Sterben die Supermarktkassen aus? Teil 2: Ausweitung der Scan-Zone

Sterben die Supermarktkassen aus? Teil 2: Ausweitung der Scan-Zone

Inhalt:

Die Idee klang so gut: Kunden scannen Produkte beim Einkauf selbst und müssen nachher nur noch bezahlen! Stellt sich heraus: Die meisten wollen das gar nicht.

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Kapitel III: Erst scannen, dann … anstehen?

Quizfrage! Wie erspart man Kunden im Supermarkt, sämtliche Produkte aufs Kassenband legen zu müssen, um sie vorm Bezahlen scannen zu lassen? Einfache Antwort: Indem man sie das Scannen vorher selbst erledigen lässt.

„(Mobile) Scan and Go“ heißt die Idee – und eine zeitlang sah es tatsächlich so aus, als hätte sie sich (im Gegensatz zu den monströsen Tunnelscannern) in der Praxis schon durchgesetzt.

Ist ja auch ganz simpel: Während des Einkaufs scannen Kunden die Strichcodes der Produkte, die sie kaufen wollen, per bereit gestelltem Handscanner. Am Ausgang muss nur noch die Gesamtsumme bezahlt werden – fertig. In Deutschland bietet u.a. Globus das System in einigen SB-Warenhäusern an (und hat Fans dafür gefunden); Edeka testete; und schon 2014 sammelte die hessische Supermarktkette Tegut in Fulda Erfahrungen mit ihrem „Projekt fluxx“.

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Der damalige Filialgeschäftsführer erklärte:

„Wir erhoffen uns von dem System einen Weg zurück auf die Fläche, weg von der Kasse.“


Foto: Tegut

Mit etwas Verspätung setzte in den USA auch Walmart große Hoffnungen in die Technologie und wollte Mobile Scan & Go noch zu Beginn dieses Jahres auf mehrere hundert Märkte ausweiten:

„[N]ow we’re helping even more customers across the country save time with this fast, simple and easy way to check out.“

Diesen April kündigte der Konzern stattdessen eine überraschende Kehrtwende an: Es hat sich ausgescannt. Die Technik werde komplett eingestellt – wegen „geringer Teilnahme“, bestätigte Walmart gegenüber „Business Insider“.

Im Praxistest hatten die Kunden schlicht und einfach keine Lust, ihre riesigen Warenkörbe im Supercenter selbst zu unter den Scanner zu halten. Viele nahmen die Technologie nicht in erster Linie als Möglichkeit wahr, sich die Zeit fürs Anstehen zu sparen – sondern als Gelegenheit für Walmart, einen Teil der Arbeit seiner Angestellten auf die Kunden abzuwälzen. CBC News aus Kanada zitiert einen Kunden im Laden:

„I’m not getting a discount to do that, I’m not getting paid to do that. That’s why there’s a cashier.“

Jahre nach der Einführung einer an sich gut funktionierenden Technologie zur Anstehreduzierung setzt sich im Handel womöglich die Einsicht durch, dass die so hübsch ausgedachte Lösung spektakulär mit der psychologischen Wahrnehmung der Kunden kollidiert – und deshalb langfristig wenig Chancen haben wird.

Zu diesem Schluss scheinen nach und nach auch deutsche Scan-and-Go-Pioniere zu kommen: Teguts „Projekt fluxx“ wurde ursprünglich in drei Märkten getestet. Aktuell ist es nur noch in einem Markt im Fuldaer Stadtteil Kaiserwiesen aktiv, erklärt die Handelskette auf Supermarktblog-Anfrage:

„Die Erfahrungen sind für uns wertvoll, zeigen aber, dass es für tegut… nicht wirtschaftlich ist, das System auszurollen. Der Gedanke Self-Scanning wird als mobile Lösung weiterverfolgt, jedoch nicht mit höchster Priorität.“


Foto: Tegut

In einer kostengünstigeren Variante schwankt Scan and Go derweil als Technik-Zombie weiter durchs Regionale: Um die Anschaffung teurer Handscanner zu vermeiden, haben Start-ups wie Scansation aus München die Scan-Funktion in Apps übertragen. Kunden bringen ihren „Handscanner“ quasi selbst mit: In Prechtl Frischemärkten (u.a. in Bad Feilbach im Landkreis Rosenheim) lassen sich Produkte mit dem Smartphone scannen, das anschließend einen QR-Code generiert, der an der Kasse vorgezeigt werden muss.

