Achtundachtzig Millionen Euro. Soviel sollen die französische Kronjuwelen wert sein, die im vergangenen Monat aus dem Pariser Louvre gestohlen wurden: Halsketten, Ohrringe, eine Tiara aus der napoleonischen Sammlung. Die Diebe (klaut Ermittlungen: vier Männer) kamen als Bauarbeiter verkleidet, schlugen zwei Vitrinen ein, waren nach sieben Minuten wieder verschwunden.
Und wenn wir mal ehrlich sind: Bei Lidl wäre das so nicht passiert.
Denn in Europas ambitioniertestem Lebensmittel-Discounter weiß man auch Schätze deutlich geringeren Werts gegen ihre unerlaubte Entwendung abzusichern: Energy Drinks für 1,39 Euro, Knusperwaffelriegel in Fettglasur für 3,19 Euro, italienischen Hartkäse für 5,29 Euro, norwegischen Lachs für 9,99 Euro und Kaffeebohnen für 13,99 Euro. Die Artikel haben alle eins gemeinsam – den strahlend gelben Aufkleber mit dem Schloss, auf dem gut sichtbar vermerkt ist: „Gesicherter Artikel“.
Teure Chips-Bestickerung

Gegen das Licht gehalten ist in dem Sticker eine feine Spiralantenne zu erkennen – dünne Linien, die im Quadrat verlaufen und per Funk mit Lesegeräten an Kasse und Ausgang kommunizieren können. Vermutlich handelt es sich bei der dahinter steckenden Technologie um „Radio Frequency“ (RF) – papierdünne Chips, die am Ausgang Alarm schlagen, wenn sie nicht an der Kasse deaktiviert wurden.
Die darauf aufbauende Technologie „Radio Frequency Identification“ (RFID) sollte eigentlich schon vor über zehn Jahren die Abläufe im Supermarkt revolutionieren (siehe Supermarktblog), weil sie nicht nur Waren sichern, sondern Objekte kontaktlos identifizieren konnte. Doch weil Aufwand und Kosten für die Bestickerung von Artikeln des täglichen Bedarfs verhältnismäßig hoch waren, wurde daraus erstmal nichts.
Anderswo im Handel hat RFID schon längst Einzug gehalten: Uniqlo und Decathlon haben die Drahtlos-Technologie zum Standard gemacht, um das Bezahlen einfacher zu gestalten und Warenbestände leichter managen zu können.
Und wenn man den Umfang betrachtet, in dem Lidl Artikel in seinen Filialen inzwischen mit den RF-Sicherheits-Klebeetiketten schmückt, könnte demnächst auch der Durchbruch im Lebensmitteleinzelhandel bevor stehen – wenn auch aus anderen Gründen als einst erhofft.
Self-Checkouts werden Standard
Denn für Handelsunternehmen wie Lidl könnte RFID ein wesentlicher Baustein dafür sein, Filialen so umzubauen, dass sich Kund:innen dort künftig mehrheitlich selbst abkassieren können. Der Discounter forciert derzeit den Ausbau von SB-Kassen in seinem Filialnetz massiv und definiert das Selbstscannen zunehmend als gleichberechtigte Wahlmöglichkeit im Markt. Dafür wird auch die Kassenzone umfangreich ungestaltet (siehe Supermarktblog und Supermarktblog).

Damit ist Lidl nicht alleine: Self-Checkout-Kassen haben sich im deutschen Handel in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Laut der neuesten EHI-Markterhebung vom November 2025 können Kunden in über 11.000 Geschäften selbst scannen und bezahlen. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel sind es mittlerweile mehr als 6.240 Märkte mit durchschnittlich 3,98 SB-Kassen pro Standort – jede 18. Kasse im deutschen Handel ist inzwischen eine Selbstbedienungskasse.
Obwohl es immer wieder Medienberichte über Handelsketten gibt, die ihre SB-Kassen zurückbauen wollen, wird sich die Entwicklung zu mehr Self-Checkout wohl kaum aufhalten lassen. Und zwar: schon im Eigeninteresse der Discounter, die ihre Läden ja mit möglichst geringer Mitarbeiter:innenzahl betreiben wollen, damit ihr Geschäftsmodell funktioniert.
Klebe-Chips gegen Warenschwund
Gleichzeitig tragen mehr SB-Kassen aber auch zu mehr Warenschwund bei. Zumindest war das bislang so. (Auch wenn das in der Branche nur ungern zugegeben wird.) Händler wirken dem mit einer zunehmenden Zahl an Maßnahmen entgegen: Auslassschranken, KI-gestützte Kameraüberwachung, mehr Aufsichtspersonal. Als Technologie, die im LEH eigentlich bereits als gescheitert galt, wäre RFID da eine hervorragende Ergänzung.
