Für mehr Selbstscanner: Wie Lidl seinen Läden eine zweite Kassenzone spendiert

Für mehr Selbstscanner: Wie Lidl seinen Läden eine zweite Kassenzone spendiert

Inhalt:

Anstatt Self-Checkouts an den Rand zu quetschen, baut Lidl zunehmend auch in deutschen Filialen separierte Kassenwelten, die eine flexible Steuerung der Bezahlvorgänge ermöglichen. Eine zentrale Rolle könnte künftig die neue SB-Zone mit Multifunktions-Tresen für Aufsicht, Scan-Hilfe und Traditionalist:innen-Besänftigung spielen.

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Lidl macht Tempo bei seiner Transformation vom Einzelhändler mit Vollkassierbedienung zum überzeugten Self-Checkout-Fan. Im europäischen Ausland setzt der Discounter schon seit längerem darauf, Kund:innen zum Bezahlen vorrangig an SB-Kassen zu lotsen und weitet den dafür zur Verfügung stehenden Platz enorm aus (siehe Supermarktblog).

Aber auch im Heimatmarkt wird die Selbstbedienung an der Kasse zunehmend zum Standard. Dabei geht Lidl schrittweise vor, testete zuletzt verschiedene Umbauvarianten – und traut sich inzwischen auch, SB-Kassen nicht mehr nur alibimäßig an den Rand zu quetschen, sondern tendiert zunehmend in Richtung Gleichberechtigung der beiden Bezahlmöglichkeiten.

In Filialen mit ausreichend Platz werden längst nicht mehr nur eine, sondern direkt zwei Plätze für klassische Bedienkassen geopfert, um eine separierte Kassenzone zu etablieren.

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Komplex gewordener Check-out-Prozess

Diese besteht – wie in dem von mir besuchten Markt – aus bis zu sechs SB-Geräten, die beidseitig verbaut sind; dazu gibt es eine Stehkasse direkt neben der frontal eingerichteten Auslassschranke, auf die mehrere Funktionen entfallen:

  • Aufsicht über die Self-Checkouts, Erledigung zufälliger Kontrollstichproben (auf die Kund:innen während des Bezahlprozesses jedes Mal hingewiesen werden) und Hilfe bei eventuellen Scan-Fehlern;
  • das Scannen von Artikeln, die an der SB-Kasse nicht gekauft werden können (z.B. Gutscheine);
  • sowie der potenzielle Ersatz der regulären Bedienkassen, sofern diese gerade nicht besetzt sein sollten, um sämtliche Bezahlvorgänge über die SB-Zone abwickeln zu können und Discount-Traditionalist:innen zu besänftigen, die partout nicht selbstscannen wollen – und sich dafür auch anstehbereit zeigen. (Wovon es immer noch viele gibt, siehe Kommentare hier im Blog.)
Abwechselnd eine kleine und eine große SB-Kasse, dazu die Aufsicht mit Bedienkassenfunktion direkt am beschrankten Auslass; Foto: Smb

Das ist sehr, sehr schlau so – auch wenn es den kompletten Check-out-Prozess aus Sicht der kassierenden Mitarbeiter:innen sehr viel komplexer und anspruchsvoller macht (weil es so viele verschiedene Aufgaben abwechselnd zu erledigen gilt).

Links bezahlen, rechts bezahlen?

Offensichtlich hat man sich in der Bad Wimpfener Unternehmenszentrale zudem dazu entschieden, auch in Deutschland die größeren SB-Kassenvarianten aufzustellen, an denen man problemlos mit einem Einkaufswagen Platz findet, um mittelgroße Einkäufe zu scannen. (Was auch voll in Ordnung ist, wenn man sich nicht gehetzt fühlen muss – mir ist’s lieber als Anstehen, aber das ist Geschmacksache.)

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Die Zeiten, in denen Self-Checkouts vor allem Kund:innen vorbehalten waren, die nur wenige Artikel zu scannen haben, dürften sich damit dem Ende zuneigen.

