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Zahlreiche Stammkund:innen des Fuldaer Lebensmitteleinzelhändlers Tegut werden sich in Zukunft auf ein stark verändertes Einkaufserlebnis einstellen müssen, wenn sie ihrem bisherigen Stammmarkt treu bleiben wollen. Denn im Zuge der vom Bundeskartellamt genehmigten Übernahme durch Edeka soll ein Teil der 178 freigegebenen Standorte an die Discount-Tochter Netto (ohne Hund) weitergegeben werden.
Netto (ohne Hund) hatte zuletzt bereits erklärt, 57 bestehende und drei noch im Bau befindliche Tegut-Filialen zu integrieren. Insgesamt würden rund 1.200 Mitarbeiter:innen übernommen. Die Standorte sollten „schrittweise in das Netto-Filialnetz integriert werden“, erklärt eine Sprecherin.
Welche genau das sind, hat der Discounter bislang nur scheibchenweise verraten. Inzwischen ergibt sich aber ein Bild, das deutlich vollständiger ist.
Erste Neueröffnung schon im November?
Nach einer Supermarktblog-Recherche hat Netto (ohne Hund) 31 weitere Übernahme-Standorte konkretisiert. Auf Anfrage heißt es:
„Gerne bestätigen wir, dass alle von Ihnen genannten Standorte von Netto Marken-Discount übernommen und weiterbetrieben werden.“
Die 31 neu bestätigten Netto-(ohne Hund)-Standorte
Hessen: Amöneburg-Roßdorf, Bruchköbel-Niederissigheim, Dillenburg, Gemünden (Wohra), Gießen-Schlangenzahl, Ginsheim-Gustavsburg, Kelsterbach, Kronberg im Taunus, Mörfelden-Walldorf, Oberursel, Wiesbaden (2)
Thüringen: Amt Creuzburg (Mihla), Drei Gleichen (Wandersleben), Eisenach (2), Erfurt (2), Gotha-Siebleben
Bayern: Bad Neustadt an der Saale, Erlangen, Fürth, Hirschaid, Höchberg, München (3)
Baden-Württemberg: Heidelberg, Stuttgart (2)
Rheinland-Pfalz: Mainz-Finthen
Zusammen mit den 20 Märkten, die bereits aus Lokalmedien bekannt waren, sind damit 51 der 60 künftigen Netto-Filialen bekannt. In Medienberichten heißt es, dass die ersten Tegut-Märkte Anfang November schließen sollen. Danach wird umgebaut und umgeflaggt, meist innerhalb von ein bis drei Wochen. In Bad Nauheim soll Netto schon am 10. November eröffnen, weitere Standorte folgen bis Anfang Dezember.
Alle bisher bekannten Standorte, inklusive der 31 neu bestätigten, stehen in der Supermarktblog-Übersicht zur Tegut-Abwicklung, die laufend aktualisiert wird.
Innenstadt und Katzenberg
Regional liegt der Schwerpunkt klar in Hessen: 25 der 51 bekannten Netto-(ohne Hund)-Standorte liegen dort, allein sechs in Frankfurt am Main. Dazu kommen elf in Thüringen, neun in Bayern, fünf in Baden-Württemberg und einer in Rheinland-Pfalz.
Rund 20 der Märkte liegen in Großstädten, neben Frankfurt etwa in München, Stuttgart, Wiesbaden, Erfurt und Heidelberg. Darunter sind Lagen, in denen man nicht unbedingt einen Discounter erwartet hätte: der Anger und die Marktstraße in Erfurt, die Heidelberger Hauptstraße an der Uni, der Epinay-Platz im Zentrum von Oberursel.
Auf der anderen Seite stehen Kleinstädte und Gemeinden wie Amöneburg, Gemünden (Wohra), Drei Gleichen oder der Wintersportort Oberhof, wo Netto (ohne Hund) künftig die Nahversorgung übernimmt.
In manchen Städten bekommt der Discounter auch nicht den zentralen Tegut-Markt, sondern den im Stadtteil: in Gießen den in Schlangenzahl statt den in der Neustadt, in Mainz den am Katzenberg statt den in der Holzhofstraße.