Zum einen sind entsprechende Etiketten heute deutlich günstiger als noch vor zehn oder zwölf Jahren, kosten vermutlich im Cent-Bereich. Zum anderen lassen sich die Kosten mit den deutlich höheren Verlusten durch Diebstahl gegenrechnen, die es einzudämmen gilt. Für Händler scheinen die Klebe-Chips damit zunehmend attraktiver zu werden.
Dass Lidl einzelne Artikel mit gewöhnlichen RF-Etiketten sichert, ist dabei nichts Neues, entsprechende Berichte gab es schon vor Jahren. Und auf Supermarktblog-Anfrage erklärt ein Lidl-Unternehmenssprecher:
„Hinsichtlich der Diebstahlprävention nutzen wir branchenübliche Maßnahmen, zum Beispiel die individuelle Sicherung vereinzelter Artikel. Dies ist eine gängige, deutschlandweite Praxis im Einzelhandel.“
Kaffee, Shampoo, Rindergulasch
Auffällig ist jedoch, in welchem Umfang die Sicherung inzwischen erfolgt – auch an Standorten, die bislang eher nicht als Diebstahl-Hotspots galten. Seit dem Einbau der SB-Kassen scheinen vor allem bestimmte Waren bestickert zu werden: Markenartikel wie Kaffeebohnen oder gemahlener Kaffee von Segafredo, Käfer, Melitta; Multipacks von Twix, Mars, KitKat sowie Ferrero Küsschen; aktuell auch Aktionsware wie XXL-Spender von Head & Shoulders Haarshampoo; Käse am Stück – von Parmigiano bis Gouda; abgepacktes Frischfleisch wie Bio-Rindergulasch, Rinder-Entrecôte, Rinderfiletsteak sowie Lachs in der 500-Gramm-Packung; aber auch einzelne Red-Bull-Getränkedosen.




Die Auswahl der Produkte deutet darauf hin, dass sich Lidl insbesondere gegen gewerbsmäßigen Diebstahl absichern will – ein Problem, das in der Branche seit Jahren zunimmt. Hochpreisige, kompakte und gut weiterverkaufbare Waren sind das bevorzugte Ziel organisierter Banden.
Gleichzeitig ist der Aufwand, die entsprechenden Artikel händisch zu bekleben, weiter relativ hoch. Vermutlich setzt man bei Lidl auch deshalb auf einen selektiven Ansatz und sichert nicht gleich das ganze Sortiment.
Meldet sich die Ware bald selbst?
Bislang scheint außerdem ja nur die Basisvariante der Technologie genutzt zu werden: An der Kasse werden die Chips deaktiviert, sobald der Artikel gescannt wurde. Wer das unterlässt, riskiert beim Verlassen des Ladens einen peinlichen Alarm.
Wahr ist aber auch: Die Sicherungsetiketten lassen sich von manchen Artikeln verhältnismäßig leicht ablösen. Damit dürfte vor allem die Abschreckungswirkung der Aufkleber im Vordergrund stehen.
Was Lidl bislang noch nicht zu nutzen scheint, ist die Möglichkeit, den Parmesan mittels RFID an der Kasse von sich aus melden zu lassen, dass er im Einkaufskorb liegt – obwohl genau das technisch ginge. Es wäre auch der nächste logische Schritt: Bei Decathlon und Uniqlo, Vorreiter der RFID-Technologie im Einzelhandel, funktioniert das bereits seit Jahren. Kund:innen legen ihre Waren einfach in die SB-Kasse und alle Artikel werden in Sekundenschnelle automatisch erfasst. Ohne einzelnes Einscannen. (Und ohne dass der komplette Laden mit KI-Kameras ausgestattet werden braucht.)
Das hat nicht nur den Vorteil, dass sich das Kund:innenerlebnis verbessert. Es kann (zumindest theoretisch) auch weniger gestohlen werden kann – weil ja das jeweilige Produkt an der Kasse von sich aus auf sich aufmerksam macht.
Funken und scannen
Mittelfristig – und wenn die Kosten weiter sinken bzw. eine Sicherung bei bestimmten Artikeln bereits in die Packung eingearbeitet würden – wäre für den Lebensmitteleinzelhandel ein Zwei-Stufen-Modell interessant:
- Hochwertige, diebstahlgefährdete Artikel werden mit vollwertigen RFID-Tags ausgestattet, die automatisch an der SB-Kasse erkannt und deaktiviert werden;
- Standardware – Milch, Brot, Nudeln – scannen die Kund:innen weiterhin selbst.