Lidl plant den Self-Checkout inzwischen auch für umfassendere Einkäufe mit Platz für den Wagen; Foto: Smb

Vor allem aber forciert Lidl so die theoretische Möglichkeit, einen großen Teil der Bezahlvorgänge komplett ohne klassische Förderbandkasse abwickeln zu können – und diese im Zweifel nur noch zu besonderen Zeiten mit hoher Kund:innenfrequenz zu besetzen.

Bei meinem Besuch der kürzlich umgebauten Filiale war es erstmal genau andersherum: zwei offene Bedienkassen mit Förderband, dafür keine separate Aufsicht in der SB-Zone, in der aber alle sechs Self-Checkouts benutzt werden konnten, um nicht Schlange stehen zu müssen.

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Flexibilität in der Kassenzone

Lidl könnte eine gewisse Zeit abwarten, bis die Kund:innen des jeweiligen Standorts sich an die Neuerung gewöhnt haben und die Nutzungsfrequenz ein bestimmtes Maß überschritten hat, um vorrangig auf Nur-SB-Betrieb umzuschwenken.

Ein schlichter Kassentresen im SB-Bereich böte Lidl die Möglichkeit, Bedienkassen zeitweise komplett geschlossen zu halten; Foto: Smb

In jedem Fall hat der Discounter mit diesem Layout der Kassenzone größtmögliche Flexibilität, um die Bezahlvorgänge nach Tageszeiten oder Wochentagen angepasst zu steuern. Ähnlich systematisch und überlegt geht im deutschen Lebensmitteleinzelhandel – trotz anhaltender SCO-Begeisterung – derzeit niemand vor. (Und mancher Konkurrent sieht dagegen inzwischen ziemlich alt aus.)

Nur die Montage der Quengelware über den Ausgabeschacht des Kassenbons ist – sagen wir: optimierungsfähig.

Der Kassenbon wird zur Öffnung der Auslassscharnke benötigt – mit dem Proteinriegel darüber funktioniert’s nicht; Foto: Smb

Ein weiteres relevantes Detail: Lidl baut seine optimierte Self-Checkout-Zone inzwischen auch in Läden ein, die nicht gleichzeitig das neue Filialdesign (mit den quergestellten Regalen für Aktionsartikel und Kühlung, siehe Supermarktblog) erhalten. Mit dieser Strategie ließe sich das Filialnetz relativ zügig umrüsten, ohne längere Schließzeiten pro Markt in Kauf nehmen zu müssen.

Smartphone-Klemmen für Scan & Go

Unterdessen scheint Lidl Filialen, in denen Kund:innen per Smartphone schon während des Einkaufs Artikel scannen können, Handyhalterungen am Einkaufswagen zu spendieren. Scan & Go könnte den Betrieb in der Kassenzone weiter verringern, weil der virtuelle Warenkorb in der Lidl-Plus-App nachher nur noch an die SB-Kasse übertragen werden muss, um zu bezahlen. Bislang wird die Funktion in einigen Filialen getestet (siehe Supermarktblog), könnte aber bald umfassend freigeschaltet werden. Genau so ist Lidl zuletzt mit dem digitalen Pfandbon verfahren (siehe Supermarktblog).

Inwiefern es sich bei den SCO-Umbaußnahmen weiter um Tests handelt und welches Kassenzonenmodell sich am Ende dauerhaft durchsetzt, hat die Handelskette freilich nicht kommuniziert.

Außer Frage steht aber zunehmend, dass die Selbstbedienung beim Kassieren künftig einen hohen Stellenwert bei Lidl haben soll.

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12 Kommentare
  • Ich persönlich bevorzuge mittlerweile fast ausschließlich Läden mit SB-Kassen. Dieses ewige Anstehen an den Kassen ist für mich einfach nur Zeitverschwendung. Wer das mag, kann sich ja gerne anstellen – ich möchte genauso schnell wieder raus, wie ich reingekommen bin.