Drei Ex-Basic-Märkte eröffnen als Discounter neu
Einen besonders harten Bruch erleben manche Kund:innen in München: Von den 17 Tegut-Märkten in der Stadt sind bislang zwar nur drei als künftige Netto-Filialen bekannt: in der Nymphenburger Straße, der Passauerstraße und der Richard-Strauss-Straße. Bei allen dreien handelt es sich aber um frühere Basic-Biomärkte, die von Tegut aufs eigene Supermarktkonzept umgestellt wurden – und nun als Discounter neu eröffnen sollen.
In der Richard-Strauss-Straße hatte Tegut ab April noch dazu ein dezidiertes Bio-Marktkonzept unter eigenem Namen getestet, um frühere Bio-Stammkund:innen wieder zurückzuholen (siehe Supermarktblog). Netto (ohne Hund) wird sich dort eine gänzlich neue Stammkundschaft erarbeiten müssen.

Was passiert mit Netto neben Netto?
Ebenfalls bemerkenswert sind (mindestens) zwei Fälle, in denen Netto (ohne Hund) einen Tegut-Markt übernimmt, der direkt neben einer eigenen Filiale liegt. In Ginsheim-Gustavsburg betreibt der Discounter bereits einen Markt in der Adam-Opel-Straße 8; der Tegut, der zu Netto (ohne Hund) werden soll, liegt gleich nebenan: Hausnummer 4–6. In Hirschaid sieht es ähnlich aus: Netto (ohne Hund) in der Bamberger Straße 12, Tegut ein paar Häuser weiter in der Nummer 18.
Was aus den bestehenden Netto-Filialen wird, kann das Unternehmen derzeit noch nicht sagen. Auf Supermarktblog-Anfrage heißt es:
„Zu den zwei von Ihnen angefragten Standorten können wir derzeit keine Aussage zur künftigen Entwicklung treffen. Sobald hierzu belastbare und kommunizierbare Informationen vorliegen, werden zunächst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie anschließend die Öffentlichkeit informiert.“
Aber klar ist: Zwei Netto-(ohne Hund)-Märkte in Sonderangebots-Rufweite wären selbst für einen Discounter mit sehr dichtem Filialnetz ungewöhnlich.
Niedrigpreise mit Bio-Option
In den jeweiligen Städten und Gemeinden sind nicht alle begeistert von den Plänen. In Mühlheim am Main haben sich laut „Offenbach-Post“ Bürger:innen gegen die Netto-(ohne Hund)-Pläne ausgesprochen. Die IHK sieht einen Verlust an Auswahl und Bio-Angebot. Dazu kommt, dass in Mühlheim schon der zweite Vollsortimenter verschwindet (zuerst ironischerweise: Edeka in 2024).
Netto (ohne Hund) dürfte darauf pochen, als Discounter mit der größten Sortimentsauswahl näher am Vollsortiment dran zu sein als andere Anbieter. Gleichzeitig kommuniziert man, „über 500 bio-zertifizierte Produkte“ der Eigenmarke „BioBio“ zu führen.
Mit der üppigen Bio-Markenauswahl, die Tegut bislang führte (der Bio-Umsatzanteil lag 2023 bei 27,9 Prozent), kann das aber freilich kaum mithalten. Selbst wenn man in der Zentrale entscheiden sollte, die Alnatura-Produkte, die derzeit in Berlin getestet werden (siehe Supermarktblog), in Zukunft bundesweit einzulisten.
Für Kund:innen heißt das an vielen Standorten: Niedrigpreise mit Bio-Option statt Supermarkt mit Bio-Schwerpunkt.
Ganz durch ist die Sache noch nicht
Rechtlich ist die Übernahme außerdem noch nicht endgültig abgeschlossen. Gegen die Freigabe des Kartellamts hat der Münchner Biohändler Vollcorner Beschwerde eingelegt, vor allem wegen der Münchner Standorte. Darüber muss das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden. Die Beschwerde hält die Übernahme nicht automatisch auf. Die Umbauten können also erst mal wie geplant laufen.
Offen sind derzeit noch neun Netto-(ohne Hund)-Standorte.
Wer weiß, welche Tegut-Märkte noch zu Netto (ohne Hund) werden, oder Neues zu den Nachbarfilialen hört: Hinweise gerne per E-Mail oder in die Kommentare. Die Standortübersicht wird laufend aktualisiert. Auch Hinweise zu weiteren Standort-Besonderheiten nehme ich dankend entgegen!
Großen Dank an Supermarktblog-Leser Christian S., von dem der entscheidende Recherche-Hinweis kam!
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