Einen Tag vorm Fest kam Ende des vergangenen Jahres die frohe Botschaft über die Social-Media-Kanäle des Fuldaer Supermarkt-Start-ups Smart Retail Solutions (SRS): „Alle 40 teo-Standorte erstrahlen pünktlich zu Weihnachten in neuem Glanz für Euch.“ Ein knappes Dreivierteljahr zuvor hatte die zu Migros Zürich gehörende Tochter bekannt gegeben, die personalfrei betriebenen Convenience-Märkte unter dem Namen Teo künftig in Eigenregie weiterbetreiben zu wollen (siehe Supermarktblog).
Zu diesem Zweck erhielten die bislang zu Tegut gehörenden Mini-Läden neue Grundfarben und wurden in den Betrieb von SRS überführt. Diese Umstellung scheint nun weitgehend abgeschlossen zu sein – mit zwei Ausnahmen:
- Der allererste Teo, direkt vor der Tegut-Unternehmenszentrale in Fulda, bleibt als einziger „Tegut Teo“ bestehen.
- Die einzige Münchner Filiale, die seit März 2024 in einer Senior:innenenwohnanlage im Norden der Stadt integriert war, wurde durch Tegut zu Beginn dieser Woche geschlossen und kann von Smart Retail Solutions nicht weitergeführt werden.
Teo agiert unabhängig von Tegut
Damit verbleiben die genannten 40 Standorte im Filialnetz – das ursprünglich zügiger wachsen sollte, als es bislang der Fall war. Dann kamen diverse Hindernisse dazwischen, allen voran, dass die Tegut-Mutter Migros seit über einem Jahr einen harten Konsolidierungskurs für ihr deutsches Supermarktgeschäft fährt, um es profitabler zu machen (siehe Supermarktblog).
Smart Retail Solutions kann mit Teo nun unabhängig davon agieren – und nutzt diese neuen Spielräume auch aus. Das ist nicht nur anhand der neuen Farben sichtbar, mit denen Teo auftritt: Dunkelblau und Türkis sind ein maximaler Gegensatz zum bisherigen Tegut-Orange (vor allem aber: so im deutschen Lebensmitteleinzelhandel noch nicht besetzt).




Auf dem Dach der hölzernen Supermarktrollen weht nun ein blaues Fähnchen; neben dem – bis auf den verschwundenen Tegut-Zusatz – gleich gebliebenen Logo steht der Soprechblasen-Hinweis „geöffnet“. So will sich Teo als „Dein smarter Markt für Jetzt“ in Szene setzen.
24/7, aber nicht mehr überall
Gleichwohl hat sich unter der Führung von SRS auch Grundlegendes getan: Nicht mehr alle Teo-Märkte öffnen inzwischen an sieben Tagen rund um die Uhr – obwohl Tegut neben der Sonntagsöffnung auch darum gekämpft hatte, um eine Anpassung des Hessischen Ladenschlussgesetzes anzustoßen. (Die letztlich auch erfolgte.)
13 von 40 Märkten sind auf der Teo-Website aktuell mit „abweichenden Öffnungszeiten“ gekennzeichnet. In der Regel ist dort zwar auch sonntags offen. Aber generell nur noch bis 23 Uhr bzw. Mitternacht, an manchen Standorten sogar nur bis 22 Uhr. Die Türen der Teos öffnen sich anderntags dann wieder zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr. Betroffen sind auch die Bahnhofsstandorte Hanau und Aschaffenburg.
Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt Smart Retail Solutions dazu, die Anpassungen erfolgten „standortindividuell“:
„Es gibt Standorte, an denen wir nachts wenig bis gar keinen Abverkauf sehen. Und dann gibt es solche, an denen es kaum Abverkauf gibt, dafür aber unwillkommene Vorkommnisse (wie Verschmutzung oder andere unsachgemäße Behandlung des teos, stellenweise Diebstahlversuche). In dieser Kombination haben wir uns für eine Nachtschließung entschieden und beobachten die Situation.“

Märkte brauchen „Besichtigung & Kontrolle“
Man sei aber „weiterhin offen“ und stehe „für ein 24/7-Konzept“. Gegebenenfalls „kehren wir auch wieder in diesen Modus zurück. Das hängt von der Entwicklung am jeweiligen Standort ab“, heißt es von SRS.
Dennoch ist die Anpassung der Öffnungszeiten natürlich eine einschneidende Abkehr vom bisherigen Prinzip. Im Zweifel fehlt es SRS aber auch schlicht an Kontrollmöglichkeiten, z.B. der weiter entfernt gelegenen Filialen – sodass Umsätze in der Nacht gegen die Kosten für Diebstahl und Verunreinigungen aufgewogen werden.


