Auf gute Discounter-Nachbarschaft! Lidl sucht sich nach dem Neubau-Umzug Untermieter für seine alten Märkte

Auf gute Discounter-Nachbarschaft! Lidl sucht sich nach dem Neubau-Umzug Untermieter für seine alten Märkte

Inhalt:

Bei der Expansion und Modernisierung seines Filialnetzes demonstriert Lidl inzwischen ungewohnte Flexibilität – zum Beispiel in Zagreb, wo der Discounter nach dem Umzug in einen Neubau die alte Fläche daneben an Handelspartner vermietet.

Partner und Sponsoren:

„Schauen Sie sich die Lidl-Filialen an, die wir im letzten Jahr gebaut haben, zum Beispiel in Osteuropa. Das sind teilweise riesige Glaspaläste. Aber diese überzogene Bauweise befremdet die Menschen dort“,

hat der Lidl-Aufsichtsratsvorsitzende (und Chef der Schwarz-Gruppe) Klaus Gehrig dem „Spiegel“ im April anvertraut, um zu erklären, warum Lidl künftig wieder „mehr Kostenbewusstsein“ beim „Aufhübschen“ seiner Märkte in den Mittelpunkt stellen werde (siehe Supermarktblog).

„Befremdet“ wirken die Kunden, die an einem leicht verregneten Donnerstag im September in den Lidl-Glaspalast in Zagreb stürmen, aber nicht. Eher: einkaufslustig.

Der Parkplatz ist voll, der Laden ist’s auch, und irgendwie sieht alles danach aus, als hätte der Discounter goldrichtig damit gelegen, neben eine eigentlich ganz passable Standardfiliale im Osten der Stadt eine neue, deutlich größere und modernere zu bauen. Alleine schon, um damit dem schräg gegenüber liegenden kroatischen (Noch-)Marktführer Konzum mit seinem Flagshipstore (hier geht’s zum Supermarktblog-Ladenrundgang) mal zu zeigen, was der Wettbewerber inzwischen alles kann.


Vor allem ist die Neueröffnung Beleg einer ungewohnten Flexibilität, die Lidl bei der Expansion und Modernisierung seines Filialnetzes inzwischen demonstriert.

Wie gesagt, der alte Zagreber Markt sah (vor allem im Vergleich mit zahlreichen anderen Auslandsfilialen) eigentlich völlig in Ordnung aus:

Aus diesem Grund, ist er auch nicht abgerissen worden. Stattdessen hat Lidl den Neubau unmittelbar daneben gebaut …

… und in die alte Verkaufsfläche anschließend eine Filiale von Rewes Drogeriekette Bipa und ein Café mit großzügiger Außenterrasse einziehen lassen.

Damit hat sich der Discounter sein eigenes kleines Fachmarktzentrum geschaffen, um den Kunden noch ein paar Gründe mehr zu geben, nicht gegenüber bei der Konkurrenz vorbeizufahren.

Auch die Backwarenversorgung ist im Vergleich zu vorher noch einmal deutlich besser geworden. Direkt am Eingang werden Kunden von einem 90-Grad-Brötchenknast begrüßt, in den eine eigene „Lidl to Go“-Zelle für (warmgehaltene) Jausen integriert ist. (In der alten Filiale sah das so aus.)

Tatsächlich ist die Ladenoptik deutlich heller und großzügiger als vorher – aber das führt weniger zur Irritation, eher dazu, dass man sich als Kunde willkommen fühlt.

Bei der Anbaustrategie mag es sich um eine Ausnahme halten, die möglich war, weil auf dem Grundstück entsprechend Platz zur Verfügung stand, um den Neubau hochzuziehen und gleichzeitig den alten Markt stehen zu lassen. An vielen anderen Orten ist das nicht der Fall: Entweder wird ein alter Markt abgerissen und an derselben Stelle der neue gebaut; oder Lidl sichert sich ein (in der Regel) größeres Grundstück in der Nähe.

Aber wenn’s auch anders geht, besteht der Handelskonzern längst nicht mehr darauf, alles nach der einen Vorlage zu bauen, die einmal für das gesamte Ladennetz festgelegt wurde.

Kumpel der Kommunen

Anders gesagt: Der Discount verabschiedet sich langsam von der Standardisierung, die ganz wesentlich zu seinem Erfolg in Deutschland und Europa beigetragen hat – einfach weil es nicht mehr die erfolgsversprechendste Strategie ist, neue Läden wie Bauklötze an Orte fallen zu lassen, wo die Kunden bitteschön mit dem Auto hinfahren sollen.

Gerade hat Lidl angekündigt, sich künftig „mit flexiblen Filialkonzepten“ stärker „den örtlichen Begebenheiten an(zu)passen“ und mit Kommunen zusammenzuarbeiten – vor allem, um an neue Standorte in Innenstädten zu kommen. Im Zweifel lässt man inzwischen auch komplette Mehrfamilienhäuser bauen, um sich die Verkaufsfläche im Erdgeschoss zu sichern. Als Gegenleistung wären dem Unternehmen flexiblere Baugenehmigungen für seine Märkte nicht ganz unrecht.

Konkurrent Aldi geht ganz ähnlich vor: Um größere Verkaufsflächen in Städten zu erschließen, sei man „gerne bereit, über Lösungen aller Art, über Praxen, Wohnungen und Büros“ in Verbindung mit Aldi-Märkten nachzudenken, zitiert die „Berliner Morgenpost“ Jörg Michalek, Geschäftsführer der Aldi-Nord Immobilienverwaltung.

