Nachhilfe-Service für Supermarktbetreiber: Deliveroo verstehen – in nur 3 Minuten

Nachhilfe-Service für Supermarktbetreiber: Deliveroo verstehen – in nur 3 Minuten

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In 200 Städten liefert Deliveroo hungrigen Kunden, die keine Lust auf Selberkochen haben, Restaurant-Essen nachhause. Und sorgt selbst dafür, dass die Nachfrage weiter steigt – auch auf Kosten des Lebensmitteleinzelhandels.

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Was ist Deliveroo?

Auf den ersten Blick: ein Lieferservice, der Leuten, die sich daheim auf der Couch festgetackert haben, das Essen aus ihrem Lieblingsrestaurant nachhause bringt, damit sie sich nicht selbst in die Küche stellen müssen.

Muss ich mich damit überhaupt beschäftigen? Ich hab echt anderes zu tun, mein Supermarkt läuft auch nicht von alleine.

Sie müssen gar nichts – falls Sie sich nicht dafür interessieren, warum künftig weniger Kunden zum Einkaufen in Ihren Laden kommen.

Schon gut, schon gut: Was genau ist Deliveroo?

Ein Gastronomie- und Supermarkt-Schreck, der vor allem im Lebensmitteleinzelhandel derzeit massiv unterschätzt wird, obwohl er dafür sorgt, Kundenverhalten nachhaltig zu verändern.

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Deliveroo wurde erst vor fünf Jahren – im Februar 2013 – vom (Ex-)Investment-Banker Will Shu in London gegründet. Heute ist das Unternehmen  bereits mit 25.000 Restaurant-Partnern in rund 200 Städten bzw. einem Dutzend Ländern aktiv: Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong, Italien, Irland, den Niederlanden, Singapur, Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. [Deliveroo, Reuters]

Anders als viele Wettbewerber begnügt sich Deliveroo aber nicht damit, das bereits vorhandene gastronomische Angebot zu digitalisieren, indem es Restaurants eine zentrale Online-Plattform zur Verfügung stellt, auf der sich Hungrige ihr Lieblingsessen aussuchen können, und den Partnern für die Vermittlung eine Kommission in Rechnung stellt.

Zum einen erschließt Deliveroo das Lieferservice-Prinzip für Restaurants, die sonst  gar keinen eigenen Lieferservice anböten. Zum anderen hat sich in den vergangenen Monaten immer stärker herauskristallisiert, dass Deliveroo die datengetriebene Analyse der Essgewohnheiten seiner Kunden nutzt, um selbst gastronomische Angebote anzustoßen, eine wachsende Nachfrage zu bedienen und darüber den Markt für Lieferessen zu erweitern.

Also doch kein klassischer Lieferservice?

Sagen wir: ein Technik-Unternehmen mit angeschlossener Lieferlogistik. Den Kunden ist es natürlich in erster Linie wichtig, dass ihnen die Deliveroo-„Rider“ das bestellte Essen an die Haustür bringen. (Im Idealfall ohne dass die Suppe während des Transports zur Hälfte in die Lieferbox geschwappt ist.)

Für Deliveroo geht es darum, Geld aus einem Markt zu pressen, in dem die Gewinnspannen schon jetzt eher überschaubar sind. Das kann nur mit größtmöglicher Effizienz funktionieren – oder indem man den Markt deutlich vergrößert. Deliveroo versucht beides.


Foto: Deliveroo

Wie geht das?

Zum Beispiel durch die Verkürzung von Lieferzeiten, um mehr Bestellungen pro Stunde auszufahren. Genau das ist dem Unternehmen (nach eigenen Angaben) im vergangenen Jahr gelungen. Der selbst programmierte Algorithmus „Frank“, kalkuliert im Hintergrund die zu erwartende Nachfrage bzw. die Zubereitungszeit der Speisen und errechnet die beste Verteilung der Lieferessen auf die aktiven „Rider“. Dadurch sei es gelungen, die durchschnittliche Lieferzeit um 20 Prozent (in Großbritannien) bzw. 12 Prozent (in Deutschland) zu reduzieren. [Business Insider, Café-Future.net]

Wer sagt denn überhaupt, dass in Zukunft mehr Bestellungen ausgeliefert werden als jetzt?