Tatsächlich können RFID-Etiketten nämlich eindeutige Produktinformationen speichern – konkrete Daten wie Produkttyp, Preis und Seriennummer. Die SB-Kasse könnte damit genau prüfen, welche Artikel den Laden verlassen und ob sie bezahlt wurden.

Ob Lidl einen solchen Schritt plant, lässt das Unternehmen offen. Auf meine Frage, ob man künftig auch eine automatische Erkennung gesicherter Artikel an SB-Kassen testen oder einführen wolle, heißt es:
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine weiteren Angaben zu Diebstählen und Sicherungssystemen in unseren Filialen machen möchten.“
Besser investieren als abschreiben
Derweil nutzt der Handelsriese Walmart RFID in den USA für einen anderen Zweck: die Überwachung der Frische bei Fleisch, Backwaren und Deli-Artikeln aus der Frischetheke (Aufschnitt, Käse, Sandwiches). Mitarbeiter:innen erhalten Echtzeitdaten zum Bestand und zur Haltbarkeit – also genau das, was Real vor 15 Jahren im Future Store testete.
RFID scheint also zunehmend auch im Lebensmitteleinzelhandel eine gewichtigere Rolle zu spielen – und zwar: auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, weil es teurer wäre, die Ware sonst komplett abzuschreiben.
Bislang mögen die gelben Etiketten bei Lidl (und anderen deutschen Lebensmittelhändlern) eine punktuelle Maßnahme sein. Mit der zunehmenden Ausbreitung von Self-Checkouts werden sie aber womöglich schon in kurzer Zeit zum neuen Standard. Was sich daraus lernen lässt? Technologie setzt sich dann durch, wenn sie echte Probleme löst. Und im deutschen Lebensmittelhandel, der seine Liebschaft fürs Selbstscannen entdeckt hat, ist Ladendiebstahl gerade genau das: ein echtes Problem.
Hinweis: Ich habe im Text nachträglich korrigiert und konkretisiert, dass es sich bei den abgebildeten Lidl-Varianten höchstwahrscheinlich (noch) um reguläre RF-Etiketten handelt.







Unfassbar: Da gibt es Marketingmenschen und Gestalter, die sich allergrößte Mühe geben, eine für den Verbraucher attraktive und verkaufsfördernde Verpackung zu gestalten – und dann werfen die Lidls ihre gelben Quadrate wild, kreuz und quer drauf. Sieht ja unmöglich aus.
Zu dem Gesamtthema ist vielleicht mal der „Shopblogger“ Björn Harste ein guter Interviewpartner – der hat in seinem Edeka in Bremen-Neustadt ein gewaltiges Ladendiebstahlproblem und sichert schon seit Jahren die unmöglichsten Artikel mit RFID-Etiketten. (Und er vertritt eine Richtlinie, die Etiketten ordentlich, unauffällig und ablösesicher anzubringen.)
Dachte auch, das sieht ja aus wie Arsch auf Auge. 😉
Eine abschreckende Wirkung wird auf jeden Fall erreicht damit…
Wenn ich nicht ganz falsch liege, verwendet Björn Harste lediglich RF-Etiketten (also klassische Warensicherungsetiketten, die nur „dumm“ einen Alarm auslösen können). RFID hingegen ist die Weiterentwicklung, bei der Daten übertragen werden können.
In einen quantitativ/preislich ernstzunehmenden Laden kann es sich nunmal niemand erlauben, teure Arbeitszeit fürs kunstvolle Anbringen von Sicherungsetiketten aufzubringen, nur weil der Marktleiter als Selbständiger sehr emotional an die Sache rangeht 😉
Ein weiterer Vorteil des schnellen „Abwurfs“ der Etiketten: Selbst wenn mal lieber Diebe mit den Kartons bzw. -füllungen aus dem Laden rennen, erhalten sie für „verunstaltete“ Artikel weniger vom Hehler (wenn sie nicht selbst aufwändig pulen, während sie in der Zeit in zwei weiteren Läden abgeräumt hätten). Mittelfristig werden die Großen wie Aldi, Schwarz usw. ohnehin gleich ab Werk mit innenliegender Sicherung bestellen (und den Warnhinweis außen separat aufdrucken lassen).
Vielleicht sollte lild einfach mal den Slogan seiner Selbstpiepskassen überdenken. „Scan & Go“ sagt nix über pay aus, vielleicht sollte man zuerst einmal diese Stellschraube beackern und den Workflow klar (gern auch auf deutsch) kommunizieren.
