Nächster Umbau bei Aldi Nord: Frische-Marktplatz der Eitelkeiten

Nächster Umbau bei Aldi Nord: Frische-Marktplatz der Eitelkeiten

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Dauerbaustelle Discount (4): Aldi Nord sortiert sein Obst und Gemüse schon wieder um, diesmal – wie die Konkurrenz – direkt an den Eingang. Lidl arbeitet derweil weiter konsequent an der Unsichtbarwerdung seines Bio-Sortiments.

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Sollten Sie sich darüber wundern, dass Ihnen beim nächsten Discount-Einkauf plötzlich die Paprika-Schütte vorm Wagen abgebaut wird, die Ananas sich in Ihrem Beisein auf Wanderschaft begeben und die Kartoffeln hinterherkullern: Dass könnte daran liegen, dass Aldi Nord seine Obst- und Gemüsseabteilung umbaut.

Wie es inzwischen halt einmal im Jahr zur schönen Tradition geworden ist.

Angefangen hat alles mit ANIKo – der „Aldi Nord Instore Konzept“ getauften Modernisierung der stark in die Jahre gekommenen Filialen, bei der die Frischware von ihrem ehemaligen Platz vor der Kasse in quer gestellte Markstände ans Ladenende rückte, vor die Kühltheken mit Convenience-Artikeln, Fleisch und Fisch. Das sah zwar gut aus, war aber einem großen Teil der Aldi-Stammkundschaft zu progressiv, sodass sich die Handelskette nach dreienhalb Jahren dazu entschied, Obst und Gemüse wieder wie früher in Längsregalreihen einzusortieren (siehe Supermarktblog).


Frische ganz nach vorn

Das wollte man als „punktuelle Weiterentwicklung“ des Konzepts verstanden wissen, weil „der Kundenfluss in Längsstellung der Regale noch besser und homogener verläuft. Zudem können unsere Kunden durch die einheitlichere Struktur noch besser navigieren.“

2021 rückte Aldi Nord Obst und Gemüse wieder in Längsregale und baute seine Läden dementsprechend um; Foto: Smb

„Ein Großteil“ der rund 2.200 Aldi-Nord-Märkte, auch der bereits umgebauten, sollte bis Ende 2021 dementsprechend umgestellt werden, hieß es zu Beginn des Jahres.

Derzeit sieht alles danach aus, als ob bald der nächste Umbau folgen könnte: diesmal allerdings wieder raus aus der Vergangenheit, und rein in die supermarktiger wirkende Zukunft. Denn zuletzt hatte der Discounter im Vergleich mit seinen Wettbewerbern Marktanteile verloren, und das könnte auch daran gelegen haben, dass die in der Werbung stark betonte Frische-Auswahl auf der Rennstrecke in den Läden nicht ganz ihre notwendige Wirkung auf den Umsatz entfalten konnte.

Deshalb macht’s Aldi Nord nun der kompletten Konkurrenz nach – und sortiert Obst und Gemüse ganz nach vorne, an den Ladeneingang.

Neue Platzierung als Standard?

Das zumindest legen Tests in ersten Filialen nahe; einem Bericht der „Lebensmittel Zeitung“ (Abo-Text) zufolge wird in vier Regionen ausprobiert, wie das neue Design bei der Kundschaft ankommt (Werl, Radevormwald, Hannoversch Münden, Nortorf und Sievershausen), und zwar „vor allem in neu gebauten Standorten“.

Nach Supermarktblog-Informationen wird die neue Sortierung aber längst auch in modernisierten Standorten angewandt (und auch außerhalb der oben genannten Regionen).

Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt ein Sprecher des Unternehmens zum Marktplatz am Ladeneingang:

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„In einigen Filialen testen wir (…) auch unterschiedliche Platzierungen unseres Obst- und Gemüse-Bereichs. Weitere Informationen hierzu können wir Ihnen derzeit aber leider nicht geben.“

Dabei täte Aldi Nord gut daran, aus den Tests schnell einen neuen Standard werden zu lassen, weil dadurch das komplette Filialangebot deutlich aufgewertet wirkt. (Aldi Süd hat es wieder mal vorgemacht.) Das Frische-Sortiment wirkt in der neuen Anordnung nicht nur größer, sondern auch sehr viel übersichtlicher sortiert und besser einsehbar.

Brötchenknast und Kühl-Getränke dazu

Die Ware ist zwar weiterhin mehrheitlich in Längsregale verteilt, erlaubt aber jetzt das Abbiegen in eine (umgekehrt) L-förmig gestellte zweite Reihe mit weiteren Schütten. Bloß das gleich am Eingang stehende Obst und Gemüse in Aktion, das sich Kund:innen aus übereinander gestapelten Kisten fischen müssen, passt in seiner gestalterischen Lieblosigkeit nicht zum Gesamteindruck.

