Geräuschlos in die Garage: Rewe beendet Lieferbot-Test in Hamburg

Geräuschlos in die Garage: Rewe beendet Lieferbot-Test in Hamburg

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Sechs Monate lang rollten autonome Lieferbots durch Hamburg-Barmbek, um Ergänzungseinkäufe aus dem Supermarkt zu liefern. Jetzt zieht Rewe den Stecker – am frühestmöglichen Termin. Im Supermarktblog-Praxistest hatten sich zuletzt gleich mehrere Schwachstellen gezeigt.

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Nach einem halben Jahr ist (schon wieder) Schluss: Rewe hat den Pilotbetrieb seiner autonomen Lieferbots in Hamburg-Barmbek beendet – „planmäßig“, wie man in der dazugehörigen Mitteilung formuliert, die unmittelbar vor dem 1. Mai herausgegeben wurde. Und zwar: Ohne konkret zu sagen, wie und ob es weitergehen soll.

Es war bereits der zweite Anlauf – nach einem ersten Test 2023 in Hamburg-Eimsbüttel, damals noch mit einem anderen Technologiepartner.

Auch diesmal bleibt die Bilanz maximal schwammig: Die Gesamtzahl der ausgelieferten Bestellungen habe „im vierstelligen Bereich“ gelegen (was einen sehr breiten Korridor lässt). Die zurückgelegte Strecke der Bots? Ebenfalls „im vierstelligen Bereich“. Bei etwas mehr als 150 Betriebstagen (sechs Monate, sechs Tage pro Woche) wären das konservativ gerechnet nur wenige Bestellungen pro Tag – für fünf (bei meinem Test: noch drei) Bots, in einem Gebiet, das laut Rewe-Auskunft zum Start 10.000 Haushalte umfasste.

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Mehrere Probleme im Praxistest

Wären die Zahlen beeindruckend, hätte Rewe sie vermutlich konkret genannt. Stattdessen zieht man lediglich ein „sehr positives Fazit“ und hat „wertvolle Erkenntnisse“ gewonnen – vor allem vermutlich dazu, wie man einen solchen Test nicht betreiben sollte, falls man ihn ernst meint.

Im ausführlichen Supermarktblog-Praxistest (für Mitglieder hier in voller Länge nachzulesen) hatten sich kurz vor dem offiziellen Testende gleich mehrere Probleme gezeigt: Der Bot funktioniert nur in einem sehr schmalen Korridor – kleine, günstige Artikel, die wenig Platz beanspruchen. Sobald Bestellungen in Richtung realistischer Ergänzungseinkäufe gehen (Abendessen für vier, Sonntagsfrühstück für die Familie), grätscht das Fassungsvermögen dazwischen. Manche im Shop angebotenen Artikel passten überhaupt nicht in den Bot. Mitarbeiter:innen waren auch nach Monaten noch unsicher, welche Artikel sie kommissionieren sollen. Und die Volumenberechnung in der App wies offensichtlich fundamentale Fehler auf, die dazu führten, dass Kund:innen Artikel aus dem Warenkorb entfernen, die möglicherweise noch Platz gehabt hätten.

Dass jetzt u.a. Gurken, Bananen, rote Paprika, Getränke, Milch bzw. Hafermilch, Butter, Brötchen und Eier als Bestseller gemeldet werden, ist also weniger ein Beleg für den Erfolg des Tests als für seine strukturellen Grenzen.

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Verzerrte Daten im Testzeitraum

In den Nutzungsbedingungen des Lieferbot-Service war von einer „voraussichtlichen Laufzeit von 6 bis 9 Monaten“ die Rede. Rewe hat den Test also exakt am unteren Ende dieses Zeitraums beendet. Vermutlich, weil sonst im Praxisbetrieb an mehreren Stellen hätte nachgebessert werden müssen. Diesen Aufwand wollte man in Hamburg und Köln aber offensichtlich nicht mehr betreiben.

Das bedeutet aber auch: Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat der gesamte Testzeitraum Daten produziert, die nachweislich auf einer fehlerhaften Berechnungsgrundlage basieren. Durchschnittliche Warenkorbwerte, Bestellfrequenzen, Sortimentsverteilungen – alles, was Rewe in der angekündigten „Auswertungsphase“ analysieren will, ist durch eine Software verzerrt, die den Kund:innen im Zweifel systematisch falsche Kapazitätsangaben gemacht hat.