    Gerade Aldi Süd ist für mich dadurch komplett rausgefallen. In meiner Umgebung gibt es keine einzige Filiale mit SB-Kassen. Früher war ich Stammkunde, heute gehe ich dort gar nicht mehr hin. Auch Kaufland und Lidl im Main-Tauber-Kreis (meine Region – direkt neben den Zentralen von Lidl und Kaufland in Neckarsulm) hängen extrem hinterher. Wenn ich eine SB-Kasse bei Kaufland nutzen möchte, muss ich bis nach Würzburg fahren – und selbst da gibt’s das nur in einer Filiale.

    Rewe wiederum hat zwar SB-Kassen, aber die sind oft einfach geschlossen. Auf Nachfrage heißt es dann: „Wir haben niemanden, der das beaufsichtigt.“ Genau deshalb bräuchte es ja gerade mehr SB!

    Ich bin regelmäßig in den Niederlanden unterwegs – dort ist SB längst Standard. Verglichen damit wirkt Deutschland regelrecht mittelalterlich. Eigentlich würde ich mir viele Dinge direkt vor Ort kaufen und damit Umsatz im stationären Handel lassen. Aber wenn ich mich dafür ewig anstellen muss, dann bekommen die von mir einfach 0 €.

    SB-Kassen sind die Zukunft – und wer da nicht mitzieht, verliert Kunden.

    **PS:** Wenn jemand eine gute Übersicht hat – z. B. eine Seite oder Liste –, in welcher Lidl-Filiale, bei Kaufland oder anderen Supermärkten bei uns SB-Kassen vorhanden sind: Bitte teilen! Offizielle Infos dazu sind ja leider kaum zu finden.

    • ja nee is klar, da fährt jemand extra nach Würzburg, weil der ortsnahe Kaufland keine SBK hat? damit spart man Zeit an der Kasse, braucht aber viel mehr Zeit um nach Würzburg zu fahren, klingt sehr logisch, nicht.

      Ich verweigere SBK so lange es Kartenzwang damit verbunden ist oder gar ein Zwang zu einer App wo man vollends der gläserne Kunde wird.

    • An Herbert: Tatsächlich mache ich das so und verbinde das dann mit anderen Dingen. Also „nur“ zum Kaufland wird es dann meistens nicht. Lieber bisschen länger Auto fahren als an der Kasse anstehen zu müssen. Verrückt aber ist so.

      Ach ja, falls du die Filiale in Würzburg-Grombühl noch nicht kennen solltest aber da in der Nähe wohnst: Die SB-Kassen dort nehmen auch Bargeld an. App wird nur für den Handscanner benötigt, wenn du selbst scannen solltest, dann brauchst du auch die App nicht. Das man für den Handscanner eine App benötigt, finde ich ebenfalls schlecht.

      Das habe ich damals (ca. 2015) auch so mit Läden gemacht, die Karte oder gar kontaktloses bezahlen nicht angeboten hatten, da bin ich dann auch nicht mehr hin. Wegen so Leuten wie mir, bleibt Deutschland doch nicht so ganz im Mittelalter stecken.

    • Eine gute Quelle für die Information, ob eine Filiale SB-Kassen hat, sind die Rezensionen bei Google Maps. Allerdings bietet im Falle Kauflands inzwischen auch das Unternehmen selbst eine Info an: Wenn man im Filialfinder auf die Detailseite einer Filiale geht, steht unter Services „Selfscanning-Kasse“, wenn eine solche vorhanden ist. Bei einigen neueren SB-Kaufländern sowie generell im Ausland fehlt diese Info aber. Auch der Edeka- und dm-Filialfinder bietet diese Info an, aber nur dm ermöglicht es, nach SB-Filialen zu filtern.

      Dank der Google-Maps-Rezensionen konnte ich mir eine Liste von SB-Kaufländern zusammenstellen. Das würde im Prinzip auch bei anderen Handelsketten funktionieren, wäre aber extrem aufwändig – die haben doch deutlich mehr Filialen als Kaufland.

      Bezüglich des Main-Tauber-Kreises sieht es so aus: Die beiden Kaufländer im Kreisgebiet (Igersheim, Wertheim) haben keine SB-Kassen, dafür alle, die sich drum herum befinden: Buchen, Würzburg-Grombühl und Rothenburg ob der Tauber haben SB-Kassen und Handscanner, während Künzelsau und Aschaffenburg SB-Kassen ohne tragbare Handscanner haben.

