Discount-Eigenmarken: Aldi stoppt „täglich GUT“, Netto (mit Hund) macht Bio, Kochboxen-Evolution bei Lidl

Discount-Eigenmarken: Aldi stoppt „täglich GUT“, Netto (mit Hund) macht Bio, Kochboxen-Evolution bei Lidl

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Falls Sie sich auch schon gefragt haben, wo die Grenze der anhaltenden Versupermarktung im deutschen Discount liegen wird – die Antwort steht jetzt fest: im untersten Regalfach.

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Aldi Süd findet sich auch ohne „täglich GUT“ täglich gut

Falls Sie sich auch schon gefragt haben, wo die Grenze der anhaltenden Versupermarktung im deutschen Discount liegen wird – die Antwort steht jetzt fest: im untersten Regalfach.

Anderthalb Jahr ist es her, dass Aldi Süd im Zuge seiner Marktmodernisierung auch überprüfen wollte, ob die bisherige Eigenmarken-Strategie noch zeitgemäß ist. Aus diesem Grund testete das Unternehmen die Umbenennung von Buttertoast und Aufbackbrötchen, Kaffee, Vanille-Eis, Camembert, Koch-Hinterschinken, Pizza Margherita, Tafelschokolade und Margarine: In einzelnen Märkten waren die Produkte nicht mehr unter ihrem bisherigen Eigenmarkennamen zu kaufen (z.B. Choceur, Riggano, Grandessa), sondern unter der neue Dachmarke „täglich GUT“.

Damit wollte Aldi Süd Kunden nach eigener Auskunft (siehe Supermarktblog) „eine einfache und klare Struktur bzw. Orientierung bieten“ – ganz ähnlich wie im Supermarkt, wo Preiseinstiegsartikel ja ebenfalls einheitlich benannt sind (Gut & Günstig, ja!, TiP).

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Inzwischen steht fest, dass „täglich GUT“ nicht regionenübergreifend eingeführt wird. Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt eine Sprecherin des Unternehmens, man habe sich dazu entschieden, die Marke „nicht dauerhaft ins Standardsortiment aufzunehmen“:

„Insgesamt sehen wir das Testergebnis als Bestätigung dafür, dass das ALDI SÜD Sortiment die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden mit seinen Eigenmarken im Premium- und Mehrwertbereich bereits sehr gut bedient.“

Heißt wohl: Im klassischen Preiseinstieg ist den Kunden die Orientierung schnuppe.

Netto (mit Hund) verdrängt „Maximum Natur“ mit „Go Öko“

Seit Jahresbeginn wirbt Lidl massiv für seine Kooperation mit Bioland (siehe Supermarktblog). Alle übrigen Händler haben deswegen ihre Initiativen, besseres Bio ins Sortiment zu holen, deutlich verstärkt. Selbst der kleinste deutsche Discounter, Netto (mit Hund), wirbt seit Ende Januar mit dem Versprechen, „Bio für alle“ bieten zu wollen (also ganz anders als Lidl, das „Bioland für alle“ plakatiert). Dafür ist die neue Eigenmarke „Go Öko“ gestartet worden (die, um zu den übrigen Wortspielereien des Dänen-Discounters zu passen, eigentlich „Go Øko“ heißen müsste).

Bislang muss man sich allerdings große Mühe geben, die 30 Produkte im Laden überhaupt zu finden. In der Obst- und Gemüse-Abteilung ist das dank auffälliger Kennzeichnung noch verhältnismäßig einfach.

Anderswo braucht es aber ein ausführliches Regalstudium, um z.B. den Frischkäse zwischen den konventionellen Artikeln ausfindig zu machen (einziger Anhaltspunkt sind die schief in die Preisschienen geschobenen Hinweisschilder); manche Artikel sind auch in Gittertische neben die übrigen Aktionsartikel geramscht.

Bis zum Jahresende soll das Angebot „kontinuierlich durch sowohl neue Festlistungs- als auch Aktionsartikel ergänzt“ werden, verspricht Netto (mit Hund); die Produkte stammen zum Teil aus regionaler Herkunft, erfüllen aber lediglich die EG-Öko-Mindeststandards. Damit hinken die Dänen dem aktuellen Trend etwas hinterher.