Wer auf dieser Basis ein „sehr positives Fazit“ zieht, kann dabei eigentlich nur den erzielten – in der Tat sehr positiven – PR-Effekt meinen.

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Eine hübsche PR-Formulierung

Bemerkenswert ist zudem, wie Rewe das Ende des Tests kommunikativ rahmt. Auf LinkedIn ordnete Rewe-Group-Vorstand Christoph Eltze den Pilotbetrieb nicht als Geschäftsmodell-Test ein, sondern erklärt: „Aus einem Test wurde ein Impuls für den regulatorischen Rahmen.“ Die Verkehrsministerkonferenz, der Rechtsrahmen für Lieferroboter, klare Leitlinien – darum gehe es jetzt. Vor einem halben Jahr war das erklärte Ziel noch, „die Kundenakzeptanz zu testen und zu erhöhen“.

Eltze schreibt außerdem, die Bots hätten gelernt, „mit Kopfsteinpflaster, Herbstregen und hanseatischer Gelassenheit umzugehen“. Das ist eine hübsche PR-Formulierung – und sie umschifft elegant die von mir beobachteten Probleme, die die Bots in der Praxis hatten, insbesondere beim Umfahren von Baustellen, an Bordsteinkanten und bei der Überquerung mehrspuriger Straßen.

Rewe Lieferbot im April 2026 bei der Auslieferung in Hamburg. Fotos: Smb

Ob ein Folgetest an einem anderen Standort geplant ist, sagt Rewe aktuell nicht. Die Pressemitteilung spricht davon, „die gewonnenen Erkenntnisse in die Weiterentwicklung zukünftiger innovativer Lösungen einfließen zu lassen“. Was das konkret heißt? Das wissen vermutlich nicht mal die Bots, die jetzt in der Garage stehen.

Im Abschiedsvideo heißt es lediglich: „Wir verabschieden uns jetzt erstmal von euch.“ Und in der Lieferbot-App: „Testphase beendet: Der REWE Lieferbot legt eine Pause ein.“

Wer nachlesen will, was der Supermarktblog-Praxistest in Hamburg konkret ergeben hat – inklusive der drei Einkaufsszenarien, der Volumen-Absurditäten und der Beobachtungen bei einer echten Bestellung vor Ort: Der vollständige Beitrag ist für Supermarktblog-Mitglieder erschienen.


Nachtrag, 5. Mai: Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt Rewe, „detaillierte Kennzahlen zu unseren Testprojekten (Anzahl der Bestellungen, durchschnittlicher Warenkorbwert, Stornorate) grundsätzlich nicht kommunizieren“ zu wollen – „auch aus Wettbewerbsgründen“.

Eine Sprecherin erklärt: „Wir können aber bestätigen, dass ein relevanter Anteil der Kundinnen und Kunden Warenkörbe oberhalb des Schwellenwerts für die kostenlose Lieferung erreicht hat. Trotz der durch das begrenzte Bot-Volumen vorgegebenen Rahmenbedingungen wurden also durchaus größere Einkäufe getätigt. Stornierungen oder Ablehnungen bei der Übergabe spielten insgesamt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Im Regelbetrieb waren während der Testphase wie geplant drei Lieferbots im Einsatz. Zwei weitere Geräte befanden sich lediglich als Reserve vor Ort, um im Falle von Wartungs- oder Technikthemen jederzeit lieferfähig zu bleiben.“

Zu weiteren möglichen Tests oder Standorten könne man „zum aktuellen Zeitpunkt keine Aussage machen“.

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1 Kommentar
  • Der Gesetzgeber hat es nicht geschafft, Leihfahrzeuge zu regulieren. Stattdessen dürfen Leihfirmen tausende E-Roller ohne richtige Haftpflichtversicherung die Fußwege zustellen und Schäden verursachen, auf denen dann der Geschädigte sitzenbleibt.

    Und nun also die nächste rollende Idiotie. Wetten, dass der Gesetzgeber es auch hier wieder nicht schafft, die sauber zu regulieren? Es genügt völlig, sich die Videos aus den USA anzusehen, um zu wissen, was für eine Plage die Dinger sind. Ganz ehrlich: Ich bin dankbar für jeden Rohrkrepierer-Test, der die Einführung verzögert. Mir reichen wirklich schon die in meiner Gegend bei Nacht fahrenden, dunkel gekleideten und ohne Licht und ohne jede Form von Rücksicht kreuz und quer (und gerne auch bei knallrot) über die Straßen eiernden Elektrofahrrad-Kuriere.

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