Nach DHL: Auch Amazon testet per App bedienbare Abholstationen

Nach DHL: Auch Amazon testet per App bedienbare Abholstationen

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DHL hat die Bedienung seiner Bluetooth-Packstationen in die Haupt-App integriert – und Amazon macht’s nach. Erste Hub Locker kommen ohne eigenen Touchscreen aus, Fächer lassen sich nur noch mit der Amazon-App auf dem Smartphone öffnen.

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Spieglein, Spieglein, an der Wand – wer hat die fortschrittlichsten Abholstationen im ganzen Land?, erkundigt sich die böse Königin DHL traditionsgemäß bei der reflektierenden Glasfläche ihres Vertrauens, und zuletzt lautete die Antwort des öfteren: „Ihr, Frau Königin.“

Nur per App steuerbar: „Packstation Kompakt“ in Berlin; Foto: Smb

Schließlich stellte die Deutsche-Post-Tochter erstmals vor zwei Jahren neue Modelle ihrer Packstation auf, die ohne Touchscreen auskamen und sich stattdessen über eine Bluetooth-Verbindung per Smartphone-App bedienen und öffnen ließen. Das hat zwischenzeitlich – wie das meiste bei DHL – eher so mittelgut geklappt (siehe Supermarktblog); es hielt das Unternehmen aber nicht davon ab, 200 weitere Exemplare dieser „Packstation Kompakt“ aufstellen zu wollen.

Zwischenzeitlich ist die Steuerung zudem von der absturzaffinen separaten App in die grundlegend überarbeitete Haupt-App „Post & DHL“ verlegt worden. Dort gibt’s nun einen eigenen Menüpunkt für die „Packstation“, hinter dem Kund:innen gefragt werden, ob sie sich gerne mit einem Kompakt-Modell verbinden möchten.


Doch, ach, als DHL neulich wieder mit dem Spiegel tratschte, antwortete dieser: „Frau Königin, Ihr seid die mit den fortschrittlichsten Stationen hier. Aber Amazon – so listig, mit der eigenen Logistik, ist nunmehr genauso fortschrittlich wie Ihr.“

Ebenfalls nur per App steuerbar: Touchscreen-freier Amazon „Hub Locker“ in Berlin; Foto: Smb

Haken setzten, Bluetooth anschalten

Ich übersetze das gerne: Auch Amazon testet inzwischen Abholstationen, die anders als die bisherigen Exemplare auf einen eigenen Bildschirm verzichten und sich von Kund:innen ausschließlich per Smartphone bedienen lassen. Wer einen solchen Locker bzw. „Hub Locker“ – wie Amazon die Geräte inzwischen manchmal tauft – im Bestellprozess als Abholort auswählt, muss extra einen Haken setzen:

„Ich bestätige, dass ich ein Smartphone mit installierter Amazon Shopping-App habe.“

Denn die ist „erforderlich“, um den Abholprozess zu starten.

Screenshot: amazon.de

Dieser funktioniert ähnlich wie bei DHL, bloß dass man vorher einmalig durch einen kurzen Einrichtungsprozess geleitet wird („Willkommen beim Amazon Locker“). Der Amazon-App muss die Standortermittlung erlaubt werden (einmalig oder bis auf Widerruf) und Bluetooth aktiviert sein. Auf Wunsch kann man sich per Push benachrichtigen lassen, sobald ein Paket bereit liegt.

Im Umkreis von drei Metern verbindet sich das Smartphone dann automatisch mit dem gewählten Hub Locker, am Bildschirmrand erscheint der Hinweis: „Mit dem Amazon Locker verbunden.“ Und die App informiert (Beispiel): „Es muss 1 Paket abgeholt werden.“ Erst beim Klick auf „Schließfach öffnen“ wird das Fach freigegeben.