Scansation schwärmt:

„Nach dem Scan des QR-Codes kann wie heute bezahlt werden. Es ist also weiterhin unter anderem Bargeldzahlung möglich.“

(Mitbewerber Snabble versucht dasselbe im Großraum Bonn in Filialen von Knauber Freizeitmarkt.)

Anders gesagt: Kunden stehen, wenn es im Laden voll ist, doch wieder an der Kasse an – und haben vorher noch zusätzliche Arbeit mit dem Scannen. In der eigenen Pressemitteilung räumt Scansation sogar selbst ein:

„Als Kunde spart man sich erstmal nur wenig Zeit.“

Die Ersparnis werde aber umso größer, je „mehr Kunden das System nutzen“. Denn dann würden „die Warteschlangen im allgemeinen kürzer“. Anstatt das Anstehproblem zu lösen, hoffen Start-up und Händler also, dass Kunden erstmal mehr Zeit beim Einkauf investieren, um später irgendwann vielleicht welche zu sparen. Kann man sich gar nicht ausdenken, sowas.

Andererseits: Vielleicht hätte man früher ahnen können, dass es eine neue Technologie nicht einfach haben würde, wenn Supermärkte es für angebracht halten, dafür achtseitige Verwendungsanleitungen drucken zu lassen – wie die Schweizer Migros für ihr System „subito“.

Bei dem muss man immerhin nicht nochmal an die normale Kasse, sondern bezahlt am Terminal. (Hier können Sie das PDF und – welch Vergnügen! – die eigenen „Self-Scanning AGB“ downloaden.)

Kapitel IV: Kein Anstehen, keine Kasse – kein Scherz!

Das scheint ein Grundproblem in der Handelsbranche zu sein: Unter dem Vorwand des technologischen Fortschritts sorgen zahlreiche Akteure seit vielen Jahren dafür, den Status Quo in der Kassenzone immer noch ein bisschen komplizierter zu machen als er schon ist. Ohne ihn wirklich zu verbessern.

Grund dafür ist, dass viele Technologien gar nicht in erster Linie aus Sicht der Kunden gedacht sind; sondern (im besten Fall) aus der des Händlers. (Der sie anschaffen und bezahlen soll.)

Zweifellos ist es für den selbstständigen Edeka-Kaufmann praktisch, wenn die neue Power-Kasse das eingeworfene Bargeld vollautomatisch sortiert und im Zweifel sogar direkt dem Konto gutschreibt, wenn es im eingebauten Tresor landet (siehe Supermarktblog). Aber kennen Sie einen Kunden, der auf die Frage, was er sich fürs Bezahlen im Supermarkt wünscht, antwortet: „Och, so eine Kasse mit geschlossenem Bargeldkreislauf, die wär’ nicht schlecht“?

Es kommt, wie es kommen musste: Um echte Innovationen kümmern sich die, die mit dem klassischen Lebensmittelhandel bislang nicht viel am Laser hatten.

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass Amazon in Seattle seinen ersten kassenlosen Supermarkt eröffnete. Die Idee: Kunden scannen am Eingang einen QR-Code auf dem Smartphone, nehmen anschließend die Artikel aus dem Regal, die sie kaufen wollen – und gehen einfach wieder (siehe Supermarktblog).


Foto: Brianc333a (CC BY-SA 4.0) via Wikimedia Commons

Ein kompliziertes System aus Kameras, Scannern und Waagen ordnet die gekauften Artikel dem Amazon-Account des Kunden zu und bucht den fälligen Betrag einfach von dessen Konto ab.

Das klingt fantastisch. Aber es ist längst noch nicht ausgemacht, ob sich Amazon Go auf breiter Front als Standard etablieren lässt.