Neben den verunstalteten Verpackungen ( was sagen die Hersteller ? ) würde mich brennend interessieren, wie die Entsorger ( DSD etc. ) das Thema bewerten. Man kann ja davon ausgehen, dass der Verbraucher das Etikett nicht von der Verpackung trennt. Die Verunreinigung beeinflusst das Recycling und dürfte sich nach den Massstäben der Entsorger vermutlich auch monetär auswirken.
Das denke ich mir schon bei den „antennenfreien“ MHD-Thermoaufklebern u.ä.
Mit RF(ID)-basierenden Etiketten bestückte Verpackungen wären von der Sache her dem Elektroschrott zuzuordnen, aber: Wenn sie keine für den Endverbraucher (sondern hier nur für den Händler) gedachte Funktion erfüllen, zählen sie nicht als solche. Beispiel: Wenn bei Lidl z.B. Textilien oder Werkzeug mit den Dingern gesichert sind, dürfen die Einnäher bzw. Verpackungen wie gewohnt entsorgt werden; wenn es sich allerdings um „smart“ nutzbare Kleidungsstücke oder Werkzeug (Auffinden, Auslesen von Eigenschaften, Anlegen von Statistiken etc.) handelt, wird sparat zu entsorgender E-Schrott daraus. Und Szenarien wie bspw. Waschmaschinen, die die Reinigungsvorgaben der eingelegten Textilien selbsttätig den eingenähten RFID-Etiketten entnehmen, sind aus meiner Sicht keine allzu fernen Zukunftsfantasien.
Interessantes Thema, aber wenig Neues. Sind das bei Lidl nun RF-Etiketten oder RFID-Etiketten? Wissen wir nicht. Der Artikel basiert insgesamt auf wenig Fakten, so dass fast jeder Satz „vermutlich, scheinbar, eventuell“ enthält. Schade, denn Zukunftsszenarien, was RFID alles verändern könnte, sind nichts Neues.
Eins allerdings fand ich doch spannend: Gefühlt zum ersten Mal in diesem Blog wurde die (endlich mal ehrliche) Schlussfolgerung gezogen, dass SB-Kassen hingestellt werden, um Personal abzubauen.
@de01002: Danke für das Feedback. Zur Technologie: Lidl verweigert leider konkrete Auskünfte – was ja nichts Ungewöhnliches ist. Aber wenn ich nur noch dann berichten dürfte, sobald es den Handelsunternehmen angenehm ist, stünden hier vorrangig Pressemeldungen. Die Etiketten zeigen die charakteristische Spiralantenne von RF-/RFID-Systemen, ob es klassische RF- oder vollwertige RFID-Tags sind, lässt sich ohne Herstellerangaben nicht sicher sagen. Deshalb „vermutlich“.
Was faktisch belegt ist: Die Etiketten existieren, werden großflächig eingesetzt (eigene Beobachtung mehrerer Filialen), EHI-Zahlen zum SB-Kassen-Boom sind aktuell (11/2025), ECR-Studie zu Warenverlusten ist im Blog mehrfach dokumentiert. Manchmal gehört zu einem Thema auch, dass Unternehmen nicht transparent sind. Umso relevanter ist es aus meiner Sicht, sich mit möglichen zukünftigen Entwicklungen zu beschäftigen (die sich ja oftmals nachher auch tatsächlich so ergeben, siehe zuletzt: digitaler Kassenbon bei Lidl).
Zu den Zukunftsszenarien: Die wenigsten Leser beschäftigen sich außerhalb dieses Blogs mit RFID im LEH. Deshalb finde ich es durchaus legitim, den aktuellen SB-Kassenausbau mit der auffälligen Zunahme von Warensicherungs-Etiketten zu verknüpfen. Aber wenn es Empfehlungen gibt, wo diese Verbindung sonst schon so hergestellt wurde, freue ich mich sehr über den Hinweis!
Lt der hiesigen „BZ“ handeklt es sich um „RF“ – Etiketten.
https://www.bz-berlin.de/berlin/lidl-muss-gulasch-und-fisch-sichern
Ob das allerdings so stimmt, oder der einfachheit halber so aufgeschrieben wurde, weiß ich nicht.
Ich auch nicht – aber – das ist eine schöne Gelegenheit, sich kurz an den Kollegen von „Bild“ und „BZ“ zu wenden:
Wenn du hier die nächste Story für den Trash-Blatt klaust, wäre es höflich, zumindest kurz die Inspirationsquelle zu nennen. Andere kriegen das auch hin.
