Alles viel zu kundenfreundlich! Klaus Gehrig weiß genau, was bei Lidl schief läuft

Alles viel zu kundenfreundlich! Klaus Gehrig weiß genau, was bei Lidl schief läuft

Inhalt:

Lidl gibt sich einfach zu viel Mühe, seinen Kunden den Einkauf möglichst angenehm zu gestalten. Dabei wollen die das gar nicht. Das Supermarktblog publiziert eine Liste der unfassbarsten Annehmlichkeiten.

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In dieser Woche hat der Lidl-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Gehrig (68*) dem „Spiegel“ Auskunft darüber gegeben, was derzeit bei Lidl alles schief läuft: Der Discounter gibt sich einfach zu viel Mühe, seinen Kunden den Einkauf möglichst angenehm zu gestalten! Im Februar hat Gehrig deshalb den bisherigen Lidl-Chef Sven Seidel vor die Schiebetür gesetzt und augenblicklich damit begonnen, dessen Modernisierungskurs zu stoppen bzw. rückgängig zu machen. Aus Sorge, dass die Kunden damit nicht zurecht kommen:

„Schauen Sie sich die Lidl-Filialen an, die wir im letzten Jahr gebaut haben, zum Beispiel in Osteuropa. Das sind teilweise riesige Glaspaläste. Aber diese überzogene Bauweise befremdet die Menschen dort.“

Endlich sagt’s mal einer: Osteuropäische Discountkunden verbitten sich moderne Filialen, die wollen am liebsten weiter wie im Lebensmittelalter einkaufen! Gehrig spürt das sofort, hat er im Interview gesagt.

„Ich bin jetzt seit 46 Jahren in der Branche, ich spüre sofort: Stimmt es, oder stimmt es nicht. Wenn ich zum Beispiel diese großen Eingangshallen in manchen unserer neuen Märkte sehe, das ist doch Platzverschwendung. Bei uns zählt jeder Quadratzentimeter Regalfläche.“

Was hat überhaupt Lidl davon, dass die Kunden mehr Platz kriegen? Nix, „die Umsätze stehen in keiner Relation zum Aufwand“, meint Gehrig. „Hier brauchen wir wieder mehr Kostenbewusstsein.“


Gut, ein bisschen schöner kann’s in den Läden ruhig werden:

„Natürlich muss man die Filialen aufhübschen. Aber man muss nicht einen Fußboden rausreißen, der gerade einmal sieben Jahre alt ist, und dann einen neuen verlegen lassen, der nur ein paar Nuancen heller ist. Jetzt muss viel öfter sauber gemacht werden, weil der helle Boden schneller Schmutz annimmt. Darüber hätte man vorher nachdenken müssen.“

Denkt denn außer Klaus Gehrig (68*) bei Lidl überhaupt niemand mehr nach? Scheinbar nicht.

Es ist sogar noch schlimmer: Seine Modernisierungssünden hat sich das Unternehmen nicht nur in Osteuropa zu Schulden kommen lassen, sondern auch im (vorübergehend noch befreundeten) westeuropäischen Ausland. Und sogar in der eigenen Heimat! Hier kommt eine Auflistung sämtlicher Kundenannehmlichkeiten, die sich der Discounter bei seiner vorerst gestoppten Supermarktwerdung in den Neu- bzw. Umbaufilialen überflüssigerweise geleistet hat.

Klaus Gehrig (68*) muss jetzt ganz stark sein.


Schöneberg: Das Terminal

Ohne große Not ist aus dem früheren Flachdachbau an der Schöneberger Hauptstraße vor einigen Monaten ein riesiges Flughafenterminal geworden, bei dem jederzeit die Gefahr besteht, dass die Berliner dort für ihren nächsten Urlaubsflug einchecken. (Einen richtigen Flughafen hat die Stadt ja nach wie vor nicht.)

Gleich auf den ersten Blick offenbart sich dort der Kern von Gehrigs Kritik: die Eingangshalle ist so riesig, dass Kunden mit leerem Blick in den gleichnamigen Gutautomaten hineinblicken, um ihrem (unter der Verpixelung unübersehbaren) Unwohlsein Ausdruck zu verleihen.

Rundherum steht (außer dem Coffee-to-Go-Bodyguard) – nichts. In der guten alten Discountzeit hätte es sowas nicht gegeben! Damals wurden Kunden noch angemessen begrüßt: als potenzielle Ladendiebe, die sich durch Rücklaufsperren in den Markt zwängen mussten, um sich ihren Platz in der Einkaufshierarchie zu vergegenwärtigen.