Die Einführung der neuen Marke ist zudem das Eingeständnis, dass eine alte gescheitert ist. Im Herbst 2016 hatte Netto (mit Hund) „Maximum Natur“ als Allzweckmarke für „regionale Erzeugnisse, Bioprodukte und vegetarische Leckerbissen“ erfunden („für eine bewusste Ernährung zu bezahlbaren Preisen“). Das haben die Kunden ganz offensichtlich nicht verstanden.

Auf Anfrage bestätigt eine Unternehmenssprecherin nun,

„dass unter der neuen Bio-Eigenmarke GO ÖKO künftig auch die Produkte der Maximum Natur Bio-Linie gelistet werden“.

Vorübergehend heißt die Frischmilch neben der „Go Öko“-Butter im Kühlregal aber noch „Maximum Natur“, um das Chaos zu komplettieren.

„Ab Ende März“ sollen alle Bio-Eigenmarken-Artikel dann den neuen Namen tragen. Und:

„Wie es sich mit den übrigen Maximum Natur-Produkten verhalten wird, ist momentan im Klärungsprozess.“

Dass sich der Discounter für die übrig bleibenden Artikel weiter eine eigene Marke leisten wird, ist allerdings unwahrscheinlich.

Damit ist Penny künftig alleine mit seiner Strategie, unter ein- und demselben Namen Regionales, Bio und Veggie zusammenzufassen, alleine im deutschen Discount. Seit Beginn des Jahres läuft eine rätselhafte Kampagne, in der Nena die Vorzüge von „NaturGut“ herbeihauchen soll. So lange, bis in Köln jemand merkt, dass es sich auch im Discount lohnen könnte, Eigenmarken möglichst klar zu positionieren anstatt ein munteres Ensemble-Durcheinander zu veranstalten.

Lidls Kochbox sucht sich Diät-Zielgruppe

Der Hype um Kochboxen-Versender hat (zumindest in den Medien) wieder etwas nachgelassen; im klassischen Lebensmitteleinzelhandel stoßen die Menü-Kits aber weiterhin auf großes Interesse. Viele Händler sehen weiterhin dass Potenzial, damit Kunden zu erreichen, die gerne unter konkreter Anleitung mit vorportionierten Zutaten selbst kochen wollen. (Gerade testet M&S in Großbritannien neue „Meal Kits“; Picnic startet in Kürze mit einer abofreien Heimliefervariante.)

Der ganz große Durchbruch scheint damit noch keiner Handelskette gelungen zu sein; zumindest Lidl scheint aber nach wie vor daran zu glauben.

Seit anderthalb Jahren können Kunden in den Berliner Märkten des Discounters wöchentlich wechselnde Rezeptsets kaufen, die das von Lidl übernommene Start-up Kochzauber entwickelt (das bereits seit längerer Zeit „Lidl Kochzauber“ heißt). Seitdem hat die Idee eine beachtliche Kochboxenevolution durchlaufen.

Gestartet als „Unsere Kochtüte“ (siehe Supermarktblog), mussten die Sets nach einiger Zeit (vermutlich aus Platzgründen) vom Kühlregal in die Kühltruhen umziehen (siehe nochmal Supermarktblog). Im nächsten Entwicklungsschritt ist aus der Tüte eine Box geworden. Das Lidl-Logo ist bei „Unsere Kochbox“ nur noch auf der Seite abgebildet; die explizite Veggie-Veriante wurde durch ein „Light-Gericht“ ersetzt, das als Alternative zum „Original“ angeboten und mit entsprechendem Kühltruhen-Branding beworben wurde (inklusive gut sichtbarer Kalorienangabe auf der Packung), z.B. „Orientalische Rinderhackbällchen mit Röstpaprika und weißem Bohnenmus“ .