Nach der Ankündigung hat der Konzern über ein Jahr gebraucht, bis der Laden auch tatsächlich bereit für die Eröffnung war. Die  Technik dürfte (momentan) nicht nur viel zu teuer sein, um sie in einer Vielzahl von Minisupermärkten einzusetzen; es ist auch völlig unklar, wie fehleranfällig sie im regulären Betrieb tatsächlich ist. Und ob Kunden sich überhaupt damit anfreunden können, beim Einkauf auf Schritt und Tritt überwacht zu werden.

(Wobei ihnen das ja auch nichts auszumachen scheint, wenn diese Überwachung durch die Payback-App auf dem Smartphone erfolgt.)

https://twitter.com/NGIN_Food/status/969201672554713089

Amazon Go mag ähnlich kompliziert gedacht sein wie viele der Technologien, die der Handel in der Vergangenheit erprobt hat, um sich von der Kassengeißel zu befreien. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Diesmal wird die Komplikation nicht auf den Kunden abgewälzt. Im Gegenteil.

Bei einem Testbesuch im Januar ließ sich Recode.net von Amazon-Go-Technik-Chef Dilip Kumar erklären, wie die Idee zum Projekt entstand. Man habe sich die Frage gestellt, was den Einkauf von Artikeln des täglichen Bedarf im stationären Handel deutlich bequemer machen könnte als heute. Kumar sagt:

„Der eine Punkt, auf den wir immer wieder zurückgekommen sind, war: dass die Leute es hassen, anzustehen.“

Ganz. Genau.

Konsequenterweise wirbt Amazon Go deshalb mit dem Versprechen: „No Line, no Checkout – no, serious.“ Kein Anstehen, keine Kasse – kein Scherz!

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Reuters meldete kürzlich, dass Microsoft eine Lösung entwickelt habe, die es ermöglicht, Artikel im Einkaufswagen der Kunden automatisch zu erfassen, ganz ohne zusätzliches Scannen. Die Technologie sei bereits mehreren großen Händlern vorgestellt worden, darunter auch Walmart. Was auch erklären könnte, warum Scan and Go so schnell wieder in Ungnade fiel. Mit Walmart versteht sich Microsoft seit kurzem ohnehin ganz prächtig.

Derweil hat Amazon weitere Filialen seines Schnellsupermarkts für Chicago und San Francisco angekündigt. Eine kurz vor der Eröffnung stehende Filiale entdeckte „GeekWire“ in Seattle. Die britische „Times“ meldete, Amazon bemühe sich auch in London um Go-geeignete Flächen (Paywall). Und in Deutschland hat Amazon zumindest schon mal Markenschutz für seinen Schnellsupermarkt angemeldet.

Nur der Berlin-Korrespondent von Bloomberg kann die ganze Aufregung über „a nonexistent problem“ nicht so recht verstehen:

„I don’t really care about saving 50 seconds, especially if it means subjecting myself to incredibly intense surveillance.“

50 Sekunden sind für die Durchquerung der Kassenzone in deutschen Supermärkten bzw. Discountern eine grenzenlos optimistische Schätzung. In amerikanischen sieht das vielleicht anders aus (siehe Supermarktblog). Man kann das Problem aber auch umdrehen: Falls sich Amazon Go bei den verhältnismäßig schnellkassierverwöhnten amerikanischen Kunden durchsetzen sollte, müssten die anstehgeplagten Deutschen das Konzept eigentlich lieben.

Wenn da nur nicht all diese Kameras wären.

Müssen wir fürs Nichtanstehen im Supermarkt künftig die Vollüberwachung unseres Einkaufs akzeptieren?

Darum (und um Alternativen zu Amazon Go) geht’s im letzten Teil der Supermarktblog-Kassenserie, der demnächst an dieser Stelle erscheint.

Titelfoto: Tegut, Fotos (wenn nicht anders gekennz.): Supermarktblog"

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25 Kommentare
  • An dem klassischen Selfscanning mit einem Ladeschrank, aus dem die Scanner entnommen werden, um diese dann an den Einkaufswagen zu hängen, wird schon seit mindestens zehn Jahren gearbeitet:
    https://www.panda-products.de/media/docs/ident—rollwagen.pdf

    Normalerweise unterschätzt man, was sich in zehn Jahren alles tut. Gerade die IT hat sich besonders gewandelt. Die Modernisierung des Kassenbereichs ist aber über einzelne Versuche nie hinausgekommen.