Wie die neue Innenstadt-Flexibilität bei Lidl genau aussieht, steht demnächst hier im Supermarktblog.

Ziehen Aldi und Lidl bei Ihnen auch an ungewöhnlichen Orten ein? Dann schreiben Sie’s doch bitte in die Kommentare!

Fotos: Supermarktblog"

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7 Kommentare
  • Vor einigen Wochen war ich in der neuen Lidl-Filiale in Neustadt an der Weinstraße. Schon auf dem sehr großzügigen Parkplatz war ich überrascht ob des Glaspalastes, der vor allem für das relativ kleine Neustadt überdimensioniert wirkt.
    Direkt hinter dem Eingang steht besagter Warmhalte-Brötchenknast, den ich aus lauter Unfassbarkeit sogar fotografieren musste – wie ein Tourist kam ich mir vor!
    Die Geräuschkulisse fand ich eher unangenehm, die ist nämlich, abgesehen vom plätschern, der eines Schwimmbades nicht unähnlich.
    Die Kassen sind allerdings super – die haben ein Rollband am Ende, also hinter der eigentlichen Kasse mit einem beweglichen Warentrenner, wie bei dm-Märkten. Das sorgt für deutliche Entschleunigung beim Einkäufe einräumen.

  • Etwas ähnliches habe ich über Lidl Aufsichtsratschef Gehringer schon mal anderswo gelesen. Wenn er glaubt, die Kunden sind bei Lidl zufrieden wenn die Anmutung der Filialen auf dem Stand der Dinge von vor 20 Jahren bleiben kann, wird er Lidl im Laufe der nächsten Jahre ins Abseits führen.

    Hier hat Aldi (Nord) seine Filiale (die ohnehin erst vor höchstens zwei Jahren neu gebaut wurde) gerade mit dem neuen Einrichtungskonzept modernisiert. Dagegen sieht der Lidl mit seinem klassischen Giebeldachgebäude und der alten Einrichtung jetzt erst recht altbacken aus.

  • Der Lidl Markt in der Kistlerhofstr. in München Obersendling wurde in vergleichbarer Weise zu einem Ladenzentrum umgebaut. Der Lidl Markt wurde in Kathedralenoptik am Ende des Parkplatzes neu gebaut. Das seitlich gelegene alte Marktgebäude in der Einheitsoptik mit Giebeldach blieb bestehen, nach einem Umbau sind ein Fristo Getränkemarkt und ein dm Drogeriemarkt ins alte Lidl Gebäude eingezogen.

  • Hab mal die Münchner Aldis klassifiziert: Von den 18 neuen der letzten 10 Jahre (inklusiv dem in Bau) ist schon die Hälfte in Wohn- oder Geschäftsgebäuden untergebracht, 4 weitere in reinen Einkaufszentren, 1 in kompakterem Fachmarktkonglomerat (auf Rewe-Center-Basis), 1 in Versorgungszentrum mit Rewe City, dm und Parkhaus, 2 im eigenen Parkhaus (darunter 1 Ersatzbau für klassische Hütte) und nur 1 in eingeschossigem Gebäude allein (aber mit Tiefgarage zusammen mit dem Edeka nebenan). Von den 19 älteren sind 12 alleinstehend (darunter 3 mit Tiefgarage und mindestens 1 mit einzelner Wohnung im Dach), 1 in Einkaufszentrum und 6 in Büro- oder Wohngebäude. Von den 4 seither geschlossenen Standorten (ohne obigen Ersatzbau an gleicher Stelle) waren 2 in Büro- oder Wohngebäude, 1 alleinstehend mit Tiefgarage und 1 an Wohnhaus angebauter kleiner Flachbau (ohne Parkplätze). Von den neueren in zentralerer Lage sind einige ziemlich klein (wohl höchstens 800 m²).

    Lidl nimmt zwar auch ziemlich suboptimale Standorte, aber wo es geht, klotzt er viel platzverschwenderischer hin als Aldi Süd. In München sind fast alle Lidls ohne Überbau. Nur innerstädtisch gibts welche vorwiegend in Altbauten. Ausnahme ist auch der im Omnibusbahnhof und ein kleiner in Neuperlach. Der Ecke Dachauer/Maßmannstraße ist in einem ehemaligen Autohaus; einige innerstädtische Lidls sind Nachnutzungen von Gewerbebauten, die teilweise von Natur aus noch ein Stockwerk mit Büros drüberhaben.

  • In Essen zog beim Neubau des Hauptbahnhofs vor 8 Jahren auch Lidl mit ein. Normal großer Laden mit 10 (?) Kassen, die natürlich nie alle besetzt sind. Der Lidl hat als Bahnhofsgeschäft sogar Sonn- und Feiertags geöffnet. Lidl hat also schon vor ein paar Jahren mitgedacht. Zumindest vereinzelt.

  • Lidl ist hier in Kassel Ende September in eine ehemalige tegut-Filiale in der Königs-Galerie mitten in der Innenstadt eingezogen (die seinerzeit wiederum aus einer ehemaligen plus-Filiale und einem aufgegebenen dm zusammengelegt wurde). Selbst für Lidl-Verhältnisse empfinde ich den Markt als riesig, die Standard-Märkte haben weniger Verkaufsfläche. Die Unterschiede liegen in der neuen Schnellkasse für bis zu 5 Artikel (war aber bei meinem Besuch nicht geöffnet, man musste sich trotzdem an der normalen Kasse anstellen) und dem Kaffee-Automaten am Eingang, und es gibt, wenn ich das richtig gesehen habe, mehr Sandwiches etc.

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