Warum der Unilever-Rauswurf bei Kaufland eine Chance für den deutschen Lebensmittelhandel ist

Warum der Unilever-Rauswurf bei Kaufland eine Chance für den deutschen Lebensmittelhandel ist

Inhalt:

Das neue Jahr beginnt mit einem der interessantesten Experimente, die es im deutschen Lebensmittelhandel in den vergangenen Jahren gegeben hat.

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Das neue Jahr beginnt mit einem der interessantesten Experimente, die es im deutschen Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen Jahren gegeben hat. Zum 31. Dezember 2018 hat Kaufland die Geschäftsbeziehung mit dem Konsumgüterhersteller Unilever beendet. Das Aus ist der vorläufige Höhepunkt eines seit Monaten andauernden Streits und hat zur Folge, dass Unilever-Produkte bis auf Weiteres nicht mehr bei Kaufland erhältlich sein werden.

Anders als beim Zwist zwischen Edeka und Nestlé sind diesmal nicht nur einige wenige Artikel betroffen, sondern ein ganzer Schwung bekannter Marken: Axe, Ben & Jerry’s, Coral, Domestos, Dove, Duschdas, Knorr, Lipton, Mondamin, Pfanni, Rexona, Signal, Viss.

Genau dieser Umfang macht die Kraftprobe zu einer Chance – nicht nur für Kaufland, sondern auch für kleinere Hersteller und letztlich für die Kunden – einer, die allerdings ungenutzt verstreichen könnte.


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Der Konflikt

Kaufland und Unilever streiten bereits seit dem zurückliegenden Frühjahr. Grund sind Preiserhöhungen, die der Hersteller gegenüber dem Handelskonzern durchsetzen wollte – und die dieser nicht akzeptieren will, weil sie „zu erheblichen Erhöhungen der Verkaufspreise geführt [hätten], die über marktübliche Preise hinausgegangen wären“, zitiert die „Lebensmittel Zeitung“ aus einer Kaufland-Mitteilung (Paywall). In der Folge wären Unilever-Produkte bei Kaufland wahrscheinlich teurer gewesen als bei der Konkurrenz. Das kam für Kaufland nicht in Frage, um sein Preis-Image als Großflächendiscounter nicht zu gefährden.

Unilever stellt den Konflikt anders dar. Gegenüber dem „Handelsblatt“ (Paywall) hatte Deutschlandchef Ulrich Gritzuhn im Herbst erklärt, Kaufland reagiere überzogen. Preiserhöhungen seien nur für einen Teil der Produkte gefordert worden, Kaufland habe in der Folge aber zehnmal so viele ausgelistet.

Der tatsächliche Konflikt reicht tiefer: Kaufland habe kontinuierlich Konditionenverbesserungen von Unilever gefordert, schreibt die „LZ“, und damit die Marge des Konzerns strapaziert – obwohl die Zeiten des starken Umsatzwachstums, die als Rechtfertigung dienten, längst vorbei sind.

Händler wie Edeka und Rewe dürften für Unilever in Deutschland eine sehr viel wichtigere Rolle für den Umsatz spielen. Auf ganz Europa bezogen sieht das schon wieder anders aus. Indem Kaufland den Bestellstopp für alle europäischen Märkte durchzieht, versucht der Händler den Druck zu erhöhen.

Die Konsequenz

Schon vor Monaten hat Kaufland damit begonnen, einzelne Unilever-Marken nicht mehr nachzubestellen. Dadurch entstanden erste Lücken im Regal. Zum Start des neuen Jahres ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Einzelne vom Rausschmiss betroffene Marken (z.B. Fix-Produkte von Knorr, Lipton-Eistee, Dove-Pflegeprodukte) sind – in den von mir angeschauten Läden – weiterhin in größerem Umfang verfügbar; viele wurden aber im Preis herabgesetzt und sind am Regel als „Billiger!“ gekennzeichnet. Offensichtlich versucht Kaufland, Lagerbestände loszuwerden.

In manchen Sortimenten scheint das bereits gelungen zu sein. Axe und Duschdas fehlen im Duschgel-Regal schon komplett, stattdessen stehen als „Neu“ beworbene Artikel im Regal. Zum Teil wurden auch einfach zusätzliche Sorten bereits gelisteter Marken aufgenommen.