  • Der „geschlossene Bargeldkreislauf“ bei Edeka, wie das also heißt, ist m.M.n. sehr praktisch und spart auch Zeit. Alle können einfach solange ihren Geldbeutel in den Trichter oder den Scheineschlitz entleeren, bis der Display signalisiert, es sei genug. Restgeld gibt es direkt und sauber zurück. Senioren müssen keine Brillen mehr auspacken, Eltern ihre Kinder nicht vom Arm nehmen und Studis werden ihr Rotgeld los, das in Uninähe und im Wohnheim keiner mehr haben will.

    Wenn jetzt noch jemand dafür sorgt, dass ich in meinem lokalen aktiv markt nicht mit meinem gesamten Einkauf einmal um den Markt zurück zu meinem eingeschlossenen Rucksack laufen muss, gehe ich wieder öfter dort einkaufen.

  • Ich halte das mit den Handscannern eigentlich für eine gute Lösung und würde sie auch nutzen, wenn man mir sie anböte UND wenn sie mir insgesamt eine Bequemlichkeits- bzw. Zeitersparnis böte. Z.B. in dem ich am Ende des Einkaufs den Handscanner einfach in die Rückgabestation stecke und der aufgelaufene Betrag automatisch meiner bei der einmaligen Registrierung hinterlegten Kreditkarte belastet würde, ohne jeden weiteren Zwischenschritt und ohne dass ich mich nochmal irgendwo anstellen muss. Also so etwas wie eine Kombination aus amazon go (ohne die Totalüberwachung) und fluxx.

  • Ich verstehe die ganze Diskussion ums Anstehen garnicht. Heutzutage hat man ja immer etwas zu tun, ist unterwegs von A nach B, muss Dinge erledigen, stressigerweise auch noch mit dem Smartphone nebenbei Social Interacten und all das. Selbstoptimierung ist das Stichwort, und möglichst viel auf Einmal schaffen.
    Ganz ehrlich: Ich mag es mit meinen Kaffeepads, nem Brot für den Abend und 2 Tüten Milch an der Schlange zu stehen. Nichts zu tun zu haben. Einfach mal nicht gestresst sein – zu beobachten. Das ist für mich Qualitytime, eine aufgezwungene Auszeit.
    Wer von uns erinnert sich dran als er das letzte Mal einfach NICHTS tat, also weder konsumierte noch agierte? Genau!

  • Ich nutze das System bei Globus immer gerne und sehe auch immer viele andere, die das tun.
    Es spart einem ja gleich doppelt Zeit: Das Anstehen an der Kasse sowie das Einräumen vom Einkaufswagen in Taschen entfällt (sofern man im Laden gleich in Taschen einräumt).
    Leider ist Globus ansonsten nicht sonderlich attraktiv für mich, sodass ich selten in den Genuss komme.

  • @Vonfernseher: Schließfächer in einem Aktivmarkt? Das sind doch die kleineren? Zwingen die einen echt, einen Rucksack dort einzusperren? Ganz früher war das ein großes Problem, aber heute kenn ich das nur noch von V-Märkten, mit dem Problem, die gekauften Sachen erstmal zu den eingesperrten Transportmitteln transportieren zu müssen (Körbe und Ziehwägelchen sind an der Kasse abzugeben; wenn man ganz arm schaut, schenken sie einem manchmal eine Plastiktüte). Ansonsten hab ich in den letzten 20 Jahren nur 2-mal ein Problem mit dem Rucksack gekriegt (den ich so gut wie immer dabeihab), beide Male beim Verlassen ohne Einkauf: Einmal in einem Penny, wo sie mir echte Probleme gemacht haben, weil ich zuvor in einem anderen Penny Sachen viel billiger gekauft hab und die auf dem Kassenzettel nur manuell als »Lebensmittel« verbucht waren, und kürzlich während WM-Spiel in einem fast leeren Aldi Süd, wo ihnen offenbar total langweilig war.

