch bei anderen ökologisch erzeugten Obst- und Gemüseprodukten, die als lose Ware angeboten werden können, verzichten wir zunehmend auf den Einsatz von Verpackungen, diese Produkte werden stattdessen einzeln mit Etiketten versehen. So ist eine klare Zuordnung an der Kasse weiterhin möglich.“

Bio-Bananen haben rote Labels, konventionelle schwarze (Foto):

Konventionelle Bananen bei Edeka

Nicht alle Artikel seien aber dafür geeignet, zum Beispiel Trauben oder Beeren: „Hier dient die Verpackung dem Schutz der Ware.“ Auch bei Edeka waren die besser geeigneten Bio-Bananen aber lange Zeit plastikeingefilmt. Und bis zur Discount-Tochter Netto (ohne Hund) hat sich der Sinneswandel noch nicht herumgesprochen, dort landen Bio-Bananen weiterhin im Plastiksäckchen. Das könnte sich aber bald ändern, erklärt eine Sprecherin:

„Aktuell prüfen wir verschiedene nachhaltigere Verpackungslösungen sowie Materialien, um somit unseren ökologischen Anspruch an die BioBio-Range weiter auszubauen.“

Bio-Bananen bei Netto (ohne Hund)

Welche Lösungen oder Materialien das wären, mag Netto (ohne Hund) derzeit nicht verraten. Kein Problem, für praktische Hilfestellungen gibt’s ja dieses Blog – und Lebensmittelläden im Ausland, die mit dem Nachdenken schon ein bisschen früher angefangen haben. In den Niederlanden hat sich Albert Heijn dafür entschieden, Bananen einfach mit einem Klebeband zu umwickeln. Spart viel Plastik und macht Fairtrade bzw. Bio trotzdem unverwechselbar

Fairtrade-Bananen bei Albert Heijn

Es gibt aber einen noch besseren Weg, um Kennzeichnungsprobleme zu vermeiden: indem Supermärkte komplett auf Billig-Bananen verzichten. (Warum das ein sinnvoller Schritt ist, wissen Sie spätestens, wenn Sie die ARD-Doku „Billig, billiger, Banane“ gesehen haben.) In Großbritannien wirbt Sainsbury’s damit, seit 2007 ausschließlich Fairtrade-Bananen zu verkaufen: 650 Millionen im Jahr, jede Minute 1200 Stück. 2012 ist der Wettbewerber The Co-Operative nachgezogen (Foto).

Fairtrade-Bananen bei The Co-Op in Großbritannien

Die niederländische Supermarktkette Plus bietet seit 2010 ausschließlich Fairtrade-Bananen an. (Die sind zwar nicht automatisch Bio, aber es ist ein erster Schritt, um Produktionsbedingungen zu verbessern.)

„Seit der Umstellung ist der Umsatz mit Bananen um 10 Prozent gestiegen“,

berichtete der Mitarbeiter der Fairtrade-Stiftung, mit der Plus in den Niederlanden kooperiert, der ARD.

Von Fairtrade als Standard sind wir in Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt. Obwohl die großen Supermärkte zumindest daran zu arbeiten scheinen, Bedingungen für konventionelle Ware zu verbessern (Edeka kooperiert mit dem WWF, Rewe hat sein Label „Pro Planet“ und hier schon mal Position bezogen). Längst nehmen selbst die Discounter Bio-Ware ins Regal. Eingeschweißt, versteht sich. Und zwar, wie bei Aldi Süd, genau wie die konventionellen Bananen. So kann man nochmal draufschreiben, um welches seltsame Obst es sich hier handelt:

Bananen von Aldi Süd

„Wir setzen uns, wann immer es möglich ist, für Abfallvermeidung ein, und versuchen stets, auf unnötige Umverpackungen zu verzichten“, bemüht sich Aldi Süd auf Nachfrage zu erklären. Besonders bei Obst- und Gemüse habe man seit 2010 „durch den Einsatz von speziellen Transportkisten einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Transportkartonagen leisten“ können. Tja. Aus „hygienischen und transporttechnischen Gründen“ seien Verpackungen manchmal „unvermeidlich“. Eigentlich ist der Grund für Aldi, Obst und Gemüse weiter in Plastik zu hüllen, viel einfacher:

„[Wir haben] in unseren Filialen keine Waagen. Es ist somit nicht möglich, lose Waren anzubieten, deren Preis über das Gewicht ermittelt wird.“

Nach der Anschaffung der hässlichen Riesenbrotbackschränke war vermutlich kein Budget mehr übrig, das für sinnvolle Verbesserungen hätte eingesetzt werden können.

