Reals Mogel-Modernisierung in Dinslaken: Dasselbe in Grau

Reals Mogel-Modernisierung in Dinslaken: Dasselbe in Grau

Inhalt:

Vor einem halben Jahr verpasste sich Real einen neuen Markenauftritt und kündigte umfassende Modernisierungen für seine Läden an. In der Realität eines durchschnittlichen Real-Markts bleibt davon aber leider nicht viel übrig.

Partner und Sponsoren:

In der festen Absicht, niedrigere Gehälter für seine Mitarbeiter durchzusetzen, verzettelt sich Real gerade massiv mit den Gewerkschaften. Weil es mit Verdi keine Einigung gab, beschlossen Geschäftsführung und Metro-Vorstand eine Abspaltung des Warenhausgeschäfts, das auf die Dienstleistungs-Tocher Metro Services GmbH übergehen sollte, um Mitarbeiter nach dem dort geltenden Tarif bezahlen zu können. Daraufhin hat die zuständige Kleingewerkschaft DHV der Metro die Vertragsbeziehung gekündigt.

Metro argumentiert, eine Senkung der Personalkosten sei dringend notwendig, damit Real im umkämpften deutschen Markt bestehen könne.

Aber das ist allenfalls die halbe Wahrheit. Die SB-Warenhauskette krankt vor allem daran, dass Metro über viele Jahre nicht die notwendigen Investitionen bereitgestellt hat, um die zum Teil stark heruntergekommenen Läden angemessen zu modernisieren und ein zeitgemäßes Konzept für sie zu entwickeln.


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Dabei hatte sich Real Ende des vergangenen Jahres noch so viel Mühe gegeben, alles nach Neuanfang aussehen zu lassen. Im November meldete das Unternehmen, sein in Krefeld getestetes „Markthallen“-Konzept (siehe Supermarktblog) habe sich als voller Erfolg erwiesen. (Alles andere wäre auch äußerst peinlich gewesen, nachdem Metro-Chef Olaf Koch den Umbau schon frühzeitig zum Hit erklärt hatte.) Weitere „Markthallen“ sollen in Braunschweig und Bielefeld eröffnen.

Von den in Krefeld gewonnenen Erkenntnissen profitierten aber „auch zahlreiche weitere real Märkte durch erweiterte Sortimente“:

„Angefangen von hausgemachten Artikeln und einem großen Angebot an regionalen Produkten über den Ausbau nachhaltiger Sortimente bis hin zu einem erweiterten persönlichen Service und einer besseren Vernetzung mit digitalen Angeboten.“

Real-CEO Henning Gieseke ließ sich mit den Worten zitieren:

„Wir werden daher die ‚Markthalle‘ konsequent ausrollen und Elemente daraus auch in anderen real Märkten umsetzen.“

Drei Wochen zuvor hatte sich Real bereits einen neuen Markenauftritt verpasst, seinem Logo einen neuen Anstrich verpasst und angekündigt, in allen Läden künftig einen veränderten Schwerpunkt setzen zu wollen (siehe Supermarktblog):

„Auf Basis des neuen Corporate Designs werden bereits die ersten ausgewählten Märkte umgestaltet. So erhalten sie neben dem neuen Logo zusätzlich auch im Markt deutlich sichtbare Veränderungen. (…) Durch eine Konzentration auf die wichtigsten Nonfood-Produkte erhält das Lebensmittel-Sortiment mehr Platz im Markt.“

Ein halbes Jahr später ist es erstaunlich still um diese Initiative geworden, und deshalb Zeit, sich mal anzuschauen, was von all den Versprechungen tatsächlich in den Märkten ankommt, die keinen „Markthallen“-Vorzugsumbau genießen werden. Aber dafür weiterhin den Großteil des Filialnetzes ausmachen, mit dem das Unternehmen in den kommenden Jahren wieder erfolgreich werden will.

Zum Beispiel in Dinslaken.