Ein Barcode wird nicht mehr gebraucht, deshalb sendet Amazon bei der E-Mail-Benachrichtigung stattdessen einen auf die App verweisenden Button mit: „Abholung starten.“

Amazon-App als Navigationszentrum

Einen eigenen Namen scheint man den Bluetooth-Stationen nicht geben zu wollen, wozu auch? Dass sich Amazon auf diesem Weg den Einbau eines Bildschirms spart, könnte auch deshalb von Vorteil sein, weil die Hub Locker dann – insbesondere an den zuletzt hier in Berlin gewählten Standorten am unbeaufsichtigten Straßenrand – zwar weiter stark Vandalismus-anfällig sind. Immerhin bleiben die Stationen dann aber bedienbar. (Anders als wenn die Screens zugesprüht werden.) Gut möglich ist, dass Amazon die neuen Hub Locker künftig vor allem im sehr öffentlichen Raum einsetzt.

In jedem Fall passt die neue Bedienung zur Strategie, die Haupt-App zum zentralen Bestell- und Naivgationszentrum der eigenen Plattform zu machen.

Kürzlich hatte der Konzern bereits angekündigt, die separate Prime-Now-App einzustellen und sämtliche Dienste mit den Services im Hauptangebot zu verschmelzen (siehe Supermarktblog).

Zudem haben die Lebensmittel-„Shops“ in der renovierten Amazon-App inzwischen Auftritte in einem eigenen Design erhalten. Das gilt (in verfügbaren PLZ-Gebieten) sowohl für den eigenen Service Fresh, als auch für den Partner Tegut; in beiden Fällen wird das klassische Amazon-App-Design während des Lebensmittel-Einkaufs vollständig ausgeblendet. So sieht das aus:

Mehr über Amazons Strategien im Supermarktblog.

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7 Kommentare
  • Ich vermute schon stark, dass kein:e Kund:in diese Stationen als besonders fortschrittlich empfindet, sondern – insbesondere im Fall von DHL – eher als Verschlechterung. Ich habe bisher schon Apps an der herkömmlichen Packstation genutzt – nämlich um QR-Codes abzuscannen und meine Retourenaufkleber an der Packstation auszudrucken, das ist schnell und unkompliziert und es verbraucht nicht noch mein eigenes Papier, Toner und Klebstoff. Vom lästigen Rumgeschnippel ganz zu schweigen.
    Den Etikettendrucker jetzt wegzurationalisieren (und damit auch den schnellen Erwerb von Paketmarken ohne eigenen Drucker), wirkt ein bisschen wie „Die Filialen haben wir eh praktisch abgeschafft und die Leute erfolgreich auf die Packstation umerzogen, jetzt können wir die auch verschlechtern.“

  • Ich habe den leisen Verdacht, dass Amazon die DHL-Boxen nicht mag. Gerade erst wieder eine aktuelle Erfahrung, die mit Blick auf ähnliche Dinge in den vergangenen Monaten aber keineswegs ungewöhnlich erscheint: Am Dienstag Vormittag habe ich einen „auf Lager“-Artikel an eine Packstation-Adresse bestellt. Gestern Vormittag habe ich eine „wurde versandt“-Mitteilung erhalten, mit Trackingnummer die bisher jedoch nur eine Paketankündigung auswirft. Von Amazon angekündigtes Lieferdatum: Nächste Woche Montag.

    Es mag auch damit zusammenhängen, dass ich kein Prime-Kunde mehr bin. In dem Zusammenhang ist mir schon aufgefallen, dass Laufzeiten sich 1-2 Tage verlängert haben. Packstation scheint allerdings nochmal 1-2 Tage draufzulegen.

    • Leider hat Amazon die Versandgeschwindigkeit für Nicht-Prime-Kunden gedrosselt. Früher war die Lieferung von Heute auf Morgen für Normalkunden ja fast Standart.
      Dass die Lieferung gefühlt länger dauert, kann auch daran liegen, dass Amazon nicht nur aus Deutschland liefert/versendet, sondern auch aus anderen europäischen Ländern, was bei der Bestellung nicht immer genau ersichtlich ist. Ich hab auch schon einige Sachen aus Spanien oder Italien bekommen (was nicht explizit bei der Bestellung erwähnt wurde, nur die längere Lieferzeit machte mich etwas stutzig). Bei DHL setzt die Sendungsverfolgung manchmal erst innerhalb Deutschlands ein, ist also bis dahin oft nur angekündigt. DHL sagt ja selbst, dass die Lieferung an die Packstation 1 Tag länger dauern. „kann“, als die Zustellung nach Hause.
      Es ist schon etwas ärgerlich, dass der Normalversand bei Amazon jetzt länger dauert, aber es ist wohl eine Strategie, um Prime-Kunden zu gewinnen, die für ihre Mitgliedschaft zahlen und von schneller Lieferung profitieren.
      Möchte man als Nicht-Prime-Kunde den kostenlosen Versand auch bei Bestellungen unter 29€ nutzen, dann kann man sich seine Bestellung auch ohne Versandkosten am einen Amazon Hublocker schicken lassen, falls man einen in der Nähe hat.