    Einer der ganz wenigen Läden, die hier überhaupt noch Schließfächer gehabt haben, war übrigens ein Lidl, der sie aber nach ein paar Jahren wieder ausgebaut und die Benutzung auch zuvor nicht erzwungen hat. Wenn ich außer im Rucksack auch noch Einkäufe in offenen Taschen hab, würd ich Schließfächer schon benutzen; mit denen durch den Laden zu laufen, ist mir unangenehm. Aber auch das ist hier relativ üblich; insbesondere Lidl vertraut da ziemlich stark auf die Ehrlichkeit der Kunden.

    Was ich übrigens in dem Zusammenhang beim Selbstscannen sehr abschreckend find, sind die Stichproben. Kontrollen ohne konkreten Anlass (oder eben doch durch die mutmaßlichen Eigenschaften der Person begründet) sind bloßstellend. Abgesehn davon ruinieren sie auch den Worst Case bei der benötigten Zeit, und hauptsächlich der interessiert mich, wenn ich es wirklich eilig hab. Ansonsten empfind ich 5 Minuten Wartezeit auch nicht als lästig.

  • @xrw
    Ich komme da immer durcheinander: aktiv markt, frischecenter, neukauf, nah & gut, Frischmarkt, …. Es handelt sich – ich habe extra nachgeschaut – um ein E center. Wer seine Tasche/seinen Rucksack nicht einschließt, muss sehr regelmäßig mit Kontrollen rechnen, was ich – gerade in einem Einkaufszentrum, wo ich auch bei anderen Läden einkaufe – als groben Eingriff in meine Privatsphäre empfinde. Da das E center eines dieser im Halbkreis gebauten Dinger ist, wo die Lebensmittel vom Gemüse bis zur Kasse einen Nonfood-Kern umlaufen, befindet man sich nach dem Einkauf tatsächlich eine Marktlänge von seinen Taschen entfernt. Meine Lösung lautet da: Zum Edeka geht es nur für die paar Dinge, die ich nur hier bekomme und die ich in der Hand tragen kann. Den restlichen Umsatz machen dann halt andere.

  • ps. Diese Aktivmärkte können auf dem Land monströse Ausmaße und Bestückungen annehmen, die in der Stadt auch in den großen Wohngebiets-Edekas wahrscheinlich schwer zu realisieren wären.

  • Ok, E-Center ist eher plausibel. Die Münchner V-Märkte sind auch SB-Warenhäuser; wenn man am Eingang mit Tasche oder Rucksack überhaupt vorbeikommt, wird man an der Kasse zu fast 100% zerlegt. Große E-Center mit nennenswert Nonfood hab ich hier nicht. Der Marktkauf hat Schließfächer (halbwegs nah zur Kasse), aber bei meinen (sporadischen) Besuchen hab ich auch mit Rucksack noch nie Probleme gekriegt. Beim Real wüsste ich jetzt garnicht, dass er welche hat.

  • Vonfernseher schrieb: und Studis werden ihr Rotgeld los, das in Uninähe und im Wohnheim keiner mehr haben will.

    Einspruch. Mein Versuch bei einem ersten Kontakt in Bonn vor 10 Jahren misslang. Sagen wir mal 1,73 mit passgenauen 73 ct und einem 2 EUR Stück zu zahlen lieferte mir meine Handvoll Rotgeld und zusätzlich noch 27 ct dazu zurück. Das ist weder hilfreich für den Kleindgeldspeicher noch für den Kunden. Sind diese Teile etwa intelligenter geworden? Zugegebenermaßen checkt das intelligente Überzahlen die ein oder andere Kassenkraft erst nach Eingabe des ‚Gegeben‘ Betrags in die Kasse.