Der dortige Real-Markt am Rande des Stadtzentrums ist keine Schönheit und kein Vorzeigemarkt, gehört aber zu Läden, die bereits nach dem neuen Markenauftritt umgestaltet wurden – und eignet sich deshalb ideal für einen Alltags-Check. Bereits der grau getünchte Kundentresen mit dem dunkelblauen Real-Logo weist am Eingang darauf hin, dass sich etwas verändert hat. Leider wird die Realität (wie gewohnt) nicht den Schmuckbehauptungen gerecht, die sich die Real-Pressestelle für sie ausgedacht hat.


Nonfood: Im Laden bestellen, was andere online kaufen

Dabei löst Real tatsächlich das Versprechen ein, auf den 5.200 Quadratmetern nur noch grundlegende Nonfood-Artikel anzubieten und den Rest der Fläche den Lebensmitteln zu lassen. Die Chance, dafür auch den Marktaufbau zu verändern, hat die Handelskette in Dinslaken jedoch ungenutzt gelassen.

Wer den Laden betritt, wird weiterhin nicht mit inszenierter Obst- und Gemüse-Vielfalt gelockt (wie das inzwischen selbst bei Discountern zum Standard wird), sondern steht zwischen Sonderverkaufsfläche und Technikabteilung, während im breiten Mittelgang weiter vorne schon ganz aufgeregt ein alter Bekannter winkt: der „Alles 1€“-Papppanzer. (Grüße!, soll ich sagen.)

Die „bessere Vernetzung mit digitalen Angeboten“ sieht so aus, dass jemand einen in Microsoft Word erstellten DIN-A-4-Zettel auf Umweltpapier ausgedruckt hat, der in einem Plastikaufsteller vor dem TV-„Angebot der Woche“ Reals Online-Kompetenz ganz treffend zusammenfasst:

„Unsere Online – Highlights: Amazon Fire TV Stick

Sehr geehrte Kunden, diesen Artikel können wir für sie [sic] hier vor Ort bestellen.“

Wasch- und Trockengeräte gibt es im Laden keine. Um das Sortiment trotzdem zu präsentieren, hat sich im Foyer des Mini-Centers, wo Real Unterschlupf findet, ein Waschmaschinen-Begrüßungskommitee installiert (siehe Titelfoto), das verspricht:

„Noch mehr Auswahl, einfach bestellen!“

Nicht am Tablet oder Touchscreen, nein, sondern aus dem darunter angebrachten Ringbuch-Laminierkatalog. Dieses Ensemble hält die Metro-Tochter in Dinslaken auch für angemessen, um ihre Kunden beim Einkauf „Herzlich willkommen!“ zu heißen.

Wer lieber ein Fahrrad erwerben möchte, hat sich ja bereits – wie früher – am Rolltreppenabgang vom Parkhaus ausführlich informieren können.


Ladendesign: Bisschen Farbe wird schon reichen

„Die bisher farblich unterschiedlichen Fachabteilungen werden in Zukunft mit einem einheitlichen, modernen Farbcode und neuen Wandschriftzügen gestaltet“,

kündigte Real im November das verbesserte Ladendesign an – und in der Tat ist der komplette Laden nun in Betongrau gestrichen, auf dem weiße Sortimentshinweise angebracht sind. Das zementiert zwar eine gewisse Ruhe im Laden, geht in diesem Fall aber zu Lasten der Übersichtlichkeit. Und zwar, weil Real nicht mehr hinschreibt, was im Regal zu finden ist, sondern die Sortimente nach seinem „Das Gute leben“-Prinzip chiffriert.

Das heißt, die Hinweise setzen sich zusammen aus „Gutes“ und einem Synonym für das gemeinte Sortiment: „für süße Momente“ (Süßwaren); „für ein schönes Heim“ (Haushaltswaren) bzw. „zum Start in den Tag“ (Frühstück) und „aus Schrot und Korn“ (Backwaren).

In der Krefelder „Markthalle“, die dafür Pate stand, ergibt diese Kennzeichnung einigermaßen Sinn, weil der riesige Laden inklusive Gastronomie im Wesentlichen für Einkaufsbummler angelegt ist. Anders als der reguläre Real in Dinslaken. Vor allem erfordert diese Kennzeichnung – so ganz ohne unterstützende Piktogramme – jedes Mal eine Transferleistung des Kunden, der am einen Ende des Ladens einfach nur wissen will, wo am anderen Ende verdammt noch mal die Cornflakes stehen.

