Sofortlieferdienst Wuplo stoppt den Betrieb in Berlin, GoPuff und Bolt Market in Lauerposition

Sofortlieferdienst Wuplo stoppt den Betrieb in Berlin, GoPuff und Bolt Market in Lauerposition

Foto/Screenshot [M]: Wuplo/Smb
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Nur wenige Monate nach dem Start macht Wuplo seinen Dienst in Berlin wieder dicht; andere Herausforderer von Gorillas & Co. drängen trotzdem auf den stark überhitzten Quick-Commerce-Markt.

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Genau so schnell wie in den vergangenen Monaten neue Sofortlieferdienste für Lebensmittel auf die Smartphones potenzieller Kund:innen drängten, konsolidiert sich der Markt gerade, zumindest im europäischen Ausland und in den USA. Dort waren zuletzt mehrere Quick-Commerce-Start-ups wieder verschwunden – entweder, weil sie von Konkurrenten gekauft und auf deren eigene Marken umgestellt wurden; oder, weil sie nicht von Konkurrenten gekauft wurden und die notwendigen Investments für den Weiterbetrieb nicht sicherstellen konnten.

Jetzt ist auch Deutschland an der Reihe: Am Donnerstag hat der erst im September des vergangenen Jahres gestartete Schnelllieferdienst Wuplo bekannt gegeben, seinen Service zum morgigen Freitag stoppen zu wollen. Offiziell ist von einem „Service Freeze“ die Rede.

Dabei war der Dienst vor wenigen Monaten noch mit großen Ambitionen gestartet. Aus dem Lager in Berlin-Charlottenburg wollte Wuplo Kund:innen in der ganzen Stadt bedienen, zunächst mit unterschiedlichen Lieferzeiten zwischen 10 und 60 Minuten. Später sollten alle Bezirke für zeitnahe Lieferungen innerhalb des versprochenen 15-Minuten-Zeitfensters erschlossen und in weitere europäische Städte expandiert werden.

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Wuplo wurde von einem Team um Sergey Schetinin gegründet, der bereits in Moskau den Lieferdienst „FamilyFriend“ gegründet hatte. Ob die Neugründung ihren Dienst einstellen muss, weil aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine und der in diesem Zusammenhang verhängten Sanktionen notwendige Investments fehlen – ähnlich wie es dem US-Anbieter Buyk gerade zum Verhängnis ist geworden ist –, ist unklar.

Rabatte und Liefereinschränkungen

Dass sich Änderungen für Wuplo ergeben würden, hatte sich — wie an dieser Stelle berichtet – bereits in der vergangenen Woche abgezeichnet, als Kund:innen 40 Prozent Rabatt auf sämtliche verfügbaren Waren im Sortiment erhielten und pauschal Lieferverspätungen angekündigt wurden. Am Wochenende war zudem das Liefergebiet innerhalb der Stadt deutlich eingeschränkt wurden; seitdem wird nur noch im Westen Berlins ausgeliefert.

In der App (und ähnlich auf Instagram) heißt es:

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„Wir danken dir für dein Vertrauen, bei Wuplo zu bleiben.“

Die Frage, ob und wie es weitergehen soll, lässt die vom Unternehmen beauftragte Presseagentur zunächst offen, eine Sprecherin erklärt:

„Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich Ihnen nur bestätigen, dass Wuplo sich derzeit vom deutschen Markt zurückzieht.“

Mit dem Stopp verliert zudem Lieferando einen seiner erst vor kurzem angekündigten Partner für die Zustellung von frischen Lebensmitteln, die man eigentlich stark ausbauen wollte. Davon ist bislang jedoch wenig zu sehen (siehe Supermarktblog vom Sonntag).

Den Wind aus den Speichen genommen

In den USA hatte zuletzt außer Buyk auch Fridge No More, ebenfalls in New York City aktiv, seinen Dienst eingestellt – wie CNN berichtet, nachdem Gespräche für eine Übernahme von Standorten durch den Allesliefer-Rivalen Doordash gescheitert waren, der zuvor mit einer Brückenfinanzierung eingesprungen sein soll.

