Wie sich Qool Collect in München als Universal-Anlaufstelle für Lebensmittel- und Paket-Abholer etablieren will

Wie sich Qool Collect in München als Universal-Anlaufstelle für Lebensmittel- und Paket-Abholer etablieren will

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Mit Paket-Abholstationen, die gleichzeitig als Kühllager und Umkleidekabine funktionieren, will Qool Collect Online-Bestellern in München das Leben leichter machen. Gründer Stefan Müller verrät im Interview, wie das funktionieren soll.

Partner und Sponsoren:

Lebensmittel im Internet bestellen ist praktisch. Zuhause stundenlang auf die Lieferung warten eher nicht. Das Münchner Start-up Qool Collect will Abhilfe schaffen: mit modern designten Stationen in der Stadt, in denen Kunden ihre Bestellungen gebündelt aufbewahren können, um sie zu einer Zeit abzuholen, die ihnen passt – alle übrigen Pakete von Amazon bis Zalando inklusive.

Die Universalnutzung kostet 1,99 Euro pro Tag oder 4,99 pro Monat. Dafür verspricht Qool Collect u.a., auch als Umkleidekabine zu funktionieren und sich um die Retourenabgabe zu kümmern. Per App kann der Kunde den Status seiner Sendungen checken. Seit der vergangenen Woche sind die ersten Läden täglich von 7 bis 23 Uhr geöffnet.

Im Supermarktblog-Interview verrät Gründer und Geschäftsführer Stefan Müller, wie die Idee genau funktioniert und warum insbesondere der lokale Handel davon profitieren soll.


Herr Müller, Sie eröffnen in München gerade bemannte Abholstationen mit Kühlung. Wie sind Sie darauf gekommen – und wer soll das nutzen?

Stefan Müller: Das Kaufverhalten der Kunden hat sich stark verändert. Viele bestellen im Internet, zunehmend auch Lebensmittel. Kleine Händler und Produzenten sind zwar Experten für ihre Produkte und können eine entsprechende Beratung anbieten. Sie kennen sich aber nicht zwangsläufig damit aus, wie sie die Waren verpacken und gekühlt zu den Kunden nachhause bringen. Das ist aufwändig und teuer. Die Konsumenten wiederum müssen jedem einzelnen Paket nachjagen, wenn sie nicht zuhause waren, als der Lieferdienst geklingelt hat, und fahren zu Abholstellen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Wir haben überlegt, wie es laufen müsste, um beide Seiten zufrieden zu machen. Deshalb sind wir auf die Idee für Abholstationen gekommen, die aus dem lokalen Handel heraus bestückt werden und einen persönlichen Service anbieten.

Ihre Zielgruppe ist sehr breit gefächert, vom Studenten bis zum Geschäftsreisenden – weil alle dasselbe Problem haben?

Die Königslösung war für uns, weitere Services mit dem Angebot zu verknüpfen: dass also auch klassische Pakete sauber und sicher bei uns abgeholt werden können. Deshalb gehört jeder, der im Internet bestellt, zu unserer Zielgruppe.


Foto: Qool Collect

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Ihre ersten „Partnerläden“ sind Feinkostgeschäfte, Metzgereien, Weinhändler, Tortenbäcker – konzentriert sich Qool Collect komplett auf den regionalen Mittelstand? Oder planen Sie auch an größere Händler heranzutreten?

Der regionale Handel steht tatsächlich im Mittelpunkt unseres Konzepts. Es wird zunehmend über die Verödung der Innenstädte geklagt. Dabei gibt es in einer Stadt wie München viele hervorragende Läden und Produkte! Wir wollen dabei helfen, diese Produkte zum Kunden zu bringen. Das heißt: Wir holen die Bestellungen bei den Händlern unter Einhaltung der Kühlkette mit einer umweltfreundlichen Mehrwegverpackung ab und lagern sie gekühlt in drei Temperaturzonen in einer unserer Stationen. Der Kunde weiß über seine App immer, wo die Ware gerade ist und wann sie zum Abholen bereit steht.