  • Ich würde mich selbst ja als „guter Kunde“ bezeichnen, immerhin bestelle ich im Jahresschnitt einmal die Woche etwas bei Amazon. Und das (soweit möglich) immer zu dem Locker um die Ecke. Aber wenn man dazu dann die App braucht, ist das vorbei. Amazon traue ich bei der Auswertung der ihnen zur Verfügung stehenden Daten über mich alles zu, deswegen werd ich niemals diese App installieren. Ich bin auch kein Prime-Kunde – aus Prinzip.

  • Hier mal mein Erfahrungsbericht, als „zwangsbeglückter“ Packstations-Kunde. Ich hatte die Stationen bisher nie genutzt, weder die klassischen, noch die App-gesteuerten, da ich hierfür keinen Bedarf sah. Pakete kamen immer zuverlässig an, oder wurden in die nahe Filiale umgeleitet.

    Neulich hatte ich dann 2 Benachrichtigungen im Briefkasten (obwohl ich bei Zustellung daheim war), dass 2 Pakete in der neuen Station beim Aldi in der Nachbarschaft liegen würden. Zur Abholung müsste ich „nur“ die App runterladen.

    Ich finde das gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Ich bin in diesem Fall ja nur der Empfänger, also so gesehen kein Kunde von DHL. Ich habe keine AGBs unterschrieben und auch nirgends zugestimmt, dass ich die Packstation nutzen will, geschweige denn die App.

    Also bei der Hotline angerufen – ein freundlicher Herr hat mir dann erklärt, das sei kein Problem – man kann auf der DHL Website eine Zweitzustellung buchen. Hierfür braucht man einen 14-stelligen Code, den er mir gerne gibt. Man kann diesen Code wohlgemerkt NUR in der Hotline bekommen, nach entsprechenden Wartezeiten und Identifikationen. Anschl. das Formular online ausfüllen und „schon“ bekommt man das Paket erneut zugestellt.

    Hierzu kann ich nur sagen: WTF!

    1. Wie kann es sein, dass ich als Nicht-Kunde mehr oder weniger gezwungen werde, die App zu installieren
    2. Was, wenn meine Oma oder mein über 80-jähriger Vermieter so eine Nachricht erhält? Das Paket geht zurück.
    3. Am Ende hab ich die App natürlich installiert und mit Erschrecken festgestellt, dass ich mit einem bloßen Scan der Benachrichtigungskarte das Fach öffnen konnte – ohne weitere Legitimation. Auf der Filiale wurde wenigstens stichprobenmäßig mein Personalausweis kontrolliert. Wenn jemand den gelben Zettel in die Hände bekommmt, kann er sich mein Paket holen.
    4. Nach der Abholung erfolgte KEINE Benachrichtigung per Mail, so dass ich es noch nichtmal mit bekomme, wenn sich jemand anders mein Paket schnappt.

    Nicht falsch verstehen – ich finde die Station durchaus praktisch und eine sinnvolle Lösung – aber ich würde mich gern FREIWILLIG dafür entscheiden dürfen. Außerdem halte ich die Sicherheitsstandards für einen schlechten Scherz.

    Sehe nur ich das so?