Abgesehen davon, dass die „Gutes“-Deklaration auf viele Abteilungen allenfalls mittelmäßig passt (kaufen Sie sonst auch „Gutes aus der Welt der Technik“?) – oder unfreiwillig komisch wirkt.

Mag sein, dass Real mit der neuen Gestaltung aufgeräumter sein möchte; erstaunlicherweise ist die jetzige Umgestaltung aber eine 180-Grad-Kehrtwende zum vorigen Ladendesign, das ganz zentral auf Farbkennzeichungen und Sortimentssymbole setzte und vor nicht einmal fünf Jahren als Nonplusultra angekündigt war („Die neu gestalteten Abteilungen mit einladendem Ambiente bieten breite Gänge, eine große Auswahl, interessante Angebote und viele Ideen für den Alltag“).

Konsequent weiterentwickelt hat dieses Prinzip nicht etwa Real, sondern Großflächen-Wettbewerber Kaufland, der für seine ebenfalls stark modernisierungsbedürftigen Filialen die richtige Balance aus Erneuerung und SB-Warenhaus-Tradition gefunden zu haben scheint. (Und dafür auch deutlich mehr Geld ausgeben dürfte.)


Ambiente: Dinslaken ist nicht Krefeld

Reals Ankündigung vom November umfasste „deutlich sichtbare Veränderungen“ in den renovierten Märkten. Und wenn man den Kundenurteilen im Netz glauben darf, hat sich die Situation in Dinslaken im Vergleich zu vorher wirklich verbessert. Objektiv betrachtet ist das allerdings eher als Armutszeugnis für den vorherigen Zustand des Markts zu werten.

Denn in vielen Sortimenten scheint sich bis auf einen neuen Anstrich gar nicht viel geändert zu haben.

Obst und Gemüse werden nicht mehr in Marktstandoptik, sondern schlichterer Schiefertafeloptik präsentiert, im Wesentlichen besteht die Abteilung aber weiterhin aus aufeinander gestapelten schwarzen Mehrwegboxen. Auch Monate nach dem Umbau war offensichtlich keine Zeit, das alte Abteilungslogo auf der Rückseite der Preisschilder durch das neue zu ersetzen.

Die Weinabteilung mit den bordeauxfarbenen Metallmarkisen, in denen die Spot-Beleuchtung eingelassen ist, scheint völlig unberührt geblieben zu sein.

Und die „Hausbäckerei“ zwingt Kunden weiterhin, Aufbackware in vorgepackter Menge zu kaufen – anstatt sich die gewünschte Anzahl an Brötchen bzw. Snacks selbst aus der Aufbackzelle zu rütteln, wie es fast überall sonst Standard ist.

Nicht mal in der Drogerieabteilung hat das Budget für einen neuen Boden gereicht.

Die „Hausgemacht“-Kühltruhe steht verloren im Mittelgang herum.

Vor der Tiefkühlabteilung am hinteren Ende des Markts (die dort aus Auftaugründen nicht hingehört) haben sich schon wieder rabattierte Restposten in Gittertischen zusammengerottet, um dort auf ihre Erlösung durch einsichtige Schnäppchenjäger zu warten. („Ignorieren Sie das einfach“, sagt der Marktmitarbeiter, der Gäste daran vorbei in Richtung Lager führt.)

Die Wochenangebote werden weiterhin um die Warensicherungssäulen getackert.

Und überall dort, wo auf der Verkaufsfläche ein bisschen Platz gelassen wurde, tagt schon wieder die Jahreshauptversammlung der Sonderpostenpappaufsteller.

Die Schwarz-Weiß-Optik und das Symbolrind, das „Gutes von unserem Meistermetzger“ verspricht, erinnert in der Tat (deutlich unaufwändiger) an das Krefelder Thekenbeschilderungsvorbild. Weitere Elemente aus der erfolgreichen „Markthalle“, von denen Real einige doch in die übrigen Filialen integrieren wollte, entziehen sich in Dinslaken vollständig ihrer Sichtbarkeit.