Dazu kommt, dass Kunden bei uns im Laden bar oder mit Karte bezahlen können. Das ist zum Beispiel praktisch, um Wiegeware zu verkaufen, von der bei der Bestellung noch gar nicht klar ist, welche tatsächliche Grammzahl berechnet werden muss – zum Beispiel das extra dick geschnittene Dry Aged Beef vom Fleischer. Wir wollen nicht selbst Händler sein, aber Händlern dabei helfen, zu verkaufen. Dafür zahlen die Partner eine Grundgebühr und einen kleinen Betrag pro Abholung.


„Kühlung wird von vielen Kunden
als Königsklasse begriffen.“


Meine Bringmeister-Lebensmittelbestellung kann ich aber nicht zur Station schicken lassen und nach der Arbeit abholen?

Doch. Wir kooperieren derzeit nur noch nicht mit einem der großen Lebensmittel-Lieferdienste, das heißt: Wir versuchen die Waren so gut wie möglich einzulagern, können aber dafür keine Garantien übernehmen, weil uns natürlich der Warenüberblick fehlt.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Standorte für die Läden ausgesucht?

Wir probieren unterschiedliche Lagen aus. Eine Abholstation liegt am Mittleren Ring in München, in der Nähe der Chiemgauer Straße, die sehr hoch frequentiert ist. Wir sind auch in Wohngebiete gegangen, wo man vor der Station problemlos parken kann. Und dorthin, wo die Leute mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, in der Nähe der U-Bahn am Max-Weber-Platz. Ich glaube, es gibt da kein Patentrezept. Wir lernen dazu, um die richtigen Lösungen zu finden. Im Moment sind es vier Stationen, im nächsten halben Jahr werden zwei weitere Filialen im Münchner Norden dazu kommen.


Foto: Björn C.

Die Läden sind auch unterschiedlich groß, am Max-Weber-Platz sind Sie in einer ehemaligen Bäckerei-Filaile untergekommen (Foto oben).

Genau, da haben wir 70 Quadratmeter zur Verfügung. Das ist aber eher an der unteren Grenze, weil wir natürlich entsprechende Lagerflächen für alle drei Temperaturzonen brauchen. 100 bis 130 Quadratmetern scheinen uns im Moment optimal zu sein.

Soviel Platz – nur zum Lagern?

Wir bieten auch weitere Services an, zum Beispiel Umkleidekabinen. Wenn Kunden online Schuhe oder Mode bestellen, ordern sie oft zwei Größen gleichzeitig, um auszuprobieren, welche besser passt. Das können sie bei uns direkt nach der Abholung in der Mittagspause machen – und sich dann per iPad den Retourenschein ausdrucken, um gleich wieder das Paar zurückzuschicken, das sie nicht behalten wollen. Wenn dieser Service gut angenommen wird, beeinflusst das auch die Größe der Läden, weil wir zum Beispiel mehr Kabinen brauchen.


Foto: Qool Collect

Der Schwerpunkt des Konzepts liegt aber auf Lebensmitteln, so suggeriert es zumindest der Name. Passt der überhaupt zu den zusätzlichen Leistungen?

Ich glaube, Kühlung wird von vielen Kunden als Königsklasse begriffen. Wer die hinkriegt, dem vertraut man auch, wenn es darum geht, ein Zalando-Paket anzunehmen. Deshalb haben wir uns dazu entscheiden, die Kühlleistung über den Namen zu kommunizieren. Gleichzeitig steht „Qool“ aber auch für „cool“, also für trendige Waren wie beispielsweise Mode.

Die meisten Kunden haben sich daran gewöhnt, keine Versandkosten für Online-Bestellungen zahlen zu müssen. Wird es nicht schwierig, sie davon zu überzeugen, das plötzlich für die Annahme von Paketen tun zu sollen?

Wir wissen, dass Kunden sehr preissensitiv sind – und berechnen deshalb auch nur kleine Beiträge für die Abholung von Paketen, die bei „fremden“ Händlern bestellt wurden. Abholungen von Bestellungen, die aus Partnerläden stammen, sind kostenlos. Aber: Ich glaube, dass Kunden tatsächlich bereit sind, dafür zu zahlen, einen Punkt zu haben, über den sie all ihre Bestellungen abwickeln können, ohne sich ständig darum kümmern zu müssen, wo sie unterschiedliche Pakete einsammeln müssen. Außerdem bieten wir eine Dienstleistung, die über den reinen Warenhalt hinaus geht: Sie können auch sämtliche Verpackungen bei uns lassen. Das geht an der automatischen Abholstation auf dem Parkplatz nicht – zumal ich mich da nicht besonders sicher fühle, wenn ich dort im Dunkeln mein Paket abholen soll.


