Schafft Lidl mit E-Food-Outsourcing den Neustart im Lebensmittel-Liefermarkt?

Schafft Lidl mit E-Food-Outsourcing den Neustart im Lebensmittel-Liefermarkt?

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Lidl unternimmt noch einmal einen neuen Anlauf zur Lieferung von Lebensmitteln – vorerst aber nur im europäischen Ausland. Dabie wäre das Modell auch für den deutschen Markt interessant.

Partner und Sponsoren:

Lidl unternimmt noch einmal einen neuen Anlauf zur Lieferung von Lebensmitteln – vorerst aber nur im europäischen Ausland.

Anstatt eigene Strukturen aufzubauen, hat der Discounter sein Lebensmittel-Liefergeschäft in Dublin (Irland) vollständig an den Partner Buymie ausgelagert. Der nimmt Bestellungen aus dem Lidl-Sortiment ausschließlich über seine App entgegen und schickt dann selbstständige Shopper in der Nähe los, damit die den Einkauf bei Lidl erledigen und im gewünschten Zeitfenster abliefern, berichtet die „Irish Times“.

Das Prinzip ist bekannt vom US-Anbieter Instacart, der vor sieben Jahren gestartet ist, heute u.a. für Kroger, Costco und Aldi (USA) Lebensmittel ausliefert und bereits zahlreiche Nachahmer gefunden hat (oft allerdings mit begrenztem Erfolg).

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Lidl ist auch in den USA mit von der Partie, hat sich allerdings für den Konkurrenten Shipt als Partner entschieden, bei dem Kunden einen monatlichen (14 Dollar) bzw. jährlichen (99 Dollar) Beitrag zahlen müssen, um sich beliefern zu lassen. (Dafür werden über einem Warenwert von 35 Dollar keine Liefergebühren mehr berechnet.) Shipt wurde vor zwei Jahren von Target übernommen, wo man das Start-up über seine Metropol-Filialen als Schnelllieferdienst anschiebt (siehe Supermarktblog).

4 bis 7 Euro für die Blitzlieferung

Wer seine Lidl-Einkäufe in Dublin nachhause gebracht bekommen möchte, muss dafür ebenfalls etwas tiefer in die Tasche greifen und mindestens für 20 Euro Waren bestellen. Die Lieferung kostet zwischen 3,99 Euro und 6,99 Euro, je nachdem, für welches Zeitfester man sich entscheidet (eine bis drei Stunden nach der Bestellung).

Buymie erhält eine zusätzliche Provision, die sich nach der Höhe der Bestellsumme richtet; das bedeutet, dass der Einkauf zwischen 10 und 15 Prozent teurer ist als wenn der Kunde selbst in den Laden geht. (Lidl stichelt allerdings, dass das immer noch günstiger sei als der Einkauf beim Wettbewerber Tesco – mit dem Buymie ebenfalls kooperiert.)


Screenshots [M]: Buymie/Smb

Das Modell hat diverse Tücken, zuallererst natürlich, dass sich Lidl-Kunden, die vermutlich eine ausgeprägtere Preissensibilität besitzen als die Kunden klassischer Supermärkte, an höhere Produktkosten gewöhnen müssen. Dazu kommt, dass Lidl für die Bestellung seiner Produkte keinen Zugang über die eigenen Webkanäle anbieten kann. Und man im Erfolgsfall abhängig von einem App-Partner ist, der eigene Ziele verfolgt und im Zweifel Prioritäten zu Gunsten von Händlern setzt, die eine intensivere Zusammenarbeit im Auge haben.

(Zu den Buymie-Geldgebern gehört ironischerweise der Konsumgüterkonzern Unilever, mit dem sich die Lidl-Schwester Kaufland mächtig verkracht hat.)

Neuer Standard für US-Händler

Andererseits scheint sich das E-Food-Outsourcing derzeit – zumindest in den USA – als eine der Standardlösungen für die schnelle Lieferung von Lebensmitteln durchzusetzen. Vor allem, weil es Händlern das Risiko und die hohen Investitionen abnimmt, die ein selbst kontrolliertes Liefermodell mit sich bringen.

Bei Lidl Irland heißt es, eine Ausweitung des Tests mit Buymie sei derzeit nicht geplant. Aber das dürfte sich schnell ändern, falls sich tatsächlich Kunden finden, die sich auf diesem Weg das Anstehen im Laden sparen wollen.

E-Food-Outsourcing könnte Lidl auch hierzulande helfen, wieder in den Markt für Liefer-Lebensmittel einzusteigen. Ende 2017 hatte der Discounter den Verkauf von Lebensmittel im eigenen Webshop aus Rentabilitätsgründen beendet (siehe Supermarktblog). Zuvor war bereits das geplante Express-Konzept zur Online-Vorbestellung und Abholung von Einkäufen gestoppt worden (siehe Supermarktblog).

Auf den ersten Blick drängt sich hierzulande allerdings kein Partner für eine solche Kooperation auf. Der von Rocket Internet forcierte Instacart-Klon Shopwings ist schon seit 2015 Geschichte. Selbst Amazon hat bislang darauf verzichtet, seinen Vorsprung mit Prime Now auszubauen.

Wie flexibel ist Getnow?

Womöglich könnte eine Allianz mit Getnow interessant sein, das ehrgeizige Ziele für 2019 formuliert hat (mehr dazu bei Exciting Commerce und Gründerszene) – allerdings mit der Einschränkung, nicht in allen neuen Regionen direkt am selben Tag liefern zu können.

Momentan kauft Getnow die auf seiner Seite angebotene Produkte ausschließlich beim Partner Metro ein; gelänge es, das Angebot so umzubauen, dass Kunden – je nach Region – aus mehreren Händlern auswählen können, ließe sich das Modell aber zügig ausbauen. Und wäre auch für Lidl und Kaufland von Interesse.

Derweil kommt Globus bei seiner angekündigten Partnerschaft mit Food.de laut „Lebensmittel Zeitung“ bislang eher schleppend voran (Paywall).

Die Konkurrenz steht schon bereit: In den Niederlanden bringen Deliveroo und Thuisbezorgd.nl Lebensmittel zum Sofortverzehr von Albert Heijn to go nachhause oder ins Büro (siehe dazu Supermarktblog und holyEATS); in Großbritannien können sich App-Nutzer in ausgewählten Städten ihren kompletten Lebensmitteleinkauf von The Co-Op per Deliveroo heimradeln lassen. (Mehr dazu demnächst.)

Danke an @starflyergold für den Hinweis!

Nachtrag: Lidl hat angekündigt, in Italien mit Supermercato24 für ein ähnliches Liefermodell zusammenzuarbeiten.

Fotos: Supermarktblog

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