An die Tupper, fertig, los: Original Unverpackt öffnet in Berlin

An die Tupper, fertig, los: Original Unverpackt öffnet in Berlin

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So sehen Berliner Supermärkte aus, in denen es Lebensmittel gibt - aber keine Verpackungen: Original Unverpackt in Kreuzberg

Berlins erster verpackungsfreier Supermarkt hat ein Zuhause gefunden, die Wiener Straße in Kreuzberg, zwischen Görlitzer Park und U-Bahn Görlitzer Bahnhof. Einer der größten Wünsche der Gründerinnen ist somit schon mal in Erfüllung gegangen: Sie wollten mittenrein in den Kiez, nicht in irgendeine abgelegene Ecke, wo sich nur selten jemand hinverirrt. Das ist gelungen. Auch wenn man von draußen mindestens zweimal hinsehen muss, um den kleinen Laden tatsächlich auch als Supermarkt zu erkennen. Der Fairtrade-Klamottennachbar nebendran heißt aber ja auch textiluntypisch – und zwar ausgerechnet: „Supermarché“. Passt doch.

An diesem Samstag öffnet „OU – Original Unverpackt“ erstmals für Kundschaft – und bis dahin ist auch noch einiges zu tun, wie bei einem ersten Termin für Journalisten am Donnerstag zu sehen war.

Die Füllbehälter für die Kaffeebohnen müssen noch an die Wand geschraubt werden, es sind noch keine Preisschilder am Regal, die Gemüsetheke gähnt Betrachtern leer entgegen und man braucht noch ein bisschen Fantasie, um sich vorzustellen, wie alles mal aussieht, wenn das Essbare drin wohnt.


"Klein aber OU" ist das Motto, mit dem Original Unverpackt in Berlin startet

Eine kleine Einschränkung nimmt das Crowdfunding-Start-up, das auf Kunden hofft, die den ständigen Verpackungsmüll beim Einkaufen satt haben (siehe Supermarktblog vom Mai), für die gute Lage in Kauf. Nicht zuletzt wegen der hübsch vermusterten Fliesen an den Wände, dem Tresen am Eingang und dem schlauchigen Grundriss erinnert der Laden sehr ans Tante-Emma-Einkaufen von früher – und hat zunächst einmal nur für 350 Produkte Platz. (Dazu kommen noch Hygiene- und Drogerieprodukte.) „Unser Ziel sind 600“, erklärte Gründerin Sara Wolf am Donnerstag.

Und: ja, sicher – das sind deutlich weniger als üblicherweise im Discounter rumstehen. Aber es hat ja auch niemand gesagt, dass es bis in alle Ewigkeit Sankt Aldi gewesen sein muss, der den Deutschen erklärt, wie umfassend ihr täglicher Grundbedarf zu sein hat. Treue Discountkunden dürften sowieso eher nicht die Stammkundschaft werden, auf die Original Unverpackt hofft. Damit die Idee aufgeht, braucht es Leute, die bereit sind, ihre Einkaufsgewohnheiten grundlegend umzustellen.

Eine Komplettversorgung kann das Team ohnehin nicht anbieten. Eine der schwersten Herausforderungen war’s ausgerechnet, verpackungsfreies Toilettenpapier zu einem akzeptablen Preis zu organisieren. Also gibt’s das im Laden jetzt erstmal nicht.

Dafür aber Zahnpastatabletten, Rüsselautomaten voller Cornflakes, Nüssen, Sojaflocken, Kernen und Kokoschips sowie Tofu von den Berliner Tofutussis im Pfandsystem. (Also: Das Tofu dürfen Sie schon aufessen, aber aufs Mehrwegdöschen ist Pfand.)

Im Flakes- und Nudeparadies befüllen sich Kunden die mitgebrachten Behälter künftig selbst

Auch Milchalternativen und Tomatenmark fehlen, weil sich keine Anbieter fanden, die unverpackt liefern konnten; aber Laden-Gründerin Milena Glimbovski meinte beim Vorabtermin:

„Die Produkte, die es nicht gibt, machen wir vielleicht einfach selbst.“

Erstmal muss freilich alles andere funktionieren. Und wenn das selbst erfundene Plastikbehälteraustauschsystem dazu gehört, wäre schon mal ein entscheidender Schritt getan. Denn die Berliner Hygieneaufpasser erlauben’s nicht, dass die von Kunden mitgebrachten Behälter hinter der Theke z.B. mit Käse befüllt werden. (Überall sonst im Laden scheint das kein Problem zu sein.) Original Unverpackt will deshalb selbst gereinigte Pfandbehälter befüllen, über die Theke reichen und die benutzten Behälter von den Kunden zurücknehmen. Hoffentlich ist hinterm Verkaufsraum noch genug Platz für eine große Industriespülmaschine.

