Ocado Zoom verstehen – in nur 3 Minuten

Ocado Zoom verstehen – in nur 3 Minuten

Inhalt:

Was plant Ocado mit seinem neuen Schnellbringdienst für Lebensmittel in London? Und für welche Zielgruppe? Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

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Was ist Ocado Zoom?

Ein Schnelllieferdienst für Lebensmittel und Drogerieartikel, der seit dem 1. März im Westen Londons getestet wird und zum britischen Online-Supermarkt Ocado.com gehört. Das Versprechen: die bestellten Artikel werden innerhalb von 60 Minuten nachhause (oder ins Büro) gebracht. (Wer wieder stornieren will, muss sich deshalb beeilen: nach Absenden der Bestellung bleiben nur zwei Minuten Zeit, dann ist der Auftrag in der Bearbeitung.)

Machen das nicht auch schon andere?

In ähnlicher Weise, ja. Saisbury’s hat dafür die App Chop Chop gestartet (60 Minuten, 20 Artikel, 4,99 Pfund Liefergebühr), beim Wettbewerber Tesco heißt bzw. hieß der Dienst Tesco Now (ähnlich wie das Vorbild: PrimeNow von Amazon). Die App dazu scheint aber schon wieder eingestellt worden zu sein.

Was ist dann das Besondere an Ocado Zoom?

Vor allem Auswahl und Preisgestaltung. Ocado gibt an, dass Kunden bei Zoom aus rund 10.000 Artikeln auswählen können – sehr viel mehr als üblich. Zoom liefert auch nicht aus klassischen Supermarktfilialen, sondern kommissioniert nach eigenen Angaben aus einem stadtnahen Verteilzentrum, in dem ein wesentlicher Teil der Kommissionierung automatisiert abläuft. (Anders ließe sich vermutlich auch die Zeitvorgabe kaum einhalten.)

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Liefert Ocado die Bestellungen selbst aus?

Nein, das übernehmen Kuriere des französischen Delivery-Start-ups Stuart, das außer in Frankreich derzeit auch in Großbritannien und Spanien aktiv ist. Mehr dazu steht bei holyEATS.

Was verspricht sich Ocado von Zoom?

In erster Linie: Wachstum. Und zwar in einer Kundengruppe, die der Online-Supermarkt bislang noch gar nicht bedient hat. Bei der Vorstellung des Jahresergebnisse hat Ocado seine Überlegungen konkretisiert (PDF): 42 Prozent der Umsätze im britischen Lebensmitteleinzelhandel entfallen auf Kunden, die einen klassischen Wocheneinkauf erledigen. An die hat sich Ocado.com bislang ausschließlich gerichtet. Im Umkehrschluss werden allerdings 58 Prozent der Umsätze eher mit kleineren, oft spontan getätigten Einkäufen erzielt („Top up“): wenn mittags Sandwiches und Snacks gekauft werden, zum Feierabend noch was füs Abendessen fehlt oder wochenends Party-Nachschub benötigt wird.

Wenn es Ocado gelänge, Kunden mit dieser Art von Einkauf zu sich zu locken, ergäbe sich daraus ein enormes Wachstumspotenzial.

Mit Zoom will Ocado also an eine neue Zielgruppe ran?

Exakt. Zoom zielt vor allem auf Kunden mit Warenkörben unter 60 Pfund; mit 15 Pfund ist der Mindestbestellwert zudem so niedrig angesetzt, dass es sich für Kunden tatsächlich auch lohnt, nur ein paar kleine Besorgungen zu bestellen, für die sie sonst vermutlich Tesco Express oder zu Sainsbury’s Local aufgesucht hätten. Die Lieferkosten liegen bei überschaubaren 1,99 Euro.

Das freut auch die im Liefergebiet liegenden Büros:

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Neue Kunden begrüßt Ocado Zoom nach der Registrierung mit dem Versprechen, künftig nie mehr in letzter Minute in den Supermarkt hetzen zu müssen:

„Welcome to more freedom, less planning and no more last-minute trips to the shop.“


Screenshot: Ocado.com

In welchem Zeitraum kann bestellt werden?

Morgens ab 7 Uhr bis abends um 22 Uhr. Wenn man seinen Einkauf noch nicht abgeschlossen hat, sagt Zoom eine Stunde vor Ladenschluss Bescheid:

„We’re closing 10:00 PM. Check out now for delivery in 60 minutes.“

Wäre das nicht auch für deutsche Händler einen Versuch wert?

Na klar. Bislang sieht es aber nicht so aus, als genösse diese Überlegung bei einem der großen Lebensmittelhändler Priorität. Eher versucht man dort, Kunden zu immer größeren Warenkörben zu drängen, etwa indem sich kleinere Einkäufe wegen der hohen Lieferkosten kaum rentieren. Im vergangenen Jahr hat Rewe der Mindestbestellwert zudem von 40 auf 50 Euro angehoben (siehe Supermarktblog).

Newcomer Picnic hat für seinen Dienst 25 Euro Mindestbestellwert angesetzt, zielt im derzeitigen Modell aber auch eher auf regelmäßige Wocheneinkäufer, zumal Bestellungen immer erst für den nächsten Tag möglich sind. (Was immerhin schon sehr viel flexibler ist als bei Rewe oder Edeka, wo man die Chance zur Gründung eines „Bringmeister direkt“ konsequent hat liegen lassen.)

Getnow versucht gerade in mehreren Regionen, mit Lieferflexibilität zu punkten (siehe Supermarktblog) – unter 40 Euro Warenwert werden dafür 3,99 Euro Lieferkosten fällig; wer’s eiliger hat, muss 6,99 Euro locker machen. Was „Top-up“-Kunden aber mit hoher Wahrscheiunlichkeit doch wieder in den regulären Supermarkt lotst.

Eine ausführliche Einschätzung zu „Ocado nach dem Durchbruch“ gibt es in den „Exchanges“ von Jochen Krisch und Marcel Weiß zum Anhören.

Titelfoto [M]: Ocado.com, Fotos: Supermarktblog

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