Pfanni ist im Laufe der Wochen an die Kartoffelpulver-Regalränder gerückt; stattdessen kommt jetzt Konkurrent Maggi zum Zug. Und in Berlin darf sich der ostdeutsche Hersteller Werner mit seinem Produktsortiment so stark ausbreiten, wie sich das kleinere Hersteller sonst niemals leisten könnten.

Das Risiko

Mal ehrlich: Im Fünf-Meter-Zahnpasta-Regal muss man schon sehr genau hinsehen, um zu merken, dass Signal fehlt.

Auch ein Leben ohne Duschdas ist möglich. (Bei Ben & Jerry’s wird’s schon schwerer. )

Für Kaufland ist der Sortimentsumbau aber zunächst einmal ein Risiko, auch wenn man in der Zentrale ätzt, aus Marktanalysen zu wissen, „dass Unilever-Produkte eine hohe Austauschbarkeit aufweisen“ (zitiert vom „Handelsblatt“). Das ist – wenn überhaupt – nur die halbe Wahrheit; sonst hätte das ja auch schon vor der Preiserhöhung durch Unilever zu Konsequenzen führen müssen, sofern der Handelskonzern sein Sortiment im Griff hat.

Fakt ist aber auch: Kaufland hatte seit dem Herbst Zeit, um zu testen, was passiert, wenn bekannte Produkte plötzlich nicht mehr im Regal stehen. Kaufen Kunden, die sich daran gewöhnt haben, Alternativen? Oder wechseln sie den Laden?

In vielen Fällen scheint die Sehnsucht nach Pfanni und Co. nicht so groß gewesen zu sein, dass es Kaufland es nicht wagen wollte, den Konflikt mit Unilever auf die Spitze zu treiben. Wie stark Kundengewohnheiten aber tatsächlich ausgeprägt sind und wie groß die Verbundenheit zu einzelnen Marken wirklich ist, wird sich erst mittelfristig zeigen. (Zumal Wettbewerber die Situation ausnutzen könnten, indem sie Unilever-Produkte zum Aktionspreis anbieten, um Kaufland-Stammkunden zu sich zu locken.)

Das Risiko für Unilever liegt auf der Hand: Sollten die Auswirkungen der Auslistung für Kaufland überschaubar bleiben, verschlechtert sich die künftige Verhandlungsposition nicht nur für den niederländisch-britischen Konzern – sondern vermutlich auch für andere Hersteller, die ähnliche Konsequenzen fürchten müssten.

Die Chance

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat sich zuletzt immer stärker konzentriert, nicht nur auf Händlerseite. Es mag zwar immer mehr Märkte geben, in denen Kunden Lebensmittel einkaufen können; in vielen stehen aber doch immer bloß dieselben Markenprodukte im Regal.

Dass Aldi seit 2015 mit der Einlistung neuer Marken zusätzlich Druck macht, hat nicht geholfen; und mit dem Ende von Kaiser’s Tengelmann sind auch die Absatzalternativen für kleinere Hersteller weiter geschrumpft. Große Handelsketten und große Handelskonzerne machen zunehmend unter sich aus, was Kunden im Laden einkaufen können.

Diese Ordnung wird durch den Streit von Kaufland mit Unilever empfindlich gestört – und genau darin liegt die Chance.

Der Konflikt zwingt Kaufland zum Handeln: Der Platz im Regal muss mit Alternativen gefüllt werden. Das geht zum einen mit Eigenmarken. Dass Kaufland zuletzt stark an der eigenen Markenarchitektur gearbeitet hat (siehe Supermarktblog), sieht allerdings nur auf den ersten Blick wie ein Vorteil aus. Denn die von der Unilever-Auslistung betroffenen Sortimente standen zuletzt nicht unbedingt im Fokus der Kompetenzausweitung:

  • Die im Mai eingeführte Drogerie-Eigenmarke Bevola eignet sich allenfalls bedingt als Ersatz für alle, die bislang Dove gewöhnt waren und nicht zur Discount-Marke wollen;
  • und die Einführung seiner neuen Mittelmarke „K Favourites“ konzentriert sich derzeit auf andere Kategorien.

Um Kunden dennoch ausreichend Auswahl anzubieten, braucht Kaufland deshalb die Unterstützung anderer Markenhersteller. Das ist eine schöne Ironie – gerade einmal zweieinhalb Jahre, nachdem Vorstandschef Patrick Kaudewitz eigentlich eine radikale Bereinigung des Sortiments durchdrücken wollte und dafür zahlreiche Mittelmarken aussortierte.

