Wie das Oetker-Start-up Mehrwelt ein neues Pfandsystem für Lebensmittel aus dem Supermarkt etablieren will

Wie das Oetker-Start-up Mehrwelt ein neues Pfandsystem für Lebensmittel aus dem Supermarkt etablieren will

Foto: Supermarktblog
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Um Einwegverpackungen zu sparen, verpackt Mehrwelt Pasta, Linsen, Müsli und Snacks in Pfandgläser und will damit künftig überall im stationären Handel und bei Lieferdiensten wie Flaschenpost verfügbar sein. Im nächsten Jahr geht eine neue Abfüll- und Reinigungsanlage in Betrieb, um die Kapazitäten zu steigern.

Partner und Sponsoren:

Auch Revolutionen fangen meistens klein an, und manchmal halt: mit roten Linsen, Nuss-Crunchy und Dinkel-Pasta in der Mehrwegverpackung. Zur Bewältigung sämtlicher Mahlzeiten einer Woche eignen sich die Lebensmittel, die das Berliner Start-up Mehrwelt bislang in seinem Sortiment führt, vielleicht noch nicht. Aber der Anspruch für die kommenden Monate ist ambitioniert formuliert.

„Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen bei ihrem Händler eine müllfreie Produktalternative zu bieten“,

sagt Mehrwelt-Gründer Dominik Welslau im Supermarktblog-Gespräch, und reagiert mit sanftem Kopfschütteln, wenn man ihn danach fragt, ob er seine Artikel künftig exklusiv mit einzelnen Partnern aus dem Lebensmitteleinzelhandel vertreiben will: nee, ganz im Gegenteil.

„Wir wollen ein neues Pfandsystem etablieren – und das kann nur funktionieren, wenn die Produkte möglichst breit verfügbar sind und auch wieder zurückgegeben werden können.“

Die Idee ist einfach: Mehrwelt bietet Lebensmittel in Mehrwegpfandgläsern an – nicht nur Milch, Joghurt und Getränke, wie das die Deutschen ohnehin schon gewöhnt sind; sondern auch Grundnahrungsmittel wie Reis und Couscous, Pasta, Müsli und Cerealien sowie Snacks (Studentenfutter, Schoko-Nuss-Kekse).


Die Artikel werden in so genannten Großgebinden von Herstellern eingekauft und anschließend in Gläser umgefüllt, um weitgehend auf Einwegverpackungen zu verzichten.

Expertenwissen aus der Oetker-Gruppe

Zu kaufen gibt es die 19 Produkte derzeit erst in wenigen Supermärkten, u.a. in Bad Zwischenahn, Berlin, Bielefeld, Dinkelsbühl, Oelde und Wiedenbrück sowie beim Getränke- und Lebensmittel-Lieferdienst Flaschenpost. Im kommenden Jahr wollen Welslau und Co-Gründerin Juliane Wagner die Kapazitäten aber deutlich erhöhen und weitere Händler:innen an Bord holen. Wer Interesse hat, die Produkte im Mehrwegglas in seinen Markts zu holen, kann sich jetzt schon melden (per E-Mail: handel@mehrwelt.com).

„Aktuell arbeiten wir mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in der Nähe von Berlin zusammen“, erklärt Welslau und kündigt an:

„Ab dem Frühjahr werden Abfüllung und Reinigung im Müsli- und Backmischungswerk von Dr. Oetker in Oerlinghausen erfolgen, wo wir gerade eine eigene Anlage dafür aufbauen.“

Als Tochter der Start-up-Ausprobiereinheit Oetker Digital hat Mehrwelt gleich mehrere Vorteile davon, in die Gruppe eines großen Nahrungsmittelherstellers eingebunden zu sein. Vor dem Marktstart im Mai 2020 profitierte das Team zum Beispiel vom Knowhow der ebenfalls zu Oetker gehörenden Radeberger-Gruppe:

„In Sachen Mehrweg-Reinigung, Qualitätssicherung und Pfandmanagement gibt es bei Radeberger ein seit Jahrzehnten gewachsenes Wissen, auf das wir bei der Entwicklung von Mehrwelt zurückgreifen konnten, vor allem für den Reinigungsprozess der Gläser.“

Und dass mit Oetkers Start-up-Zukauf Flaschenpost direkt ein eigener Lieferdienst bereit steht, um die Mehrwelt-Produkte zu vertreiben, ist auch nicht ganz unpraktisch. Derzeit wird die Lieferung von Lebensmitteln durch den bisherigen Getränke-Spezialisten Flaschenpost zwar erst in ausgewählten Städten angeboten (siehe Supermarktblog); aber das Mehrwelt-Sortiment ist bei jeder neuen Lieferregion von Anfang an mit dabei.