Derzeit wird per Stellenanzeige ein:e regionale:r Gebietsleiter:in für den Raum Bad Hersfeld, Fulda, Aschaffenburg, Marburg, Rodenbach gesucht, die bzw. der sich vor Ort „um den reibungslosen Betrieb unserer Filialen“ kümmern soll, inklusive „Besichtigung & Kontrolle aller teo-Standorte min. 1x in zwei Wochen“.
Teo kann jetzt „Gut & Günstig“
Auch an anderer Stelle hat Smart Retail Solutions im Betrieb der Märkte nachjustiert: Wie im zurückliegenden Jahr im Blog gemeldet, öffnete man sich für die Warenbelieferung gegenüber einem neuen Partner: Edeka Foodservice. Inzwischen werden 13 Standorte von Edeka Foodservice versorgt, überwiegend im südwestlichen Raum des Teo-Gebiets, heißt es bei SRS auf Supermarktblog-Anfrage.
Der Hauptteil der Märkte bekommt seine Waren aber weiter von Tegut. Man überlege, „welche Logistik am sinnvollsten ist“ – vermutlich, um lange Wege außerhalb des Tegut-Kerngebiets einzusparen. Zumal Migros Zürich hinter die regulären Tegut-Filialen dort ein großes Fragezeichen gesetzt hat und Verkäufe anstrebt. Mit Edeka sichert Teo schon jetzt die Warenbelieferung für mögliche zukünftige Szenarien ab.
(Möglicherweise hat Tegut die Öffnung durch Einsparungsbestrebungen in der eigenen Logistik auch selbst forciert.)


In jedem Fall ergibt sich in den nun von Edeka belieferten Teo-Märkten ein gänzlich anderes Sortimentsbild: In den Regalen dominieren neben klassischen Marken Artikel der Edeka-Eigenmarken „Gut & Günstig“ sowie „Edeka Herzstücke“, die auch prominent in hölzerneren Teo-Kisten ausgestellt sind.
Expansionspläne ab Sommer konkreter
Das Angebot an verfügbaren Bio-Artikeln wurde – zumindest in der von mir zuletzt besuchten umgestellten Filiale – deutlich reduziert. Ob das standortübergreifend der Fall ist, will man in Fulda nicht sagen, erklärt aber:
„Unsere Sortimentsanpassungen basieren auf vielfach an uns herangetragenen Kundenwünschen. Auch hier nutzen wir die kommenden Monate für Nachjustieren und Optimieren der Sortimente, eben auch standortspezifisch(-er).“
Was die Expansion – mit und ohne Franchise-Partner – angeht, gibt man sich bei Smart Retail Solutions derweil weiterhin zurückhaltend. Zunächst wolle man sich weiter „auf die Optimierung der überführten teos“ fokussieren. Überlegungen bezüglich einer weiteren Expansion des Konzepts sollen dann im zweiten Halbjahr 2026 konkretisiert werden.

Ähnliches gilt für den potenziellen Roll-out der „Grab & Go“-Teos, von denen es mit Marburg und Darmstadt/TU Lichtwiese derzeit zwei Standorte gibt, in denen Kameras und Sensoren Einkäufe automatisch erfassen und abrechnen, ohne dass Kund:innen noch separat bezahlen müssen.
Mit dem Personalausweis zum Bierchen
Die Geschäfte am Marburger Standort (gegenüber eines Kinos) liefen „sehr erfreulich“, sagt SRS. Aktuell befinde man sich noch „in den letzten Monaten unserer Pilotphase, in der wir Grab&Go in der Indoor-Variante dem Outdoor-Format gegenüberstellen“.
Gleichzeitig wird kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Formats gearbeitet. An mehreren Teo-Standorten arbeitet SRS inzwischen mit dem Technologie-Anbieter Smoothr zusammen und hat Kühlschränke aufgestellt, aus denen alkoholische Getränke entnommen werden können (siehe dazu Supermarktblog).
Kund:innen identifizieren sich am Kühlschrank mit ihrem Ausweisdokument, legen dann ihre Bezahlkarte an, auf der 25 Euro „für eine kurze Dauer geblockt“ werden. Anschließend können sie das gewünschte Produkt entnehmen und den Schrank schließen. Die Bezahlung erfolgt automatisch – ein separates Scannen an der Teo-Kasse entfällt.
Möglichst intuitiv einkaufen gehen
Bislang geht das testweise in zehn Teos (u.a. in Fulda, Hanau, Aschaffenburg und Marburg). Nicht an jedem Standort sei Alkohol vorgesehen oder erwünscht, erklärt SRS zu den Plänen: „Daher schauen wir uns die Filialen individuell an.“
Zumal der Vorgang durchaus erklärungsbedürftig ist. Das weiß auch Smart Retail Solutions und sagt, man müsse sich „Erkläransätze überlegen, die schnell konsumierbar, eindeutig und auffällig genug sind“ – insbesondere, wenn Kund:innen zunehmend den Anspruch haben, möglichst intuitiv einkaufen gehen zu können.
Man freue sich deshalb über „Anregungen aus dem Kundenumfeld“, was sich – z.B. auch im Grab-&-Go-Modell ohne Kasse – noch besser lösen ließe.
💬 Habt ihr schon bei Teo eingekauft? Was hat gut funktioniert – und wo hapert es noch? Teilt eure Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!