„Bis zu 25 Prozent der Artikel“ sollten noch 2016 aus den Regalen verschwinden, um den logistischen Aufwand in den Filialen zu begrenzen und Geld zu sparen, schrieb die „Lebensmittel Zeitung“ damals. Den Kunden allerdings schmeckte die Sortimentsstraffung gar nicht. Auch hier im Blog machten viele ihrem Ärger Luft, manche Marken nicht mehr kaufen zu können.

Ein Jahr später knickte Kaufland ein (LZ, Paywall) und holte zumindest einen Teil der verschwundenen Artikel wieder zurück. Offensichtlich hatte sich der Kundenunmut im Umsatz bemerkbar gemacht.

Keine Frage: Das könnte auch dieses Mal passieren. Umso erstaunlicher ist, dass Kaufland die erneute Sortiments-Rochade (diesmal zu Lasten eines einzelnen Herstellers) in den Läden nicht besser erklärt. Noch dazu, weil sich die vermeintliche Einschränkung den Kunden leicht als Vorteil anpreisen ließe. Dafür bräuchte es eine gezielte Kaufumleitung am Regal – und den Mut, konkrete Alternativen zu empfehlen, z.B. mit dem Hinweis:

„Suchen Sie Produkt X? Probieren Sie stattdessen Produkt Y von Hersteller Z aus der Region!“

Oder:

„Suchen Sie Produkt X? Probieren Sie stattdessen Produkt Y zum selben Preis in Bio-Qualität!“

Auf diese Weise würden Kunden bewusst darauf aufmerksam gemacht, bei Kaufland Produkte von Herstellern zu bekommen, für die in anderen Supermärkten kein Platz ist – ohne Qualitätseinbußen in Kauf zu nehmen; Kaufland wiederum würde sich ein Stück weit der Vergleichbarkeit mit den Wettbewerbern und der permanenten Schlacht um den niedrigsten Aktionspreis entziehen können – ohne sein Preis-Image zu gefährden.

Die Realität

Bislang hab ich in den Filialen nichts dergleichen gesehen; vielerorts wird die Auslastung am Regal gar nicht (mehr) kommentiert. Dass sich etwas verändert hat, stellen Kunden erst fest, wenn sie bislang bei Kaufland erworbene Marken nicht mehr finden; oder weil plötzlich zahlreiche „Neu“-Schilder auf Cliff Duschgel und Denim Deo hinweisen. (Ist das in Ihrer Kaufland-Filiale anders? Dann schreiben Sie’s unten in die Kommentare!)

Dass man die Chance, sich als Einkaufsalternative im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zu etablieren, verstreichen lässt, könnte entweder Mut- oder Planlosigkeit geschuldet sein.

Oder der Tatsache, dass man in Neckarsulm überhaupt nicht die Absicht hat, sich stärker als bisher vom Wettbewerb abzugrenzen. Und der Unilever-Rauswurf einzig und allein als Mittel gesehen wird, den Verhandlungspartner in die Knie zu zwingen – um letztlich doch die gewünschten Konditionen zu erhalten, die Produkte zurück in die Regale zu holen und den vorübergehenden Ersatz wieder verschwinden zu lassen.

Das ist der am wenigsten vielversprechende Ausgang des Experiments, weil er die Gleichförmigkeit des deutschen Lebensmitteleinzelhandels nicht nur wiederherstellen, sondern vermutlich sogar verstärken dürfte. (Indem große Markenhersteller dadurch endgültig die Nichtaustauschbarkeit ihrer Marken bestätigt sähen.) Aber gleichzeitig auch der realistischste.

Bereits in der Vergangenheit hat Kaufland bewiesen, dass es dem Unternehmen nicht darum geht, sich bei Kunden ein eigenständiges Profil als moderne Alternative zu den klassischen Vollsortimentern zu erarbeiten – sondern einzig und alleine darum, eine Art Lidl XXL zu sein, der sich ein bisschen was von den Strategien der Supermärkte abguckt. Noch besteht die Möglichkeit, das zu ändern.