Zum Beispiel die Marktforscher der NPD Group, denen zufolge die Zahl der (digital bestellten) Lieferessen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen ist. In Großbritannien wurden 2016 etwa 3,6 Milliarden Pfund für Lieferessen ausgegeben, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2008 sei der Markt um 50 Prozent gewachsen. Bis 2020 hält NPD eine ähnliche Wachstumsrate für realistisch: „[E]ating in is becoming the new eating out.“ Vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren gewöhnten sich an, regelmäßig Restaurant-Mahlzeiten nachhause zu ordern. [NPD Group (1), NPD Group (2)]

Das muss ja nicht überall so kommen.

Richtig. Aber Deliveroo unternimmt ziemlich viel, um dafür zu sorgen, dass doch. Die auf der eigenen Plattform generierten Daten sind dafür zentral – und Grundlage, um dem Deliveroo-System maschinelles Lernen beizubringen. Auf diese Weise lässt sich nicht nur das bisherige Appetitverhalten der Nutzer genau analysieren. Es können auch Schlüsse daraus gezogen werden, um dieses Verhalten in der Zukunft zu beeinflussen.

Schon jetzt empfiehlt das System den eigenen Restaurant-Partnern z.B. Gerichte, die sich zusätzlich anzubieten lohnen würden, und weiß, welchen Preis Kunden dafür zu zahlen bereit wären.

Seit dem vergangenen Jahr nutzt Deliveroo diese Erkenntnisse auch, um Standorte für spezielle Lieferküchen an Orten aufzubauen, deren Lieferpotenzial bislang noch nicht vollständig erschlossen ist, etwa weil es in der Nähe an klassischen Restaurants fehlt, die für die Zubereitung sorgen könnten. Wie „Deliveroo Editions“ genau funktioniert, steht hier im Blog. (Mehr dazu im Laufe der Woche.)

Die Idee dahinter ist, etablierte Restaurants überall dort Filialen eröffnen zu lassen, „wo sie sonst wahrscheinlich nicht hingehen würden“, erklärt Deliveroo-Vice-President Rohan Pradhan. [Bloomberg]

Wer bezahlt den Spaß eigentlich?

Investoren wie T. Rowe Price Associates und Fidelity Management & Research Company, die bereits Geld in Facebook, AirBnB and Tesla gesteckt haben und im vergangenen September für eine neue Finanzierungsrunde 480 Millionen US-Dollar locker machten. [TechCrunch]

Das ist nur geraten, aber: Verdienen wird Deliveroo vermutlich – nichts?

2016 lag der Umsatz von Deliveroo bei 129 Millionen Pfund (rund 150 Millionen Euro), ein Plus von 611 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 129 Millionen Pfund betrug im selben Jahr auch der Verlust, der sich vor allem durch die schnelle Expansion in 84 (vierundachtzig!) neue Städte erklärt. Das größere Problem ist, dass die Bruttomarge (das, was Deliveroo von jedem Pfund Umsatz behalten kann) momentan mit 0,7 Prozent sehr, sehr niedrig ist. [Business Insider, Gründerszene]

Dann erledigt sich das doch bald von selbst?

Ganz so einfach ist es nicht. Deliveroo schafft es, eine steigende Nachfrage zu bedienen, die das Unternehmen zum Teil selbst generiert, und die der Bequemlichkeit vieler – vor allem: junger – Kunden entgegenkommt. Wenn sich dadurch die Budgets vieler Haushalte nachhaltig verschieben, hat das nicht nur Einfluss auf die Ausgeh-Gastronomie, sondern auch auf klassische Lebensmittelhändler.

Anders formuliert: Aldi kann – wie auf dem Foto oben – noch so intensiv für seine rosarote „Frische-Vielfalt“ werben: Es hilft nix, wenn die Kunden gar nicht mehr in den Laden kommen, weil sie daneben von Deliveroo angestiftet lieber „wie ein Boss“ „leckere Burger ins Büro“ bestellen. Die Plakate sehen sich jetzt schon zum Verwechseln ähnlich. Und auch Kunden dürften zunehmend immer weniger zwischen Essen einkaufen und Essen bestellen unterscheiden, selbst wenn sich der Lebensmitteleinzelhandel das (wie so vieles) gerade nicht vorstellen kann.