Insofern nachvollziehbar, als dass (genau genommen gar nicht erst seit) „heute“ z.B. auch etliche SB-Standorte anderer Branchen wie z.B. bei Indoor-ATMs, wegschließbare Fahrscheinautomaten bis hin zu manchen Paketstationen usw. wegen Vandalismus und je nach Lage Bettelbanden/Obdachlosen mehr oder minder frühzeitig bis zum Morgen (oder gar übers WE) verschlossen werden. Und dort liegt z.B. die technische/mechanische Hemmschwelle für Diebstahl deutlich höher als im SB-Lädchen …
War im TEO Mannheim. Mein Eindruck war, es lohnt sich dort einzukaufen, wenn man für sich einen Bedarf dazu erkennt. Um bei tegut einzukaufen brauche ich aber nicht nach Mannheim zu fahren. Ein vergleichbares Einkaufserlebnis kann ich auch in Stuttgart bei tegut bekommen. Vorteil, es gibt noch Verkaufspersonal und das finde ich sehr gut, denn SCO-Kassen mag ich nicht immer.
Der Grund weshalb ich im TEO eingekauft habe, weil ich ganz bewusst von Stuttgart nach Mannheim gefahren bin, um mit zu bekommen, wie mir personalloser (fast) einsamer Einkauf gefällt.
Wenn es für Anwohner dazu führt, dass diese bessere Einkaufsmöglichkeiten bekommen, finde ich TEO unterstützenswert.
Selbst finde ich WASGAU und GLOBUS in Mannheim interessanter.
Sollten weitere interessante Geschäfte vorhanden sein, die ich in Stuttgart nicht vor Ort habe, lohnt es sich auch wieder nach Mannheim zu fahren.
Der teo im Mannheimer Hauptbahnhof wurde leider schon vor geraumer Zeit wieder geschlossen. Als Grund wurde Vandalismus und unerwünschtes Verhalten genannt.
Danke für die Ergänzung!
Das ist in der Tat bedauerlich.
Gerade in Bahnhöfen mittleren Aufkommens (womit natürlich nicht Mannheim gemeint ist) wären Konzepte wie TEO schon wegen der höheren Wirtschaftlichkeit trotz reisendenfreundlicher Öffnungszeiten, der Skalierbarkeit des Togo-Sortimentes und der wegen kleinerer Fläche erträglicheren Pachthöhe sehr passend – positioniert zwischen den omnipräsenten Fastfood-/Imbissanbietern bzw. Junkfoodketten und den „richtigen“ Discountern/Biosupermärkten, wo sie politisch & wirtschaftlich auf den Bahnhof durchgelassen werden.
Aaaber: Dank des weiter steigenden Vandalismus- und sonstigen Kriminalitätsproblems müssen schon viel resistentere Konzepte/Einrichtungen eingestampft werden, um nicht zu Verlustschwerpunkt und Schandfleck zugleich zu verkommen. Ja, mit Security und ähnlicher Bemannung können auch solche Locations sauber gehalten werden, aber genau diese abschreckende Manpower führt Konzepte wie TEO ja ab absurdum. Und nicht jede Kommune ist bereit, Betreiber (ob im Bahnhof oder z.B. in schwach versorgten Ortsteilen) per Subvention der Sicherungsaufwendungen unter die Arme zu greifen, um gesichtslose „Ghostlocations“ zu vermeiden …