Das Unilever-Aus bei Kaufland könnte eine große Chance für den deutschen Lebensmittelhandel sein, wieder stärker auf Vielfalt zu setzen; oder bloß ein Intermezzo, auf das die Einzementierng des bisherigen Status Quo folgt.

Korrektur: In der ursprünglichen Version dieses Texts wurden Unox und Bertolli als Unilever-Marken genannt; Bertolli wurde allerdings 2014 verkauft, Unox wird nur noch in den Niederlanden und Belgien verwendet (unilever.nl, Wikipedia).

Fotos: Supermarktblog

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30 Kommentare
  • Wenn ich Unilever wäre, würde ich im Umfeld der Märkte alle Plakatflächen mieten und auf im Umfeld vorhandene andere Märkte hinweisen, die die gewohnten Markenartikel führen.

  • Ich kann bei den einzelnen Marken nicht erkennen, warum eine Austauschbarkeit nicht gegeben sein soll. Ben&Jerry’s mag eine Sonderstellung einnehmen, der Rest ist an Beliebigkeit nicht zu toppen.
    Wahrscheinlich übersehe ich folgendes: Einige Marken sind in Segmenten angesiedelt, in denen der Ursprung des Inhalts bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurde. Da spielt beim Kauf die Marke eine größere Rolle als der Inhalt.

    • Na ja, gerade im Drogeriebereich hängen die Leute schon an auch an den Produkteigenschaften, die sie mit gewissen Markenprodukten verbinden (Geruch eines Deos, Schaum eines Shampoos, Geschmack einer Zahnpasta), und da gibt es bei den genannten Beispielen einige mit einer herausragenden Stellung. Eine klassische Deosorte (AXE Alaska) ist zum Beispiel darunter, die nur noch für den deutschen Markt produziert wird, während sie sonst überall auf der Welt durch „modernere“ Düfte ersetzt wurde. Und auch die originale Signal-Zahnpasta hat ja einen sehr eigenen Geschmack, den man (wenn man’s mag) nicht so schnell nochmal findet.

      Dagegen finde ich z.B. den Unterschied von Kartoffelpulverpürees untereinander – gerade im Vergleich zu Püree aus frischen Kartoffeln – vernachlässigbar.

    • Einspruch, Euer Ehren: Pfanni hat mit Abstand die besten Kartoffel-Produkte (Knödel etc.), wenn’s mal nicht für frisch reicht. Aber gerade weil diese Produkte lange haltbar sind, kann ich sie auch woanders kaufen (zumal ich eh nur alle Jubeljahre mal zu Kaufland fahre).
      Kritischer erscheint mir der Wegfall der (im Text nicht genannten) Marke Langnese mit all ihren Untersorten wie Magnum etc.. Das ist schon der Marktführer, und bei Magnum verstehen viele keinen Spaß… Aber wenn Kaufland auf Zeit spielt, haben sie noch einige Wochen, bis es wieder wärmer wird!

    • Im Allgemeinen sind die Eigenschaften von Markenprodukten aber auch nicht viel stabiler als die von Handelsmarken. Gerade die Großkonzerne modernisieren oft schon ziemlich aggressiv. Sicher gibt es Ausnahmen, aber überwiegend läuft da die Identifikation über die Marke und nicht das Produkt.

    • Geschmacksache. Ich halte mich für nicht sehr markengläubig, aber mit Bertolli Olivenöl und Rexona Deo sind beispielsweise zwei Dinge betroffen, die bei mir auf dem Standard-Einkaufszettel stehen – und die ich dann ggf woanders kaufe, statt etwas anderes zu kaufen. (Im Fälle des Bertolli wohl ironischerweise bei Lidl, weil die Sorte „Gentile“ auch aus meinem Rewe verschwunden ist.)
      Generell meide ich Kaufland bei langen Einkaufslisten und wenig Geduld, weil ich mir nie sicher bin, ob ich alles dort kriege, selbst wenn ich das Produkt dort schon mal gekauft habe. Das betrifft insbesondere auch Getränke – bei Mineralwasser und Bier bin ich auch sehr markenwählerisch.