Und die Kund:innen können bei ihrer nächsten Bestellung zusätzlich zu Bier- und Wasserkästen einfach auch leere Linsen- und Pasta-Gläser zurückgeben.

Andere Mengen im Glas

Gleichwohl will Mehrwelt offen für alle Anbieter im Markt bleiben, um ein auf lange Sicht funktionierendes Kreislaufsystem zu etablieren – und dazu gehören nunmal auch die stationären Händler, von denen bislang vor allem selbstständige Edeka-Kaufleute, ein Rewe-Kaufmann und der Edeka-Biomarktableger Naturkind (mit einem von zwei Standorten) an Bord sind. Dort gibt man die Gläser einfach über den regulären Pfandautomaten zurück.

Das ginge freilich noch leichter, wenn Mehrwelt – wie manche Mehrwegglas-Versender, die sich in den vergangenen Jahren gegründet haben – Joghurt- bzw. Milchgläser und -flaschen nutzen würde, für die es ja schon einen funktionierenden Kreislauf gibt.

„Wir haben uns zuerst das Sortiment angeschaut, das wir gerne in den Markt bringen würden, und bei vielen Produkten gesehen, dass die existierenden Joghurt-Mehrweggläser dafür schlicht zu klein sind. Das führt zu Ineffizienzen in der Logistik. Und für Konsument:innen ist es unschön, wenn sie zwei Gläser von einem Produkt kaufen müssen, um die gewohnte Menge zu erhalten“,

erklärt Welslau die Entscheidung, eigene Gläser zu designen, die tatsächlich höher (und schicker) sind als die etablierten Varianten.

Dass sich die Füllmenge von Produkt zu Produkt unterscheidet, die Kund:innen also im Zweifel ohnehin andere Mengen einkaufen müssen als sie es gewöhnt sind (420 Gramm Reis, 385 Gramm Früchte-Müsli, 325 Gramm Spiral-Pasta), sieht Welslau hingegen nicht als Hindernis:

„Bislang gab es dazu kein negatives Feedback der Kund:innen. Und Mogelpackungen sind bei unserem System ausgeschlossen, weil man immer genau sieht, was in den Gläsern drin ist.“

Neuer Pfandbetrag: 1 Euro

Gleichzeitig bepfandet Mehrwelt die eigenen Gläser mit einem einheitlichen Betrag, der deutlich höher ist, als es die meisten Kund:innen aus dem Supermarkt bislang gewohnt sind: 1 Euro pro Glas.

Mehrwelt will “Pfand-tastisch” sein und verleiht seine Gläser für jeweils einen Euro an die Kund:innen; Foto: Supermarktblog

Aus Umfragen wisse man, dass viele Konsument:innen der Ansicht seien, es lohne sich wegen der geringen Beträge oft kaum, Pfandgläser und -flaschen zurückzugeben.

„Im jetzigen System – Pfand für Mehrweg, Pfand für Einweg – unterscheiden die Kund:innen kaum noch. Die 25 Cent Einweg-Pfand werden oft sogar eher als positiver Aspekt wahrgenommen, weil man ja mehr Geld zurück bekommt als für Glas. Deshalb haben wir uns intensiv mit der Höhe des Pfandbetrags befasst und sind auf den jetzigen Betrag von 1 Euro gekommen: wertig genug, um die Gläser zurück zu bringen, aber auch nicht so hoch, dass man es nicht bezahlen würde.“

Im Zweifel kann Mehrwelt so dafür sorgen, dass Gläser nicht zu lange bei den Kund:innen zuhause rumstehen und zügig ins System zurückkommen, das ja genau darauf angewiesen ist, damit die Wiederbefüllung funktioniert.

