Der Draußenkühlschrank: EmmasBox will Abholstationen für Lebensmittel bauen

Der Draußenkühlschrank: EmmasBox will Abholstationen für Lebensmittel bauen

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Wie lässt sich die Online-Bestellung von Lebensmitteln (siehe Supermarktblog) so verbessern, dass sie den Kunden tatsächlich das Einkaufen erleichtert?

In München arbeitet ein Team von Hochschulabsolventen an einer neuen Lösung, bei der die Kunden ihren Einkauf aus öffentlich zugänglichen Kühlboxen abholen. (Mit Unterstützung des Zentrums für Innovation und Unternehmertum der TU München, Förderunterstützung der EU sowie mittelständischen Partnern aus der Industrie.) Das Projekt heißt: EmmasBox. Im Supermarkblog erklärt Gründer Michael Reichelt, wie es funktionieren soll.

Entwurf der EmmasBox-Abholstation / Copyright: EmmasBox

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Herr Reichelt, Sie wollen eine Art Packstation für Lebensmittel bauen, ist das richtig?

Michael Reichelt: Ja. Der Prototyp ist in der vergangenen Woche fertig geworden. Dahinter steckt die Idee, dass viele Leute nicht vor 19 oder 20 Uhr aus dem Büro kommen, sich am anderen Morgen ärgern, weil beim Frühstück schon wieder die Milch fehlt – und wir uns gedacht haben: Das muss sich ändern lassen.

Dafür gibt’s doch schon die Lieferservices der Lebensmittelhändler.

Wir glauben aber, dass die Menschen ihre Einkäufe lieber abholen. Die Zustelldienste sind zwar beweglicher geworden, aber auch zweistündige Zeitfenster am Abend finden viele Kunden lästig. Man kann ja zwischendurch nicht mal duschen gehen, weil oft genau dann der Zusteller mit dem Paket klingelt. Außerdem mag niemand haufenweise Trockeneis nachhause geliefert kriegen. EmmasBox läuft mit einer Kühltechnik, die die Waren frisch hält, bis der Kunde sie abholt. Das ist, wie wenn Sie daheim den Kühlschrank aufmachen.

Dadurch entfällt aber der Vorteil, den Einkauf nachhause gebracht zu kriegen. So muss ich ja doch wieder schleppen.

Es wird, wenn der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland mal funktioniert, viele verschiedene Modelle geben. EmmasBox richtet sich an diejenigen, die bis zur letzten Sekunde flexibel bleiben wollen – und nicht irgendwann nachhause hetzen, um das vereinbarte Lieferfenster abzusitzen.

Mit welchen Anbietern soll das System funktionieren?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Wenn ein Händler bereits einen eigenen Lieferservice hat, kann er bei uns eine Box kaufen und sich im eigenen Design vor den Laden stellen. Dann muss die Abholoption nur noch in den Bestellablauf integriert werden. In Deutschland gibt es aber auch viele selbstständige Kaufleute, die noch unerfahren mit dem Online-Handel von Lebensmitteln sind und hohe Investitionen scheuen. Denen bieten wir an, dass sie von uns eine Box kriegen und wir auf emmasbox.de ein gemeinsam erarbeitetes Sortiment in einem Shop online bringen. Der Händler muss dann nur noch die Produkte zusammenstellen. Und die Kunden kriegen einen QR-Code aufs Handy, mit dem sich das Paket abholen lässt.

Warum vermieten Sie die Fächer nicht einfach?

Das wäre denkbar. Aber wir wollen uns natürlich vom Wettbewerb abheben. Und wir glauben, dass es wichtig ist, den Kunden einen ‚runden‘ Service zu bieten. Außerdem wird es wenig bringen, einem unerfahrenen Kaufmann einfach eine Box aufzubauen und ihn dann damit alleine zu lassen.

Was wird der Service kosten?

Ob die Nutzung von EmmasBox etwas kosten wird, hängt letztlich vom Betreiber ab.

Und wie wollen Sie die Händler davon überzeugen, dass sich das lohnt?

Die Händler haben den Vorteil, dass sie zusätzlichen Umsatz machen. EmmasBox kriegt eine Provision, um die Kosten zu decken. Die Boxen bleiben bei diesem Modell aber unser Eigentum, der Händler muss nichts weiter investieren.

Wie sieht so eine Box denn aus? Muss die nicht riesig sein, damit ein ganzer Einkauf reinpasst?

Das kommt ganz darauf an, wie groß der Händler sie haben will. 30 bis 50 Fächer wären bei einem Standardmodell realistisch. Außerdem lassen sich unterschiedliche Klimazonen auf eine Temperatur von -20 bis +20 Grad einstellen. Technisch wäre es also auch möglich, Tiefkühlware einzulagern. Die macht im Schnitt aber nur 5 Prozent des Umsatzes der Händler aus. Da muss jeder Partner überlegen, ob sich das lohnt.

Und die Produkte, die nicht gekühlt werden müssen, belegen dann extra Fächer?