    • Ich weiß, hab ich auch gelesen. Uns schmeckt aber halt kein Olivenöl so gut wie das Bertolli Gentile. (Ich mag allerdings auch keine Oliven, daher unterscheidet sich mein Geschmack womöglich von den Experten-Testern 😉 )
      Wir haben sizilianische Verwandtschaft und die rümpfen über alle deutschen Öle die Nase, außer … Bertolli. Aber egal, eben Geschmackssache.
      Wollte nur mit dem persönlichen Fall-Beispiel darauf hinaus, dass bei einem Pool aus x Marken von Unilever dann doch viele Leute mit mindestens einer „geliebten“ Marke dabei sind.

  • Da geht der Punkt bei der Kommunikation eindeutig an real, dort wurden Auslistungen in den von mir besuchten Märkten immer deutlich, großflächig und oft mit einem deutlichen Seitenhieb gegen den Hersteller für die Kunden bekannt gemacht. Selbst als es einmal kurzzeitig nur die Marke Gerolsteiner betraf.

  • Ihr sprecht hier nur von Marken ,man muss aber die Menschen sehen welche diese Produkte herstellen! Viele Lebensmittelproduzenten die Mindestlohn zahlen und die Gewinne noch in die eigene Tasche stecken ,dem Bauern keine Luft zu atmen lassen,das Klima durch Transporte durch Europa anheizen ,sollten auch Verantwortung tragen !
    Ich finde die Idee gut ,durch Plakatierung die Verbraucher auf regionale Produkte aufmerksam zu machen !

  • Marken sind heute nur noch Index Faktoren der Finanzinvestoren. Ein Kunde, der sich genau auf das eine Produkt bezieht, nur sinnbildlich aus einem Märchen die „Ratte“, die den „Rattenfänger“ hinterher läuft. Im Einheitsbrei der Chemieindustrie. Deren Geschmack sich oft nur darin unterscheidet, daß Produkt A der Marke xyz 2g mehr nach Paprika schmeckt. Von der anderen Marke zyx 1,8g Glutamat. – Ich hoffe, dass dieser Artikel im Büro des Management gelesen wird. Doch dies wird in der Arroganz des Alters verpuffen.

    Zumal in Berlin plötzlich Produkte in den Regalen auftauchen, die StartUp/ Hippster community zugeordnet werden. Beispiele: myMuesli /Kukki Bio/Vegan Cocktails /

    • Was sind „Index Faktoren der Finanzinvestoren“ (sic!)?

      Bist du sicher, dass du dich nicht im Blog vertan hast? Der Duktus klingt irgendwie mehr nach Rundfunkgebührenprotest…

      Marken haben aus Sicht von Verbrauchern zwei Grundfunktionen, auch ohne dem Verbraucher Naivität zu unterstellen. Erstens eine schlichte Präferenz. So hat Coca Cola nie behauptet eine fair trade Bio-Limo zu sein (von wegen „Marken sind heute nur noch…“, womit du rhetorisch ja behauptest, es wäre jemals anders gewesen, eine Anspielung an eine vermeintlich gute alte Zeit).

      Aber den allermeisten Menschen schmeckt Coca Cola besser, als ein beliebiges Cola-Getränk einer lokalen Brauerei, einer Handelsmarke, von Sinalco, Afri oder oder oder. Ähnlich viele „Geschmacksfans“ hat sonst nur noch Pepsi Cola. Eine simple Präferenz, die erst Coca Cola groß und erfolgreich gemacht hat. Zuerst war das Rezept der Brause, dann kam der Erfolg und die Größe. Und wer Lust auf „Cola“ verspürt, der kauft eben die Marke seiner Präferenz, weil er genau weiss, wie das Glas schmecken wird.

      Zweitens eine gewisse Garantie von Mindeststandards. So kann man sich zB schlicht nicht erlauben, dass in Olivenöl mit dem Aufdruck Bertolli von Stiftung Warentest, Ökotest, usw. einmal minderwertiges Gepansche gefunden wird. Der Ruf der Marke wäre ruiniert, das Geschäft wäre ruiniert. Bei Eigenmarke XYZ ist das erstens für viele Verbraucher ehrlicherweise gar nicht so überraschend, zweitens kann man die auch einfach einstampfen, an die erinnert sich eh niemand. Ähnliches gilt für kleine Hersteller, irgendwelche Manufakturen usw. Markenhersteller betreiben einen enormen Aufwand zur Qualitätssicherung.