Dass sich die großen Supermärkte zumindest langsam darauf besinnen, unnütze Umverpackungen wegzulassen, ist immerhin ein Anfang. Auch wenn manche gleich wieder zur Selbstsabotage tendieren. Rewe hat es zwar geschafft, seine Bio-Bananen plastikfrei zu kriegen – aber das ist wenig konsequent, wenn dafür die konventionellen der Billig-Eigenmarke „Erlenhof“ im Regal daneben in Plastik eingeschweißt sind.

Erlenhof-Bananen bei Rewe

Dafür kämpft Rewe schon an anderer Stelle, der Gurkenfront:

„Erste Tests haben dort gezeigt, dass in diesem Fall eine Folie keinen zusätzlichen Nutzen hinsichtlich Haltbarkeit und Frische bringt. Sollten sich diese Tests bestätigen, werden wir zukünftig auf den Einsatz von Folie bei Gurken verzichten.“

Aber das passt farblich nun wirklich überhaupt nicht zu diesem Blogeintrag.

Mehr zum Thema im Supermarktblog: verpackungsfrei einkaufen.

Fotos: Supermarktblog

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31 Kommentare
  • Also ich kaufe Gurken wo immer möglich ausschließlich in Folie eingeschweißt. Meine ganz persönlichen Tests über die letzten Jahrzehnte haben nämlich bei solchen Gurken eine deutlich höhere Haltbarkeit ergeben.

    Bei Bananen wäre es mir ehrlich gesagt relativ egal. Ich persönlich kaufe Bananen aber auch nicht nach Bio oder sonstiger Eingruppierung. Ich kaufe sie nach Reifegrad und Unversehrtheit. Dabei ist es mir absolut schnurzegal, ob dabei Bio, Fair oder was anderes bei herauskommt – und das ausnahmsweise obwohl ich etwas gegen Bio und noch viel mehr gegen Fairtrade habe.

    Und da ich selbst entscheide, was ich kaufen möchte, wäre mich der Supermarkt, der ausschließlich Faitrade Ware anbietet, mich als Kunden los.

    • Nur aus Neugierde: Was genau gefällt Ihnen nicht daran, wenn Erzeuger von Lebensmitteln von der Arbeit leben können, die sie erledigem, damit Sie nachher was auf dem Teller haben?

    • Das Problem ist, dass das auf Kosten der lokalen Mitbewerber um ihre Arbeitskraft geht. Direkte Eingriffe von außen könnhen allenfalls in Form einer kompletten Rekolonialisierung erfolgreich sein. Ansonsten hilft nur Bildung, um die Abhängigkeit von solchen Jobs zu reduzieren, und sonstige Verknappung von Arbeitskräften, wo Bildung längerfristig auch das beste Mittel ist. Dann kommt der nötige Druck ziemlich automatisch von innen. Fairtrade kann dabei als flankierende Maßnahme sinnvoll sein, aber isoliert ist es sinnlos. Aktive Förderung von Globalisierung bleibt es in jedem Fall.

      Eingeschweißte Gurken pack ich eigentlich immer aus, damit sie mir nicht drunter faulen. Leichter Feuchtigkeitsverlust schadet dagegen primär nur der Optik. Ist halt für Vollsortimentern ein Problem, wo sowas oft lang rumliegt. Discounter haben sie hier meistens unverpackt, außer Lidl, wo es vom Umsatz her eigentlich völlig unnötig wär.

    • Das heißt, Sie glauben, wir seien quasi gezwungen, Bauern in anderen Ländern ihre Produkte zu Niedrigstpreisen abzunehmen, weil sonst alle arbeitslos werden, wenn ein Betrieb anfängt, Löhne zu zahlen, die eine Existenz sichern können? Ist das Ihr Ernst?

    • @Leser: Ich wäre in der Tat an Ihren Argumenten interessiert. Hätten Sie Lust, noch zu antworten? (Oder war der Kommentar lediglich als Provokation gemeint?)