Der Kampf um Nicht-Kocher und Draußenesser ist hier im Blog ausführlich beschrieben.

Werbung alleine sorgt aber noch nicht für ein dauerhaft verändertes Kundenverhalten.

Deshalb schaut sich Deliveroo erfolgreiche Maßnahmen anderer E-Commerce-Pioniere ab und schmiedet Allianzen, um weiter zu wachsen.

In Großbritannien können Vielbesteller seit dem vergangenen Jahr eine Art Liefer-Flatrate abschließen („Deliveroo Plus“), Wer 8 Pfund im Monat zahlt, kriegt anschließend sämtliche bestellten Essen ohne Zusatzkosten nachhause oder an den Arbeitsplatz gebracht. Was den Anreiz vergrößert, noch öfter zu bestellen. [Engadget]

Zudem hat Deliveroo eine Allianz mit dem Bewertungsportal TripAdvisor geschlossen, wo Kunden nicht nur Hotels, sondern auch Restaurants empfehlen können. TripAdvisor blendet die Option dazu ein, sich Essen aus besagtem Restaurant ins eigene Wohnzimmer – oder auf Reisen ins Hotel – liefern zu lassen. [BBC, Skift]

Das klingt alles ein bisschen nach der Strategie von … Amazon.

Ja, zu diesem Schluss könnte man durchaus kommen.

Ähnlich wie bei Amazon (und seinen Partnerhändlern) wird auch die Deliveroo-Plattform für Gastronomen immer wichtiger: Wer dort nicht präsent ist, verschenkt Umsatzpotenzial und überlässt mögliche Kunden der Konkurrenz. Die Abhängigkeit steigt, wenn Deliveroo seine Kooperationspartner mit Daten über das eigene Geschäft versorgen kann, die sich zur Umsatzsteigerung eignen, unf die benötigte Infrastruktur zur Verfügung stellt, um mit einer Lieferküche in einen bislang nicht versorgten Stadtteil zu expandieren.

Kein Haken?

Doch, doch! So clever Deliveroo auch berechnet, was Kunden zu welchem bestimmten Zeitpunkt an welchem Ort essen wollen: Es braucht immer noch jemanden, der ihnen die Mahlzeit dann auch vorbeibringt. Seine dafür engagierten „Rider“ stellt Deliveroo allerdings nicht fest an, sondern führt sie als selbstständige Unternehmer und spart dadurch bspw. die Zahlung von Krankengeld. Im vergangenen Jahr haben die Arbeitsregulierer des britischen Central Arbitration Committee (CAC) dieses Verfahren als zulässig bewertet, nachdem Deliveroo die Verträge angepasst hatte. [The Guardian]

Dennoch beschweren sich Fahrer zunehmend über schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Absicherung. Sie organisieren sich und streiken wie zuletzt in Hong Kong, Belgien und den Niederlanden, sodass Bestellungen nicht angenommen bzw. ausgefahren werden können. [Hong Kong Free Press, The Telegraph]

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Klingt nach einer ziemlichen Bredouille.

Allerdings. Wenn Deliveroo dauerhaft erfolgreich sein will, muss das Unternehmen eine Lösung finden, die die „Rider“ zufrieden stellt, aber nicht die ohnehin schon mickrige Marge auffrisst. Dafür braucht’s entweder: Zauberei. Oder „Frank“ hat sich irgendwann selbst so schlau gerechnet, dass ihm schon was einfällt.

Im Moment vertrauen zumindest die Investoren offensichtlich auf letzteres.

Kann ich jetzt wieder zurück in meinen Laden?

Aber natürlich! Kurze Rückfrage nur: Ich hab von der ganzen Erzählerei ein bisschen Hunger gekriegt. Bestellen wir was?

Fotos: Deliveroo (Titel), Supermarktblog"

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16 Kommentare
  • Schöner Artikel. Ich (mitteljung, alleinstehend, kleine Wohnung ohne Spülmaschine (!), in der möglichst nicht groß rumgekocht wird) hab mir auch angewöhnt, immer zu bestellen, wenn Besuch im Haus ist, damit man nicht soviel Aufwand und Dreck damit hat. Gerade wichtig, wenn es etwas spontaner ist, denn ich vermute, die Zeit der großen Vorratshaltung ist ebenfalls vorbei. Deliveroo ist hier allerdings noch gar nicht angekommen.