Obwohl Platz gewesen wäre, gibt es keine ernst zu nehmende Gastronomie in Eigenregie, nicht mal im Miniformat, sondern bloß: die gute alte Heiße Theke; eine grundlegende Überarbeitung der Sortimentsanordnung fehlt ebenso wie SB-Kassen für Schnelleinkäufer.

Mag sein, dass das hier alles nicht hingepasst hätte. Aber das belegt nur, wie ungeeignet Krefeld als Vorbild für den Großteil des Filialnetzes tatsächlich ist – und wie nutzlos, um Real als Ganzes zukunftssicher aufzustellen.


Real behauptet, „Der beste Wochenmarkt Deutschlands“ sein zu wollen; in Dinslaken entpuppt sich das aber bloß als Fortsetzung der Strategie, die das Unternehmen auch bisher schon verfolgt. Alle paar Jahre entstehen Konzeptmärkte, die sich von Kunden, Journalisten und Lieferanten kurz als wegweisende Neuentwicklung bestaunen lassen; die meisten Änderungen kommen in den übrigen Läden aber entweder gar nicht an, oder erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät und die nächste Modernisierung notwendig geworden ist.

Das ging so lange halbwegs gut, wie ein großer Teil der Wettbewerber mit ihren Ladenformaten ganz ähnliche Strategien verfolgte. Spätestens seitdem die Discounter viel mehr Wert auf eine zeitgemäße Optik im Laden legen, dürfte diese Strategie aber im Eiltempo zu einem ganz massiven Wettbewerbsnachteil für die Metro-Tochter werden.

Mag sein, dass sich so Kosten einsparen lassen.

Aber wenn Real auch sein übriges Netz so zu modernisieren gedenkt wie in Dinslaken und Mitarbeiten abverlangt, demnächst zu schlechteren Konditionen als bisher zu arbeiten, ohne dass es ein schlüssiges Konzept für die Zukunft gibt, würde ich im Moment nicht darauf setzen, dass die Handelskette in vier Jahren noch eine Chance hat, die nächste Runde der Minimalkosmetik zu erleben.

Fotos: Supermarktblog"

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21 Kommentare
  • Den Umbau hätte man sich wirklich sparen können. Das ist viel zu wenig. Hier bei uns in Braunschweig wird dieses Jahr die Markthalle eröffnen. Aktuell wird umgebaut und einige Teile sind schon fertig. Der Verkauf geht weiter. Das was man sieht, gefällt schon mal. Einzig: Die Regale werden teilweise kleiner und Gänge viel schmaler als zuvor. Das Sortiment scheint zu wachsen, jedoch sinken die Mengen der jeweiligen Produkte. Ansonsten bisher ganz schick. Ich freu mich drauf 🙂

  • Real lernt es halt einfach nicht. Wenn ich die Bilder hier sehe, habe ich viele Deja-Vus zu dem Real im DEZ-Einkaufszentrum in Kassel, der Anfang 2016 dichtgemacht wurde, und das zurecht, da er auch schon reichlich angejahrt und runtergekommen war – dieselben hässlichen 70er-Jahre-Fliesen, und natürlich die obligatorische Allee aus 1€-Artikel- und allen erdenklichen sonstigen Pappaufstellern im Eingangsbereich. Und bei der Farbgestaltung muss ich an Ödipussi denken: „Wir waren mit Grau eigentlich sehr zufrieden…“ Wenn das so weitergeht, dürfte real bald ein ernsthafter Übernahme-Kandidat werden. Vom restlichen Metro-Konzern wurde er ja schon weitgehend abgespalten, und da anscheinend auch weiterhin Investitionen ausbleiben, könnte Metro die unliebsame Tochter bald ganz abstoßen.