Unter anderem daran ist „Acht für alle“ gescheitert – ein ähnlich funktionierendes System, für das sich einst Naturkosthersteller zur AFA (Arbeitsgemeinschaft für Abfallvermeidung) zusammen geschlossen hatten, um ihre Produkte in universell nutzbare Pfandgläser zu packen. Am Ende gab es wohl mehrere Hindernisse, die zur Einstellung führten: Es kamen nicht nur zu wenige Behälter zurück; viele waren wohl auch so stark verschmutzt oder angeschlagen, dass sie direkt aussortiert werden mussten. Außerdem hatte der Verbund für zu wenige Spülstellen gesorgt. (Interessante Hintergründe dazu stehen im „Weniger Abfall“-Blog von Katja Manthey.)

Steigendes Öko-Bewusstsein in Stadt und Land

Das ist allerdings über 20 Jahre her. Seitdem dürfte sich nicht nur die Einstellung zahlreicher Konsument:innen, die sehr bewusst weniger Einwegverpackungen nutzen wollen, geändert haben.

Auch, dass sich Lebensmittel im Pfandglas inzwischen per Lieferdienst bequem nachhause bringen lassen, anstatt mit einem Park an eigenen Mehrwegbehältern die Unverpackt-Station im Bio- oder Supermarkt anzusteuern, dürfte dem neuen Mehrweg-Trend in die Hände spielen.

Kann ein Start-up etwas schaffen, das der Naturkostfachhandel vor mehr als zwei Jahrzehnten versiebt hat? Vielleicht: ja. Bislang sehe man „kaum Unterschiede im Kaufverhalten zwischen Stadt und ländlicheren Regionen“, wo Mehrwelt bislang verfügbar ist, erklärt Welslau. „Das lässt uns darauf schließen, dass wir mittlerweile in einer Gesellschaft leben, in der das Thema Nachhaltigkeit in der Breite angekommen ist.“ Und so wichtig die stationären Läden für die Zukunftsplanung auch sein mögen:

„Wir gehen davon aus, dass Online womöglich schneller wächst, weil dieser Markt ohnehin stark zulegt gerade.“

Dass Mehrwelt für seinen Kreislauf bislang konsequent auf Glasbehälter setzt, lag nahe:

„Mit Glas können wir auf bestehende Prozesse aufsetzen, es sieht wertig aus und ist inert – es gibt also keine Migration zwischen der Verpackung und dem Inhalt.“

Ausweitung des Sortiments geplant

Aber Glas hat auch Nachteile, wenn man sich die Ökobilanz ansieht: Die Herstellung ist energieintensiv, und beim Transport fällt das Gewicht der Behältnisse stärker ins Gewicht als bei anderen Materialien. Welslau gibt sich wohl auch deshalb vorsichtig experimentierbereit:

„Wir wollen Plastik-Mehrwegverpackungen für die Zukunft nicht ausschließen. Es ist aber sehr viel anspruchsvoller sicherzustellen, dass dann auch die Qualität der Produkte stimmt.“

Zunächst einmal steht der vorsichtige Ausbau des Sortiments an: Im neuen Jahr wolle man „zunächst höchstwahrscheinlich in den bestehenden Kategorien weitere Produktvariationen anbieten“, also vermutlich: mehr Müsli, mehr Pasta, mehr Grundnahrungsmittel; später aber auch Artikel aus neuen Kategorien.

„Im Prinzip sind alle häufig gekauften Produkte für uns interessant, bei denen es im Supermarkt bislang noch keine Alternative in Mehrwegverpackung gibt.“

Mit Lieferanten sei man „glücklicherweise schon länger in Kontakt“, erklärt Welslau, „sonst wäre das in der aktuellen Marktsituation sicher schwierig aufzubauen.“ Von welchen Herstellern die Produkte stammen, kommuniziert Mehrwelt bislang auf den Gläsern aber noch nicht. Stattdessen tritt das Start-up selbst als Absender auf. Man könne es sich „für die Zukunft aber auf jeden Fall vorstellen“, in diesem Punkt für Transparenz zu sorgen und den Produzenten auf den Gläsern zu nennen.

Bekannte Oetker-Marken im Pfandglas?

Und vielleicht ringt man sich im Verpackungsdesign auch noch mal dazu durch, auf den Produkten deutlicher als bisher zu kommunizieren, dass sämtliche Mehrwelt-Lebensmittel in Bio-Qualität hergestellt werden sind. Bislang steht das nämlich nur ganz klein untendrauf. Welslau sagt:

„Wir designen die Produkte für die Küche, nicht fürs Supermarktregal. Dennoch überlegen wir gerade, ob wir die Bio-Qualität der Waren auf den Gläsern stärker in der Vordergrund rücken können.“

Es muss ja nicht gleich der komplette Bio-Siegel-Dschungel sein, der sonst die wachsende Zahl an Verpackungen im (Bio-)Supermarkt ziert und nicht gerade für mehr Übersichtlichkeit im Laden sorgt.