Der Fußboden war damals nur ein paar Nuancen dunkler und fast genauso schön! Vor allem sah er aber von vornherein schmutzig aus, sodass man die Kunden viel länger durch den Dreck laufen lassen konnte, ohne ihnen ständig nachputzen zu müssen.

Anstatt pflichtgemäß die Tütenpulverware anzustarren, die einst auf die Tiefkühltruhen-Überbauten geschoben wurde, haben die Kunden jetzt außerdem freien Blick über die viel zu großzügig gestaltete Frischgeflügellandschaft. Bis zur Molkereiware hinüber! Wer denkt da noch dran, ausreichend Fertigsoßen einzukaufen? Niemand außer Klaus Gehrig (68*)!


Wimbledon: Die Arena

Mit einem in Quadratzentimetern kaum messbaren Riesenschild hat sich Lidl in Süd-London an den Eingang des Plough-Lane-Kaufparks gepflanzt; dahinter erhebt sich arenenartig die Filiale, von der man annehmen könnte, die Massen strömten dorthin, um bratwurstessend große Sportveranstaltungen anzusehen.

Schon am Eingang wartet die erste Enttäuschung: „A warm welcome to Lidl Wimbledon“, werden Kunden in der Halle von großen Lettern begrüßt.

Würde diese nicht gleichzeitig zur Unterbringung des Blumensortiments genutzt, wäre das alleine schon Grund genug für die sofortige Schließung. Klaus Gehrig (68*) ist jetzt seit 46 Jahren in der Branche, und in der ganzen Zeit wollten Kunden im Discounter noch nie freundlich begrüßt werden, sondern immer bloß günstigen Schweinebauch!

Als nächstes erwarten Kunden von den Mitarbeitern womöglich gute Laune und ein Lächeln. Wenn das regelmäßig überprüft werden soll, explodieren zwangsläufig die Honorare für die inkognito einkaufenden Lächelkontrolleure!

Ein weiteres Problem sind die edlen Sortimentshinweise in dünner weißer Schrift auf schwarzem Untergrund, welche die Menschen in Großbritannien nur befremden, weil sie ganz andere Standards gewöhnt sind.

Hierzulande haben die Kunden bei Lidl immer selbst gefunden, was die Mitarbeiter zuvor in den Regalfluren regelmäßig an anderer Stelle versteckt haben – da braucht wirklich kein wertvolles Styropor verschwendet werden, um überflüssige Wegweiser an die Wände zu kleben.

Und wenn, doch bitte in Neonorange – das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nun wirklich bewährt.

Weil wir gerade schon da sind: Wer hatte eigentlich die idiotische Idee, an der Kasse Nüsschen und Wasser zu verkaufen? Schokoriegel wollen die kleinen runden Kunden von morgen! (Und die von heute Zigaretten.) Der ganze gesunde Kram kann weg. Und wehe, es sagt gleich noch einer, er wolle Plastiktüten abschaffen!

Wenigstens ein nützliches Produkt hat Lidl in Wimbledon vorrätig: Deutschkurse! Ginge es endlich mal nach Gehrig, würden die im Ausland ohnehin zur Pflicht für Lidl-Kunden. Dann ließen sich die maßlos übertriebenen Kosten für Preisschildübersetzungen einsparen.


Wilstorf: Der Luxusliner

Am allerschlimmsten ist es jedoch südlich der Elbe, wo unverantwortliche Lidl-Manager im vergangenen Jahr einen riesigen Glasdampfer eröffnet haben, in dem die Kundschaft bald sehnsüchtig darauf warten dürfte, mit Sascha Hehn an der Kasse in See zu stechen. Und das auch noch zu unnötig langen Öffnungszeiten bis 21 Uhr! (Um diese Zeit guckt doch eh halb Wilstorf „Bauer sucht Frau“.)

Das Ausmaß der Verschwendung ist für Discount-Traditionalisten nur schwer zu ertragen, schon wegen der hohen hellen Holzdecken, die höhnisch von Verschwendung künden.

Über Jahrzehnte waren Lidl-Kunden hochzufrieden damit, in niedrigdeckigen Bunkeranlagen Lebensmittel in ihren Einkaufswagen zu kehren. Inzwischen besteht nicht einmal mehr Gefahr, dass sie in den viel zu breit angelegten Gängen dabei aneinander rempeln. Und wer muss dafür zahlen? Klaus Gehrig (68*)!