    • @Peer Schader:
      Jedem steht frei, das zu kaufen, was er möchte, natürlich auch Fairtrade-Produkte. Ich halte davon aber eben nichts. Wirtschaft funktioniert durch Angebot und Nachfrage. Fairtrade dagegen meint besser zu wissen, was der „richtige“ Preis für ein Gut ist. Faitrade lehnt auch den Zusammenschluss von Produzenten in größere Genossenschaften ab. Fairtrade möchte sich quasi ein idealisiertes Bild des hart arbeitenden Bauers erhalten.

      So funktioniert es aber nicht. In der Effizienzsteigerung liegt letztlich der Schlüssel zu höheren Wohlstand. Da können Mikrokredite beispielsweise durchaus eine wichtige Rolle spielen, aber nicht künstlich hochgehaltene Preise. Schließlich produziert der Bauer im Fairtrade-Programm ja keinen Mehrwert. Er erhält einfach so einen höheren Preis.

      Weitere Argumente kann man auch hier nachlesen:
      http://www.soas.ac.uk/news/newsitem93228.html

    • Ich glaube, Sie machen es sich da ein bisschen einfach, umgekehrt könnte man nämlich auch sagen, Nicht-Faitrade-Preise seien künstlich kleingehaltene Preise, diktiert von den Stärkeren in der Prozesskette: den Handelsketten, die zu diesen Preisen abnehmen. (Wie die Mechanismen funktionieren, hat Oxfam am Beispiel von Mangos vor einiger Zeit mal erforschen lassen.)
      Und um das endgültig zu verstehen: Wenn Ihr Chef auf Sie zukäme und sagen würde: Sie wissen ja, wir haben die ganze Zeit ein bisschen schlecht gezahlt, aber Sie machen gute Arbeit und sollen von Ihrem Job ordentlich leben können, also biete ich Ihnen eine Gehaltserhöhung – dann sagen Sie: Nee, danke, ich leiste ja keinen Mehrwert?
      Oder, nochmal anders: Wenn Ihnen am Mehrwert soviel liegt, müssten Sie großer Befürworter von Bio sein, das ja – im konkreten Bananen-Fall – den Mehrwert hat, dass keine Giftstoffe zur Insektenbekämpfung eingesetzt werden, die Gesundheit der Arbeiter wird nicht belastet, die Böden werden nicht mit giftigen Folien verseucht, die Früchte im Supermarkt sind unbehandelt, was gut für alle ist, die sie in die Hand nehmen. Oder meinen Sie nur den eigenen Mehrwert: also, dass zuallererst Sie als Verbraucher ein paar Cent mehr in der Tasche haben?

    • @Peer Schader:

      Es wird sie nicht verwundern, dass ich auch nichts von Bio halte. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass Bio irgend einen messbaren Vorteil für den Verbraucher hätte, wenn man mal die metaphysische Ebene (ein besseres Gefühl) außer acht lässt.

      Der Verzicht auf Pestizide führt zu geringerer Produktivität und Ernteeinbußen, was nicht immer durch den höheren Preis für Bioprodukte kompensiert werden kann. Richtig ist jedoch, und da stimme ich ihnen zu, dass die Gesundheit der einfachen Arbeiter oft vom Verzicht auf Pestizide profitiert. Das hängt aber stark vom Arbeitgeber ab und ob er den Schutz seiner Arbeiter ernst nimmt oder nicht. Dieser Aspekt bleibt beim Marketing für Bioprodukte meist vollkommen außen vor.

      Die Preise für konventionelle wie auch Bioprodukte sind nicht künstlich kleingehalten. Gerade für extrem marktgängige Produkte wie Südfrüchte gibt es einen riesigen Weltmarkt. Dort werden die Preise allein durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Entsprechend hohe Volatilität der Preise ist die Folge.

      Sie geben ein Beispiel aus unserer Arbeitswelt. Mein Chef wird mir nur dann eine Gehaltserhöhung anbieten, wenn er der Meinung ist, meine Leistung würde dies rechtfertigen. Altruistische Motive dürften nur äußerst selten eine Rolle spielen. Und dann gibt er mir nicht aus Menschenliebe eine Gehaltserhöhung, sondern weil er sich aus der Steigerung meiner Zufriedenheit einen Mehrwert erhofft (höhere Produktivität, Loyalität, Betriebstreue).