Für die Küche designt, nicht fürs Ladenregal: Die Mehrwelt-Labels sehen nicht nach klassischer Supermarktware aus; Foto: Supermarktblog

Theoretisch könnte Mehrwelt seinen Produkten sogar unterschiedliche Designs verpassen: abhängig davon, wo sie gekauft werden – entweder stationär (mit allen notwendigen Informationen vorne auf dem Etikett) oder online (mit einfacherem Label, weil zentrale Informationen ohnehin in der Produktbeschreibung stehen müssen).

Und wenn das alles tatsächlich funktioniert? Dann wäre ein nächster konsequenter Schritt doch, künftig auch bekannte Dr.-Oetker-Markenprodukte im Mehrwegpfandglas als Alternative zur klassischen Einwegverpackung anzubieten, um den Kreislauf weiter zu stärken. Stehen Oetker-Backmischung, Vitalis-Müsli und Mousse au Chocolat schon auf der Agenda? (Tiefkühlpizza dürfte vermutlich schwierig werden.) Welslau formuliert diplomatisch:

„Das ist für uns auf jeden Fall vorstellbar.“

Welche Pasta passt da?

Eine andere Herausforderung wird sein, inwiefern es überhaupt ökologisch von Vorteil ist, für sämtliche Lebensmittel bepfandete Produktverpackungen zu entwickeln. Eine aktuelle Studie des Forschungsprojekts Innoredux vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) legt nahe, dass manche Produkte in dünner Plastikverpackung oder Einwegverbundkartons besser aufgehoben sind, weil dann nicht unnötig Luft im starren Pfandglas mittransportiert werden muss. (Gut erklärt von „BioHandel“, lesbar mit Abo.)

Mehrweg-Befürworter Welslau erklärt:

„Bei manchen Produkten muss man sicher Kompromisse in der Logistik eingehen. Dem sind wir uns bewusst. Deshalb schauen wir uns genau an, welche Produkte gegebenenfalls ersetzt werden müssen.“

Im Vorfeld werde ausprobiert, welche Produkte sich für Mehrweg am ehesten eignen:

„Bei Pasta haben wir vorab zum Beispiel sehr genau getestet, welche Formen sich im Glas am besten abfüllen und transportieren lassen.“

Außerdem stehe man in Kontakt mit Instituten, die entsprechende Ökobilanzen erstellen.

„Bei der Berechnung ist auch ganz entscheidend, wieviele Verkaufs- und Rückgabestellen es gibt. Je verbreiteter das System ist, desto nachhaltiger. Deshalb versuchen wir, möglichst stark in die Breite zu gehen.“

Bis die Mehrweg-Alternative im Supermarktregal und der Lebensmittel-Lieferdiensttasche irgendwann zur ausgewachsenen Verpackungsrevolution wird, ist aber vorerst – graus wie in den meisten Gläsern: noch ein bisschen Luft nach oben.

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8 Kommentare
  • Wenn man bedenkt, was für eine Formen- und Materialvielfalt einem an den Elektrolyttankstellen der Fitnessstudios entgegenspringt, sollte doch auch eine haltbare Kunststoffmehrwegverpackung drin sein. Moderne Thermosflaschen sind recht temperaturbeständig, geschmacksneutral, schadstoffarm und ziemlich unkaputtbar. Und die Deckel könnten zuhause einfacher durch welche mit passenden Schütten, Portionierern etc. ausgetauscht werden.

    Aber grundsätzlich erst einmal Daumen hoch, dass es jemand versucht! Hoffentlich wird es auch angenommen.

  • Super, dass hier Mehrwegverpackungen erprobt werden. Und ebenfalls begrüßenswert, dass an Ökobilanzen gearbeitet wird, weil nur so wirklich klar wird, was insgesamt sinnvoll ist. Dabei spielen auch die Deckel eine Rolle, denn auch bei Mehrweggläsern werden die Deckel nur einmal verwendet.
    Ich kann mir schlecht vorstellen, dass es einen ökologischen Vorteil gibt, wenn der Materialeinsatz für den Deckel höher ist, als der Materialeinsatz für eine dünne Folien- oder Papierverpackung des Produkts.

