Aldi gibt seinen Kunden einen Korb – zumindest im Ausland

Aldi gibt seinen Kunden einen Korb – zumindest im Ausland

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In Deutschland gibt’s für Discount-Marktführer Aldi selten Notwendigkeit, sich oder seine Geschäftspraktiken zu erklären. (Ausnahmen gelten vielleicht nach „Spiegel“-Titelgeschichten und „Günther Jauch“-Themensendungen.) In Großbritannien, wo Aldi gerade dabei ist, kräftig Kunden dazu zu gewinnen, sieht das ein bisschen anders aus – selbst wenn nicht alle Stellungnahmen besonders ausgefeilt oder gut begründet sind. Auf einer FAQ-Seite erklärte Aldi UK zum Beispiel, warum es in den Läden Einkaufswägen gibt, aber keine Körbe:

„Einkaufswägen sind einfacher zu benutzen.“

Na klar, das weiß doch jeder, der schon einmal einen dieser nur schwer zu bedienenden Apparate in der Hand hatte: Sie müssen höchst umständlich an Griffen gehalten werden und durch den ganzen Markt getragen (!). Sie lassen sich auch nicht einfach mit dem Bauch vorwärts schubsen, um links und rechts an den Regalen seinen Einkaufszettel freihändig abzuarbeiten. Ein echter Fluch, diese Körbe.

Die etwas ausführlichere Erklärung für den Korbverzicht lautet: In den Filialen Einkaufswägen und Einkaufskörbe anzubieten, würde die Kosten in die Höhe treiben und der eigenen Preispoltik widersprechen; außerdem würden Wägen nicht so leicht geklaut. Das ist ein bisschen dürftig. Macht aber nix, seit kurzem gelten die Ausreden Gründe eh nicht mehr. Denn in den britischen Aldi-Filialen gibt es inzwischen – tataa! – Einkaufskörbe. Und zwar, weil Aldi dazu auf Facebook mit Anfragen seiner Kunden bombardiert wurde, die einfach nicht locker lassen wollten. Ende April schrieb der Konzern auf seiner Seite:


„After listening to the feedback from all of our fans on Facebook, we’re delighted to announce that baskets have been introduced into all our stores throughout the UK.“

Über 1000 „Fans“ haben unter dem Eintrag „Gefällt mir“ gedrückt, die Kommentare sind überschwänglich positiv. So einfach geht Kundenzufriedenheit.

Und bei uns? Da haben sich weder Aldi Süd noch Aldi Nord bisher überhaupt dazu durchringen können, mit ihrer Kundschaft auf Facebook in Verbindung zu treten, geschweige denn auf deren Wünsche Rücksicht zu nehmen. In Deutschland käme Aldi auch nie auf die Idee, Werbespots im Fernsehen zu zeigen. (Als Lidl vor vier Jahren damit anfing, war das eine mittelmäßige Sensation.)

In Großbritannien allerdings kann sich der Konzern nicht so abschotten, wenn er den viel etablierteren Supermärkten Konkurrenz machen will. Die Alternativstrategie scheint zu funktionieren: Die Marktanteile der Discounter auf der Insel wachsen, weil auch viele Briten beim Einkaufen stärker aufs Geld achten. (Aldi wirbt z.B. mit dem Slogan: „Like Aldi. Like The Price.“) Sie wollen dabei aber nicht auf die Bequemlichkeiten verzichten, die sie von den Läden kennen, in denen sie bisher ihre Lebensmittel besorgt haben.

Deshalb: die Körbe.

Wie das britische Fachmagazin „The Grocer“ berichtet, gibt es noch weitere Forderungen der Facebook-Nutzer: separate Kassenschlangen für Wenigkäufer (!) und Selbstbedienungs-Kassen. Vielleicht ist der Zeitpunkt gerade günstig, um außerdem kostenlose Fußmassagen ins Gespräch zu bringen.

Selbst wenn’s an der Börse gerade nicht so läuft – eines kann sich Facebook also schon mal auf die Fahnen schreiben: ein eigentlich unverrückbares Geschäftsmodell wie das von Aldi beeinflusst zu haben. Vielleicht fangen wir auch mal mit dem Fordern an anstatt uns immer nur anschweigen zu lassen. Gibt’s Vorschläge für die große Supermarktblog-Aldi-Petition? Also: abgesehen davon, dass denen hierzulande erst noch jemand beibringen muss, wie dieses Social Media funktioniert?

Nachtrag vom 29. Mai: Auf die Frage, wie Aldi entscheidet, in welchen deutschen Filialen es Einkaufskörbe gibt und ob geplant ist, sie in allen Filialen bereitzustellen, antworten die beiden Unternehmen heute wie folgt:

Aldi Süd: „Gerne teilen wir Ihnen mit, dass über den Einsatz von Einkaufskörben individuell, je nach Situation in den einzelnen ALDI SÜD Filialen entschieden wird.“
Aldi Nord: „Einkaufskörbe, wie von Ihnen beschrieben, sind bei uns nicht im Einsatz. Auch bestehen keine Planungen dazu.“

Nachtrag vom 30. Mai: Lidl hat sich ebenfalls geäußert:

„Die Bereitstellung von Einkaufskörben ist ein zusätzlicher Service für unsere Kunden und gehört nicht zum Standard unseres Filialkonzeptes. Nur an ausgewählten Standorten mit fußläufig zu erreichenden Filialen bieten wir diese Möglichkeit, um den kleinen Einkauf für zwischendurch zu erleichtern.“

Screenshot: Supermarktblog

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