Lidl baut jetzt keine Läden mehr, sondern Raumschiffe aus Glas

Lidl baut jetzt keine Läden mehr, sondern Raumschiffe aus Glas

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Den Vorwurf, mit seinen Läden ästhetische Umweltverschmutzung zu betreiben, will sich Lidl nicht mehr länger gefallen lassen. In Großbritannien hat deshalb jetzt der erste „Lidl of the Future“ eröffnet, ein Vorbild für alle übrigen Filialen. Kleiner Blick ins gläserne Discount-Raumschiff gefällig?

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Ständig steht in diesem Blog was darüber, wie die Discounter moderner werden, um ihren Kunden zu gefallen. Natürlich handelt es sich dabei um eine gemeine Realitätsverzerrung. Weil die meisten Kunden beim Einkaufen immer noch eine ganz andere Wirklichkeit vor Augen haben. Deshalb gibt’s jetzt hier – die Top 3 der hässlichsten Lidls in Großbritannien!

Platz 3 der Top 3 der hässlichsten Lidls in Großbritannien gehört dieser vollständig metallisolierten Dunkelkammer, die im Innern vermutlich niemals ein Mobilfunkempfangssignal auf einem Smartphone-Display gesehen hat. Dafür kann sie ein Parkplatzmarkierungsmuster vorweisen, das bei empfindlichen Kunden zu anhaltenden Sehstörungen führen dürfte.

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Traditionsbewusst backsteinverkleidet gibt sich dieses Discount-Kunstwerk, das deutsche Kunden in vielerlei Hinsicht an ihre eigene Lidl-Filiale erinnern dürfte – Platz 2 der hässlichsten Lidls in Großbritannien!

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Ganz eindeutig der erste Platz in den Top 3 der hässlichsten Lidls in Großbritannien gebührt jedoch dieser Beton-Garage, die ihre Kunden mit dem aktuellen Lidl-Motto #LidlSurprises empfängt.

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Lidl surprises nämlich stets aufs Neue mit den abgerocktesten Einkaufsschuppen, die man sich so an Stadtränder und in Industriegebiete hinein imaginieren kann.

Also: bis jetzt.

* * *

Seit der vergangenen Woche will der Neckarsulmer Traditions-Discounter den Vorwurf der ästhetischen Umweltverschmutzung nämlich nicht mehr auf sich sitzen lassen. Deshalb hat im Städtchen Rushden (Northamptonshire) der erste „Lidl of the Future“ in der Gegenwart eröffnet, kurz: „LOF“.

Seit der Ankündigung des Unternehmens, dass es sich dabei um ein Vorbild für alle übrigen Läden (quasi die LOP, „Lidls of the Past“) handeln soll, knallen in der britischen Fensterputzindustrie die Sektkorken – denn der LOF sieht aus wie ein Glasraumschiff, dem man bloß noch Triebwerke anschrauben müsste, damit es davon fliegen kann. Und das regelmäßig doll fenstergeputzt werden muss.

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Die 1400 Quadratmetern sollen belegen, dass es jetzt wirklich ein für alle Mal vorbei ist mit dem Schrabbel-Design. Wie in den Grauen Lidls in Deutschland tauchen die beiden bisherigen Grundfarben Blau und Gelb nur noch im Logo auf.

Am deutlichsten ist das erneut an den Kassen zu sehen, die außerdem eine rechteckige Form bekommen haben und zum ersten Mal eine Auffangfläche für abgescannte Waren bieten, damit Kunden ihren Einkauf nicht sofort zurück in den Wagen schaufeln müssen – eine Discount-Revolution.

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Flure und Regale unterscheiden sich gar nicht so sehr vom bisherigen Standard. Die Gänge sollen aber breiter sein als bisher. Und durch die viel höhere Decke und die grauen Wände mit den Sortimentswegweisern in dünner weißer Schrift sieht der Laden viel großzügiger aus. (Aldi hat’s in Australien vorgemacht.)

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Die größte Veränderung betrifft aber den Eingangsbereich, der Kunden nicht mehr durch eine enge Schleuse (und wie bis vor kurzem noch durch die berühmten Personenvereinzelungsanlagen) führt, sondern in einer Art Foyer mit Lounge-Lampen willkommen heißt.

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Dazu gibt es einen Babywickelraum, Kundentoiletten und – wichtig für die Anlieferung des größer werdenden Sortiments – größere Lagerflächen. Und wenn die lichtscheuen Lidl-Kunden im Laden zu sehr von der Sonne geblendet werden sollten, werden automatisch die Jalousien runtergelassen.

Sieht dann halt im Zweifel am helllichten Tag ziemlich zu aus der Laden, so wie Aldi in Köln-Butzweiler Hof:

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Lidl behauptet, mit dem moderneren Design die Effizienz seines Geschäftsmodells nicht nur beibehalten, sondern verbessern zu können – wie genau das geht, wenn statt Betongaragen plötzlich Glaspaläste gebaut werden, erklärt das Management leider nicht. Bloß, dass alleine in London 281 neue Filialen eröffnen werden und für die kommenden Jahre über 2 Milliarden Euro investiert werden sollen.

Ein paar Triebwerke für jeden Laden dürften da ja wohl locker mit drin sein.

Fotos: Courtesy of Lidl UK (6), Supermarktblog (3)

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