    • Bei Kunststoffflaschen können schon heute Deckel aus HDPE benutzt werden, die zu 100% lebensmittelsicher wiederverwendet werden können: zerkleinern, waschen, neu spritzen, fertig. (Nur sinnvoll mit grünem Strom, versteht sich.)

      Bei Glasbehältern sind die Toleranzen in den Gewinden meistens so groß, dass man Kunststoffdeckel zusätzlich abdichten muss, d.h. dann oft beschichten. Dass man HDPE ohne Inlay oder Beschichtung so wie Blech warm um das Glas formt, habe ich für größere Durchmesser als bei Getränkeflaschen noch nicht gesehen.

  • Das System kann m.E. nur funktionieren, wenn es eine flächendeckende Distribution gibt und es offen für weitere Hersteller ist. Ansonsten ist es eine Insellösung für die Oetker-Gruppe, die schwerlich ökonomisch und ökologisch nachhaltig betrieben werden kann, zumal knappe Transportlogistikkapazitäten zumindest in absehbarer Zukunft ein nicht zu vernachlässigender Faktor sein werden.

  • Die Idee ist im Prinzip nicht schlecht, aber ich finde noch schwierig, dass bisherige Versuche (bspw. in den 500g-Joghurt-Gläsern) direkt zu Preisaufschlägen von 100% und mehr zu “normal” verpackten Produkten geführt haben (ohne Pfand).
    Zudem ist fraglich, ob sich die Hersteller wirklich die Möglichkeit der (zumindest gefühlten) Alleinstellung / Markenbildung / Wiedererkennung über die Verpackung nehmen lassen…

  • Interessant wäre es zu wissen inwiefern der ökologische Aspekt zum Tragen kommt wenn in Zukunft für jede Packung Müsli leere Gläser von Supermarkt X zum Oetkerwerk Y gefahren werden um da gereinigt zu werden. Schon anno 1998 wurde unter Trittin festgestellt, dass sich Glasmehrweg CO²-technisch nur bei sehr kurzen Transportwegen überhaupt gegenüber Einwegkunststoff rechnet.
    Solche Gläser sind sicherlich auch anspruchsvoll an die (z.B. bei der Getränkeabfüllung in Radeberg) schon jahrelang etablierte Sensorik zum Thema Glasbruch. Bei flüssigen Lebensmitteln sicherlich usus, doch die Frage nach der Glasscherbenerkennung bei festem Stückgut stellt sich mir hier schon.

  • Aus Kundenperspektive ist es für mich klar abschreckend kiloweise Glas hin- und her transportieren zu müssen. Die Einkäufe sind auch so schon schwer genug und dann ist auch noch weniger Pasta drin als in der normalen Packung.

    Bei Lieferdiensten mit Rücknahmeservice wäre die Kundenakzeptanz wohl besser, aber da wird das Problem auf den armen Boten verlagert, der das Zusatzgewicht durch die Gegend schleppen muss. Die CO2-Bilanz ist ebenfalls fraglich wie im letzten Kommentar angemerkt.

    Die Verpackung der Zukunft muss leicht und biologisch abbaubar sind.

    • Die meisten Verpackungen für Nudeln oder Hülsenfrüchte sind ja auch nicht die großen Treiber bei so etwas. Klar gibt es da bei ein paar der großen Namen auch unnötigen Tand wie Mehrschichtkartons, riesige Vinylaufkleber oder diese nervigen Pseudowachssiegel mit Schnürchen, aber die meisten Produkte kommen in dem Bereich doch in einer simplen PP-Tüte, manchmal noch mit einem Recyclingkarton.

      Ich nehme an, dass das Verpacken von z.B. H-Milch u.ä. in HDPE statt Verbundstoffpackungen oder direkt in Mehrwegflaschen einen deutlich größeren positiven Einfluss hätte, auch weil die in Deutschland bis auf sehr spezielle Produkte ja meistens eh schon aus der Region kommen.

      (Das ist ja in etwa so wie den Kindern die Trinkhalme im Restaurant zu verweigern und dann “wegen Corona” Plastikbesteck und PU-Schaum-Teller auszugeben.)

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