      Wenn man also Olivenöl in einer „Bertolli“-Flasche kauft, dann weiss man, dass man gute Ware des oberen Durchschnitts hat. Sicherlich keine Feinkost und auch nichts, was geschmacklich an frische 1A Pressung direkt vor Ort, auf Kreta gekauft, auch nur ansatzweise herankommen kann (viele Deutsche wissen ja zB gar nicht, dass Kratzen im Hals ein Qualitätsmerkmal ist, weil sie es von ihren Supermarktölen schlicht nciht kennen). Aber definitiv kein Gepansche. Und das reicht vielen Menschen im Alltag vollkommen aus, „gut genug“. Ähnlich ist es bei vielen anderen Dingen. Nein, das Magnum Mandel ist kein handwerkliches Gelato, aber trotzdem freuen sich im Sommer viele hitzegestresste Verbraucher darauf, in eins reinzubeißen. Und und und.

  • Ich bin markenbewusst und meide z.B. bei Kaufladen Produkte von K-classic. Sie reichen nicht an die von mir bevorzugten Markenartikel heran. Geht es eigentlich noch um die Bedürfnisse der Kunden oder auch bei Handelskonzernen nur noch um Profite.
    Ich kaufe dort ein, wo ich meine Artikel noch bekomme.

  • Von den genannten Markenartikeln würde mir kein einziger fehlen. Einzig Ben&Jerrys kaufen wir im Sommer ab und zu, aber es gibt auch anderes gutes Eis (natürlich nicht Langnese). Kaufland hat da nicht unrecht, die Produkte sind sehr austauschbar. Allerdings gilt das auch für Kaufland selbst, der Laden würde mir am wenigsten fehlen, wenn er hier einfach dichtmacht.

  • Die mittelständische Kette V-Markt, aus Berliner Sicht ganz tief im Süden beheimatet, zeigt, dass es eine erfolgreiche Nische jenseits der LEH Logik der letzten 20 Jahre gibt. V-Markt hat zB keine Handelsmarke und ist in vielerlei Hinsicht ein ganz klassischer Supermarkt, wie ihn viele Deutsche in weiten Teilen der Republik nur noch aus ihrer Kindheit kennen. Aber gepaart mit viel Regionalität und eben gutem Service, der die Leute durch Zufriedenheit an sich bindet, nicht durch Tiefstpreise oder Payback und Co.

    Einen anderen, aber ebenfalls eigenständigen, Ansatz verfolgen Famila und Globus in anderen Teilen der Republik. Einen bundesweit erfolgreichen Ansatz, neben Rewe/Edeka/Aldi/Schwarz Gruppe gibt es aber seit dem Ende von Tengelmann/Kaisers so nicht mehr.

    Wenn nun die Markenartikler erkennen, dass sie sich in einem Gefangenen-Dilemma befinden, dann könnten sie, in Kooperation mit zB den o. g. Mittelständlern, Kaufland und Co. das Leben verdammt schwer machen. Kaufland könnte Unilever gerade zum eigenen Glück zwingen, dazu zwingen umzudenken.

    Ich erwarte zwar nicht zwingend, dass der LEH in 5 Jahren ganz anders aussieht und wir rückblickend das hier als Zäsur bezeichnen. Aber es würde mich auch nicht furchtbar erstaunen. Die Markenartikler haben eine große Macht und eine große Loyalität unter den Verbrauchern. Die haben nun 20 Jahre zugesehen, wie Margen erodieren und Handelsmarken aufsteigen und tatsächlich zugelassen, dass die eigene Bedeutung sukzessive schwindet. In einigen weiteren Jahren könnte Kaufland mit der Ansicht, dass diese zwischenzeitlich bedeutungslos wurden, sogar recht haben. Aber soweit sind wir noch nicht.
    Wie gesagt, meine These ist: Kaufland hat sich hier gewaltig verzockt und könnte zum Aufwachen der Markenartikler führen. Ganz ohne kartellrechtlich bedenkliche Absprachen der Markenartikler. Einfach, weil es nun um die Wurst geht und umgekehrt die Kunden signalisieren, dass es ihnen zunehmend nicht mehr nur um BILLIG geht. Selbst Aldi hat darauf ja schon mit uptrading reagiert. Nur die Markenartikler schienen bisher in einer Art Phlegma zu verharren. Das könnte der Weckruf sein. Was meint ihr?