    Deliveroo sind ja nicht die einzigen, die mit ihren Transportlieferanten Probleme haben, bei Paketdiensten ist es ja ein ähnliches Drama. Und da das mit den Roboterdrohnen wohl nicht so schnell geht, bräuchte es eigentlich durchaus eine andere Lösung als „Leute ausbeuten“. Ich hab mir schon häufiger gedacht, dass so ein Monopol doch gar nicht so blöd ist. Die Post kurvt hier in der Kleinstadt immer gleichzeitig mit Briefen und Paketen rum, während dpd oder Hermes eher für ein oder zwei Aufträge extra in die Stadt kommen (vermutlich auch von weiter weg).
    Und das richtige Drama hat man ja eigentlich erst, wenn man mit einem riesigen Paket durch die Fußgängerzone irrt, bis man – bei NKD übrigens – ein winziges dpd-Schild findet und die Verkäufer natürlich nicht so wahnsinnig froh sind, dass man ihnen das unhandliche Paket aufs Auge drückt anstatt was einzukaufen.
    Das schreit schon imo oft nach Zentralisierung oder man könnte evtl das „freiberufliche Lieferantentum“ so ausbauen, dass der Lieferant was davon hat, indem er sich zb Aufträge aussuchen kann und nicht gezwungen ist, sich von einer einzigen Firma auspressen zu lassen.

    Da kommt vermutlich auch zuwenig Druck von Regierungen und Kunden, denn das sind ja alles so superschlaue, moderne Unternehmen. Kann mir keiner erzählen, dass sich keine Lösung finden lässt, die nicht auf dem Rücken der Lieferanten ausgetragen wird.

  • Konkurrenz für den Supermarkt wird Deliveroo vielleicht im Zentrum von ein paar Großstädten. Schon im Speckgürtel nimmt die Restaurantdichte und -qualität drastisch ab und der Service wird überhaupt nicht angeboten. Obwohl genau da potentiell viele Kunden wohnen: Leute mit Kindern oder Leute, die keine Lust haben extra fürs Essen in die Stadt zu fahren. Aber da sind die Wege eben auch für den Lieferanten weit.

    Als Familie mit Baby würden wir liebend gerne öfter gutes Essen nach Hause bestellen, aber Deliveroo gibts hier nicht und viele gute Restaurants auch nicht. Nur die üblichen Pizzalieferdienste als kleinster gemeinsamer Nenner mit durchschnittlicher Ware.

    Sind Geisterrestaurants die Lösung? Kann ich mir schon vorstellen, denn die Nachfrage nach frischem guten Essen, das man nicht selbst kochen muss, ist gewaltig.

    • Interessant. Ich wollte gerade schreiben: als Familie mit Kleinkind im weiteren Umkreis einer Großstadt fehlt uns die große Auswahl.
      Bei Restaurants geht’s noch, aber wenn man nicht weggehen möchte, dann bleibt nur der Italiener, bei dem man die Pizza selbst abholen muss. Wir kochen oft und gerne, aber manchmal wäre ein (vernünftiger!) Lieferdienst praktisch. Ich wäre sofort bei Deliveroo dabei.

  • Ich glaube, bringdienste kannibalisieren vor allem die ausgeh Gastronomie und die imbißbude. Wer hat schon genug geld, die abendliche wurststulle durch ein lieferessen zu ersetzen, das mehr kostet als der Döner ums Eck, den man sich als durxhschnittsverdiener schon nicht jeden tag leisten mag.
    Der Supermarkt ist dadurch nicht in Gefahr, wenn ein paar besserverdiener nur noch liefern lassen. Die gehen doch jetzt schon viel öfter essen.

    • Ich fürchte, als reiner Wurststullenkäufer sind Sie für jeden Supermarkt nur ein Bruchteil so attraktiv wie Sie glauben. (Und wer nicht in den Supermarkt geht, um dort Avbendessen einzukaufen, kauft dort auch weniger Ungeplantes. Daraus ergibt sich eine schöne Kettenreaktion.) Imbisse düprften durch Bringdienste wie Deliveroo vermutlich am wenigsten betroffen sein, weil die Wahl selten zwischen Currywurst und Thai-Essen ausfällt.

