Jetzt mit Back-Stein-Design: Penny tauft seinen Brötchenknast

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Entschuldigen Sie bitte, wenn’s schon wieder um das Aufbacktheater geht, das Discounter und Supermärkte seit geraumer Zeit in ihren Läden veranstalten. Aber die Backchronistenpflicht erfordert Vollständigkeit. Erst recht, wenn es um Rewes Aufholdiscounter Penny geht, der ja immer noch dabei ist, seine Läden aufs neue, schnörkellose Design umzustellen, damit er der Konkurrenz endlich mal ein bisschen gefährlich werden kann.

Mit den bisherigen Backstationen ist die Rechnung aber wohl nicht aufgegangen. Gegen die bei Lidl eingeführten XXL-Brötchenknasts und die Backstubenprosa von Netto (ohne Hund) sahen die Theken von Penny recht schlicht aus. Deshalb wird jetzt zurückgeschnörkelt, was die Stulle hält.

Aus Grau wird Creme: Schnörkelumschwung bei Pennys Brötchenknast

Der kompletten Regalreihe mit Brot und Brötchen inklusive Backstation ist das neue Konzept „Bäckerkrönung“ übergestülpt worden („Lassen Sie sich doch in Ihrem Penny-Markt mal wieder vom warmen Backstubenduft zu einem knusprigen Brot verführen!“; Werbespot ansehen).

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Es scheint daraus zu bestehen, die anthrazitfarbene Wandgestaltung durch ein hell-beiges Back-Stein-Relief zu ersetzen, das von einem Holzrand eingerahmt wird und in der Mitte auf einem hölzernen Schild das neue Logo stehen hat: eine mutierte Brezel, die sich in eine grantelige Wolke verwandelt, wenn man zu lange hinsieht. (Vergleichen Sie selbst: vorher/nachher.)

Daneben hängt auf einem weiteren Schild „Unser Versprechen“:

„Hergestellt in Deutschland
Bestes aus der Natur
Ohne Zusatz von Konservierungsstoffen“

Penny verspricht seiner Kundschaft also das, was die schon bisher erwartet haben könnte. Um noch mehr Eindruck zu schinden, ließe sich die Liste beliebig mit weiteren Selbstverständlichkeiten erweitern:

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„Essbar, weil ohne Glasscherben
Nicht übermäßig gefärbt
Von Natur aus ungiftig“ (usw.)

In dem (von mir besuchten) frisch umgebauten Laden war die Änderung deshalb besonders auffällig, weil das Sortiment an die Stirnseite des Markts verlagert wurde, wo üblicherweise die Kühltheken stehen. (Kann aber sein, dass das bautechnisch bedingt war.) Sogar die Märkte, die schon längst aufs neue Penny-Design umgestellt waren, sind noch eimal umgebaut worden. Das kostet. Penny muss es ernst sein mit dem Mini-Strategieschwenk.

Das komplette Backsortiment heißt jetzt "Bäckerkrönung" und hat passend dazu ein Back-Stein-Design verpasst bekommen

In jedem Fall heißen nun auch die Eigenmarkenbackwaren des Discounters „Bäckerkrönung“, und abgesehen davon, dass das einem ärgerlichen Rückfall in frühere Fototapetenzeiten nahekommt, ist nun wohl endgültig entschieden: Im deutschen Aufbackhandwerk besteht ab sofort ein Zwang, seinem Brötchenknast einen Rufnamen zu geben. Edeka, Netto (ohne Hund) und Penny sind jetzt versorgt. Mit Spannung erwarten wir nun, was Aldi und Lidl unternehmen. „Back-o-thek“? „Backeria“? „Back-around-the-clock“?

Vorschläge werden in den Kommentaren entgegengenommen.

Fotos: Supermarktblog

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26 Kommentare
  • „Eine mutierte Brezel, die sich in eine grantelige Wolke verwandelt, wenn man zu lange hinsieht.“
    *prust* großartig beobachtet. Künftig sehe ich dort nur noch eine grantige Wolke.

