Konkurrenz für Lieferando: Uber Eats und Bolt Food nehmen Anlauf für Deutschland

Konkurrenz für Lieferando: Uber Eats und Bolt Food nehmen Anlauf für Deutschland

Foto: Bolt
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Lieferando ist hierzulande die unangefochtene Nummer 1 im Markt für digital bestelltes Lieferessen. Doch Herausforderer Wolt aus Finnland wächst schnell. Und derzeit bereiten zwei weitere Neulinge die Expansion nach Deutschland vor.

Partner und Sponsoren:

[Update am Ende des Texts!]

Vor zwei Jahren sah der deutsche Markt für digital bestelltes Lieferessen mit einem Mal so aus, wie man sich das in Amsterdam schon länger vorgestellt hatte: fast durchmonopolisiert. Lieferando übernahm die deutschen Pendants des Berliner Wettbewerbers Delivery Hero und stellte Foodora, Lieferheld und Pizza.de zu Gunsten der eigenen Marke ein. Das war und ist die Grundlage für den Erfolg, den Jitse Groen, Gründer der niederländischen Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway (JET), seinen Investor:innen versprochen hat (Jahresbericht 2019):

„We believe that leading market positions, in conjunction with an attractive marketplace, enable operating leverage which lead to higher operating margins in the long-run.“

JET generiert mehr als 90 Prozent seiner Umsätze (die durch die Bestellvermittlung an Partnerrestaurants erzielt werden) in Ländern, wo das Unternehmen Marktführer ist: Großbritannien, Deutschland, Kanada, Niederlande. In Deutschland verzeichnete Lieferando im vergangenen Jahr 112 Millionen Bestellungen, die Zahl der aktiven Kund:innen wuchs um 28 Prozent auf 12 Millionen. Im Jahresbericht für 2020 heißt es über den während Corona kräftig gewachsenen deutschen Markt:


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„Our 12 million Active Consumers spent over €2.5 billion through our platform in 2020, an increase of 75% compared to GMV in 2019.“

Außerdem rechnet das Unternehmen weiterhin mit hohen Wachstumsraten.

Wolt kommt nach Köln und Hannover

Diese werden allerdings auch von neuen Wettbewerbern gesehen. Im vergangenen Jahr startete der finnische Restaurant-Lieferdienst Wolt seinen Service in Berlin und expandierte zügig nach München und Frankfurt am Main. Als nächste Städte kommen nach Supermarktblog-Informationen Köln und Hannover dazu. Das Wolt-Modell ähnelt dem von Deliveroo, das sich – von Lieferando ausgeräuchert – im Sommer 2019 aus dem deutschen Markt zurückgezogen hatte. Auf der per App zugänglichen Plattform finden sich vor allem Restaurants, die über keine eigene Lieferlogistik verfügen und die Zustellung online georderter Gerichte Wolt überlassen. Kund:innen zahlen dafür eine entfernungsabhängige Liefergebühr.

Auch Lieferando stellt Essen mit eigenen Kurierfahrer:innen zu, macht aber kein Geheimnis daraus, diese Leistung eher als lästige Notwendigkeit zu begreifen, weil sich über die reine Bestellvermittlung einfacher Geld verdienen lässt. Viele Gastronom:innen sind alles andere als glücklich mit der eingeschränkt verfügbaren Lieferlogistik.

Gleichzeitig hat die Corona-Krise dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach geliefertem Restaurantessen in zahlreichen Ländern sprunghaft angestiegen ist. Damit scheint Deutschland auch für weitere Anbieter (wieder) interessant geworden zu sein.

Bolt Food sucht deutschen Country Manager

Das aus Estland stammende Start-up Bolt (ehemals Taxity) ließ vor einiger Zeit bereits anklingen, mit der Vermietung von E-Rollern in deutschen Städten starten zu wollen. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit der Submarke Bolt Food auch in der Zustellung von Restaurantessen aktiv – und bemüht sich nach Supermarktblog-Informationen derzeit um einen Start in mehreren europäischen Ländern. So wird außer in den Niederlanden z.B. auch in Deutschland gerade ein Country Manager für den Aufbau eines Teams in Berlin gesucht („Own and manage Bolt Food business operations in Germany“).

Außerdem ist eine Position als Restaurant Sales Manager zur Betreuung gastronomischer Partner:innen ausgeschrieben. Darin heißt es u.a.: „Work closely with Lead Generation in order to Identify and assess the perfect restaurants for Bolt Food.“ Und: „Be the first contact of new restaurants, supporting them in the onboarding experience and all operational and administrative issues that it entails.“

Bolt wollte sich auf Anfrage nicht zu seinen Plänen äußern. In einem der Stellengesuche heißt es aber bereits unmissverständlich:

„We are launching our new food delivery service in Germany.“

Ende des vergangenen Jahres hatte das Start-up von Investoren 150 Millionen Euro für die Expansion erhalten.