@Peer Schader
„Aber wenn ich nur noch dann berichten dürfte, sobald es den Handelsunternehmen angenehm ist, stünden hier vorrangig Pressemeldungen.“
Darum geht es ja nicht. Aber die einfachen Warensicherungsetiketten als Aufhänger für einen „was könnte mit RFID gemacht werden“-Artikel zu nehmen da die RF-Etiketten ja auch RFID sein könnten (was sie sein könnten, aber sehr unwahrscheinlich ist) finde ich arg weit gesprungen.
Das Thema „Lidl ist in manchen Filialen so verzweifelt, die packen Warensicherungsetiketten auf billigen Eigenmarkenkäse“ finde ich an sich schon interessant und erwähnenswert, das geht durch die RFID-Vorhersagen aber unter.
Verstehe ich. Mach ich aber ja öfter hier: aktuelle Entwicklungen ansehen und aufschreiben, was das bedeuten und wozu das führen könnte. „Warensicherungsetiketten auf Eigenmarkenkäse“ wäre für mich hingegen kein eigenständiges Thema. Aber ich würde bald auch nochmal was zur Ladendiebstahlproblematik schreiben wollen.
(Interessante Beobachtungen dazu gerne jederzeit mailen oder kommentieren!)
Lustig, gestern erst berichtete der auch hier in den Kommentaren schon erwähnte Shopblogger, dass sich in seinem Markt ein Ladendieb jeweils eine komplette Stiege Mars, Snickers und Twix in den Rucksack gesteckt hat und – trotz aufgeklebter Warensicherungsetiketten und ausgelöstem Alarm – einfach rausmarschiert ist. Und vom Personal auch gelassen wurde, weil er „höchst aggressiv und einschüchternd“ auftrat.
Angesichts der zunehmenden Verrohung der Gesellschaft fürchte ich ja, dass das genau zum Problem wird: je ausgefeilter die Diebstahlssicherungssysteme im Einzelhandel werden, umso brutaler und gewaltbereiter werden die Ladendiebe. Das ist ein Problem, das sich nicht technisch lösen lässt, sondern nur politisch: durch eine gerechtere Vermögensverteilung. Sprich: gerechtere Steuern und fairere Löhne.
Solange das nicht kommt, ist aber vermutlich die Lidl-Strategie der massiven Verunstaltung der Verkaufsverpackungen leider erfolgreicher als ein dezenter, die Augen nicht beleidigender Aufkleber. Für mich ein Grund mehr, nicht bei diesem grässlichen Ausbeuterladen einkaufen zu gehen.
Ich würde mich auch keinem Ladendieb entgegen stellen. Da ist mir Leib und Leben näher, als der Verlust fürs Unternehmen,
„Das ist ein Problem, das sich nicht technisch lösen lässt, sondern nur politisch: durch eine gerechtere Vermögensverteilung. Sprich: gerechtere Steuern und fairere Löhne.“
Wie jetzt, weichgespülte rosarot-pseudokommunistische Sonntagsparolen am Mittwoch? Was du da zitierst (hochquantitativer Diebstahl gut wiederverkaufbarer Artikel), ist eine der Folgen der Suchtmittelkriminalität mit ihrem ständigen Bezugsdruck und kein Ausdruck hilfloser Menschen, die aus Einkommensgründen „nur mal eben“ zur eigenen Versorgung mit Nahrung kriminell werden. Und ja, ein Suchtkranker lässt sich nicht so einfach aufhalten, schon weil er alles andere als rational handelt, sondern mit Tunnelblick nur möglichst rasch beispielsweise zum nächsten Schuss (ob in Form von Spritze, Flasche oder Inhalation, spielt dabei keine Rolle) hetzt.
„Für mich ein Grund mehr, nicht bei diesem grässlichen Ausbeuterladen einkaufen zu gehen.“
Du meinst diese „grässlichen Ausbeuterläden“ wie Lidl/KL, Aldi usw., die im Gegensat zu den meisten unter E, Rewe usw. geflaggten Standorten selbst für völlig Ungelernte nach/über Tarif zahlen, während z.B. vielen selbständigen Ladenbetreibern (wie Harste) selbst der Mindestlohn noch ein Dorn im Auge ist? Oder ist es für ein Problem, dass das Finanzamt einem jeden Unternehmer aufgibt, möglichst hohe Gewinne zu erzielen und keine als Unternehmen deklarierte Sozialhilfe zu betreiben?
@Angpe
„Ich würde mich auch keinem Ladendieb entgegen stellen. Da ist mir Leib und Leben näher, als der Verlust fürs Unternehmen“
… was dir auch jeder halbwegs vernünftige Arbeitgeber exakt so anweisen wird.