„Es können nicht alle Kunden
ihr Paket per Drohne gebracht kriegen.“


Am Ende haben Sie aber ein ähnliches Problem wie der klassische Handel: hohe Mieten in teuren Innenstadtlagen.

Wir setzen darauf, dass lokale Händler sich entscheiden, ihr „Click & Collect“-Angebot über uns outsourcen – weil es ja auch für den Kunden unpraktisch ist, viele verschiedene Anlaufstellen zu haben. Und wir glauben, dass Service dabei ein wichtiger Punkt ist.

Wie finanzieren Sie den Ausbau?

Wir sind ein konzernfinanziertes Start-up mit einem jungen Team, das aus dem Handel, der Logistik und der EDV stammt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich die Namen der Investoren derzeit nicht nennen kann.

Die Stationen haben bis 23 Uhr geöffnet. Glauben Sie, dass das Qool-Collect-Prinzip auf andere Städte übertragbar ist – oder kommt Ihnen vor allem das strenge bayerische Ladenschlussgesetz entgegen?

Ladenschluss ist natürlich ein Thema, das in Berlin völlig anders funktioniert als in München. Aber am Ende ist es glaube ich entscheidend, welche zusätzlichen Services um den Warenerhalt angeboten werden. Viele Unternehmen arbeiten an Speziallösungen für den Paketempfang. Es können aber nicht alle ihr Paket per Drohne gebracht kriegen, und der Lieferroboter kommt auch schlecht in den achten Stock. Deshalb bin fest davon überzeugt, dass das Prinzip der verlängerten Theke für den Handel in jeder großen Stadt funktionieren kann. Der Kerngedanke ist es, Kunden ein selbstbestimmtes Abholen zu ermöglichen.

Die ersten vier Qool-Collect-Stationen stehen in der Langbürgener Straße 2, Zschokkestraße 69, Pilgersheimer Straße 46 und am Max-Weber-Platz 1 in München.

Vielen Dank an Supermarktblog-Leser Björn C.!

Titelfoto: Qool Collect"

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6 Kommentare
  • Klingt spannend. Nur ob sich das Konzept wirklich auf Dauer trägt? Ich bin skeptisch. Die Kosten sind enorm: Mieten, Instandhaltung, Nebenkosten, Personalkosten – wenn die Stationen wirklich bemannt sein sollen. Da muss einiges an Geld in die Hand genommen werden.

  • Spannend ist das Konzept allemahl – ich persönlich bin aber auch eher skeptisch was Collect-Modelle für online bestellte Lebensmittel angeht. In anderen Ländern mag dies anders sein, aber die Lieferung nach Hause ist in Deutschland (aktuell) die mit Abstand beliebteste Form der Zustellung.
    Mittels unterschiedlichster Services wie Zeitfensterzustellung, Wunschtagslieferung, Kofferraumzustellung etc. wird es auch dem Empfänger zunehmend einfacher gemacht, sein Paket in direkter örtlicher (Haus-)umgebung zu erhalten auch wenn er selten oder erst spät abends zu Hause ist.
    Eine Zielgruppe wird es für dieses Konzept aber sicher geben und ist m. E. eine sinnvolle Ergänzung in der Entwicklung von eFood in Deutschland.