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In Großbritannien sind die beiden Sofortliefer-Start-ups Dija und Fancy vom US-Anbieter GoPuff übernommen worden, der den Betrieb nun unter eigenem Namen weiterführt; Getir aus der Türkei hatte sich – ebenfalls in Großbritannien – Weezy geschnappt; und gerade ist die Übernahme von Frichti in Frankreich durch Gorillas bestätigt worden.

Dass ein Anbieter nach dem nächsten den Wind aus den Speichen genommen bekommt, heißt aber noch lange nicht, dass der Quick-Commerce-Hype vorbei wäre. Im Gegenteil: Getir hat gerade neues Kapital erhalten, um weiter zu expandieren, und wird nun mit 11,8 Milliarden US-Dollar bewertet. In Deutschland ist das in Istanbul gegründete Vorbild für Gorillas & Co. nach seinem Start in Berlin inzwischen auch in Teilen von Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München und Nürnberg aktiv.

GoPuff und Bolt Market melden Interesse an

Und die nächsten Anbieter stehen bereits Schlange: Der aus Estland stammende Anbieter Bolt ist in Deutschland bereits mit seiner in Konkurrenz zu Uber sehenden Fahrtenvermittlung und seiner E-Scooter-Vermietung aktiv. Derzeit werden in ganz Europa zudem Team-Mitglieder für den Auf- und Ausbau eigener „Darkstores“ für Bolt Market gesucht; zu den auf bolt.eu genannten Standorten gehört auch Berlin.

GoPuff entschuldigt sich fürs Nochnichtverfügbarsein; Screenshot: Smb

Allerdings hatte Bolt im vergangenen Jahr auch schon Stellen für den Start des Ablegers Bolt Food (zur Lieferung von Restaurantessen) für den deutschen Markt ausgeschrieben. Passiert ist danach erstmal – nichts.

Mit GoPuff steht zudem ein weiteres Liefer-Schwergewicht in den Startlöchern für Deutschland: Die Amerikaner sind nach ihrer Gründung 2013 inzwischen in 650 US-Städten aktiv, zuletzt auf den britischen Markt gestürmt und haben mit der Gobrands Germany GmbH in Frankfurt am Main hierzulande eine eigene Gesellschaft gegründet. Zuletzt sollen bereits Lieferantengespräche für den Start geführt worden sein. Website und App sind bereits größtenteils ins Deutsche übersetzt und versprechen:

„Tägliche Essentials, in Minuten geliefert“

Liefergebühr unter 2 Euro bleibt wohl Standard

Über die Höhe der Liefergebühren scheint sich GoPuff auf dem europäischen Festland noch nicht so ganz mit sich selbst einig geworden zu sein. Auf der Startseite wird eine Zustellung „für nur €1,95“ angekündigt, in den FAQ ist derweil von 1,79 Euro die Rede (bei einem etwas albernen Mindestbestellwert von 10,95 Euro).

Deutsch kann gopuff.com schon; Screenshot: Smb

Außerdem sollen offensichtlich für Alkohol-Lieferungen 2 Euro extra berechnet werden – wegen der „Kosten, die für die ordnungsgemäße Lieferung von Alkoholprodukten und die Überprüfung des Personalausweises anfallen“. Was angesichts der Konkurrenz aber sehr mühsam umzusetzen sein dürfte, falls es denn in der Lieferpraxis tatsächlich dazu kommt.

(Kann aber natürlich sein, dass auch bloß die bzw. der Übersetzer:in bei der Arbeit grob von den US-Beträgen auf- und abgerundet hat.)

Der Quick-Commerce-Markt ist also weiter stark in Bewegung – zumal sich bei vielen Anbietern mittlerweile konzeptionelle Schwerpunktverlagerungen abzeichnen, die nicht mehr alleine auf die ultraschnelle Lieferung zielen, um langfristig Gewinne einzufahren.

Mehr dazu steht demnächst hier im Blog.

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