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Rewe probt, wie die zeitnahe Zustellung per App bestellter Lebensmittel über Lieferpartner funktioniert, wenn diese aus bestehenden Supermärkten heraus erfolgt. Dafür kooperiert der Händler aktuell in München mit Wolt und in Jena mit Lieferando. Der Test ist derzeit auf wenige Märkte beschränkt und betrifft momentan ausnahmslos Filialen, die von selbstständigen Kaufleuten geführt werden.
In Bayern sind Rewe Rasic in Schwabing und Rewe Cakmakci in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt beteiligt. Über die App von Wolt lassen sich Artikel aus dem Sortiment bestellen und anschließend entweder zustellen oder abholen (zwischen 9 Uhr und 19.15 Uhr bzw. 19.30 Uhr). Die Lieferkosten betragen 3,99 Euro.
In Jena beteiligen sich drei Kaufleute mit ihren Märkten: Rewe Ramona Roscher, Rewe Tino Stützer und Rewe Antje Eismann. Die Lieferzeiten variieren zwischen 9 und 21 Uhr bzw. 13 und 19 Uhr. In der Lieferando-App werben die Märkte mit dem Versprechen: „Frisch aus deinem REWE Markt – direkt zu dir“. Die Lieferung ist derzeit kostenlos. Per Code erhalten Kund:innen ihren Warenwert ab 30 Euro recht großzügig um 15 Euro rabattiert. Auch auf einen Mindestbestellwert wird momentan verzichtet.
Anderswo in Europa schon Standard
Damit testet Rewe ein Liefermodell unter Einbeziehung seiner stationären Filialen, das in anderen europäischen Ländern längst Standard ist – möglicherweise auch, um eine tragfähige Lösung für seine selbstständigen Kaufleute zu eruieren.
Diese profitieren vom wichtiger werdenden Liefergeschäft bislang nur eingeschränkt, wenn sie nicht eigeninitiativ vorangehen.
Rewe sammelt Erfahrungen im so genannten Quick Commerce hierzulande bislang vor allem über seine Beteiligung an Flink, wo das Unternehmen als Investor und Hauptlieferant agiert. Flink wiederum ist – neben der eigenen App – mit seinem Angebot ebenfalls auf Partner-Plattformen vertreten, teilweise auch unter dem Namen „Rewe express“ (siehe Supermarktblog) – aber zum Beispiel aktuell nicht in Jena.
„Viele wollen diese Einfachheit haben“
Clemens Bauer, Director REWE E-Commerce, betont im Supermarktblog-Gespräch allgemein, die Bedeutung des Segments nicht unterschätzen zu wollen:
„Wenn wir sagen, dass wir alle Kanäle nutzen wollen, dann ist auch Quick Commerce etwas, das wir sehr genau beobachten. Man darf da keine Angst haben.“
Beim Test mit Lieferando in Jena merke man etwa die große Bedeutung, die Quick Commerce unter anderem für Frische habe. Vor allem Obst und Gemüse würden stark nachgefragt. Aber natürlich spreche das Modell auch eine andere Zielgruppe als der klassische Rewe Lieferservice an.
„Es ist wegen der Liefergebühren insgesamt vielleicht ein teurerer Einkauf. Aber man darf nicht den Fehler machen, das Convenience-Gefühl der Menschen zu unterschätzen. Viele wollen diese Einfachheit haben.“
Das klingt nicht (mehr) nach Randgeschäft, sondern so, als ob Rewe dem Segment eine relevante Rolle beimisst.
Eine Frage der Organisation
Dabei schien sich der Händler lange aus gutem Grund mit der Kommissionierung von Lebensmitteln aus stationären Supermärkten zurückzuhalten. Nach dem Start des eigenen Lieferdiensts vor über zehn Jahren hatte man das anfangs an einigen Standorten noch so praktiziert.
Die Erfahrungen waren gemischt, weil sich Online-Kund:innen und Kund:innen im Laden Artikel teilweise gegenseitig „wegkauften“. Diese Skepsis scheint man in gewisser Hinsicht aufgegeben zu haben – zumal Verfügbarkeitsprognosen dank neuer Technologien inzwischen genauer sein dürften.
Und es geht nicht nur um Warenverfügbarkeit, sondern auch um Zuständigkeiten. E-Commerce-Director Bauer sagt, er sehe sich die Modelle unterschiedlicher Händler in Europa genau an:
„Marktmanager und Pickingmanager waren früher immer zwei getrennt organisierte Positionen. Das würden wir heute nicht mehr so machen. Sainsbury’s hat die Verantwortung zusammengelegt – und betreibt einen erfolgreichen Lieferservice aus den Märkten heraus.“
Billas Darkstore-Test in Wien
In Österreich geht die Gruppe noch weiter. Nach der endgültigen Einstellung der selbst betriebenen Hauszustellung hat Rewe International dort die Quick-Commerce-Bestellmöglichkeit über seine Marken Billa, Penny und Bipa gestärkt und arbeitet dafür mit Foodora als Partner für die Zustellung zusammen.
Die Einkäufe über die Foodora-App werden in Märkten kommissioniert und an die Fahrer:innen in Magenta für die Lieferung an Kund:innen aus der Nähe weitergereicht.
Seit dem Frühjahr geht man noch einen Schritt weiter: Im Wiener Süden (Diefenbachgasse 52, Rudolfsheim-Fünfhaus) hat Billa im März/April einen bis dahin regulär betriebenen Supermarkt zum Darkstore umfunktioniert.