  • Vielleicht zeigt das ja auch nur, dass Handel und Börsennotierung nicht zusammen passen. Da scheinen die inhabergeführten Unternehmen deutlich erfolgreicher zu sein. Zumindest in Deutschland. Ob es die Familien Albrecht, Schwarz, oder die vielen EDEKAner und REWEaner sind. Die kümmern sich um ihre Läden und entwickeln sie zukunftssicher weiter.
    Der Metro-Konzern (das was noch übrig ist) muss jedes Quartal eine neue Story (Konzeptmarkt) raushauen um die Börse bei Laune zu halten. Zuletzt wird auch noch eine Dividende gezahlt.
    Der Eigentümer steck das Geld in seine Läden und sorgt auch meistens für seine Mitarbeiter.

  • Real wird in wenigen Jahren Geschichte sein. Die Metro hat überhaupt kein Interesse, die Kette mit viel Geld auf den Standard zu bringen, den der Rest des deutschen Einzelhandels schon mindestens vor 10 Jahren erreicht hat und die Zeit ist ja nicht 2008 stehen geblieben. Mit Bodenfliesen von 1983 und einem neuen „Konzept“ alle 5 Jahre wird Real scheitern und das scheint von der Metro schon mit Vorsatz betrieben zu werden. Kaufhof wurde verkauft als er noch rentabel war, Real war und ist nicht rentabel und der Metro ein riesiger Klotz am Bein. Die Kette wird auch niemand kaufen, vor allem nicht als Gesamtpaket, also schludert man noch etwas vor sich hin und irgendwann gehen die Lichter aus und daran ist dann niemand schuld. Das Markthallen-Konzept ist 2, 3mal ganz nett und mehr nicht. Und aus den bunten Zirkus- depressiv-graue Ramschbuden zu machen wird da auch nicht mehr helfen. Kaufland macht aktuell alles richtig aber da sehen selbst die Märkte von 2003 mit vergilbten Fototapeten besser aus als der neuste Real. Und so leid mir das für die Mitarbeiter täte, Real ist für mich das Unternehmen im Einzelhandel, das seine Berechtigung am Markt zu sein inzwischen mehr als verwirkt hat.

  • Interessant dürfte sein, wer an Real Interesse hätte, falls es wirklich zum Verkauf kommen sollte – da die einheimische Konkurrenz wenig Interesse haben dürfte und ein Einstieg von Edeka oder Rewe aus kartellrechtlicher Sicht bedenklich wäre, wäre das doch eigentlich die Gelegenheit für einen großen ausländischen Konzern wie Auchan, Carrefour, Tesco oder Walmart, es (noch mal) auf dem deutschen Markt zu versuchen.

  • Ich verstehe es bei real einfach nicht. Es scheint so, als habe keiner der Verantwortlichen in den letzten zehn Jahren auch nur einmal selbst eingekauft bzw. seine(n) Haushälter(in) nach der Meinung gefragt.

    Es gibt tatsächlich immer noch Gründe, derentwegen man sich (widerwillig) zum real begibt. Bei uns wären das insbesondere im Sommer der große Getränkemarkt in Kombination mit einer Frischetheke, hinter der ein Metzger tatsächlich noch spontan Fleischwaren herrichten kann, die überaus beeindruckende Wein- und Spirituosenauswahl, die selbst den Vergleich mit inhabergeführten Edeka-Filialen gewinnt oder auch die im Vergleich zu Kaufland oder REWE besser durchdachte Auswahl an Molkereiprodukten. Aus der sehr großen Nonfood-Sektion brauchen wir aber maximal manchmal ein Küchenutensil oder -kleingerät. Niemand braucht eine ganze Reihe an unterschiedliche Thermoskannen oder eine ganze Wand mit Mülleimern. Genausowenig brauchen wir den riesigen Modemarkt in der Mitte, der im Übrigen bei den mir bekannten Märkten immer mindestens einen Vorkassenmieter (Schuhgeschäft, Damenboutique,…) torpediert.