Neuer Versuch für Uber Eats?

Möglicherweise bleiben die Esten mit ihren Plänen nicht alleine: Nachdem sich vor anderthalb Jahren schon einmal die Hinweise darauf verdichtet hatten, dass ein Deutschland-Start von Uber Eats bevorstehen könnte (aus dem damals nichts wurde), mehren sich derzeit die Anzeichen für einen neuen Anlauf. Nach Supermarktblog-Informationen werden erste Restaurants angesprochen, ob sie die Dienstleistung künftig in Anspruch nehmen wollen. Seit wenigen Tagen sucht das US-Unternehmen zudem nach einem Regional Community Operations Manager für Berlin, zu dessen Aufgaben u.a. Onboarding, Sales und „Restaurant Support“ gehören sollen. Auf externen Plattformen und in der Bewerbungsvorlage ist die Stelle explizit für „UberEats, Germany“ ausgeschrieben.

Screenshot: uber.com

Ein Uber-Sprecher kommentiert nicht, ob oder wann Uber Eats nach Deutschland kommen könnte, und sagt:

„Wir sind ständig in Kontakt mit möglichen Geschäftspartnern, um besser zu verstehen, wie unsere Technologie Städten und Unternehmen helfen kann.”

Die Expansion mit Uber Eats läge einerseits nahe, weil das Unternehmen hierzulande bereits als Fahrtenanbieter bzw. -vermittler und Verleiher für E-Roller (Lime) und E-Bikes (Jump) aktiv ist. Andererseits hatte Uber-CEO Dara Khosrowshahi zuletzt des öfteren betont, nur in Märkten aktiv sein zu wollen, in denen man mit Uber Eats die Nummer ein oder zwei werden und bleiben könne.

Ein zweiter Platz wäre in Deutschland zwar nach wie vor möglich, aber – nicht zuletzt durch den Vorsprung von Wolt – ein hartes (und kostspieliges) Stück Arbeit. Möglich ist, dass die Corona-Krise, in der Uber Eats u.a. in den USA zum Geschäftstreiber wurde, den bisherigen Fokus nochmal verschoben hat.

Auf dem Weg zum Multi-Logistiker

Auf absehbare Zeit dürfte Lieferando in Deutschland jedoch weiter die unangefochtene Nummer eins bleiben. Gleichzeitig bieten die Niederländer oftmals ein so miserables Nutzungserlebnis, dass Raum für neue Anbieter wäre.

In Berlin haben die hellblau eingekleideten Wolt-Lieferfahrer:innen in manchen Stadtteilen Lieferando-Orange als universell sichtbare Farbe auf den Straßen längst abgelöst. Kund:innen und Gastronom:innen würden in der aktuellen Lage sicher auch noch Bolt-Grün und Uber-Schwarz willkommen heißen. Zu lange Zeit lassen sollten sich die Neuen mit dem Start aber vermutlich nicht: In der Branche wird damit gerechnet, dass die Umsätze mit Lieferessen deutlich zurückgehen, sobald die Corona-Krise ausgestanden ist und Restaurants wieder regulär öffnen können.

Auch deshalb werden sich Lieferando-Konkurrenten aller Voraussicht nach nicht nur auf eine Partnerschaft mit der Gastronomie konzentrieren, sondern andere Händler an Bord holen, um zu Multi-Logistikern zu werden.

Wolt experimentiert auf seiner Plattform in Berlin derzeit bereits mit Angeboten von Spätis und Blumenläden. Uber Eats arbeitet in Frankreich mit Carrefour für die Schnelllieferung von Lebensmitteln zusammen. Und für Tallinn sucht Bolt, das sich als „the fastest-growing mobility platform in the world“ positioniert, aktuell Grocery Account Manager („to help us build Bolt Food grocery operations“).

Mehr zum Thema demnächst.

Nachtrag, 21. April: Gegenüber der „Financial Times“ hat Uber den Start von UberEats in Deutschland nun bestätigt, los gehen soll es „in den kommenden Wochen“ zuerst in Berlin. Pierre-Dimitri Gore-Coty, Vice President des Fahrtdienstvermittlungsgeschäfts von Uber außerhalb Nordamerikas, bezeichnet Deutschland als „strategisch wichtiges Land“ für Uber. Man habe bereits „Dutzende“ Restaurants als Partner gewonnen, darunter auch prominente Marken.


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