      Und gerade die Angebotsvielfalt (sie geben das Beispiel der vielen Bananensorten bei Rewe) gibt dem Verbraucher erst die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was er kaufen will und dadurch aktiv auf die Nachfrage einzuwirken.

      Ich habe keinerlei persönliche Animositäten gegen das Fairtrade-Konzept. Ich finde jedoch, es hat den vollkommen falschen Ansatz, wenn es auf den Erhalt des Status Quo abzielt und einem „heile Welt“ Konzept anhängt, was Innovationen unterdrückt und dem Bauern eben keine zukunftsoffene Entwicklungen ermöglicht.

    • Was in der von „Leser“ zitierten Studie zentral zu sein scheint, ist die Unterscheidung zwischen den „Erzeugern“ (producers) und den „Lohnarbeitern“ (wage workers). Das Problem scheint zu sein, dass die Erzeuger den besseren Preis nicht an ihre Arbeiter weitergeben, v.a. an saisonale Arbeitskräfte, Frauen usw. Das ist ein Mißstand, den man wohl ernst nehmen muss, zumal in den geschilderten Fällen, denn die Studie ist kein Hirngespinst einer neoliberalen Denkfabrik. Ich vermute, das wäre besser zur Geltung gekommen, wenn „Leser“ seine Ablehung von Fairtrade nicht gleich so rabiat formuliert hätte. Andererseits hat Herr Schader gewiss Recht, wenn er den „Mehrwert“ als flexible Größe betrachtet, in dem nicht nur Markt-, sondern auch Machtverhältnisse sich abbilden. Die Vorstellung eines planen Spielfelds ist auf dem Weltmarkt schlicht naiv.

    • Darauf, dass die Systeme „Bio“ bzw. „Fairtrade“ gewiss nicht überall gleich gut funktionieren, womöglich sogar Nachteile haben bzw. betrugsanfällig sind, darauf können wir uns einigen. Ich halte es aber nicht für richtig, die generelle Zielsetzung deshalb in Frage zustellen und zu sagen: Das ist alles nix, also brauchen wir das nicht. Deutschland ist da durch den starken Discount eher kein glänzendes Vorbild. Es ist doch absurd, dass bei Rewe vier verschiedene Bananensorten rumliegen: die billigen, die ein bisschen besseren „Pro Planet“, die Markenbananen und die Bio-Bananen. Das ist eine Unterscheidung, die auf uns als Konsumenten (und die unterschiedlichen Präferenzen) zielt – und keine naturgegebene in der Herstellungskette.

    • „Fair-Trade“ ist in der Tat abzulehnen, man unterstützt vielfach ineffiziente Strukturen und fördert schlechte Produktqualität bzw. suboptimale Anbauregionen.

      Die Supermarktketten sind gut beraten, hier nicht blind der sehr lauten „Feel-Good Guti“-Minderheit zu folgen.

      Bei „Bio“ sollte IMHO auch viel mehr der Fokus auf die Anhebung der Produktqualität gelegt werden.

      Verzicht auf Pflanzenschutzmittel z.B. kann zu stark gesundheitsschädigenden Schimmelbelastungen führen.

    • „When consumers pay half or more of their disposable incomes on food, the pursuit of cheaper food is a fine thing. Ask people in Malawi, or anyone who went shopping in 1950 when it was a third or quarter of average British household expenditure. But when average expenditure on food is down to about a 10th, albeit with considerable income group disparities, policymakers ought to be acting.
      If we review the total UK food system, the flows down the supposed food chain speak volumes. Defra and ONS record that, of the total £196bn spent by UK consumers on food and drink, precisely £9.2bn goes to farming. That’s 4.6%. Margins and ROCE may be tight but the power lies elsewhere. Someone out of sight is hurting. And that’s why we need a new framework for food and farming. This situation has been normalised but ought not to be normal.“

      Tim Lang, Professor für Food Policy an der City University London, im „Grocer“ von vergangener Woche (anlässl. ständiger MIlch-Preissenkungen in UK)

    • Es gibt durchaus Gründe, die dagegen sprechen, schließlich ist es nicht das Ziel von Fair Trade, die ärmere Seite zu einem gleichberechtigen Marktteilnehmer auf Augenhöhe zu machen. So kann man diese Formen der Entwicklungshilfe auch als eine moderne Art von Kolonialismus sehen, die die Produktionsländer von der Selbstständigkeit abhält. Eine prominente Vertreterin dieser Sichtweise ist z.B. die afrikanische Harward-Absolventin und promovierte Ökonomin Dambisa Moyo. (Interessanter Artikel z.B. hier: http://www.theguardian.com/books/2009/feb/14/aid-africa-dambisa-moyo )
      Trotzdem kaufe ich persönlich Bananen nach Möglichkeit Fair Trade oder Bio, einfach weil ich nicht will, dass durch meinen Kauf z.B. ein Arbeiter Pestiziden ausgesetzt wird. Eben weil es so schwer zu begreifen ist, dass nicht automatisch alles gut ist, „wenn Erzeuger von Lebensmitteln von der Arbeit leben können, die sie erledigem, damit Sie nachher was auf dem Teller haben“. Weil es je nach Mittel zum Zweck langfristig auch schaden kann.
      Der Aussage von Leser zum freien Markt kann ich jedoch absolut nicht zustimmen, auf den Weltmärkten herrschen große Informationsasymetrien. Daher ist es auch z.B. begrüßenswert, wenn arme Kleinbauern mit internetfähiigen Handys ausgestattet werden, damit sie die Marktpreise kennen und sich dadurch ihre Verhandlungsposition verbessert – meines Erachtens wesentlich nachhaltiger als Fair Trade.

    • @lizzy: Die Frage ist: welche Alternative gibt es? Oder meinen Sie, es bestärkt die Herstellerländer in ihrem Selbstständigkeitsbestreben, wenn deutsche Discounter wochenaktuell die Preise diktieren, zu denen sie Obst einzukaufen bereit sind (ohne Abnahmemengen zu garantieren)?

    • @erik: um mal etwas provokativ zu antworten: Ziemlich unerträglich ist, dass Fair Trade das Leid auf der Welt nicht lösen kann.

      Aber ja, die Ablehnung muss begründet werden, sonst wirkt es natürlich einfach nur kaltherzig und egoistisch. Dass Hilfe für die Ärmsten zwar gut gemeint, aber nicht immer gut ist, ist schwer zu verstehen und erklärungsbedürftig. Fair Trade ist keine nachhaltige Strategie und wird daher auch nicht zu nachhaltigen Verbesserungen führen.
      Das muss ja nicht automatisch bedeuten, nichts zu tun. Aber Aktionismus hilft den Menschen nicht weiter, Bildung z.B. schon.

    • „Workers on Fairtrade certified plantations have also chosen to spend the Fairtrade premiums in improving educational opportunities for themselves and their families, such as technical studies, professional or university careers“, behauptet Sainsbury’s. Ich weiß: das ist zu 90 Prozent Werbung. Aber was wäre Ihrer Meinung nach die richtige Strategie, Bildung zu fördern?

  • Hier in den USA klebt auf jeder einzelnen Frucht, egal ob Banane, Apfel, Tomate, Gurke oder Kiwi, mindestens (!) ein Aufkleber. Ich komm aus dem Abpuhlen gar nicht mehr raus… Naja, immerhin besser, als alles in Folie einzuschweißen.

    Und an den „Leser“ über mir: Schön, dass es auch Leute gibt, denen die Lebensbedingungen von anderen Menschen völlig Banane sind. Denn: Wenn jeder an sich denkt, ist schließlich an alle gedacht… Ich stelle mir Ihr Leben als sehr freud- und lieblos vor, wenn Sie sich vor Fairtrade so sehr ekeln, dass sie einen Supermarkt boykottieren würden, der ausschließlich solche Ware anbietet. Lassen Sie sich mal fest drücken, vielleicht geht’s Ihnen dann besser. 🙂

  • Tegut … ist (wieder mal) der Gewinner. Konventionelle Chiquita Bananen neben Bio-Bananen. Beide plastikfrei und mit Kleberchen gekennzeichnet.

