Fusion abgeblasen: Sainsbury’s und Asda gehen im britischen LEH weiter getrennt Wege – bloß: wohin?

Fusion abgeblasen: Sainsbury’s und Asda gehen im britischen LEH weiter getrennt Wege – bloß: wohin?

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Die beiden britischen Supermarktketten Sainsbury’s und Asda dürfen nicht miteinander fusionieren, hat die Competition and Markets Authority entschieden. Einen Plan B scheint es bei keiner der beiden Ketten zu geben.

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Die beiden britischen Supermarktketten Sainsbury’s und Asda dürfen nicht miteinander fusionieren, hat die Competition and Markets Authority (CMA) in vergangenen Woche entschieden. Wir müssen kurz abwarten, ob sich Handelsexperte Sigmar Gabriel noch in die Angelegenheit einzumischen plant – aber falls nicht, ist damit eine der größten geplanten Fusionen Großbritanniens abgeblasen.

Sainsbury’s hat das Aus für den Deal bereits bestätigt. Und die Asda-Mutter Walmart erklärte, man werde sich darauf fokussieren, Asda weiter als starke unabhängige Handelskette im britischen Markt zu positionieren:

„Walmart will ensure Asda has the resources it needs to achieve that.“

Der Entschluss der CMA hatte sich nach einem Vorbericht im Februar bereits angedeutet. Die Prüfer hatten gravierende Bedenken, dass sich die Marktsituation für britische Kund:innen durch die geplante Fusion (siehe Supermarktblog) langfristig deutlich verschlechtert hätte. Befürchtet wurden insbesondere höhere Preise für Lebensmittel und Benzin (an den unternehmenseigenen Tankstellen), weniger Auswahl und ein eingeschränkter Wettbewerb im Markt.

(Und auf der Haben-Seite stehen nun: überraschende Perspektivwechsel in Erklärvideos für Social-Media-Kanäle?)

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Sainsbury’s und Asda hatten für den Fall einer Genehmigung Preissenkungen im Wert von 1 Milliarde Pfund in Aussicht gestellt. Wie genau die sich berechnet hätten oder zu überprüfen gewesen wären, war aber stets unklar.

Wie geht’s weiter?

Das wissen die Unternehmen vermutlich selbst noch nicht so genau. Kritiker:innen werfen Sainsbury’s vor, wegen der geplanten Fusion Ressourcen verschleudert zu haben, die besser in die überfällige Modernisierung des Filialnetzes geflossen wären (damit Salatbars nicht zur Schokoladenaufbewahrung dienen müssen, nur so ein Beispiel).

Walmart hatte sich auf die Fusion vor allem deshalb eingelassen, um sich aus dem operativen Geschäft in Großbritannien zurückziehen und stärker auf die Herausforderungen im Heimatmarkt konzentrieren zu können. (Am gemeinsamen Unternehmen, bei dem Sainsbury’s die Oberhand gehabt hätte, wäre man weiter beteiligt geblieben.) Vorerst bleibt Asda nun als Baustelle erhalten.

Die Umsätze sind in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. Wie alle britischen Supermarktketten steht Asda aber verstärkt unter Druck, der von den beiden deutschen Discountern Aldi und Lidl ausgeübt wird. Beide Ketten gewinnen stetig Marktanteile und haben bei vielen Britinnen und Briten an Beliebtheit zugelegt.

Die Frage ist, ob sich Walmart zeitnah um einen anderen Interessenten bemüht, der Asda übernehmen könnte. Ironischerweise käme dafür am ehesten Amazon in Frage – mit dem man sich in den USA eine harte Auseinandersetzung um die Martkthoheit im (Online-)Handel liefert.

Amazon hat Interesse daran bekundet, auch in Großbritannien im stationären Handel mit Lebensmitteln stärker präsent zu sein. Bislang beschränkt sich diese Präsenz auf einige wenige Whole-Foods-Filialen in London. Dazu passen die Märkte von Asda aber kaum: Sie sind tendenziell eher am Stadtrand gelegen, weniger ansprechend für urbane Zielgruppen und ziemlich in die Jahre gekommen. Allerdings könnte Amazon mit Asda Großflächen erwerben, die sich teilweise zu Lagern bzw. stadtnahen Liefer-Hubs umfunktionieren ließen. (Was nicht ganz günstig kommen dürfte.)

Die Zahl der übrigen Interessenten für die SB-Warenhauskette, die nicht einmal über ein funktionierendes Innenstadtkonzept verfügt, wird sich – wie bei Real in Deutschland – in Grenzen halten.

Für Sainsbury’s ist die Situation kaum besser: Auch die Nummer 2 im britischen LEH spürt den Preiswettbewerb der Discounter und verfügt nach dem Fusionsverbot über keine erkennbare Zukunftsstrategie – falls Noch-CEO Mike Coupe nicht noch flugs eine herbeiträllert. Coupe hatte sich nach der Ankündigung des Deals vor einem Jahr damit blamiert, im Vorfeld eines TV-Interviews „We’re in the Money“ gesummt zu haben und konnte bei seinen britischen Landsleuten keinerlei ausgleichende Punkte für Musikalität sammeln.

Fotos: Supermarktblog

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