    Wenn man also den ganzen Nonfood-Kram auf das wirklich schnell mal Nötige fürs Wochenende reduzierte, würde in der Mitte des Marktes so viel wertvoller Platz geschaffen, auf dem man die außerordentlich guten Sortimente in angenehmer Atmosphäre präsentieren könnte. Ob die Leisten an der Wand dann rot, grau oder lila mit weißen Punkten gestrichen werden, wäre uns ziemlich egal.

  • Nun, die Warenwirtschaftsysteme in den Märkten werden es wohl besser wissen, aber: Wer kauft denn ernsthaft seine Waschmaschine, sein Fahrrad oder den Kaffeevollautomaten für x-hundert Euro im real? Lässt sich mit den billig-Ramschklamotten und den ganzen Spielwaren wirklich Geld verdienen?

    Wenn man sich davon mal lösen würde (im gleichen Atemzug dann wohl mit ‚Einmal hin, alles drin‘) und alles neu strukturieren würde, hätte man auch gleich eine bessere Atmosphäre. Real ist super, wenn man neben dem täglichen Bedarf auch noch Briefumschläge oder vielleicht einen neuen Sparschäler braucht – aber alles andere vergleicht man doch heute online oder schaut zumindest im Fachmarkt (und wenns nur Saturn ist) vorbei….oder?

  • Jedenfalls lässt sich mit solchen Sachen mehr Geld verdienen als mit Lebensmitteln (sofern es jemand kauft). Ich hab zumindest schon einen Kühlschrank im Real gekauft. Real spricht halt primär ein Segment unterhalb vom Saturn oder so an und ist da zuweilen durchaus attraktiv. Irgendwas muss er schon bieten, damit er die größeren Läden vollkriegt, und da wird es nicht überall reichen, nur gehobenes Publikum anzusprechen.

  • die margen im non-food sind im schnitt einfach besser und dazu können die sachen nicht verderben. bei zusätzlich entsprechend langen zahlungszielen macht man dann einfach gutes geld mit den kühlschränken. da lacht das controllerherz und wenn ich mich nicht irre ist der controller bei der metro oft derjenige der sachen de facto entscheidet…

  • @Stephan: Ich habe vor ca. acht Jahren auch mal einen Fernseher bei real gekauft. Die Auswahl ist bei Media Markt/Saturn zwar größer, aber dafür ist real in solchen Dingen halt sehr günstig. Und das Angebot bei Kleidung ist bei real eigentlich sehr gut – es gibt keinesfalls nur „billig-Ramschklamotten“, sondern häufig Markenware zu stark reduzierten Preisen, da habe ich schon einige Schnäppchen gelandet. Dass sich das Spielzeug gut verkauft, dürfte schon alleine daher rühren, dass real einer der wenigen Verbrauchermärkte ist, die überhaupt noch eine große Spielwarenabteilung haben, da klassische Spielwarenläden ja auch längst eine aussterbende Spezies sind.

    @Peer: Und warum geht sie dann bei dir?

    • Weil ich übers Backend antworte. Könnte sein, dass das DSGVO-Plugin mit dem Häkchen im Frontend dazwischen funkt. (Deshalb gibt’s leider momentan auch keine Kommentar-Abo-Möglichkeit mehr.)

  • ah das DSGVO-plugin im frontend, klassisches problem 😉

    @frank das sehe ich ähnlich nur hat real da vermutlich ein wahrnehmungsproblem. wenn man mit dem edekaner um die ecke eben verbindet dass er neu und schön ist dann geht ein gewisser teil der kundschaft eben dort hin. supermärkte bzw die entscheidung für oder gegen einen bestimmten ist heute eine äußerst emotionale entscheidung. die gefühlte fahrtzeit zu einem markt kann da schon den ausschlag geben. einige menschen benötigen beim lebensmitteleinkauf offenbar das viel beschworene einkaufserlebnis. zweckeinkäufern ist die anmutung vermutlich eher egal. die frage ist ob real mittelfristig von letzteren leben kann und ob die wettbewerber die nähere umgebung mit eigenen märkten zupflastern und dem kunden damit den weg verkürzen.