Dabei weiß doch jedes Kind, dass jeder Quadratzentimeter Regalfläche zählt – auch die nach oben! In den freien Luftraum des hinteren Marktteils in Wilstorf hätte ein anständiger Lidl-Chef früher noch eine ganze Filiale reingekriegt! Schlimmer noch: Die Übersichtlichkeit, diese Vielfalt der permanent sichtbaren Ware, befremdet die hanseatischen Menschen nur.

Unterschiedliche Lichtspots und Tellerlampen, die sortimentsbezogene Lichtstimmungen schaffen, passen genauso wenig zu Lidl. Da steht die Helligkeit in keiner Relation mehr zum beleuchteten Angebot. Was ist überhaupt gegen Neonröhren zu sagen? Die machen auch schön hell, und bei seinem Firmeneintritt 1976 hat der heutige Aufsichtsratsvorsitzende ohnehin so viele auf Vorrat bestellt, dass im Keller der Firmenzentrale immer noch welche rumliegen.

Fatal ist auch, eine riesige Obst- und Gemüseabteilung direkt an den Eingang zu bauen, wenn’s am schattigen Marktende eine deutlich kleinere genauso getan hätte.

Jetzt gewöhnen sich die Kunden dran und es muss ständig frische neue Ware nachbestellt werden, weil sonst nix mehr da ist. Darüber hätte man vorher nachdenken müssen.

Genau wie über den riesigen Brötchenknast, in den permanent frische Backwaren hineingekippt werden müssen. Immerhin sind die Kunden so gut erzogen worden, dass sie die dort herausgeangelten Aufbackbrötchen selbst verpacken. Das sollte eigentlich auch mit anderen Sortimenten möglich sein, um Kosten zu sparen. (Beim Tierfutter zum Beispiel?)

Darum geht’s doch schließlich im deutschen Lebensmittelhandel: ums Sparen!

Darauf sollten sich auch die Verantwortlichen in Neckarsulm schleunigst zurückbesinnen. Für die neuen Kühlfächer über den Truhen müssen zum Beispiel extra Löcher in die Seitenwände des Markts gebohrt werden – da braucht Lidl viel mehr Bohrvermeidungsdisziplin!

Und die Flutung der Kassenzone mit Tageslicht mag auf den ersten Blick schlau erscheinen, weil Beleuchtungskosten gespart werden. Sie hat aber gleich zwei entscheidende Nachteile: 1. Weil die durchsichtige Wand schneller Schmutz annimmt, muss viel öfter sauber gemacht werden, und die Einsparungen werden direkt von den Mehrkosten für Glasreiniger aufgefressen.

2. Kunden werden während ihres Einkaufs zum Rausgucken verleitetet, wodurch sie auf die Idee kommen könnten, die nur wenige Meter daneben liegende Konkurrenz zu besuchen: Aldi Nord!

Deren Filiale ist mal ein Laden ganz nach Klaus Gehrigs Geschmack (auch 68*):

So herrlich vergangenheitsorientiert, nur mit dem allernötigsten Glas ausgestattet und samt braunem Spitzdach überm schmalen Eingang, der ganz die Bescheidenheit ausstrahlt, die der amtierende Lidl-Aufsichtsratsvorsitzende nach seinem Weggang von Aldi vor vier Dekaden mit in die Schwarz-Gruppe gebracht hat, die er auch in Zukunft als Discount-Museum zu erhalten gedenkt.

Weil Klaus Gehrig nämlich sofort spürt: Stimmt es, oder stimmt es nicht. Ganz bestimmt auch noch die nächsten 46 Jahre.

*laut „Heilbronner Stimme“

Danke an Jonas K. für den Hinweis!


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Fotos: Supermarktblog"

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34 Kommentare
  • Der Mann hat doch vollkommen Recht!
    Wenn ich in so einen „hypermodernen“ Lidl im oben angesprochenen „Osteuropa“ komme, denke ich immer kurz, ich bin hier in einem normalen Hypermarkt ….. aber das Warenangebot und das ganze Drumherum zeigt mir schnell, das ich eben falsch liege und doch nur in einem Discounter bin ….
    Nun gehe ich nicht wirklich oft in solche Läden, aber ein bißchen Neugier treibt mich schon ab und an mal da rein ….
    Aber so richtig einkaufen tut man ja dann doch wohl woanders …..