    • Der V-Markt hat als Handelsmarken die von Markant (insbesondere »Jeden Tag«) und verkauft mindestens Zucker unter eigenem Namen (unterhalb vom Discountpreis). Bei Sonderangeboten unterbietet er schon öfters die Konkurrenz (wenn auch nicht mehr so häufig wie früher), er kooperiert aktiv mit Couponplatz und gibt sich allgemein eher wie ein (ehemaliger) Discounter. Das wesentlich bessere Beispiel für eine primär qualitätsorientierte Strategie wär Feneberg oder Tegut (der übrigens nach München expandiert, aber das dauert noch).

    • Globus hat auch Eigenmarken („Korrekt“ (Food), meine ich mich zu erinnern, ist oder war eine davon. „Grandius“ (non-Food) eine andere).

      Und Globus hat (glücklicherweise) ganz viele Sachen von Alnatura – was man indirekt auch als Eigenmarke sehen kann.

  • Ich verstehe übrigens nicht, warum auch plötzlich zum Jahreswechsel sämtliche BUKO Frischkäse-Sorten von Arla Foods bei Kaufland aus dem Programm genommen wurden!?
    Eine Verkäuferin konnte mir, trotz längerer Recherche leider keine weitere Auskunft zu den Gründen geben. Sie sei selber erstaunt, hat Arla doch nichts mit Unilever zu tun.
    Weiß einer von euch mehr?

  • Mir geht es wie Rainer, ich warte auf ein Update.
    Und am liebsten/bequemsten auch (wieder) auf die Option, nachfolgende Kommentare per eMail zu erhalten. Sonst wird das Verfolgen der gerade in diesem Blog doch guten und kompetenten Erörterungen doch recht mühsam.

    • Diese Funktion würde DSGVO-bedingt weitere Speichererlaubnisregelungen mit sich bringen; deshalb wird es das leider vorerst nicht mehr geben.

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    • Die Benutzbarkeit des Gesamtkommentarfeeds ist allerdings in Stoßzeiten dadurch etwas eingeschränkt, dass er nur 10 Einträge umfasst und moderierte Beiträge nach Erstellungszeit u.U. weiter unten einsortiert werden, wo man sie leicht übersieht.

  • Jetzt haben wir schon August und irgendwie hat sich scheinbar noch immer nichts getan

    Hat Kaufland damit abgeschlossen ? Mir fehlt ja an sich nur mein ben und jerrys Eis… und magnum gibt es bei uns auch nicht mehr

  • Uns fehlen die Produkte von Knorr und Pfanni sehr selbst unsre Tochter 10 kann nicht verstehn das es ihr lieblings essen Möhren Broccoli Auflauf nicht mehr gibt .Die Kunden werden nicht gefragt was sie wollen und was nicht ,ich mag Kaufland sowie so nicht da fehlt laufend was in den Regalen dewegen gehn wir lieber zu Rewe

    • Knorr klarer Bratensaft und knorr Fleischsuppe waren sehr gut. Bin enttäuscht das diese Waren nicht mehr im Sortiment sind

    • Sorry, aber es ist zu augenfällig: Das ist der perfekte Zeitpunkt, auf solchen Conveniencekram zu verzichten. Gerade wenn die Tochter sowas schon als „lieblings essen“ (!) hernimmt, könnte es sonst sehr schnell zu spät sein!

      (Gut, eigentlich hoffe ich darauf, dass Ihr Kommentar zynisch gemeint war.)

  • Den Finello Käse für die Pizza gibt es auch nicht mehr. Kaufland hat viele Produkte, die ich immer dort gekauft habe, nicht mehr im Sortiment. Kaufe jetzt öfters bei Edeka und fahre alternativ zum Globus. Aktuell wirbt Kaufland wieder mit Dallmayr Prodomo für 3,33 Euro (statt 6,49 Euro). Ich meine, wer kauft den Kaffee noch zum Normalpreis für 6,49 Euro wenn er jede zweite Woche in irgendeinen Discounter zum Ramschpreis erhältlich ist ? Für mich als Kunde ist aber die Verfügbarkeit wichtiger als der Preis in der Werbung. Wenn Kaufland bestimmte Produkte nicht mehr im Sortiment hat, gehe ich woanders hin auch wenn dort dann z.B. der Kaffee ein paar Cent mehr kostet. Der „Aufwand“ in mehrere Discounter zu gehen (für den niedrigsten Preis) rentiert sich zeitlich nicht.

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