    Der Blumenhändler im Frankfurter Hauptbahnhof hat auch ein geschlossenes Kassensystem. Allerdings ist die Rückgabe der einzelnen Geldstücke so sehr in Zeitlupe, dass man sich für das nächste Mal wünscht unbedingt NUR mit KK contactless zu zahlen. Das ist allerdings (ob auch für Girocard weiss ich gerade nicht) erst ab einem relativ hohen Mindestbetrag möglich…

    Übrigens zwar kein geschlossenes Kassensystem aber in den1980er Jahren war ich von der Lebensmittelabteilung vom örtlichen Kaufhof fasziniert, in der bereits halbautomatische Kassen installiert waren: Riesige Münzgeldvorräte in Plexiglasröhrchen die offensichtlich von der Kasse automatisiert das Münz-Rückgeld ausspuckten. Scheine gab es von der Kassenkraft, Münzannahme klassisch in die Kassenschublade.

    Auch ich finde die Wartezeit an den meisten Kassen wenig lästig. Nett ist immer wieder das Spiel ‚Zeige mir Deine Waren auf dem Kassenband und ich sage Dir wer Du bist (oder ich denke mir zumindest meinen Teil)“.

    Scan & go scheint mir in der Schweiz flächendeckend bei den beiden großen Detailverkäufern Coop und Migros (ab einer gewissen Ladengröße) zu sein und das schon ganz schön lange, verbunden mit den eigenen Kundenkarten. Ob tegut bei der Mutter abgeschaut hat?

    Alle vorgestellten Formen des Kassenkraft losen Checkouts erhöhen für den Laden das Risiko des Diebstahls und die Kundschaft wird eher verleitet was mitgehen zu lassen. Das muss dann wohl zusätzlich für alle eingepreist werden. Wenn die Gefahr bestünde meinen perfekt-in-Taschen-verstauten-50-EUR-Einkauf-Zeitvorteil in einer Stichprobe kontrollieren zu lassen (noch dazu wenn sie von vermutlich außer dem Supermarktpersonal keinem Anwesenden als ‚zufällig, verdachtsunabhängigen Kontrolle‘ wahrgenommen würde), ist jeglicher Zeitvorteil schnell zunichte.

    Noch zu den Self-Checkout-Kassen meine Meinung: Während bei REWE die Automatenkasse für mich bereits ab 3 Artikeln lästig wird ob der Behäbigkeit des Systems, beginnt beim System von Coop Schweiz erst ab 10 Artikeln der Nervfaktor. Größere Einkäufe werden IMMER durch Personal effizienter abgewickelt, das gilt auch für IKEA. Man kann systematisiert Waren aufs Band legen und ist dann ohne scannen nur noch mit Verstauen und zahlen beschäftigt. Oberhalb eines To-Go-Einkaufs spricht nichts aus Kundensicht für eine Kasse ohne Personal. eher in die Effiziensschulung der Kräfte, haben doch eh fast alle den gleichen (Mallegan ?) Hochleistungsscanner..

  • Diese Handscanner gibt es auch in den Selgros-Großmärkten. Ich habe diese Scanner ein paar Mal ausprobiert, aber jedes Mal schon während des Einkaufs entnervt aufgegeben. Entweder wurde der Barcode nicht erkannt oder ich konnte die Anzahl der gekauften Ware nicht richtig eingeben. Als ich einen Kassierer mal darauf ansprach, wieso diese Scanner so schlecht funktionieren, meinte der, ich sei nicht der erste Kunde, der es probiert und danach gelassen hätte. Hardwareprobleme offenbar… Inzwischen gibt es bei Selgros auch Kassen zum Selberscannen. Die funktionieren reibungslos und sparen tatsächlich Zeit, wenn man nicht so extrem viele Sachen hat.

  • Die Handscanner habe ich im französischen Auchan schon gesehen, aber noch nie benutzt. Das Risiko der Stichproben ist in der Tat abschreckend. Der Zeitvorteil ist dahin und man darf sich zusätzlich noch wie ein ertappter Dieb fühlen. Was passiert eigentlich, wenn dann wirklich etwas nicht stimmt, weil ein Artikel falsch erkannt oder vergessen wurde?
    An einer normalen Kasse ist das nicht das Problem des Kunden. Fehler passieren da auch, aber das Risiko liegt beim Kassierer bzw. dem Markt. Mit Handscanner, Self-checkout etc. übernimmt man als Kunde zusätzliche Arbeit und Verantwortung.
    Das ist bei Amazon Go wieder besser gelöst: Der Kunde muss sich für die Funktionsweise des Systems nicht interessieren und kann gar keine Fehler machen.