Aus der „Light-Variante“ ist schließlich vor kurzem eine „WW“-Box geworden – in Kooperation mit der gleichnamigen Abnehmfirma (ehemals: Weight Watchers), mit der Kochzauber auch schon für seine Abo-Variante kooperiert. Statt Kalorien zählt die Packung nun „SmartPoints“, drin ist aber trotzdem wieder: „Orientalische Rinderhackbällchen mit Röstpaprika und weißem Bohnenmus“.

Die zügige Rezeptwiederholung spricht entweder nicht dafür, dass sich die potenzielle Kundenzielgruppe regelmäßig zum Kauf entscheidet; oder für das exakte Gegenteil, weil die Rezepte so toll und lecker sind, dass man nicht drauf verzichten mag (und zu faul ist, das Rezept vom letzten Mal aufzuheben, um die Zutaten selbst einzukaufen).

In jedem Fall scheint Lidl vorerst weiter daran zu glauben, dass sein Kochboxen-Rezept auch Discount-Kunden schmecken wird. Und das ist, angesichts der zahlreichen strategischen Rückzieher der vergangenen Jahre, mal eine schöne Abwechslung.

Nachtrag, 21.2.: … pardon, war eine schöne Abwechslung. Lidl hat angekündigt, Kochzauber Anfang März einzustellen. Hier steht ein Update.

Real startet Discount-Bio-Marke „TiP Bio“

Noch ’ne Reaktion auf die Bioland-Initiative von Lidl? Ja, bloß diesmal im SB-Warenhaus: Nachdem Real im vergangenen Jahr seine Billig-Eigenmarke „Ohne teuer“ frühverrentet hat, soll sich nun die Bio-Billigmarke „TiP Bio“ im Sortiment etablieren (zusätzlich zu Real Bio). In der vergangenen Woche kündigte die kurz vor dem Verkauf stehende Handelskette ihren Kunden an, künftig nur noch Bio-Bananen anzubieten, die EG-Öko-Mindeststandards einhalten, auch im Preiseinstieg.


Abb. [M]: Real/Smb

Das Billig-Labelling dürfte der Alptraum langjähriger Bio-Verfechter sein, die sich vor einem zunehmenden Preisverfall fürchten, wenn Bio im Mainstream ankommt. (Wobei zahlreiche Branchenakteure diesen Preisverfall über lange Zeit selbst befördert haben.)

Ob die Kunden bei all den unterschiedlichen Eigenmarken und Verbandssiegeln dauerhaft überhaupt den Durchblick behalten, wissen derzeit aber auch die Bio-frischverliebten Handelskonzerne noch nicht.

Fotos: Supermarktblog

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8 Kommentare
  • Es wird im Bio-Bereich immer absurder. Gerade real treibt es auf die Spitze und das macht hoffentlich nicht Schule. Dann gibt es also TiP Bio, real Bio, Marken wie Dole, Chiquita (Bio mal ja, mal nein?) und eventuell noch Demeter, Bioland o. ä. ganz oben drüber? Wer soll da wissen was wie besonders „gutes“ Bio ist und was nicht? Man merkt nur den Preisunterschied.

    • Wenn die Konsequenz daraus ist, dass Bananen nicht mehr für unter 1€ verramscht werden und das Geld bei den Erzeugern ankommt, dann können sie gerne fünf Biomarken anbieten.

    • Ich weiss auch nicht, was manche gegen Auswahl und Alternativen haben.
      Gerade das war auch immer etwas das Problem von Bio. Die Auswahl war immer viel kleiner als bei Nichtbio. Das scheint sich gerade zu ändern, vom Discounter bis zum Bioladen und auch innerhalb der einzelnen Sortimente. Das ist ein wichtiger Schritt hin zur Agrarwende, in Richtung Bio=Normalität, statt Avantgarde. Es muss zur Massenware werden um Tiere und Umwelt zu entlasten, raus aus der Ökohipsternische.

    • Ich bin gegen Auswahl wenn diese zu Preiskämpfen zulasten der Umwelt und Bauern führt.
      Mal ehrlich, ich will Bananen kaufen. