Europas neuer Supermarktkonzern Ahold Delhaize – in Zahlen erklärt

Europas neuer Supermarktkonzern Ahold Delhaize – in Zahlen erklärt

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Der Zusammenschluss des niederländischen Marktführers Ahold mit der belgischen Nummer 3, Delhaize, ist die wichtigste europäische Supermarktfusion seit 16 Jahren. Dabei kommt der Großteil der Umsätze aus den USA. Ein Überblick.

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Am vorletzten Freitag im Juli gab es grünes Licht von der US-Wettbewerbsbehörde FTC, über ein Jahr nach der Ankündigung. Am Montag darauf feierte der neue Konzern bereits Premiere an der Börse – aber in den Medien spielte die größte Supermarktfusion der neueren europäischen Geschichte kaum eine Rolle. Dabei ist Ahold Delhaize, der Zusammenschluss des niederländischen Marktführers Royal Ahold mit der belgischen Nummer 3, Delhaize, ein hochinteressantes Konstrukt.

Das Supermarktblog erklärt die Fusion in Zahlen.


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Auf so viele Läden kommt der neue Supermarktkonzern weltweit. Ahold Delhaize ist nicht nur in den Niederlanden und Belgien aktiv, sondern auch in Portugal, Griechenland, Luxemburg, Tschechien, Serbien, Rumänien, Indonesien und den USA. Auf den ersten Blick lässt sich das nur schwer erkennen, die Supermärkte haben nämlich überall andere Namen: Food Lion, Stop & Shop, Peapod, Albert, Pingo Doce, Maxi, Tempo, Red Market, Mega Image, Alfa Beta, Super Indo. Am ehesten ist die Zusammengehörigkeit noch über den Delhaize-Löwen zu erahnen, der einige der internationalen Logos schmückt.

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In Deutschland ist Ahold Delhaize bislang eingeschränkt erfolgreich mit sechs Filialen der Sofortessen-Minikette Albert Heijn to Go in Nordrhein-Westfalen.

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Der Umsatz des Konzerns liegt aktuell bei 63 Milliarden Euro netto, was Ahold Delhaize aktuell zur viertgrößten europäischen Handelskette macht. Kurioserweise erzielt die aber den Großteil ihrer Umsätze als Nummer 5 im amerikanischen Markt; laut „Wall Street Journal“ (Paywall) in diesem Jahr voraussichtlich 63 Prozent.

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Millionen Euro will der neue Ahold-Delhaize-Chef Dick Boer, bislang CEO der niederländischen Ahold-Gruppe, bis 2019 durch die Zusammenlegung der beiden Konzerne einsparen. Für die Kunden soll sich quasi nichts ändern, hat Boer versprochen: die Namen der Ketten bleiben erhalten. Darüber, ob das dauerhaft auch für die belgischen Filialen von „Albert Heijn“ gilt, sind sich die Experten nicht einig. Die einen sagen, Synergien seien nur durch Vereinheitlichung mglich; die anderen glauben, Albert Heijn könne in Belgien von seiner Beliebtheit profitieren.

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Diese – durchaus verschmerzbare – Zahl an Läden musste Ahold Delhaize verkaufen, um die Fusion genehmigt zu kriegen, vornehmlich an der amerikanischen Ostküste. (Das entspricht etwa 3% des Umsatzes.)

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Jahre ist her, dass es in Europa einen Handelsketten-Zusammenschluss in einer ähnlichen Dimension gegeben hat. Damals fusionierte der französische Konzern Carrefour mit Promodès und wurde zur größten Handelsgruppe in Europa. Anders als bei Carrefour bleiben die Identitäten von Ahold und Delhaize im neuen Namen des Unternehmens erhalten. Sogar das Logo ist eine Art Verschmelzung aus den bisherigen Signets: der Krone und dem Löwen.

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Hauptgegner des Supermarkt-Zusammenschlusses sind zwei alte Bekannte aus Deutschland: Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Letztere hat sich zum größten Lebensmittelhändler Europas entwickelt und drängt mit ihren Discount-Konzepten massiv auf Expansion. Ahold Delhaize ist quasi der Gegenentwurf zu Schwarz: Albert Heijn in den Niederlanden und Delhaize in Belgien sind klassische Supermärkte, die Wert auf Auswahl, Einkaufsambiente und Vielfalt legen (auch wenn teilweise mit niedrigeren Preisen auf den Erfolg der Konkurrenz reagiert wurde).

Klassischer Discount hat in der Gruppe bislang keine Priorität. In Belgien gibt es einige Läden unter dem Namen „Red Market“, in denen die Kunden ihren kompletten Einkauf selbst scannen müssen.

Dazu hat Ahold Delhaize deutlich mehr Erfahrung im Online-Handel mit Lebensmitteln, in den USA mit Peapod, in den Niederlanden mit Albert Heijns AH.nl.

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Wenn’s um günstige Preise geht, haben Aldi und Schwarz jedoch einen riesigen Vorteil und setzen damit weltweit etablierte Supermarktketten unter Druck. Derzeit streben beide eine massive Expansion auf dem amerikanischen Markt an. Auch dort muss sich Ahold Delhaize gegen die Discounter behaupten. Das könnte wegen der Zersplitterung schwierig werden, zumal hohe Investitionen in Modernisierungen notwendig sind. (Food Lion ist laut „Het Financieele Dagblad“ [Paywall] z.B. nur die Nummer 53 im amerikanischen Markt.)

Ist erstmal ein gewisser Marktanteil erreicht, stößt freilich auch das Discount-Prinzip an seine Grenzen. Lidl arbeitet in Deutschland seit einiger Zeit hartnäckig an der eigenen Supermarktisierung, um neue Kundengruppen anzusprechen; Aldi holt mehr Markenprodukte ins Regal, um junge Familien zu sich zu locken.

Denkbar ist, dass Unternehmen wie Ahold Delhaize, Carrefour und Tesco auf der einen Seite und Aldi, Lidl bzw. Kaufland auf der anderen das Duell Supermärkte vs. Discounter auf europäischer Ebene noch einmal neu gegeneinander ausfechten.

Oder, und das ist die zweite Möglichkeit, die Handelsgroßkonzerne bewegen sich in den kommenden Jahren mit ihren Konzepten viel stärker aufeinander zu als das noch vor einigen Jahren denkbar gewesen wäre.

Quellen: „Wall Street Journal“, „Lebensmittel Zeitung“, „Het Financieele Dagblad“, dpa


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Logos [M]: Ahold Delhaize/Smb; Fotos: Supermarktblog

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