    • naja, ich geh mal davon aus, dass sogar die osteuropäische bevölkerung den unterschied zwischen hyper- und discountermarkt zu handlen weiß. und ich hoffe auch ironie 😉

  • Unser Lidl im Kiez ist auch noch so ein ganz „alter“. Die einzige Neuerung war zuletzt die leuchtenen Kassennummern und die neuen Durchsagen. Vor Jahren schon wurde der angebaute Bäcker geschlossen. Aber man hat nur Klebefolie drauf gemacht. Dafür macht in der Filiale anscheind eh jeder Angestellte was er will. Der ehemalige Filialleiter war monatelang krank und da hat sich wohl eine ganz spezielle Einstellung der Mitarbeiter entwickelt. Hohe Fluktuation inklusive. Die Angebote vom Montag findet man schon freitags in den Regalen. Meistens stehen dann da gar keine Preise dran, oft die niedrigen Angebotspreise, die dann aber an der Kasse natürlich noch nicht hinterlegt sind. Beim Thema „Preisauszeichnungspflicht“ zucken die Mitarbeiter nur mit den Schultern. Falsche oder fehlende Preise sind nicht die Ausnahme sondern die Regel. Mich wundert, dass sich keiner dieser schnittigen Verkaufsleiter um die 30 Jahre, dunkler Anzug und schwarzer Audi A4, dafür interessiert. Die fummeln manchmal im Gemüse rum, reden laut mit einem Angestellten. Aber sonst fällt ihnen nichts auf… Optische Verbesserungen wären schön. Aber zunächst sollte man die Filiale einfach mal in Griff bekommen.

  • denke mal, das ist so wie bei vielen anderen Discountern auch (besonders beim Penny) – die Qualität des Ladens steht und fällt mit dem Manager und wie weit der die Sache im Griff hat…

  • Wehe wenn Herr Gehrig herausbekommt, dass Lidl sogar über einen sogenannten ‚Online-Service‘ Ware zu den Kunden LIEFERT. Dann hängt im Hause Schwarz aber der Haussegen so was von schief, dass die verdammte ‚Marketing‘-Abteilung sofort hochkant im Einkaufswagen rausgeschoben wird!

    • Man munkelt der Dieter bestellt da selbst gern mal seinen Weihnachtsschampus – schade nur wenn der kurz vor den Feiertagen schon ausverkauft ist, dann müssen die Bereichsleiter ran und für Nachschub sorgen :-))

  • Lidl Deutschland hat seit 2011 auf bestehender Fläche ein Umsatzplus von 40 % (!) geschafft und ist in anderen europäischen Ländern auch stark gewachsen (außer in Griechenland, aber das hat sicher andere Gründe). ALDI und Penny können von solchen Zahlen nur träumen.
    Seidel war erst seit 2014 dabei und dürfte insofern nur einen Teil dessen zu „verantworten“ haben, auch lässt sich nicht sagen, ob der Umsatz mit den alten Ockerfliesen niedriger wäre. Aber wieso man jetzt eine komplette Abkehr von der Strategie vollzieht, verstehe ich nicht. Zumal bisher keine neue Strategie, sondern nur „Stillstand“ die Devise zu sein scheint.
    Interessanter wäre aber, ob überhaupt noch so viele Filialen umgebaut werden hätten sollen? Hier in der Region war man scheinbar schon durch, selbst erst 5 Jahre alte Filialen wurden jetzt zum Ende hin nochmal umgebaut. Wissen Sie dazu mehr, Herr Schader?

    Zum Glück scheint ja zumindest das Umbauprogramm bei Kaufland weiter zu laufen.

    • In München ist wohl inzwischen die klare Mehrheit anthrazit, aber es gibt auch noch etliche blaue (abgesehn von Fototapete „Münchner Rathaus“ und neuen Gittertischen). Komplett umgebaut mit querem Kombieingang (soweit baulich praktikabel), Hängeschränken, roter Kühlaktion, neuem Brötchenknast (soweit zuvor noch alte Version), Gemüse ganz vorn und neuem Boden ist wohl nur die Minderheit (darunter aber auch relativ neue). Richtige ganz neue Paläste gibts glaub ich nur ansatzweise in der Kistlerhofstraße.