In dem scheint sich – wenn man beim Vorbeigehen einen kurzen Blick hineinwirft – für die Umwidmung gar nicht so viel verändert zu haben. (Selbst der Aufsteller für Quengelware an der nicht mehr benötigten Kasse steht noch.) Bloß dass auf der Fläche jetzt eben Billa-Picker:innen durch die bis unter die Decke gefüllten Regalreihen laufen, um Produkte in Tüten zu füllen.
In der Straße ohne großen Durchgangsverkehr davor warten motorisierte Foodora-Fahrer:innen derweil auf ihren nächsten Auftrag. (Was schon für Ärger bei Anwohnenden gesorgt hat.)
Am Eingang werden sie zum „Order Pick-up“ gelotst, die fertig gepackten Papiertüten stehen auf gelben Billa-Rollwagen bereit.

Eine nützliche Ergänzung
Kund:innen, die am Standort weiter regulär einkaufen wollen, werden vom Personal an zwei unmittelbar in der Nähe gelegene Billa-Standorte verwiesen. Die Supermarktdichte in Österreich ist (vor allem in der Hauptstadt) noch größer als in Deutschland.
Wenn der Test erfolgreich läuft, könnte er Rewe International aus mehrfacher Hinsicht neue Perspektiven eröffnen, um an weiteren Standorten mit Darkstores aktiv zu werden, während die Zustelllogistik dem Partner überlassen bliebe.
Praktischer Nebeneffekt: Selbst in unmittelbarer Nähe zu normalen Supermärkten könnten sich Darkstores als nützlich erweisen. Verkaufsstellen dürfen in Österreich laut Gesetz montags bis freitags zwischen 6 und 21 Uhr bzw. samstags bis 18 Uhr öffnen, aber maximal 72 Stunden pro Kalenderwoche. Für Lebensmittel-Lieferanbieter gilt das nicht im selben Maße – sofern die dahinterstehenden Arbeits- und Lieferprozesse ebenfalls rechtlich zulässig organisiert sind.
Darkstores könnten z.B. später öffnen als stationäre Supermärkte, dafür abends länger für Bestellungen offen bleiben. In Rudolfsheim-Fünfhaus werden laut Foodora-App Bestellungen aus dem Billa-Darkstore aktuell zwischen 8 und 21.20 Uhr angenommen (um bis 22 Uhr liefern zu können) – während stationäre Billa-Märkte in der Regel um 20 Uhr schließen.
Mehrkanal-Strategie in Deutschland
Auch wenn man die Erfahrungen der Wiener Kolleg:innen mit Interesse beobachten wird: Ob sich daraus etwas für Deutschland ableiten lässt, bleibt vorerst offen.
Hierzulande setzt Rewe explizit auf eine Mehrkanal-Strategie im E-Food-Geschäft, wie der Händler im Supermarktblog-Gespräch erläutert. Die beiden zentralen Säulen bilden dabei Lieferdienst und Abholservice – wobei Clemens Bauer für letzteren durchaus Möglichkeiten sieht, an gewonnene Erkenntnisse anzuknüpfen, um auch Kaufleute profitieren zu lassen. Ein Gedankenspiel:
„Wenn der Abholservice weiter so stark wächst, lagert der Kaufmann die wichtigsten Artikel in Zukunft vielleicht in einen Darkstore neben seinem Markt aus.“
Wie Rewe Lieferdienst und Abholservice parallel zueinander weiterentwickelt und die Prozesse in seinen FFCs (Fulfillment Center) für die Zukunft anpasst, erzählt Bauer im ausführlichen Supermarktblog-Beitrag dazu, der jetzt hier erschienen ist.
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präsentiert


Da könnte ja glatt einer zu dem Schluss kommen, für die Zeit nach zulässiger Ladenöffnung Abholboxen an die Fassade zu schrauben (bzw. darin einzulassen) und das Personal stellt nur mal eben von Ladenbetrieb auf Proforma-Darkstore um. Rechtlich sollte es m.E. reichen, wenn die Kunden z.B. gleich vor dem Laden online bestellen und bezahlen, ein überhaupt nicht zum Kundenkontakt vorgesehener Mitarbeiter rauskommt, eines oder mehrere Fächer vor der Tür damit befüllt und der Kunde sich direkt alles „kontaktlos“ wieder rausnehmen kann.
Spielarten wie Automaten/Module zur Bargeldeinzahlung (natürlich nicht zum direkten Bezahlen der Bestellung vor Ort, sondern als zufällig vorhandener Service mit Gutschrift auf Kundenkonto bzw. Guthabenkarte und damit gleich ohne Wechselgeldumstände) würden das sogar für eine konservative bzw. datenspurzentrierte Kundschaft süß anpinseln.
So ich da keinen Fallstrick übersehen habe und es sich wegen der Personalkosten je nach Location bzw. Wochentag rechnet, wäre das besonders in Ländern mit „stark christlich geprägten“ Schließzeiten sicherlich kein schlechtes Geschäft. Und das ganz ohne technikaffinen Diebstahls-Honeypot wie autonomen Markt und im Idealfall im Einmannbetrieb. In „sozial herausfordernden“ Ecken müsste mit rücklings bestückbaren Fächern nicht einmal jemand vor die Tür treten.