  • Mit Spannung erwarten wir nun, was Aldi und Lidl unternehmen. “Back-o-thek”? “Backeria”? “Back-around-the-clock”?

    Auja, bitte noch ein Brötchen-Anglizismus. Ich freu mich schon immer, wenn ich „Backshop“ oder „Backstop“ lese, und mit dann denke „Ich habe Rücken – da bereits heute morgen besorgt.

  • „Backparadies mit rotwangigen Bäckerinnen und fröhlichen Bäckern, die lustig in Handarbeit jedes Brot einzeln streicheln“ wäre ein netter realistischer Name.
    Unser Lidl hat seinen Brötchenknast vor kurzem erneuert, wirkt etwas weniger steril und hat – glaube ich – größere Zellen.

  • Back & Pack – Stulleria – Carbothek – Muttis Beste – Back2go –
    die die knackig aussehen und stundenlang im Magen liegen –
    Ich back’s net – Brot & Brötchen –

    • Penny-Chef Jan Kunath meinte im vergangenen Jahr, der Wunsch nach geschnittenem Brot sei regional sehr unterschiedlich ausgeprägt und man stelle, wegen der Anschaffungskosten, nur dort welche auf, wo es tatsächlich eine Nachfrage gibt. (Wie die ermittelt wird, weiß ich freilich nicht.)

  • […] Im Bröt­chen­knast: Der Dis­coun­ter Penny ver­passt sei­ner Back­sta­tion ein Face­lif­ting samt neuem Namen — „Bäcker­krö­nung“. Dane­ben ver­si­chert ein Schild: „Her­ge­stellt in Deutsch­land / Bes­tes aus der Natur / Ohne Zusatz von Kon­ser­vie­rungs­stof­fen“, doch genauso gut könne man dies durch „Ess­bar, weil ohne Glas­scher­ben“ erset­zen, schreibt Peter in sei­nem bis­si­gen Arti­kel im Super­markt­blog. Super­markt­blog […]

  • So ne Schneidemaschine kann doch recht gefährlich sein, wenn ich
    sehe wie verzweifelt manche Rentner schon am Brötchen rausholen
    scheitern

  • Eure Interpretation des Logos ist echt gruselig, zu erkennen ist dort nämlich nur eines:
    Ein pausbackiges Alien, mit weit nach außen liegenden Augen und runtergezogenen Lippen!
    So sehen Aliens nach dem Verzehr von Bäckerkrönungs Produkten aus!

  • Schlimm wie die Discounter inzwischen alles an sich reißen wollen. Egal ob Fashion, Gartenartikel oder eben Backwaren – da wird überhaupt kein Unterschied mehr gemacht – Hauptsache man greift nach jedem Strohhalm und verramscht Dinge zum kleinen Preis, die ehemals Traditionsbetrieben vorbehalten waren. Hat jetzt vielleicht nicht so viel mit dem Inhalt des Artikels zu tun, aber ich musste das mal los werden. Erst neulich habe ich eine total groß aufgezogene Werbekampagne eines Discounters gesehen, wo es um Sport(s) Fashion ging und ich dachte: „Oh, was ist das denn Tolles?“ …wenn Penny Markt oder Lidl plötzlich Werbung für Mode machen, läuft doch irgendwas schief.

    • Aldi war schon vor 15 Jahren der 8.-größte Textileinzelhändler Deutschlands mit dem gleichen Umsatz wie heute, und schrumpft inzwischen auf dem Sektor. Rewe und Edeka sind seither sogar total marginalisiert worden; bloß Lidl wächst da noch. Außerdem ist das überwiegend ziemlich teure Ware, und KiK, H&M oder SB-Warenhäuser sind auch nicht viel traditioneller. Der alte Zustand ist inzwischen seit einem halben Jahrhundert Vergangenheit, und da hats vorher schon die Kaufhäuser gegeben, die auch alles an sich gerissen haben.

      http://www.textilwirtschaft.de/business/TW-Ranglisten-Einzelhandel_79023.html

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