      Preislich ist Lidl aber in letzter Zeit deutlich uninteressanter geworden, vorallem relativ zur Konkurrenz, die die Chance nutzt und eher preisaggressiver wird. Selbst Penny lohnt sich jetzt öfters mit Globalrabatten effektiv > 10% per App, und bei Aldi Süd sind normale Sonderangebote wohl nur noch eine Frage der Zeit, nachdem nach O&G und Fleisch neuerdings auch Brot Aktionspreise hat und es bei den Umbauten Rabattcoupons (oder vereinzelt auch direkte Rabatte) gibt. Bei Lidl reichts nach den Umbauten nichtmal mehr für die ehemals attraktiven Eröffnungsangebote. Wobei Aldi auch sehr lang mit ziemlich unattraktiven Preisen überleben hat können.

    • Was ist an der Filiale in der Kistlerhofstraße nur „ansatzweise“ neu? Die Ähnlichkeit zur hier gezeigten Filiale in Wilstorf ist hoch.

      Warum in der Filiale vor einiger Zeit weitere Kassen eingebaut wurden ist mir ein Rätsel, die ursprünglich 6 Kassen waren seit dem Eröffnungstag wohl auch nie alle gleichzeitig auf, arbeiten da überhaupt so viele Mitarbeiter gleichzeitig?

    • Es ist nur ansatzweise ein Palast, weil er wohl kaum individualisiert ist, sondern ein Serienbau ist.

      Kassen hat Lidl in jüngerer Zeit eher knapp bemessen (ganz früher waren die meist viel reichlicher). Weiß nicht, wie es in der Kistlerhofstraße ist, aber etliche könnten in Stoßzeiten mehr vertragen. Eine kaputte am Samstag führt teils zum völligen Zusammenbruch.

    • Da wird teilweise schon individualisiert, je nach Platz und Lage (seltener beim Sortimentsaufbau, aber auch dort).

    • Öfter mal was Neues: Die vor einiger Zeit nachgerüsteten Kassen sind wieder weg. Laut Kassiererin ist wohl aufgefallen, dass man im Sommer den Platz für Wasser braucht.

  • Das größte Problem der Ketten ist deren einseitige Ausrichtung.

    Aldi hat da noch am meisten Glück, die historisch bedingte Teilung in Nord und Süd hat dazu geführt, dass das Einkaufsverhalten im nördlichen Bereich (im Mittel vergleichsweise geringere Kaufkraft, extrem preissensibel) entsprechend mit der Strategie von Nord korrespondieren konnte, ohne den Erfolg weiter im Süden zu stören, wo die Kaufkraft höher ist und die Leute weniger nur auf den Preis, als auf die Preis/Leistung schauen und daher offener für neue Angebote mit höheren Preisen sind.

    Das geht soweit, dass Lidl in der Schweiz erfolglos war, bis man eingesehen hat, dass man es in Bern einfach mit ganz anderen Verbrauchern zu tun hat als in Berlin. Lidl „Suisse“ unterscheidet sich ähnlich stark von Lidl Deutschland wie Aldi Süd von Nord und schon lief das Geschäft.

    Das alte Erfolgsrezept von Kaufland, mit dem man so stark wuchs, war ja ebenfalls regionale Sortimente und sehr unterschiedlich aufgestellte Läden. Vom normalen Supermarkt in Oberbayern, der vom Verbraucher nicht von Real oder Marktkauf zu unterscheiden war, bis zum zweckmäßigen Großflächendiscounter in Gelsenkirchen​.

    Immer dann, wenn man ein Quentchen Subsidiarität erlaubt läuft es besser. Und ja, Märkte an Standorten mit schwacher Kaufkraft sollten sich auf die Kerntugenden des Discounters besinnen. Aber wenn man umgekehrt in München mit einem attraktiven Laden zusätzliche Käuferschichten ansprechen kann, zB jene denen eine große Auswahl an Obst und Gemüse wichtig ist, dann können sich die Mehrkosten mehr als lohnen.

    Letztlich geht es um Umsatz und nicht eine Diskontreligion. Die Ketten sollten nicht alle paar Jahre immer neue Masterpläne auflegen sondern den Verantwortlichen in der Region mehr Autonomie geben, die kennen ihre lokalen Märkte schließlich am besten.

    So sicherlich auch in Osteuropa, wo Verbraucher vergleichsweise wenig Kaufkraft haben, aber das Gefühl von bescheidenem Wohlstand beim Konsum ungleich wichtiger finden, einfach weil die bunte Warenwelt und Wohlstand dort noch nicht solange existieren. Und solche Mehrkosten sind das auf den Umsatz umgelegt dann ja nun wirklich nicht.