  • Ich fänds ja schön, wenn einfach wieder ein Kassierer mehr eingestellt würde, damit Kasse 2 besetzt bleiben kann.
    Das würde Druck vom Kunden und von den Kollegen nehmen. Beim hiesigen Aldi ist der Druck so groß, das Kassenpersonal schafft dort gefühlt mehr als 60 Artikel pro Minuten, man kann eigentlich nur noch in den Einkaufswagen schieben – wehe, unten befindet sich was empfindliches. Wenn man zu langsam ist, „hilft“ das Kassenpersonal nach. Mit Korb einkaufen (was ich gerne mache, wenn ich nur ein paar Sachen brauche), kann man dort absolut vergessen. Ich fühle mich regelmäßig rausgedrängt.

  • Ich kann Ihre ausgeprägte Abneigung gegen das Anstehen auch nicht nachvollziehen, das ist ja nicht der erste Artikel in dem Sie Ihre Abscheu ausdrücken. Für mich ist das zumindest keine so große Baustelle.

    Und „Falls sich Amazon Go bei den verhältnismäßig schnellkassierverwöhnten amerikanischen Kunden durchsetzen sollte, müssten die anstehgeplagten Deutschen das Konzept eigentlich lieben.“ verstehe ich überhaupt nicht. In meiner Wahrnehmung wird in Deutschland sehr schnell kassiert (in den Discountern dank minimaler Abstellfläche dahinter häufig zu schnell um es weggepackt zu bekommen), demhingegen habe ich gerade in den USA schon regelmäßig die Motten bekommen aufgrund der Abfertigungsgeschwindigkeit. Die Schnarchigkeit die da vorgeführt wurde war schwer erträglich.

  • 60 Artikel pro Minute sind schon realistisch und für Discounter eher die untere Grenze. Mich nervt die Hektik beim Einpacken an sich auch; mir ist aber bewusst, dass das ein ganz erheblicher Kostenfaktor ist. Gerade bei Aldi (Süd) bin ich eigentlich schon gewohnt, dass mit den Sachen recht sorgsam umgegangen wird, soweit beim Einpacken nachgeholfen wird. Bei kleineren Einkäufen ist an der Kasse ein Karton zum Zwischenpacken am praktischsten, soweit man etwa vorhandene Körbe schon zuvor abgeben muss. Irgendwo muss aber auch Platz zum endgültigen Einpacken sein, wenn man kein Auto hat. Zum direkten Einpacken war ich eigentlich auch bei den alten Kassen zu langsam, und warenschonend war es auch nicht, wenn mit dem Verteilbrett der Einkauf in der einen Hälfte der Ablage zusammengequetscht worden ist.

  • Auf meine Fragen ……

    ……“was passiert, wenn mir ein anderer Kunde einen Artikel in den Einkaufswagen legt, den ich dann natürlich nicht gescannt habe?“ …….

    …… und „was passiert, wenn mir ein anderer Kunden einen bereits gescannten Artikel im Markt aus dem Einkaufswagen wieder raus nimmt (z.B. weil er ihn auch kaufen will) und in seinen Wagen legt?“ ….

    …. konnten mir die Scan & Go Mitarbeiter im Globus leider keine zufriedenstellende Antwort geben …. 😉

  • “Falls sich Amazon Go bei den verhältnismäßig schnellkassierverwöhnten amerikanischen Kunden durchsetzen sollte, müssten die anstehgeplagten Deutschen das Konzept eigentlich lieben.”

    Ich bin gerade in den USA unterwegs und habe da ehrlich gesagt den gegenteiligen Eindruck. Noch nie habe ich so lange beim Warten in Kassenschlangen verbracht wie hier. Die Kassierer arbeiten unendlich langsam, zudem wird der Einkauf vom Kassierer umständlich in Tüten verpackt. Im Walmart hatte ich neulich 3 Kunden vor mir … hat fast ne halbe Stunde gedauert, bei ALDI in Deutschland ne Sache von wenigen Minuten.