Die können in der Regel in denselben Karton. Den meisten Artikeln schadet es nicht, wenn sie für einige wenige Stunden gekühlt werden. Im Winter müssen wir die Fächer auch geringfügig heizen, damit die Ware nicht einfriert. Aber das ist gar nicht so dramatisch, weil ein großer Teil der Abwärme von den Aggregaten dafür genutzt werden kann, und die Box sehr stark isoliert ist.

Steht schon fest, wann die erste EmmasBox aufgestellt werden kann?

Wir führen Gespräche mit Logistikern und Einzelhändlern. In Deutschland gibt es bisher noch keine Kooperation. Im europäischen Ausland gibt es bereits Interessenten und wir können, wenn alles gut läuft, bis Mitte des nächsten Jahres loslegen.

Abbildung: EmmasBox

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15 Kommentare
  • Meine Lebensmittel hole ich in der EmmaBox ab, meine DHL-Pakete in der Packstation, zum schlafen gehe ich in die IKEA-Box, willkommen in der Lego-Zukunft.

    Die einzigen Gegenden wo sich Leute finden die Hip genug sind eine EmmaBox zu benutzen sind doch die Grossstaedte, und dort gibt es genuegend Supermaerkte die lange genug auf haben (ausser vielleicht Muenchen). Aufm Land kann man sich die Sachen vom oertlichen Markt auch einfach vor die Tuer stellen lassen, ganz ohne Box.

  • Da hab ich auch so meine Bedenken. Wenn ich ohnehin zur Lebensmittel-Packstation muss, um meine Milch zu holen, kann ich auch gleich zum 24-Uhr-Rewe gehen. Da muss ich auch nix vorbestellen.

    Bringt also eigentlich nur auf dem platten Land was, wo die Supermärkte zu indiskutablen Zeiten wie 20 Uhr oder noch früher schließen. Aber da werden die sich erst recht nicht rechnen, weil zu große Entfernungen und zu wenig potentielle Nutzer. Oder?

    Die erfolgversprechendere Strategie für die Supermarktbetreiber scheint mir zu sein, an ihren Lieferzeitfenstern und Vorlaufzeiten für die Internetbestellung zu arbeiten, und das geschieht ja gerade schon.

    • In Bayern ist Ladenschluss um 20 Uhr. In Österreich machen die Supermärkte auch recht früh zu, ohne dass ich da die gesetzliche Grundlage dazu kenne. Auch in Helsinki stand ich schon vor geschlossenen Supermarkttüren zu mMn relativ üblichen Zeiten.
      Es gibt also genug Gegenden wo die Ladenöffnungszeiten noch nicht so ausgeweitet sind.

  • Ich habe eine bessere Idee: Die begehbare Lebensmittel-Abholstation. Einen Namen dafür habe ich auch schon: „Supermarkt“. Man müsste diese „Supermärkte“ nur noch an gut erreichbaren Orten in allen Stadtvierteln aufstellen… (pardon, Land- und Bayernbewohner).

  • Wer von morgens um sieben bis abends um acht arbeitet und daher weder morgens (= vor der Arbeit), noch mittags (= Mittagspause), noch abends (= auf dem Heimweg) einkaufen kann und das an sechs Tagen in der Woche (= Mo – Sa) braucht auch keine Lebensmittel. Der sollte sich lieber erschießen, weil er ohnehin nichts mehr vom Leben hat als die Arbeit.

  • Irgendwie ist klar, dass so eine Idee nur aus München kommen kann, wo die Supermärkte um 20 Uhr schließen. In Berlin kann ich mir das nicht vorstellen.

  • Liegt die Zukunft nicht eher bei Convenience Stores und weniger als bei klassischen Supermärkten mit Boxen? (Nur die Ladenöffnungszeiten in einigen Bundesländern sprechen dagegen.)
    In vielen Ländern haben sich Ketten wie Seven Eleven durchgesetzt. Fast alles kann dann rund um die Uhr eingekauft werden.

  • Also ich arbeite nicht rund um die Uhr, fände den Service aber sehr interessant. Ich verbringe die Zeit die ich mit dem „Drumherum“ im Supermarkt spare, dann lieber beim Sport. Und etwas nur abzuholen, oder einen kompletten Einkauf im Supermarkt zu erledigen, ist schon noch ein Unterschied.

  • Auf der IFA gab’s in der Vodafone-Halle sowas ähnliches in Mustervorführung von Emmas Enkel. Funktionierte mit Smartphone und mpay (also Zahlen per NFC) und abgeholt wurde es dann am anderen Ende der Halle an einer Fake-Packstation. Aber so ganz verstanden habe ich das Konzept nicht und es wollte mir auch niemand wirklich erklären.

    Hängt das irgendwie mit EmmasBox zusammen?

  • Hm, ich war mit exakt der gleichen Idee und noch einigen kleinen Zusatzfunktionen sowie komplettem Business Plan Ende 2012 wegen einem Exist Stipendium beim Gründerzentrum der RWTH Aachen…da hat man mir dann gesagt, dass Geschäftsmodell ist noch nicht so richtig durchdachte und daraus wurde dann nichts. :/

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