Für die Marmeladen von "Rosenrot & Feengrün" aus dem Spreewald wurden trotz des märchenhaften Namens keine Zwerge zur Arbeit gezwungen

Ansonsten scheint das Team vieles von dem einzuhalten, was es versprochen hat: Ein Großteil der Produkte kommt aus der Region (z.B. die handbeschrifteten Marmeladen im Weckgläschen von Rosenrot & Feengrün), 80 Prozent ist Bio, es gibt aber auch konventionelle Ware, damit auch Kunden einkaufen können, die nicht so viel ausgeben können.

Original Unverpackt will auch in anderen Städten Präsenz zeigen. Derzeit laufen Verhandlungen mit Partnern, die sich in einer Art Franchise-System um weitere Läden kümmern könnten.

Wer sehen will, wie Original Unverpackt in Berlin aussieht, kann das ab Samstag, 13. September in der Wiener Str. 16, 10999 Berlin. Öffnungszeiten sind werktags von 8 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 19 Uhr.

Fotos: Supermarktblog

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12 Kommentare
  • In Berlin mag das funktionieren, ausserhalb von hippen Metropolen-Vierteln würden die mit so einer unauffälligen Aussendarstellung des Ladengeschäfts schon nach einem halben Jahr untergehen – weil der Laden niemandem auffällt.

  • Ich bin doch ein wenig enttäuscht. Die Gründerinnen haben ja immer betont sich zB dem Kieler Unverpackt Laden abzusetzen und mehr Produkte im Sortiment zu haben, größer zu sein, halt mehr Supermarkt. Der Laden sieht auch leider nicht wie auf den ersten Entwürfen aus.
    Grundsätzlich natürlich eine tolle Idee, keine Frage und je mehr solche Läden eröffnen desto besser.
    Ich werde nächste Woche mal einen Besuch abstatten.

  • Rubrik „Leute, die zu viel Geld haben wollen die Welt retten“ Vor allem, wie kommt denn die Ware in den Laden? Doch garantiert nicht unverpackt. Also muss das Personal auspacken und umpacken, die Kunden sehen den Verpackungsmüll nicht, er fällt aber trotzdem an.

    • Produkte werden in Mehrweg angeliefert und dann im Laden in die Behälter umgefüllt. Der Naturkost-Großhändler hat sogar zugesagt, kein Plastik um Paletten zu wickeln, sondern mit Gurten zu arbeiten.
      Hätte sich gelohnt, erstmal zu fragen, bevor man ’ne Meinung hat, ne?

  • Klasse… und die ganzen Hipster-Weltverbesserer-Gutmenschen fahren drauf ab. Doof nur, dass am Ende die Konsequenz fehlt, die Linie auch durchzuziehen. Aber wäre ja auch blöd, wenn man auf iPhone, iPad und Flugreisen verzichten müsste.

    Wie passt eigenttlich Kaffeekonsum in das Bild? Ist ja alles andere als lokal erzeugt.

    Naja, soll sich halt jeder selbst in die Tasche lügen.

  • Prinzipiell netter Gedanke, aber ich glaube, nach dem ersten Hype wird es an Kundschaft mangeln und die Leute, die sich so etwas leisten können (und wollen, weil man es im Freundeskreis so gut erzählen kann), fahren dann mit dem SUV zum Einkaufen und mal eben für nen Tagestrip nach London zum Shoppen…

    • Also ich weiss nicht, ob wirklich viele auf die Idee kommen, mit dem Auto in die Wiener Strasse zum Einkaufen zu fahren. Wenn man Spass an einer langen Parkplatzsuche hat, dann vielleicht…
      Siehe oben auf dem Foto die zwei Drahtesel. Auch als ich dort einkaufen war, war ich mit dem Fahrrad nicht allein.

      Leute, die etwas wegen des Hypes und zum Angeben machen, gibt es immer und überall.

  • Und jeden Tag einen zusätzlichen Spülgang mit der Spülmaschine, um den Berg sperriger Mehrwegpackungen sauber zu halten. Hoffentlich haben die auch unverpackte Spülmaschinentabs, die keine Feuchtigkeit ziehen.

    • Das mit dem vielen Spülen ist wirklich Unsinn. Für Trockenprodukte wie Bohnen, Getreide, Reis, Kräuter etc. muss man die Behälter nicht spülen, allerhöchstens mal mit kalten Wasser ausspülen.

  • Ich wünsche den Machern viel Erfolg.
    Es wird immer kritische Stimmen geben. Nehmt Eure sachlichen Kritiker ernst, aber vergesst die, die nur schaden wollen.
    Wenn ich mal wieder in Berlin bin, werde ich gerne mal reinschauen.
    (Ich habe aus gutem Grund keinen SUV – bin aber hier einer Meinung mit Andreas Kipp).
    Kulinarische Grüße
    Wolfgang

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