Wie nennt man das, wenn ein aufstrebender Lebensmittellieferdienst, der zahlreiche seiner Versprechen an die Kund:innen noch nicht im Griff und die Expansion auf unbestimmte Zeit verschoben hat, drei Geschäftsführer innerhalb weniger Monate benötigt?
Genau, „Evolution“.
Findet zumindest Knuspr, die deutsche Tochter der tschechischen Rohlik Group, die weiter im deutschen Markt Fuß fassen möchte, sich dabei aber regelmäßig selbst im Weg steht. Im vergangenen Dezember wechselte erneut die Verantwortung für die Geschäfte des Unternehmens: Richard Harris löste Olin Novák an der Spitze als neuer „Managing Director DACH“ ab – etwas mehr als ein halbes Jahr nachdem Novak für Mark Hübner eingesprungen war, der Rohlik im Frühjahr überraschend verlassen hatte (siehe Supermarktblog).
Kommuniziert hat Knuspr den erneuten Chefwechsel in den vergangenen Wochen zunächst nicht – bis zu einer Supermarktblog-Anfrage vom Mittwochvormittag, die die zuständige Presseagentur am Donnerstagnachmittag mit einer öffentlichen Pressemitteilung beantwortete.
Die nächste interne Lösung
Harris ist erneut eine interne Lösung für den Posten und bereits die Nummer fünf in der Geschäftsführung von Knuspr (nach Erich Comor, einem interimistischen Führungs-Trio, Hübner und Novák), das 2020 gegründet wurde und 2021 in München startete. Ob es eine dauerhafte Besetzung der Position ist, bleibt unklar: Harris ist parallel zu seiner neuen Rolle als „Country Lead“ weiterhin Finance Director für Knuspr und Gurkerl. Novák kehre zurück in seiner Rolle als Chief Revenue Officer (CRO) der Rohlik Group, heißt es in der Mitteilung.
Auf der Website der Rohlik Group steht als verantwortlicher CEO für Knuspr und Gurkerl zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Texts immer noch Novák.
Im Handelsregister ist der Wechsel an der Knuspr-Spitze zum 12. Dezember 2025 eingetragen. In seinem LinkedIn-Profil gibt Harris als Startdatum für seine „Dual role as CEO + CFO“ bereits „Oktober 2025“ an. Auf die Frage nach dieser Diskrepanz geht die zuständige Presseagentur nicht ein.
Schwierige Garantien und Lieferzusagen
Stattdessen verkauft die Meldung die Entwicklung als „Evolutionsstufe“, die auf „kundenorientierten Grundlagen“ basiere, „die im vergangenen Jahr gestärkt wurden“. Die „jüngsten operativen Meilensteine“ – u.a. die Lagerautomatisierung, die angekündigte Profitabilität für den Großraum Berlin – würden sich „direkt in Vorteile für alle Kunden übersetzen, indem ein höherer Mehrwert und eine noch spezifischere Servicequalität entsteht“.
Im Tagesgeschäft ist davon aber oft nicht allzuviel zu spüren. Aus Kund:innensicht hat Knuspr weiter damit zu kämpfen, selbst abgegebene Garantien und Lieferfensterzusagen einzuhalten. Ein konkretes Startdatum für den nächsten Standort in Hamburg wurde zuletzt völlig offen gelassen.
Ebenso wie die Frage, warum die Geschäftsführung erneut mit jemandem besetzt ist, der eigentlich schon einen anderen Job hat.
Die Fluktuation betrifft aber nicht nur die Geschäftsführung: Im Spätsommer verließ Commercial Director Stephan Lüger, der für Knuspr auch die Bringmeister-Übernahme mitgestimmt hatte, das Unternehmen. Auf LinkedIn gibt er an, seit Oktober 2025 für Kaufland tätig zu sein – aber noch nicht, in welcher Position („in Onboarding“).