    • Naja, um’s kurz zu erklären: Ab 25. Mai gilt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union zur Verarbeitung personenbezogener Daten und ich bemühe mich (wie zahlreiche Menschen, die ins Internet schreiben) nach bestem Wissen, dieses Blog so umzurüsten, dass es allen Vorgaben gerecht wird. Das passiert auch über entsprechende Plugins, die wiederum nicht zwangsläufig kompatibel sind mit anderen Plugins, die bislang zum Einsatz kommen, um das Bloggen und Kommentieren möglichst komfortabel für alle zu gestalten. Im Konkreten heißt das in diesem Fall: Ich bin angehalten, von jedem, der hier kommentiert, dessen Einverständnis einzuholen, dass ich die beim Kommentieren angegebenen Daten speichern kann (bzw. muss, um eventuellem Missbrauch vorzubeugen). Deshalb der Haken unter dem Kommentarfeld. (Und womöglich die Beeinträchtigung der Antworten-Funktion.)
      Falls jemand einen kompetenten Freelancer kennt, der WordPress-Aufträge annimmt, hätte ich großes Interesse an seinem Kontakt.

  • In Berlin besteht bei real (ohne ,- ) schlicht das Problem, dass in ihren übrig gebliebenen Märkten trotzt teilts mit Joint Venture mit ECE (Otto Konzern) – hier als Beispiel Berlin Treptow und Hellersdorf – oder ganz (Wedding – Schillerpark) die Eigentümer des jeweiligen EKZ´s sind. Nur noch der Makrt in Spandau und der ehemalige Wallmakt in Neuköln sind in extrene EKZ´s eingemietet. Dieser aber wiederum oft viel sauber und geplfegter. Die im Joint Venture befindenen Märtke haben den typischen bunten Style Anfang der 90er Jahre. Da ECE selbst in seine eigene Einkaufstempel investiert, werden diese weiter verfallen. Der Leerstand beträgt dort 30%. Ich vermute sehr stark, dass diese dank steigender Immoblielenwert und deren städtische Lage den Wert des Unternehmens real , oder gar das Unternehmen Metro AG inderekt hochhalten um so noch ihren Marktwert künstlich hoch halten.
    Im Vergleich ein Beispiel: Laut einer mir bekannten Creditrefom Abfrage vor über zehn Jahren war des regionale Tochterunternehmen Berlin / Brandenburg von Kaufland (mit ca. 16 Märkte) reditwürdig in einer Höhe 3/4 Millionen Euro. Mittlerweile gibt es fast das doppete an Märkten und vermutlich mehr als eine Millionen Euro… Man beachte, dass zwischen dem regionalen Unternehmen und der Muttergeselschaft (der Stiftung) noch weitere Unternehmen sehen.
    Bei real wird dies durch die Immoblielen so künstiich hoch gehalten

  • Ehrlich gesagt war ich seit Jahren in keinem real, aber den folgenden Artikel fand ich spannend: https://www.presseportal.de/pm/116043/3712324
    Real ist nach Edeka die Kette mit dem höchsten Preis für den gesamten Einkaufskorb, also sogar deutlich teurer als Rewe, und selbst Eigenmarken sind hier überteuert. Das Obst kostet fast doppelt so viel wie bei Lidl, so der Bericht.
    Das könnte einerseits das Grundproblem sein, wieso viele Kunden wegbleiben. Andererseits sollte es für eine wahnsinnig gute Marge sorgen, weswegen der Umgang von Metro mit dem Geschäft etwas verwunderlich ist.

  • Profit machen Supermärkte nicht mit Marge, sondern mit Masse. So wurden beide Albrechts zu Milliardären. Ich war kürzlich zum ersten Mal überhaupt in einem Real, auch nur weil ich auf Durchreise in Saarbrücken war und mich gerne in Supermärkten verpflege.

    Kurz gesagt: schrecklich. Kaltweiße Leuchtstoffröhren, uralte Einrichtung, keine Orientierung. Kaufland hat selbst in unsanierten Geschäften angenehmeres Interieur und definitiv niedrigere Preise. Ich habe mich gefragt, ob die anderen Kunden auch nur zufällig reingestolpert sind oder da tatsächlich regelmäßig hingehen.

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