Dunkelgrün statt Weiß? Picnics veränderte Flottenstrategie

Dunkelgrün statt Weiß? Picnics veränderte Flottenstrategie

Inhalt:

Neue Fahrzeuge kommen künftig wohl von unterschiedlichen Herstellern – aufgebaut werden sie in Ostwestfalen, manche in einer neuen Grundfarbe.

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Mitte Juli hat Picnic-Mitgründer Michiel Muller dem „Handelsblatt“ (Abo-Text) die aktuellen Geschäftszahlen des von ihm mitgegründeten Lieferdiensts erläutert. Und dazu, wie er das Unternehmen sieht: als „der führende Anbieter für die Lieferung von Lebensmitteln“ – zumindest in den Regionen, wo man bereits aktiv sei. (Gerade ist Magdeburg dazu gekommen.)

Überprüfen lässt sich das nicht, weil Rewe für seinen Lieferservice keine Zahlen veröffentlicht (und anders rechnet, siehe Supermarktblog).

Die Picnic-Zahlen hingegen sind konkret: 774 Mio. Euro Umsatz in Deutschland im Geschäftsjahr 2025, ein Plus von 32 Prozent, und damit über der eigenen Prognose von 750 Mio. Euro. Bis Ende des laufenden Jahres soll der Deutschland-Umsatz aufs Jahr hochgerechnet die Milliarde erreichen.

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Doch die bundesweite Verankerung kostet – und verändert den Dienst.

Die Lager. Allein das automatisierte Zentrum in Oberhausen hat rund 150 Mio. Euro gekostet. Weitere automatisierte Lager in Berlin und Hamburg sind in Planung. Genau diese Automatisierung ist für Muller die Voraussetzung dafür, dauerhaft profitabel zu arbeiten. (Auch hier ist man beim Konkurrenten Rewe inzwischen anderer Ansicht.)

Die Flotte. Rund 4.000 Fahrzeuge betreibt Picnic nach eigenen Angaben. Die Flotte kam bislang überwiegend vom französischen Kleinstfahrzeug-Spezialisten Goupil. Die nächste Generation wird aus Deutschland heraus aufgebaut: In Steinheim im Kreis Höxter fertigt der Fahrzeugbauer Spier – ein Familienunternehmen in vierter Generation mit rund 340 Beschäftigten, das seit 50 Jahren die Aufbauten für die braunen UPS-Transporter baut – Lieferwagen für Picnic. Die Basis kommt von MAN, Mercedes oder Iveco; Spier demontiert die Fahrzeuge komplett und baut sie mit eigenen Komponenten neu auf, berichtete die „Neue Westfälische“ (Abo-Text) Ende Juli. In Steinheim stehe bereits eine ganze Flotte neuer Picnic-Fahrzeuge bereit, für den Einsatz „in ganz Deutschland – und darüber hinaus“.

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Sie sind baugleich mit den Liefertarnsportern, die kürzlich auch schon im Supermarktblog Thema waren – allerdings in anderer Farbe: Die Picnic-Flotte am Berliner Stadtrand hat Aufbauten im bislang typischen Picnic-Weiß, die in Steinheim sind dunkelgrün.

Auf Supermarktblog-Anfrage hatte sich Picnic im Juni nicht genauer zu seiner Flottenstrategie äußern wollen. Größere Fahrzeuge kämen „insbesondere in ländlichen Regionen“ zum Einsatz, hieß es damals, der Picnic-typische G4 bleibe „weiterhin das zentrale Fahrzeug unserer Zustellflotte“; technische Angaben zur angekündigten neuen Generation werde man machen, „sobald die Fahrzeuge im operativen Einsatz sind“. Zumindest in Berlin sind sie das längst.

Damit konkretisiert sich, dass Picnic stärker an das Modell klassischer Lebensmittel-Lieferdienste heranrückt – etwa, indem künftig Fahrzeuge mit geräumigeren Kofferaufbauten zum Einsatz kommen, um längere Touren fahren zu können.

Finanziert wird beides aus einer Bilanz, die 2025 bei 1,9 Mrd. Euro Gruppenumsatz einen Nettoverlust von 272 Mio. Euro auswies, und aus den 430 Mio. Euro, die Edeka und weitere Gesellschafter im November nachgeschossen haben. Edeka soll inzwischen mit mehr als 30 Prozent an Picnic beteiligt sein.

In den Niederlanden hat Picnic 2025 erstmals einen operativen Gewinn erwirtschaftet: 4 Mio. Euro, bei knapp 1 Mrd. Euro Umsatz im Heimatmarkt.

Mehr über Picnic im Supermarktblog.

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