Endlich Supermarkt-Eigentümer! So profitiert Amazon sofort von der Whole-Foods-Übernahme

Endlich Supermarkt-Eigentümer! So profitiert Amazon sofort von der Whole-Foods-Übernahme

Inhalt:

Kaum ist Amazon neuer Eigentümer der amerikanischen Supermarktkette Whole Foods, werden die ersten Preise gesenkt. Aber nicht nur die Kunden, sondern vor allem Amazon selbst profitiert massiv von dem Neuerwerb.

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Keine 24 Stunden nachdem die Kartellwächter der amerikanischen Federal Trade Commission die Übernahme genehmigt hatten, erklärte Amazon Ende der vergangenen Woche erstmals, was der Konzern mit der Supermarktkette Whole Foods vorhat. Ab diesem Montag gibt es Preissenkungen für zahlreiche Lebensmittel (u.a. Bananen, Avovcado, Eier, Lachs, Grünkohl, Fleisch, Äpfel, Hühnchen, Butter)

Darüber hinaus will Amazon sein Prime-Programm als neues Bonussystem in den Läden etablieren und Mitgliedern Preisreduktionen bzw. „andere Vorteile im Laden“ bieten.

Aber nicht nur die Kunden, auch Amazon selbst profitiert massiv von dem Neuerwerb:


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1. Glücklichere Stammkunden

Laut Marktforschungsinstitut GfK sind viele Whole-Foods-Kunden auch Amazon-Kunden: 74 Prozent haben innerhalb des Erhebungszeitraums mindestens einmal bei Amazon bestellt. (Bei Nicht-Whole-Foods-Kunden liegt der Wert nur bei 49 Prozent; via Retail Dive) Wenn Amazon die Vorteile beider Angebote kombiniert und den Bestandskunden den Einkauf dadurch noch ein bisschen angenehmer gestaltet als bisher, dürfte sich deren Loyalität zu den beiden Händlern massiv verstärken – genau das, was Amazon bei der Entwicklung neuer Services auch sonst zur Priorität macht. Bereits angekündigt ist, dass Locker-Abholstationen in den Supermarktfilialen aufgestellt werden.

2. Ein riesiges Snack-Reservoir

Schnelligkeit gehört zu den wichtigsten Vorteilen neuer Amazon-Dienste: Per Prime Now kriegen Kunden innerhalb kürzester Zeit Artikel geliefert, die sie sofort brauchen. Und an amerikanischen Universitäten testet Amazon aktuell „Instant Pickups“, die Abholung per App bestellter Waren – nach gerade einmal zwei Minuten (via Reuters). Das ist nützlich, wenn man schnell ein Kabel benötigt, oder kurzentschlossen einen neuen Kindle mit in den Urlaub nehmen möchte.

Noch viel praktischer ist’s aber, direkt das Mittagessen dazu liefern zu lassen. Für Schnellbesteller dürfte eine ansprechende Snack-Auswahl zukünftig ähnlich wichtig sein wie der Zugriff auf Technik-Bestseller. Genau die hat Whole Foods parat:

3. Größeres Lieferpotenzial

Whole-Foods-Kunden sind es längst gewöhnt, sich online bestellte Supermarkteinkäufe nachhause liefern zu lassen. Für Amazon ist das eine ideale Grundlage, die eigenen Lebensmittel-Lieferambitionen auszuweiten – und sich nebenbei womöglich einen lästigen Wettbewerber vom Hals zu schaffen.

Denn bislang kooperiert Whole Foods für die Lieferung mit dem Amazon-Konkurrenten Instacart (an dem die Handelskette auch beteiligt ist).

Das dürfte sich ändern, wenn Whole Foods künftig direkten Zugriff auf Amazons eigene Schnelllieferdienste hat – und wäre zugleich die Gelegenheit, die Kommissionierung der Online-Bestellungen zu professionalisieren. Zum Beispiel, indem man sie künftig nicht mehr durch Kellerverschläge mit Fahrstuhl jagt, wie das derzeit in engen Stadtfilialen der Fall ist.

Egal, wie der Lieferdienst heißt, der künftig die Whole-Foods-Einkäufe nachhause bringt: Die Schilder im Laden können einfach hängen bleiben, bloß die Webadresse delivery.wfm.com braucht ein Update.

4. Glaubwürdigkeit

Mit seinem Ansatz, natürlich produzierte Lebensmittel ohne Zusatzstoffe aus transparenter Herkunft zu bieten, verfügt Whole Foods über etwas, das Amazon dringend gebrauchen kann: Glaubwürdigkeit.

Weil diese Glaubwürdigkeit entscheidend für die Beziehung zu den Kunden ist, legt sich Whole Foods dafür mächtig ins Zeug.In den Läden geht das so weit, dass man während des Einkaufs dem Schlachter dabei zusehen kann, wie er hinter Glas die Ware für die Fleischtheke nebenan herstellt.

Ob diese Offenheit, die von vielen Kunden geschätzt wird, auf den neuen Eigentümer abfärben kann, ist allerdings ungewiss: Transparenz ist so ziemlich das einzige, das Amazon bislang weltweit nicht im Angebot hat.

5. Eigenmarken für alle

In Deutschland schließt Amazon Allianzen mit kleineren Händlern, für die der Einstieg ins Online-Geschäft auf eigene Kosten nur schwer zu bewerkstelligen wäre und profitiert von deren Markensortiment (siehe Supermarktblog). In den USA kann Amazon ab sofort auf ein riesiges (und vor allem: längst etabliertes) Eigenmarkensortiment zugreifen – ganz ohne neue Allianzen schließen zu müssen. Dass es die Whole-Foods-Produktlinien (u.a. das Einstiegs-Bio „365 Everyday Value“) künftig über alle Amazon-Plattformen hinweg zu kaufen geben wird, steht schon fest.

Mit dem Neuerwerb verfügt Amazon außerdem auf eine Schlag über Lieferantenstrukturen, die auch dem eigenen Lebensmittel-Lieferdienst Fresh zu Gute kommen werden.

Zumindest muss sich dort künftig niemand mehr den Kopf zerbrechen, wo zum Start von Fresh in neuen Liefergebieten der frische Fenchel, Mangold und der Sellerie herkommen sollen.

Eine ausführliche Analyse der Beziehung zwischen Amazon und Whole Foods ist Ende Juni im Blog erschienen:

Fotos: Supermarktblog"

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3 Kommentare
  • Mit der Übernahme von WholeFoods macht Amazon vor, wie der Stationärhandel sinnvoll mit dem Onlinehandel verknüpft werden kann. Ich bin einmal gespannt, wie Amazon das in Europa,respektive Deutschland umsetzen wird. Handel ist Wandel und bleibt weiter spannend.
    Gruß M.Eßlage

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