    SB-Kassen und ähnliches sind in D allenfalls ein Mittel um Personal einzusparen, Zeit spart der Kunde damit nicht. Dazu funktioniert das bisherige System viel zu gut. Bis ich mein Handy rausgekramt und die App für Amazon Go gestartet habe, hat der ALDI-Kassierer meine paar Artikel 3x gescannt.

  • Für diese Reihe ist vielleicht auch der Easy Shopper-Einkaufswagen interessant. Gibt es in Porta Westfalica in einem Edeka Mart. Der Einkaufswagen hat auch einen Scanner und sogar eine Navigation. Damit muss man am Ende auch nur den Einkaufswagen bezahlen und scannt die Artikel im Vorfeld selbst. Infos hier: https://www.porta-easyshopper.de/

  • @Felix
    Ich habe es jetzt einmal auf die harte Tour ausprobiert und den Trichter mit einem Beutel Rotgeld gefüllt. Wenn der Trichter zu voll ist, dauert es zwar etwas, bis der Schieber das Geld gerichtet hat, aber es geht immer noch vergleichsweise sehr schnell. Als Wechselgeld wurden mir 1,30 € als Eurostück, Zwanziger und Zehner ausgespuckt, also die gröbste mögliche Teilung.

  • Hab Scan & Go jetzt auch bei Leclerc in Frankreich gesehen, scheint aber nicht so sehr akzeptiert zu werden. Jedenfalls sah ich nur einen Kunden, der das System aktiv nutzte.

  • Hallo Peer,
    Du berichtest viel aus DE, Europa und etwas USA. In Asien (Taiwan) versucht sich die in manchen Ländern massiv vertretene Seven Eleven Kette ebenfalls am personalarmen Laden (deren Läden sind dort meist sehr klein, verglichen mit dem Westen). Zunächst hatte 7/11 Anfang 2018 einen Testshop nur für eigene Mitarbeiter eröffnet, im Sommer dann einen zweiten „X-store“ für alle.
    https://youtu.be/9ed1953IgIA
    Ziel ist, dass (vor allem nachts) nur noch Personal zum Nachfüllen da ist. Aber die Kasse bleibt erst mal, wenn auch ohne Personal.
    Ich finde man sollte beachten, dass die Asiaten solch neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen sind, sie probieren das gerne aus.

    Viele Grüße
    Martin

    • @Martin: Danke für den Hinweis. Ja, da gäbe es noch eine ganz neue Supermarktwelt zu entdecken. Ich find’s nur so schon schwer, den Überblick zu behalten – freue mich aber umso mehr über Kommentare von Lesern, die sich in den Regionen auskennen, die hier oft zu kurz kommen.

  • Scan & Go habe ich in Frankreich im Sommerurlaub mehrmals in verschiedenen Läden ausprobiert. Es funktionierte kein einziges mal ohne dass Personal eingreifen musste. Schon alleine wenn man eine eigene Tasche mitbringt, registieren die Systeme dass man etwas mitbringt und auf ohne zu scannen auf die Seite mit den gescannten Artikeln legt und schlagen Alarm.
    Ich kann wie die Vorredner bestätigen, das min. 90 % der Kunden sich an Schlangen anstellen und das Gerät meist verwaist herumsteht.
    Also genau so, wie es an den deutschen IKEA Kassen eben nicht ist.

  • Gerade entdeckt: Ab dem 27.05.19 gibt’s beim hiesigen real-Markt auch „Scan & Go“.
    Laut Schild aber „ohne Registrierung“, also irgendwie anders als bei Globus.
    Dafür wurden die 4 Nur-Kartenzahlungs-SB-Kassen abgebaut, die 4 Barzahlungs-SB-Kassen bleiben offenbar erhalten.

    • Vergessen: Die 4 SB-Kassen wurden natürlich nur abgebaut, um Platz für 6 „Scan & Go“ Check-out-Terminals zu schaffen.

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