  • Ich wohne in einer sehr ländlichen Gegend. Vor ungefähr 2 Monaten entdeckte ich einen Amazon Hub Locker (mit Tastatur und Display) zufällig auf einem Supermarktplatz. Da ich dort öfter vorbeikomme und der Versand an die Hublocker generell (noch?) kostenlos ist, hab ich seitdem schon einige Kleinteile dorthin senden lassen. Das Abhollen geht schnell und unkompliziert per Zahlencode-Eingabe oder Barcode-Scan. Beides bekommt man per mail, sobald die Sendung im Locker angekommen ist.
    Der nächste Locker befand sich ca. 30km weg. Da man Amazon Erfahrungen und Wünsche bezüglich der Hub Locker mitteilen konnte, habe ich dies auch getan.
    Ich habe geschrieben, dass es schöner wäre, wenn die Locker idealerweise an Tankstellen oder Orten direkt an Strassen sein müssten, welche schnell zugänglich sind.
    Ich weiß nicht, ob Amazon direkt meinem Wunsch nachgekommen ist, aber seit ca 1 Woche steht so ein neuer Amazon Hublocker ohne Display und Tastatur, welcher nur per App bedienbar ist, direkt neben einer Tankstelle im Nachbarort, eigentlich für mich der am Besten erreichbare Ort mit dem Auto,weil ich da 2 Mal am Tag vorbeifahre und zu Fuß wäre es auch noch gut erreichbar.
    Ich habe den Locker jetzt auch schon 1 Mal genutzt. Ab ca. 15m hat sich die App mit dem Locker verbunden und der Button „Schließfach öffnen“ sprang von inaktiv (graue Farbe) auf aktiv (gelbe Farbe). Man kann also das Schließfach von etwas weiter weg öffnen *g*.
    Da DHL und Amazon ähnliche Technologie nutzen, wäre es eigentlich wünschenswert, wenn es einen einheitlichen Standart für Paketstationen geben würde und verschiedenen Dienstleister auf die selbe Technik zugreifen könnten. Potentielle Sicherheitsprobleme, welche man befürchtet, wenn verschiedene Dienstleister auf eine Packstation zugreifen würden, könnte man durch eigenen Softwarelösungen oder Apps minimieren, welche gewisse Sicherheitsstandarts des Unternehmens erfüllen.
    Man hat doch zu Hause auch nicht verschiedene Adressen für verschiedene Dienstleister und verschiedene Briefkuriere werfen die Briefe auch in den gleichen Briefkasten.
    Wünschenswert wäre es in meinem Augen, wenn Städte und Kommunen vielleicht die Technik (Packstationen) zur Verfügung stellen und sich verschiedene Versanddienstleister mit Apps oder Softwärelösungen daran anbinden.
    Je nachdem wie die Auslastung durch verschiedene Versanddienstleister sind, könnten dann Mietzahlungen fällig werden, wovon auch die Kommunen profitieren, aber auch die Dienstleister, für die Arbeitszeiten und Transportkosten wegfallen, die bei der Lieferung vor die Haustür fällig wären.
    Packetstationen sind ja nicht nur in Deutschland im Kommen; und ich denke auf längere Sicht werden sie die Lieferung vor die Haustür/Wohnungstür ersetzen.

  • Ich bin gerade auf diese Website gestoßen. Ich durfte gerade meine erste Erfahrung mit dem displaylosen Amazon Locker „auf der Straße“ machen. Vorher hatte ich die Sachen immer an einen Späti/Kiosk schicken lassen und die Locker hatten einen Display. Entweder hatte ich einen Code eingegeben oder einen ausgedruckten QR Code bzw. QR Code auf dem Smartphone zum Öffnen verwendet.
    Heute mal der Test mit einem Locker, der in meiner Straße steht. Der ist wie gesagt displaylos und geht nur per App und Bluetooth. Alles eingestellt wie von der App vorgeschlagen, stehe ich vor dem Locker und habe eine Nachricht in der App:
    „Es ist ein Fehler aufgetreten. Lassen Sie uns die Seite aktualisieren.“ Dann klicke ich auf den „Aktualisieren“ Button und nix passiert.
    Bei der Hotline-Nummer angerufen, die auf dem Locker steht und nach 15min wurde mir gesagt, dass die App wohl defekt sei. Ich solle 3 Tage später nochmal vorbeigehen und es probieren. Ansonsten wird es wieder zurückgeschickt und ich muss es neu bestellen.
    Ich vermute mal, dass ich dann wieder zu meinem Späti gehen werde. War wohl die Early Adopter Strafgebühr für die öffentliche Betaphase dieser App. 🙄

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