Der erweiterte Brötchenknast, aus dem (wie berichtet) jetzt auch Waren regionaler Bäckerei-Partner geangelt werden können, ist unmittelbar an die Frische angeschlossen. Davor steht ein Kühlregal mit Getränken, Kaffee und kühlaffinem Obst – das dort freilich nur Sinn ergibt, wenn das Marktpersonal Zeit hat, es regelmäßig zu befüllen.

Alles in allem macht die neue Aufteilung aber einen sehr viel besseren Eindruck; auch wenn damit mit der Entscheidung des ewigen Nachzüglers nun endgültig besiegelt ist, dass alle großen Discounter – Aldi Süd, Lidl, Aldi Nord – sich im Eingangsbereich mit ihrem Frische-Angebot zum Verwechseln ähnlich sehen. Wenn es dafür sorgt, Kund:innen an sich zu binden, wird das aber zu verschmerzen sein – zumal die drei sich mit dieser Sortierung stark an dem orientieren, was die Supermärkte lange vorgemacht haben.

Unser Bio soll unsichtbarer werden

Auch Lidl ist noch nicht ganz fertig mit seinem neu gestalteten Obst und Gemüse (siehe Supermarktblog); seit einiger Zeit werden die Frische-Abteilungen in allen Märkten nämlich mit elektronischen Preisschildern (ESL – für Electronic Shelf Labels) nachgerüstet. Das spart den Mitarbeiter:innen mühsame Umsteckarbeiten, die im ständig wechselnden Frische-Angebot noch nerviger sind als anderswo im Markt.

Es sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Bio-Alternativen, die Lidl ja aus der schicken Blocksortierung wieder ins reguläre Sortiment zurück geholt hat (siehe Supermarktblog) jetzt noch ein bisschen unsichtbarer werden, weil sie am Regal nicht mehr mit grün hinterlegten Preisetiketten gekennzeichnet sind, wie bisher.

Sondern im selben neutralen Beige wie alle anderen Preisanzeigen (bzw. im Zweifel irritierenderweise in Rot, falls im Angebot).

Laut „Lebensmittel Zeitung“ (Abo-Text) wird zwar schon seit längerem getestet, ob man den Preisschildern bunte Ränder verpasst, um Bio & Co. hervorzuheben – so wie es u.a. die Schwester Kaufland bereits handhabt.

Preisschild mit Bio-Rahmen bei Kaufland; Foto: Smb

Lächelnde Erzeuger:innen aus der Region

Dieser Zusatzschritt scheint sich bislang aber nicht breitflächig durchgesetzt zu haben. Wahrscheinlich, weil man sich noch was aufheben will, um demnächst alles noch mal neu anzufassen, damit auf der Dauerbaustelle Discount auch in Zukunft immer was zu tun bleibt.

Erstmal scheint ohnehin die Regional-Aufrüstung im Vordergrund zu stehen: Von frisch geklebten Folien und neu aufgehängten Pappschildern werden Kund:innen nun von Erzeuger:innen aus der Region angelächelt, die großflächig für das Lidl-Label „Ein gutes Stück Heimat“ werben – womit Lidl endgültig die Strategie der Bio-Fachmärkte kapert.

Kurz nach der Anbringung des „Frische Partner“-Hinweises an der Kühltheke ist das direkt daneben gelegene „Ein gutes Stück Heimat“-Separée in meiner Lidl-Filiale übrigens abgebaut oder anderswohin verlegt worden. Das alles scheint durchaus System zu haben. Falls Sie wissen, welches – ich flehe Sie an: verraten Sie’s mir in den Kommentaren!

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12 Kommentare
  • Ich wohne im Aldi-Süd-Gebiet, wo O&G sich, wie üblich, im letzten Drittel der mittleren Regalmeter befinden. „Mein“ Aldi ist allerdings offenbar ein Test-Aldi, bei dem O&G sich seit einiger Zeit am Eingang befindet – und ich habe mich bis heute nicht daran gewöhnt. Das liegt vor allem, dass dadurch die seit ewigen Zeiten gelernte Gangführung kaputt geht. Im Noch-Standard-Aldi gibt es einen impliziten M-förmigen Standardweg, bei dem man an jeder Stelle genau einmal vorbeikommt, keine Schleifen und Kreuzungen absolvieren muss (und deswegen idR auch keinen Gegenverkehr hat), und alles dort findet, wo man es schon vor fünfzehn Jahren gefunden hat. Durch die O&G-Insel am Eingang (die die zweifache Gangbreite hat) wird diese Struktur aufgebrochen (und noch ein zweites mal durch die Struktur der Aldi-Bäckerei), so dass man die einzelnen Regale nun gezielt ansteuern muss, und hierfür die gleichen Wege zweimal passieren muss, und nun natürlich mit Gegenverkehr. Dies führt dazu, dass ich bei Aldi nun weniger einkaufe – seltener, und auch weniger Produkte, wenn ich dort bin.

