Noch mehr Rezeptsets: Greenyard testet Gemüse-Kochboxen im deutschen Handel

Noch mehr Rezeptsets: Greenyard testet Gemüse-Kochboxen im deutschen Handel

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Auch Gemüseproduzenten und Markenhersteller wollen vom Hype ums betreute Kochen profitieren – und bringen eigene Rezeptsets mit frischen Zutaten und Gewürzmischungen in die Supermärkte.

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Täuschen Sie sich nicht, der Hype ums betreute Kochen ist noch längst nicht vorbei. Er köchelt gerade bloß auf kleinerer Flamme. Kochboxen-Versender Hello Fresh scheint sich an der Börse ganz wohl zu fühlen und denkt laut darüber nach, auch frische Fertigessen zu verschicken. Bei Amazon Fresh gibt’s seit einer Weile nicht nur Rezeptsets von Kochhaus zu kaufen, sondern auch vom Konkurrenten Marley Spoon. Und Lidl versenkt seine mit Kochzauber im vergangenen Jahr eingeführte Kochtüte seit dem Frühjahr berlinweit in den Kühltruhen.

Nur die Supermärkte hinken dem Trend ziemlich hinterher. Das könnte sich bald ändern. (Aber nicht, weil Edeka überteuerte Trockenkochschachteln ins Sortiment aufnimmt, bei denen dann doch wieder die Hälfte der benötigten Zutaten dazu gekauft werden muss.)

Sondern eher, weil Gemüse-Verarbeiter und Markenhersteller auch was von den potenziellen Umsätzen mit den Kochanleitungs-Sets abkriegen wollen.


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Bei unseren europäischen Nachbarn gehören so genannte „Do-it-yourself Fresh Packs“ schon länger zum Standard-Repertoire – zum Beispiel in den niederländischen Märkten von Albert Heijn. Dort stehen seit mehr als drei Jahren „Verspakketten“ im (Online-)Regal: Boxen mit der richtigen Menge an frischem Gemüse, um daraus Gerichte für drei bis vier Personen zuzubereiten. Italienische Lasagne, indisches Curry Madras, marokkanische Couscous-Gemüsepfanne, mexikanische Burritos.

Boxen für kleine Haushalte

Ausgedacht hat sich Albert Heijn die „Frischepacks“ gemeinsam mit dem Gemüseproduzenten Bakker Barendrecht (einer Tochter des belgischen Konzerns Greenyard, der Ihnen eventuell von aktuellen Tiefkühlgemüse-Produktrückrufen bei Lidl bekannt sein könnte) und war 2015 für den Innovationspreis der Obst- und Gemüsemesse Fruitlogistica nominiert.

Said Belhassan, der bei Albert Heijn u.a. das Frische-Sortiment verantwortet, erklärte dem niederländischen Fachmagazin AGF.nl Anfang des Jahres, dass geeignete Rezepte über Verbraucher-Panels ermittelt und anschließend gemeinsam mit Köchen entwickelt würden. (Wobei den Köchen angesichts der eingeschränkt komplexen Anleitungen eher langweilig gewesen sein dürfte.) In jedem Fall sieht Belhassan ein großes Entwicklungspotenzial fürs betreute Kochen im Supermarkt:

„Mit 80 Prozent sind wir Marktführer [in diesem Segment]. In diesem Jahr wollen wir die Anzahl der Rezepte verdoppeln und auch Boxen für kleine Haushalte einführen.“

Das dürfte auch bis zu den deutschen Supermärkten durchgedrungen sein.

Einmal hin, (fast) alles drin

Insofern ist es kein Wunder, dass z.B. bei Rewe kurrzeitig Kochboxen in der Obst- und Gemüseabteilung aufgetaucht sind: mit der richtigen Menge an frischem Gemüse, um daraus Gerichte für zwei bis drei hungrige Personen zuzubereiten. Auf der Banderole sind Zubereitungszeit und Schärfegrad angegeben, die „Du brauchst noch“-Liste verrät, was aus dem Küchenvorrat selbst beigesteuert werden muss (Olivenöl, Reis, Salz).

Niederländischen Supermarktkunden (und deutschen Supermarktblog-Lesern) könnten die angebotenen Gerichte bekannt vorkommen: Italienische Lasagne, indisches Curry Madras, marokkanische Couscous-Gemüsepfanne.

Auf Supermarktblog-Nachfrage möchte sich die deutsche Greenyard-Dependance in Bremen nicht offiziell dazu äußern. Und antwortet deshalb auch nicht auf die Fragen, ob die Boxen dauerhaft im deutschen Handel erhältlich sein werden bzw. inwiefern geplant ist, sie künftig (wie in den Niederlanden) unter einem Eigenmarken-Label wie z.B. Rewes „Beste Wahl“ zu vertreiben.

Das Unternehmen erklärt jedoch:

„Durch unsere enge Bindung zu Albert Heijn in Holland wissen wir, dass sich der Markt im Bereich Kochboxen extrem positiv entwickelt. Auch in Deutschland können wir Bewegung in dieser Kategorie sehen. Daher sind wir mit unseren Kunden im regen Austausch, um verschiedene Ansätze und Möglichkeiten auszuprobieren. Aktuell befinden wir uns in einigen Tests.“

Darf’s etwas Würzpaste dazu sein?

Die Konkurrenz steht schon bereit, um dem Trend zu folgen: Im zurückliegenden Februar hat sich der niederländische Frischgemüselieferant ZON mit dem Nahrungsmittelriesen Unilever zusammengeschlossen und verkauft eigene Rezeptsets in Märkten der niederländischen Supermarktkette Deen (in Nordholland, Flevoland, Utrecht, Gelderland und Overijssel).

Zusätzlich zum frischen Gemüse liegen den Boxen Gewürzmischungen und Pasten bekannter Unilever-Marken bei, die deshalb auch deren Namen als Absender tragen: Conimex, Knorr, Unox.

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Für Markenhersteller ist das eine willkommene Möglichkeit, vor allem jüngere Kunden vielleicht doch noch für ihre Würzmittel und Pülverchen zu begeistern, um die sie in den Supermärkten sonst immer öfter einen großer Bogen schlagen.

Derweil erklärt ZON-Geschäftsführer Michiel F. van Ginkel in makellosem Marketingsprech:

„Wir wollen den Verbraucher bei der Zubereitung von frischem Gemüse durch die Jahreszeiten mitnehmen.“

Die Expansion der ZON/Unilever-Kochbox nach Deutschland ist auch schon geplant. Vom niederländischen Venlo aus ließen sich z.B. Märkte in Nordrhein-Westfalen hervorragend mitversorgen. „Groenten & Fruit“ weiß auch, wie die Packs aussehen (könnten).

Bevor der der Hype ums betreute Kochen also irgendwann wieder abnimmt, könnte er im Supermarkt demnächst erst noch mal ein bisschen zulegen.

Fotos: Supermarktblog"

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1 Kommentar
  • Marley Spoon auf Amazon Fresh: Interessant, aber ohne die Info hier hätte ich das nie erfahren. Auf dem unübersichtlichen Amazon-Interface nirgends sichtbar.

    Der Clou an Kochboxen ist gerade, dass man daheim Gerichte in Restaurant-Qualität mit dem gewissen Etwas machen kann. Also das genaue Gegenteil von Palmfett-Hefeextrakt-Pulver, das man eh schon in jedem Supermarkt hinterhergeworfen bekommt.

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