    • Na ja, vielleicht liegt es ja daran, dass wir in einer Studistadt leben, aber hier gibt es mehr internationale Imbisse als Pommesbuden. Und da ist es schon relevant, ob man sich die Zeit nehmen möchte, sich für seine Curryente ins Restaurant zu setzen oder sie nach hause mitzunehmen. Bei einer guten Flächendeckung mit internationaler Küche ist Liefern übrigens dann gar nicht mehr attraktiv, denn irgendwie bekomme ich das Essen auf den kurzen Wegen meist wärmer und weniger matschig nach hause als das Moped.

      Ich habe auch schon weiter außerhalb gewohnt, wo es nicht so viele internationale Imbisse und längere Wege/weniger ÖPNV gibt. Da wäre Deliveroo attraktiv gewesen; nur da zieht es sie ja der Lieferzeiten wegen nicht hin, wenn ich das richtig verstanden habe.

    • Da muss ich mal eine Lanze brechen für Deliveroo: Das Essen von den „Roos“ gebrachte Essen war bei mir bisher immer mindestens sehr warm, manchmal sogar so heiß, dass ich es noch einen Augenblick lang stehenließ. Und verschüttet war da bisher auch noch nix.

      Ich bin echt froh, dass es Deliveroo gibt, weil das meine Lebensqualität ein Stückchen angehoben hat. Vorher gab’s nur die Pizza.de-Lieferhelden Billigheimer, die überteuertes Mikrowellenessen und Fast-Food tatsächlich in mitunter erbärmlichem Zustand irgendwann mal geliefert haben. Bestellen war da eher eine Notlösung denn eine Freude.

      Das ist seit Deliveroo ganz anders: Ich bekomme die gleiche Qualität, wie sie mir auch mein Lieblings-Inder, -Burgerbräter und -Vietnamese in seinen eigenen Hallen bietet, bequem an die Haustür. Die Roos waren bisher immer freundlich zu und deutlich weniger verpeilt als so mancher Hobbylieferant vom Dosenöffner am anderen Ende der Stadt. Dass das Essen immer bereits vorab bezahlt werden muss, verhindert Situationen wie neulich, als der Bote meiner Lieblings-Pizzeria (echte) zwar das Essen dabeihatte, aber kein Wechselgeld.

      Ja, Deliveroo ist nicht perfekt, und da in der jüngeren Vergangenheit öfter mal keine Roos zur Verfügung standen, konnte ich meine geplante Bestellung dann doch nicht absetzen. Meine Kreditkarte hat’s gefreut, meinen Magen jedoch definitv nicht.

  • Es ist sicherlich richtig, dass Supermärkte und Discounter in Zukunft vermehrt im Wettbewerb zu Diensten wie Amazon Fresh oder Deliveroo stehen werden.

    Aber was ist die Quintessenz aus solchen Artikeln?

    Soll nun jeder Supermarkt seinen eigenen Lieferdienst und seine eigene Restaurantkette eröffnen, obwohl man 1. nichts davon versteht, 2. nichts damit verdient ist, und 3. das ganze System eh nur auf Ausbeutung der Fahrer basiert?

    Ich glaube ja nicht, das die Chefs von REWE, Schwarz-Gruppe & Co. zu doof sind, die Situation zu erkennen.

    Möglicherweise sind sie einfach nur der Meinung, dass es mehr Sinn macht, die heutigen Gewinne aus dem Betrieb der Märkte mitzunehmen, anstatt sie in fragwürdigen „Zukunftsprojekten“ zu verbrennen. Wenn dann tatsächlich mal der Supermarkt als Geschäftsmodcell ausgedient haben sollte, hat man wenigstens das Geld und kann es in anderen Branchen investieren. Selbst wenn die ganze deutsche Handelsbranche mit vereinten Kräften gegen Amazon & Co. ankämpfen würde, ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass Amazon der Sieger bliebe und das ganze Geld weg wäre.

    • Oh, es gibt ganz vielfältige Möglichkeiten, auf die Entwicklung zu reagieren, dass es der Supermarkt als reiner Versorgungseinkaufsort zukünftig sehr viel schwerer haben wird; einige wurden hier im Blog bereits beschrieben. Einzelne ausländische Handelsketten haben diese Verschiebung erkannt und engagieren sich, das Supermarktmodell weiterzuentwickeln. Mehr dazu steht im Verlauf der kommenden Monate ganz sicher an dieser Stelle.