  • Seitdem es im Lidl keine Plastiktüten mehr gibt, sehe ich bei jedem Einkauf dort und fast täglich auch im Umkreis von ein paar hundert Metern irgendwo im Viertel mindestens einen Menschen, dem die offensichtlich schlecht verarbeitete Lidl-Papiertüte reißt und aller Inhalt auf den Boden purzelt.

    Ich verstehe nicht, warum die stabilen Tragetaschen abgeschafft wurden, während innen im Laden immer noch jede Scheibe Käse oder Schinken einzeln in Plastik verpackt sind.

    Den Hauptteil an Plastikmüll haben bei uns niemals die – ohnehin eher selten gekauften und dann oft zumindest als Abfalltüte wiederverwendeten – Plastiktaschen verursacht, sondern immer die einzeln verpackten Artikel.

    Wenn im Lidl (und anderen Discountern) jetzt öfter geputzt wird, finde ich das gut. Es riecht in diesen Läden ohnehin schon immer so … unappetitlich.

    • > Den Hauptteil an Plastikmüll haben bei uns niemals die – ohnehin eher selten gekauften
      Sorry, aber dann seid Ihr halt die Ausnahme. Ich sehe täglich Leute, die „unvorbereitet“ zum Einkauf kommen und dann 1, 2 ,3 .. Tüten aus der Ablage ziehen
      > und dann oft zumindest als Abfalltüte wiederverwendeten – Plastiktaschen verursacht,
      Tja, nur ist weder das Material noch die Materialdicke sinnvoll für eine Mülltüte.

      Letztlich ist es ein Unterschied, ob Sachen aus – teils übertriebenen – Hygiene-/Haltbarkeitsgründen in Plastik verpackt sind, oder aus reiner Bequemlichkeit/aus Transportgründen einmalverpackt werden.

  • Klaus Gehrig, 68 muss es ja wissen, wie Menschen die nur halb so alt sind wie er einkaufen. Nicht.
    Ist mir schließlich auch selten untergekommen.
    Aber warum sollte es bei Lidl besser sein, als bei Edeka und Rewe? Da herrscht bei uns in der Kleinststadt auch nur Stillstand bzw- Rückstand, obwohl es ganz neue Filialen gibt.

  • Also mich macht diese ganze Luftigkeit in den Läden schon etwas nervös. Ich will nicht unbedingt von einem Ende quer durch den ganzen Laden sehen können und alle die herumirrenden Mensch betrachten müssen. Da sind mir Regale bis fast unter die Decke wesentlich lieber (wenn das alles nicht zu schlecht beleuchtet ist), um mir wenigstens den Anschein von Einsamkeit beim Einkaufen zu geben.
    Es reicht völlig der Schock, wenn man um die letzte Ecke biegt und feststellen muss, wie lange die Schlange an der Kasse gerade tatsächlich ist.
    „Verehrte Kunden, sämtliche Kassen schließen jetzt. Bitte keine weiteren Waren aufs Band legen.“

  • Es kommt eben immer auf die Perspektive an! Den Vogel schießt bei uns am Ort ausgerechnet REWE ab: Immer wieder Aktionsware ohne Preisauszeichnung, Sonderangebote bei Obst und Gemüse die an der Kasse nicht im System hinterlegt sind, unfreundliches Personal und ein Manager mit Migrationshintergrund, der weite Teile seines Sortiments selber gar nicht kennt – vermutlich weil er streng nach den Vorschriften des Koran isst…

    Da sollte Klaus Gehrig mal vorbei schauen. Ach, der hat ja bei REWE gar nichts zu sagen. Schade.

    • „….und ein Manager mit Migrationshintergrund, der weite Teile seines Sortiments selber gar nicht kennt “

      Das ist ganz klar auf seinen Migrationshintergrund zurückzuführen….völlig richtig erkannt! Oh weia…

  • @ Kommentar von Mathias:
    “ und ein Manager mit Migrationshintergrund, der weite Teile seines Sortiments selber gar nicht kennt – vermutlich weil er streng nach den Vorschriften des Koran isst…“

    Was soll der braune Wortmüll?

    @ Herrn Schrader: Bitte entfernen.