Wachstum und Rabatte
Rohlik-Gründer Tomáš Čupr hatte Ende Dezember gemeldet, die Gruppe sei im vergangenen Jahr stark gewachsen, zu Weihnachten habe man über 100.000 Bestellungen pro Tag gehabt (über alle Märkte hinweg). „Das passiert nur, wenn Tausende Details gleichzeitig richtig ausgeführt werden“, glaubt Čupr.
Im Vorweihnachtsgeschäft setzte Knuspr allerdings parallel auch auf intensive Aktionen: Wer in Berlin und Frankfurt bestellte, erhielt auch als Bestandskund:in wiederholt zeitlich begrenzte Gutschriften (10 Euro bei 120 Euro Mindestbestellwert).

Der neue Knuspr-Chef wiederum wird in der aktuellen Mitteilung mit den Worten zitiert, man wolle „durch ein breites, hochwertiges Sortiment und eine schnelle, zuverlässige Lieferung einen außergewöhnlichen Mehrwert“ bieten. Gleichzeitig solle „die Rentabilität und die langfristige Finanzlage“ gestärkt werden. Beides sind Ziele, die Knuspr seit Jahren verfolgt – mit wechselndem Erfolg.
Der Geschäftsführerwechsel passt ins Bild, das der jüngst erschienene Knuspr-Jahresrückblick 2025 im Supermarktblog zeichnet: operative Fortschritte, aber bei Kontinuität und Verbindlichkeit hapert es. Jetzt also wieder ein neuer Geschäftsführer, der parallel CFO ist und dessen Ernennung erst nach einer Medienanfrage kommuniziert wird.
Das ist keine „Evolutionsstufe“. Das ist ein Problem.
Mit Unterstützung von North Data GmbH.
Danke an Jörg!
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präsentiert


Lohnt sich Online-Lebensmitteleinkauf? Die Frage stellt sich mir, da ich innerhalb von kurzer Zeit die großen Vier und zusätzlich weitere Geschäfte in erreichbarer Nähe habe.
Für einen interessanten Laden nehme ich auch mal einen etwas weiteren Weg auf mich. Denn Einkaufserlebnis ist nicht immer auf einen Anbieter beschränkt zu sein.
So gesehen hätte knuspr auch Chancen, würde für mich aber nie Ersatz zum Einkauf im Laden, sondern nur Ergänzung.
Vielleicht wäre mal nochmal ein aktueller Beitrag interessant, der die Vorteile für Käufer benennt, die gar nicht unbedingt Bedarf haben Online einzukaufen, sondern das nur tun wollen, um mit zu erleben, wie so ein Lieferdienst arbeitet.
Vorteil wäre, eine Einkaufsmöglichkeit die ohne Registrierung funktioniert, da ich im Normalfall grundsätzlich noch nicht Online einkaufe.
Tante Enso habe ich beispielsweise auch vor Ort besucht. Bei anderen Anbietern mit vor Ort Einkaufsmöglichkeit würde ich das auch bevorzugen.
Liefern lassen würde ich mir spontan zu später Stunde, um da nicht mehr extra raus gehen zum Einkaufen zu müssen. Oder wenn ich krank bin.
Zu normalen Öffnungszeiten kann ich aussuchen, wann ich wo einkaufe und ob ich vielleicht mehrere Läden kombiniere, was mir bei einem Lieferdienst derzeit auch noch nicht möglich erscheint.
Das heißt, die für mich normale Vielfalt ist per Lieferdienst derzeit nicht machbar.
Was könnte mich vom Laden abschrecken und Richtung Lieferdienst bewegen?
Fehlendes freundliches Personal, die inzwischen zeitweise üblichen Warteschlangen, egal ob Bedienkasse oder SCO-Kasse. und wenn der Trend mehr und mehr Richtung Registrierung geht.
Derzeit bin ich noch bei keinem Bonuskarten- oder App-Programm mit dabei, weil ich lieber unbeeinflusst einkaufe. Das was ich sparen würde, spare ich eben dadurch, dass ich etwas weniger einkaufe
Allen ein gutes Jahr 2026.