    Das Edeka, Kaufland & Co ihr O&G am Eingang haben, ist in Ordnung. Diese Märkte bauen nicht auf dem Konzept auf, dass man an allen Gängen vorbei muss, sondern dass man gezielt diejenigen Quergänge besucht, die die Warengruppen enthalten, die man braucht. Das geht, weil hier die Quergänge klar den Warengruppen zuordbar sind.

    Das neue Aldi-Konzept scheint auf Teufel komm raus die Nachteile beider Konzepte vereinigen zu wollen.

    • Ihnen dürfte das neue Penny-Konzept mit seiner Zwangs-Runde durch den kompletten Laden zusagen. Hat wie vieles Vor- und Nachteile (manchmal will man halt auch nur mal zwei, drei Dinge…). In gut besuchten Läden helfen da nur extra-breite Gänge im vorderen „Frische“-Bereich, habe ich konsequent bislang aber nur bei einzelnen Edekas und Rewes gesehen.

  • Mir geht es wie dem Vorredner Freiwild.

    Kaufe in verschiedenen Filialen von Aldi Süd ein, nun wurde auch bei meinem Stamm-Aldi auf das neue System umgestellt.

    Konnte so bislang das alte und neue System parallel nutzen und vergleichen. An das neue System habe ich mich in den letzten Monaten nie gewöhnen können.

    In meinen Augen blockieren andere Kunden bei O&G im Eingangsbereich, es staut sich dort.

    Im Frischebereich (Käse, Wurst etc) wurden dort auch Türen angebracht. In den Stoßzeiten wird es dort richtig eng, die Türen blockieren zusätzlich zu den Einkaufswagen, die dort von anderen Kunden abgestellt werden. Bei Edeka oder Rewe habe ich das Problem nicht festgestellt.

    Wie Freiwild schreibt, sind durch die Umgruppierungen der Produktgruppen die eingeübten Laufwege nicht mehr gültig. Ich werde damit nicht warm, finde „nichts“ mehr. Dazu kommt, dass viele Eigenmarken zugunsten von Markenartikeln zurückgedrängt wurden und es oft Glückssache ist, diese vorzufinden (einfach, weil weniger Platz für diese da ist und diese schnell ausverkauft sind).

    Auch bei Rewe oder Edeka (und überhaupt im Leben) gibt es mal Änderungen, ich gewöhne mich daran und lebe damit.

    Bei Aldi Süd aber habe ich meine Probleme. Kaufe dort auch definitv seltener ein, mehr bei Rewe/Edeka. Früher war es umgekehrt.

    Hoffentlich macht Aldi Nord nicht die gleichen Fehler.

    • Mein Aldi Süd ist auch gerade entsprechend umgebaut worden, und ich mache dieselben Erfahrungen mit Unübersichtlichkeit und Enge. Direkt hinter der Eingangstür O&G auf der einen und Frischfleisch hinter Türen auf der anderen Seite eines engen Ganges – teilweise stehen Kund:innen bis in den Windfang in der Warteschlange, weil vorne ein oder zwei unentschlossen Suchende alles blockieren. Währenddessen herrscht in den Gängen mit Getränken und Kosmetik gähnende Leere.

      Außerdem ist die Preisauszeichnung deutlich schlechter geworden. Kleine Schilder, die man teilweise sogar suchen muss (gehört das Schild nun zu diesem oder dem anderen ähnlichen Produkt?). Angebotspreise sind nicht mehr deutlich hervorgehoben – bisher konnte man sie aus mehreren Metern erkennen, jetzt muss man schon davorstehen.

      Das macht keinen Spaß mehr.

  • „Aus der Region“ zu schreiben und laut der abgebildeten Karte damit die kompletten neuen Bundesländer zu meinen ist aber auch eine… sagen wir sehr westdeutsche Sicht.