  • Also, was sind die Kernideen der Lösung?
    1) einige Kühlschränke (d.h. verschiedene Temperaturzonen) mieten/kaufen und installieren, dazu passen auch die Haushaltskälteanlagen.
    2) Öffnungszeit: nur 7-23, Montag-Samstag. Also, kein 7/24 Betrieb..
    3) Personalbeschaffung (wieder MO-SA, 7-23 Uhr)
    4) „Wir wollen nicht selbst Händler sein, aber Händlern dabei helfen, zu verkaufen.“ + „Wir versuchen die Waren so gut wie möglich einzulagern, können aber dafür keine Garantien übernehmen…“ – aha, das ist auch schön. Der Vermittler, der keine Garantien übernimmt..
    5) Dieser Vermittler kriegt nur „einen kleinen Betrag pro Abholung“. Na ja, wenn jemand beginnt um ’nen kleinen Betrag reden, das bedeutet ganz was anderes.
    6) Sortiment: „regionales“.. Dies ischt modisch, aba ned billig.
    7) bar bezahlen: dies ist auch aufwändiger als Karte.
    8) Na ja, der Kunde holt sein Hackfleisch ab und kommt „direkt nach der Abholung“ zur Umkleidekabine. Schönes Konzept!
    9) Die Herren reden um schnelle Bedienung. Wie wird es erreicht? Mehr Personal? Das Personal wird die meiste Zeit nur stehen. Das kostet dem Geschäft wieda was.
    10) Es bestehen die Abholstationen der Lebensmittelhändler (REWE, Edeka, Kaufland, auch Lidl), die integrierten Kühlzonen haben, übernehmen die Garantien und arbeiten manchmal rund um die Uhr. Ohne Vermittler und dazugehörigem Nebenkosten. Ehrlich gesagt, die blaue-weiße Gestaltung von „qoolcollect“ (klar, Bayern) und starke Beleuchtung sind keine seriöse Vorteile.
    11) „Ich glaube, Kühlung wird von vielen Kunden als Königsklasse begriffen…“ Ist das der Fall, müssten Discounter ausschließlich die Kühlwaren verkaufen. Das ist aber nicht so.
    12) Die regionale Kaufkraft ist stark, was werden die Herren in anderen Bundesländern tun?

    Der Herr betont „Das ist aufwändig und teuer.“ Die Ironie liegt darin, dass dieses Geschäft aufwändiger und teurer ischt.
    Die Abholstationen der o.g. renommierten Lebensmittelhändler sind günstiger, weil zB
    – die Waren automatisch freigegeben werden und
    – die Verkaufsfläche klein ist, ca. 20 m2, also fünfmal kleiner
    Diese Abholstationen sind tja besser, haben aber ’nen riesen Vorteil: die können leider die Waren ab sofort und automatisch nicht kommissionieren. Immer soll das Personal den kommissionierten Bestellungen rein stecken.
    Die Lebensmittelhändler immer testen mit, zuerst war die erfolgslose Probe in Österreich, jetzt haben einige Lebensmittelhändler solche Boxen zum Spielen…

    Es existierte vor kurzer Zeit ein heimisches Start-up (https://www.youtube.com/watch?v=UJAcGHZ47N8), leider ist Leider ist zu Ende.

    Von Anfang an ist ist nach meiner Meinung „qoolcollect“ keine schnelle, automatische und günstige Lösung.

    • Nur zur Klarstellung, weil Sie da einiges durcheinander werfen: Das Angebot, gekühlte Lebensmittel einzulagern, gilt laut QC für die regionalen Partner, die wie erwähnt im Mittelpunkt des Geschäftsmodells stehen. Der Satz „Wir versuchen die Waren so gut wie möglich einzulagern, können aber dafür keine Garantien übernehmen…” bezieht sich darauf, dass Kunden auch andere Kühleinkäufe an die Stationen bestellen können (von Nicht-Partnern), bei denen QC als Empfänger aber keinerlei Überblick hat, was davon in welche Temperaturzone muss. Deshalb können dafür keine Garantien übernommen werden. Finde ich schlüssig und nachvollziehbar. Muss man sich halt überlegen, ob man das testen mag.
      Das „bar bezahlen“ dürfet auch mit Karte funktionieren, es geht – soweit ich das verstanden habe –, darum, überhaupt eine externe Bezahlmöglichkeit an der Station anzubieten (um es dem regionalen Händler zu ersparen bzw. Warenverkauf zu erleichtern.)

  • Ein durchaus sehr interessantes Konzept! Vor allem in einer Großstadt, die einerseits mit strengen Ladenschlusszeiten den Einkauf im Geschäft erschwert. Andererseits sind die Wege zu unterschiedlichen Abholstationen langwierig (sehr viel Verkehr, wenn man denn ein Auto hat und viele Stadtbewohner ohne Auto, für die es erst recht kein Spaß ist, die unterschiedlichen Orte abzuklappern).
    Es wird spannend zu sehen, ob die zahlungskräftigen Münchner auch bereit sind, sich den Service etwas kosten zu lassen.

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