    Und das schon seit immer, glaub ich …

  • Ein weiterer Nachteil von Plastik-Umverpackungen von Bananen: es ist nahezu ausgeschlossen, klein(st)e Mengen an Bioware zu kaufen. Wer sich als Außendienstler morgens mit Obst als Mittagsmahlzeit eindecken will weiß, wovon ich rede. Minimale Verpackungmenge in der Tüte sind 5-6 Stück. Wenn man nur 1-2 haben will, guckt man in die Röhre. Von daher ist die Albert-Heijn-Lösung „Klebeband-Roullade“ auch wieder Quatsch. Da steht man nämlich wieder vor dem Dilemma. Wie man aus der vorkonfektionierten Verkaufseinheit seinen Eigenbedarf extrahiert…

    • a) Eine Tüte mit 5-6 Bananen muß man nicht auf einmal essen. Die Bananen halten sich auch noch ein paar Tage. Man kann also durchaus am Montag 5 Bananen kaufen und diese über die Woche verteilt essen. Und wenn man doch mal nicht so viele Bananen mag, kann man ja eine oder 2 Den Kindern, der Frau, dem mann, den Arbeitskollegen oder einem Kunden abgeben… 😉

      b) In „meinen“ Supermärkten leigen meist unterschiedlich volle Tüten: mal 2-3, mal 5-6 Bananen. Gerade wenn man als Außendienstler ja morgens ins Geschäft kommt, sollte sich da auch noch eine Tüte mit nur 2-3 bananen finden lassen.

      Grundsätzlich wäre aber das Weglassen der Folie zu begrüßen. Oder wenigstens eine Folienart aus roganischem Material benutzen – wie ich es schon bei Bio-Produkten gesehen / gelesen habe. Zum Beispiel beim Tee von „Lebensbaum“ – da steht drauf: „Verpackungsfolie aus Holzfasern – kompostierbar“. Wird aber wohl ein paar EUR mehr pro Euro-Palette Tee kosten…. 😉

  • ein kleiner Edeka im Kiez hat mal eine Weile lang die Bio-Bananen jede einzeln mit einem kleinen Kugelschreiberkreuzchen markiert. Hat sich leider nicht durchgesetzt. Schade, damit wären Gebindeprobleme gelöst und womöglich ein Arbeitsplatz geschaffen 😉

  • @Leser Steigende Effizienz als Basis für steigenden Wohlstand zu nehmen, ist aber nur bedingt richtig. Steigende Effizienz in einer Überflussgesellschaft (und in der leben wir) heißt letztendlich, dass die benötigten Produkte durch immer weniger Menschen produziert werden, bei denen dann der Wohlstand steigt. Dafür kommen immer mehr in Armut, weil sie mit der Produktion eben kein Geld mehr verdienen, weil sie dafür nichtgebraucht werden.

    • >Steigende Effizienz in einer Überflussgesellschaft (und in der leben wir)

      Na na na, nicht von sich auf andere schliessen, in gewissen Bereichen gibt es natürlich eine Marktsättigung, aber dafür gibt es mit steigendem Wohlstand immer mehr zusätzliche Märkte und wachsende Absatzmöglichkeiten.

      Unterm Strich ist „Fair-Tade“ die Zementierung der Armut und Abhängigkeit

  • @Leser: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihrer Argumentation so ganz folgen kann. Natürlich geht das, was ich für einen Fairtradekaffee mehr bezahle als für billigen, (wenigstens angeblich) „einfach so“ an den Erzeuger, obwohl er nicht mehr leisten muss als Erzeuger eines billigeren Kaffees. ..nur ist die Ausganssituation ja die, dass die Bauern der Erzeugerländer i. d. R. von vornherein unter Wert bezahlt werden, oft kaum genug zum Leben haben. Insofern geht es hier ja wohl eher um eine Anpassung an ein vertretbares Niveau als um ungerechtfertigten Aufschlag trotz mangelnden „Mehrwertes“.
    Dass nach der Logik des Systems immer die für einen selbst günstigste Variante im Vordergrund stehen muss, ist mir ja klar. Aber das ist eben die Frage: Will man nur das Wirtschaftliche sehen, nur seinen eigenen Vorteil, das für einen selbst beste Preis-Leistungsverhältnis, das man pratkischerweise bekommt, weil das Gegenüber keine andere Wahl hat? Oder ist man bereit, den Vorteil für beide Seiten zu suchen und dafür in wirtschaftlicher Hinsicht subjektiv ungünstiger wegzukommen?
    So stellt sich mir die Sache jedenfalls dar, oder habe ich hier irgendwas missverstanden/übersehen?

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