  • Platz lässt sich ja leicht gewinnen. Außer am Tag der Neueröffnung sind in Supermärkten niemals alle vorhandenen Kassen geöffnet. War mir schon immer ein Rätsel, nach welchen Maßgaben man die Anzahl der Kassen dimensioniert.

    Ich mag Selbstscan-Kassen. Wenngleich diese an ihre Grenzen kommen, wenn man viele Artikel hat (wohin damit zum Zwischenlagern wenn eine Waage zum Abgleich mit eingebaut ist) oder wenn Artikel aus dem Bereich Brötchenknast / Salattheke (Wo ist die Zimtrolle, Brötchen? Snacks? Kuchen? Ist das eine kleine oder eine mittlere Salatschale?) dabei sind.

  • Ich finde die SB-Zone bei Lidl in der Hauptstrasse in Schöneberg sehr gelungen und es motiviert mich tatsächlich, genau diese Filiale anzusteuern. Die Aufsichtskasse zahlt auch Bargeld aus, das ist für mich sonst das einzige Problem an den SB-Kassen.

    Und ich habe den Eindruck, dass die Mitarbeiter:innnen den abwechslungsreichen Job gerne machen, jedenfalls ist die SB-Aufsicht auffällig gut gelaunt und freundlich.

    • Wenn man nur diese eine Aufhabe hat, ist es ja auch recht entspannt.

      Wenn man aber gleichzeitig Waren füllen muss, die stationäre Kasse bedienen soll und auf die SB – Kasse ein Auge werfen muss (so gesehen bei DM) ist das nicht mehr so schick (unfreundlich gegenüber dem Kunden sollte man natürlich trotzdem nicht sein).

      Bei „meinem“ Edeka ist es auch so, das die Kassiererin gleichzeitig in der Kasse sitzt und für die SB – Kasse zuständig sein muss. Einzige Ausnahme sind Tage, an denen mehr los ist. Klassischerweise det Samstag: Da übernimmt dann eine Aushilfe die Aufsicht des SB – Bereichs.

  • frage mich, warum es für die Benutzung der SB Kasse nicht einen Rabatt von vielleicht 3% auf den gesamten Einkauf gibt
    damit würde man relativ schnell eine grosse kritische Masse zur SB Kasse bringen
    oder hat man Angst vor der Bildzeitung oder dem Mecker Rentner

  • „Mein“ Lidl hat sowas jetzt auch, wie mir heute auffiel. Dafür verschwanden ein paar Regale, an denen ich gern vorbeiging. Erste Kunden haben nebenbei als ich an der richtigen Kasse stand Testbezahlvorgänge gemacht, so kam es mir jedenfalls vor. Die Altersfreigabe bei alkoholischen Getränken hat wohl noch nicht funktioniert. Außerdem war die Einkaufsmenge auf 15 Artikel begrenzt. Also nichts für einen Wochenendeinkauf für die Familie. Und dass man den Kassenzettel mitnehmen muss, um aus dem Lidl raus zu kommen, steht auch nirgends. Ist jemand dran gescheitert.

  • Das schöne an SB-Kassen ist das Ratespiel, ob das ein „Kraftkörnchen“ oder ein „Weltmeisterbrötchen ist?
    Wenn ich mich am Brötchenknast (am Anfang des Ladens) bediene, habe ich anderes zu tun als mir den ganzen Einkauf über die Namen der Gebäckteile zu memorieren.

  • Eine meiner öfter besuchten Lidl-Filialen hat inzwischen statt zweier Standardkassen einen Bereich mit 4 Selbstscannern bekommen. Blöd ist, dass der letzte Kassierer mit dem Rücken dazu sitzt und man extra einen Arbeitsplatz für Überwachungspersonal dazu bauen musste. Ich werde diese Stationen im Leben nicht benutzen.

    Meanwhile in the States:
    https://www.youtube.com/watch?v=cEd7BsxPwHY

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