      Ihr mangelndes Vorstellungsvermögen diesbezüglich in allen Ehren: Nicht jedes Experiment, was auf sich verändernde Kundengewohnheiten reagiert, ist meiner Ansicht ein „fragwürdiges Zukunftsprojekt“. Sondern manchmal einfach ein möglicher Weg, um zu verstehen, welche Bedürfnisse meine Kunden heute, morgen und in Zukunft haben (könnten). Natürlich ist es den Handelsketten unbelassen, zu glauben, dass das Quatsch ist. Das hat in den vergangenen Jahren aber schon in vielen anderen Industrien eher so mittelgut funktioniert.

      Ich behaupte zudem gar nicht, der Supermarkt habe als Geschäftsmodell ausgedient; ich behaupte lediglich: in ihrer jetzigen Form müssen zahlreiche Filialen in harte Konkurrenz zu Wettbewerbern treten, von denen sie heute noch nicht mal wissen, dass es welche sind. Das betrifft ganz sicher nicht alle. Aber die, die es betrifft, müssten sehr viel aufgeschlossener dafür sein, Neues auszuprobieren. Im deutschen LEH nehme ich derzeit das Gegenteil wahr.

    • > Das hat in den vergangenen Jahren
      > aber schon in vielen anderen Industrien
      > eher so mittelgut funktioniert.

      Das sieht aus Sicht der Inhaber vielleicht anders aus.

      Anstatt mit allen Mitteln die eigene Zukunft sichern zu wollen, kann man auch rechtzeitig den geordneten Rückzug antreten und das verdiente Geld in risikoärmere Projekte investieren.

      Wobei der deutsche LEH davon weit entfernt ist. Wenn ausländische Supermärkte alles besser machen, frage ich mich, warum die deutschen Ketten dort so erfolgreich expandieren.

    • Sie meinen z.B. – so erfolgreich wie Lidl gerade in den USA?
      (Und ich richt’s allen aus, die zu schlafmützig waren, ihr Geschäftsmodell durch Modernisierung für die Zukunft zu positionieren: dass so ein „geordneter Rückzug“ ja auch was für sich hat. An diesem Punkt brauchen wir vermutlich nicht weiterzudiskutieren.)

    • Naja, das hat zwischenzeitlich der größte Teil des LEH von vor 60 Jahren so gemacht. In ehemaligen Milchläden ist zwar heute bisweilen ein Pizzalieferant drin, aber von den damaligen Betreibern hat kaum wer längerfristig eine Anpassung geschafft, sofern er es überhaupt versucht hat. Metzgereien haben seit sehr langer Zeit typischerweise auch ein gastronomisches Standbein, aber trotzdem ist die Hälfte weg. Im Prinzip wird das auch für die meisten Betreiber der Edekas von vor 40 Jahren gelten. Wachstum geht halt nicht für alle ewig weiter.

    • Im LEH verdient man sein Geld zu hart um es dann in windigen Projekten zu verbrennen, das will Herr Schader einfach nicht verstehen 🙂

      Der Artikel ist interessant, liest sich aber über weite Strecken wie eine gekaufter Deliveroo Beitrag, habe echt nach „Anzeige“ gesucht. Steht Deliveroo IPO an ?

      In Ballungszentren gibt es übrigens keinerlei Marktlücken mehr für neue Imbiss-Standorte, im Gegenteil. Es gibt eine absolut ungesunde Entwicklung in diesem Bereich – und mir blutet das Herz weil sich hier ganze Familien reihenweise ruinieren

  • Wenn ich mir z.B. die Vorkassenzone im neu eröffneten Edeka-Supercenter in Berlin-Schöneweide ansehe, finde ich dort gut gemachte Gastronomie mit wechselnden Gerichten. Dazu Software und Lieferfahrer als Teilzeitangestellte und schon ist die Welt für deliveroo & Co. wieder etwas weniger rosig.
    Nicht Aldi und Lidl sind die Wettbewerber, sondern Rewe und Edeka. Diese Fehleinschätzung sollte man bei den Startups schnell korrigieren.

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