  • Hallo Klaus, ich arbeite seit vielen Jahren für dich und habe sehr viel erlebt und mitbekommen. Das was du hier ansprichst ist nur die Spitze des Eisberg das was man sieht. Wenn du wüsstest was all die BVS, GL, GF, BL und leider auch schon die kleinsten in der Reihe die TL für bockmist bauen und Millionen für Millionen in den Sand setzen da würden dir die Haare zu Berge stehen. Lidl und Kaufland sind intern so aufgebaut das jeder jeden deckt und du nur die Rosinen präsentiert bekommst aber wenn Du alles wüsstest ?. Wir sollten mal ein Bier trinken gehen und dann öffne ich dir mal die Augen und du siehts dann alles von der anderen Seite. Und eines muss ich noch los werden bleibe uns noch lange erhalten denn ohne dich geht der Laden baden .

    • Sie müssten bitte nächstes Mal eine gültige E-Mail-Adresse angeben, um hier mitzukommentieren. Danke!

  • Es ist gut und richtig, dass Modernisierungen stattfinden und der Gehrig-Skepsis kann ich nicht komplett zustimmen. Teilweise übertreiben es die Discounter aber erheblich. Während Penny und vor allem Netto ohne Hund (v.a. das neuste Konzept z.B. in ehem. Kaisers-Märkten) meiner Meinung nach sehr ansehnliche Konzepte einführen, dreht der Innenarchitekt bei Lidl und Aldi Nord (neustes Konzept im Pilotmarkt in Herten) neuerdings zunehmend durch. Die Eingangshallen bei Lidl sind absurd groß und fast ungenutzt und Aldi Nord führt ein krudes Gemisch aus Supermarkt und Bonbonladen als Ladendesign ein. Beide entfernen sich damit immer mehr und sehr stark von ihren Wurzeln und ich denke nicht, dass die Mehrzahl der Kunden einen Discounter in Supermarkt-Optik wollen, vor allem nicht so übertrieben aufgebrezelt wie es sich kein EDEKA/REWE Markt wagen würde.
    Außerdem sind die Konzepte teilweise völlig inkonsistent. Kaufland z.B. bewirbt im neuen schicken Konzept die Sonderangebote jetzt auf schreiend roten Pappen im Ur-Lidl-Stil (schwarz auf rot) während das vorher schwarz auf weiß umgesetzt wurde. Auch an den Regalen, was bei der Flut an Aktionen fast schon zu Augenkrebs führt.

    • Das Problem von Kaufland ist IMHO ein ganz eigenes Thema.

      Kaufland ist historisch als Konglomerat gewachsen, z. B. regional die Märkte unter dem Namen „Handelshof“, die mehr mit Großflächensupermärkten zu tun hatten und teilweise sogar Tankstellen betrieben haben.

      Diese regional sehr unterschiedliche Aufstellung ergibt ja auch Sinn. Im Speckgürtel südbayerischer Städte gibt es keine einkommensschwachen Haushalte in großer Zahl, so dass ein Großflächendiscounter ein Problem hätte, den notwendigen Umsatz zu erzielen. Da muss man eben nun einmal einfach mehr klassischer Großflächensupermarkt sein und auch die „Augenkrebsreklame“ etwas zurückfahren.

      Diese Freiheit scheint es derzeit bei K aber nicht mehr zu geben, man denke nur an die massiven Auslistungen letztes Jahr, wo auch zahlreiche regionale Produkte, die durchaus stark nachgefragt wurden, verschwunden sind.

      Das ist, wie gesagt, ein ganz eigenes Thema.

    • Was sind denn die »Speckgürtel südbayerischer Städte« konkret? So viel Kaufland gibts da nicht, und die, die ich kenn, waren früher optisch unterhalb von Real. So lang ist es auch noch nicht her, dass in Deutschland Supermärkte oder gar SB-Warenhäuser ihre Läden durchstylen, abgesehn von Einzelfällen. Die Notwendigkeit ergibt sich auch nur durch die Konkurrenz, nicht durch die Kundschaft an sich.

      Kaufland ist eigentlich im Vergleich zu sonstigen Vollsortimentern ziemlich homogen ohne größere Übernahmen oder gezielt diversifizierte Konzepte gewachsen. Handelshof waren eher die meist älteren (kleineren) Verbrauchermärkte. Jedenfalls kein Vergleich zu dem, was Rewe alles abdeckt oder früher allein dem Unterschied zwischen HL und Minimal. Tankstellen hat übrigens auch Aldi (zumindest in Österreich), abgesehn von den kostenlosen E-Tankstellen.