    • Och, mein Düsseldorfer Rewe preist auf seiner separaten „Regional“-Beilage zum geografisch korrekten Niederrhein-Spargel auch den Grauburgunder aus Baden an. Nach längerem Sinnieren fiel mir auf, dass ja nur von regionaler „Frische“ die Rede ist, der Wein ja aber schon zwei Jahre alt ist 😉
      Und so ganz überzeugt schaut Frau Hahn ja auch nicht von ihrem Frische-Partner-Plakat…

    • Dieses völlig sinnwidrig umgesetzte „Regional“-Gewäsch nervt wirklich. Um im politischen „Osten“ zu bleiben: Was ist z.B. in Vorpommern am Produkt aus Thüringen/Sachsen oder dem Emsland so „regional“, während eines aus Westpommern (Herkunft „Polen“) oder Süddänemark so „unregional“ sein soll? Was macht ein uckermärkisches Produkt in Südthüringen „regional“, während das aus Franken „unregional“ sein soll? Auch in Oberbayern ist es ein Witz, wenn irgendwelcher Kram aus der Pfalz (im Gegensatz zu Erzeugnissen aus OÖ oder Tirol) als „regional“ beworben wird … Wer sich ein wenig mit der logistischen Organisation des LEH befasst, kann über die „Regional“-Vera…lberung ohnehin nur noch lachen. Und weils so schön ist, äffen es sogar irgendwelche teuren Einzelunternehmer mit einem oder wenigen Nahversorgern wie immer nach und unterstreichen damit ihre fehlende Kompetenz hinsichtlich der geführten Produkte.

      Toll sind auch Ketten wie Netto mit Hund, wo die gewohnte „GO BIO“-Schiene massenhaft durch „zufällig“ zum Verwechseln gleich gestaltete pseudoregionale „GO REGIO“-Verpackungen und -Preisschilder konventioneller Produkte verwässert wird. Wieviele Kunden da schon zum „gefühlten“ Bioprodukt gegriffen haben …

  • Ob Aldi Nord so aufholen kann? Denn wie Lidl in seiner Filiale in der Berlin Mehrower Allee beweist (dort wurde die 90er/2000er Filiale abgerissen und durch einen Neubau so ersetzt, dass sie größer erscheint, als ein Edeka Supermarkt ca. 2km entfernt), dass dort die Obst und Gemüße Abteilung als XXL zu bezeichnen gilt. Diese Filiale ist ein Paradebeispiel der Schwarz Gruppe. Deutlich mehr Kassen, als die üblichen drei Kassen, …. – Im Vergleich zur alten Filliale auf alten Google Earth Bilder nur minimal größer gebaut wurde…

  • Das Lidl-Bio-Problem ließe sich ja offenbar ganz leicht lösen: Das „Naturland“-Logo auf dem Preisschild der Tomaten links auf dem großen Foto finde ich aus Kundensicht sehr praktikabel. Dementsprechend auch ein „BIO“-Emblem anzuzeigen (das hauseigene oder das EU-Logo), sollte doch nur eine Software-Frage sein.

  • Die (aus Kundensicht) elenden digitalen Preisschilder. In den meisten Fällen deutlich kleiner (auch in Läden, wo sonst teils A4-große Preiszettel angebracht waren) und mit schlechterem Kontrast, sehr häufig ohne farbliche Kennzeichnung, meist ohne Symbole für Eigenschaften (Bio/Verbände, MHD usw.) … Die Variante, z.B. bei demeter-Produkten Papprahmen drumherumzuhängen funktioniert auch nur, wenn sie auch zum angezeigten Art. passt und durchgehend gepflegt wird … in der Praxis also selten. Und dass ausgewiesene Preise trotz digitaler Preisschilder nicht mit dem berechneten Preis übereinstimmen, erlebe ich auch oft genug (ist ja auch kein Wunder, wenn jedes billige E-Ink-Schildchen einzeln „befeuert“ werden muss).

  • In Utrecht/ Niederlande ist Aldi noch radikaler. Dort gibt es keine Kassen mehr, beim Betreten und Verlassen des Geschäftes wird ein QR-Code gescannt und über die App dann der Einkauf bezahlt. Sensoren erfassen automatisch, welcher Kunde sich welches Produkt nahm, das erinnert mich an die kassenlosen Läden von Amazon. Falls da mal jemand vor Ort ist, würde mich ein Erfahrungsbericht interessieren.
    Quelle Teltarif-Artikel: https://www.teltarif.de/aldi-kasse-self-checkout/news/88818.html

  • Das der ALDI Radevormwald, wie oben erwähnt, bereits auf des neue Konzept umgebaut wurde, wüßte ich. Ein Umbau täte ihm allerdings gut, so runter gerockt er sich zur Zeit präsentiert. Ich habe diese „Zeitungsente“ jetzt schon in verschiedenen Gazetten gelesen; letzten Samstag war jedoch noch alter, trauriger Zustand.

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