  • Lidl ist kein Discounter mehr. Wer weiß denn noch die Eigenschaften von einem Discounter?
    Das Sortiment, die hohe Warenumschlag Häufigkeit. Dadurch spart man am Einkauf und kann den Preis weiter runterdrücken. Denn wenn wir nur von einem Hersteller die Konfitüre kaufen.
    Ich könnte hier ein Fachbericht schreiben

    • dann tu das doch und ergehe dich nicht in hätte/würde/könnte. würde hier sicher jeden freuen das lesen zu können!

      schon die möglichkeit bedacht, dass lidl den klassischen hart-discount erweitert und damit selber entwickelt hat? dann wäre es noch dicount aber vielleicht eben nicht mehr so wie eine definition von vor 68 jahren es vorgibt;)

  • Vielen Dank für den (mal wieder) herrlichen Artikel.

    Bei uns im Ort wurde der Lidl auch grad über mehrere Wochen saniert und ist zur Neueröffnung auch wirklich toll (entschuldigung, Herr Gehrig, kleiner Tippfehler – ich meinte natürlich, unübersichtlich und scheußlich!) geworden.

    Nur die Styropor-Lettern an der Wand sind schon am zweiten Eröffnungstag teilweise abgefallen und lagen dann zwischen der Ware rum. Da wurde scheinbar beim Kleber gespart, so dass man jetzt bis zum nächsten Aktionstag warten muss.

  • Der Artikel ist wirklich gut – diese Ironie ist perfekt. Zahlen aber letztlich nicht die Kunden für die Wahren?
    Denn eins muss klar sein: als Manager mit 68 Jahren ist „Betriebsblindheit“ definitv eine Verharmlosung der Proplematik dieser Person. Dass die Lidl Weißheiten anno 1970 erst das Unternehmen so groß und wertvoll gemacht hat, lässt sich nicht bestreiten. Aber dies ist im Jahre 2017 definiv betriebsschädigend. Und ich hoffe, dass Herr Schwarz so ein Weitblick dafür hat. Denn mit dem „100% STOPP“ der Modernisierungswelle ist auch ein fehler im Management.
    Denn wie hat sich Lidl im Verleich zu früher geändert?
    40% mehr Umsatz, fast 1/3 mehr Warenangebot im Sortiment, und kleine Gänge sind selbst bei Aldi Vergangenheit. – Herr Gehring darf nicht vergessen was mit Schlecker passiert ist: denn die einstigen engen, und zugestellten Gänge hatte viele Kunden abhehalten dort einzukaufen. Zumal dies sogar bei dem Unternehmen DM als Umsatzgarant gilt.

    Ok. Die neuen Märkte von 2016 sind was besonderes. Und sicher für manchen älteren Herren im Managment „erschreckend“ – Der beste Beweis, dass durch das aktuelle Changemanagement zurück zu den 70-90er Jahre der größte Manangemntfehler begangen wird besteht darin, daß laut Aussage große Lidl Märkte im Osteuropa die Bevölkerung dort „befremdet“. Diese Agumentation ist hochgradig weltfremd. Die Schizophrenie besteht darin, dass in diesen recht ärmlichen Ländern selbst die regionale Konkurrenz (..auch Diskounter) die größten „Glaspaläste“ mitten in alten Plattenbausiedlungen baut und erfolgreich Umsatz macht.

    Aber das wahre Problem besteht darin, dass Lidl ein Idenrifiktationsproblem hat.
    Die Zeiten für Discounter mit nur 700 Artikel wie früher bei Aldi ist seit dem Verkauf von Plus an Edeka/Netto (ohne Hund) und der Konzentation Rewe/Edeka vorbei.
    Bleibt Lidl ein Diskounter – hat aber dank der starken Konkurenz durch Netto (ohne Hund) und Aldi auf dauer ein Problem sein Umsatz und Maktposition zu behalten. Müsste aber auf Dauer regionale Discounter wie Netto (mit Hund) übernehmen. Und das bevor die neue Einkaufsallinanz mit Real, Bartels-Langness und Bünting zu einer echten Konkurrenz zu Markant und Edeka wird. Denn bei den Firmen Bartels-Langness und Bünting stecken Unternehmen, die unter den Namen Famila SB Warenhaus jeweils eigene Märkte betreiben und durch die Übernahme Coop Kiel/Sky an Rewe – verbunden mit den Verkauf von Märkte an Famila als Auflage vom Kartellamt und Verkauf der Citti Supermärkte in Norddeutschland somit auf Dauer eine starke Konkurrenz für Lidl und Kaufland bedeuten wird. Denn mit einem starken Netto (mit Hund) mit Wachstumspotential wird auch für Bartels-Langness und Bünting von Vorteil sein.

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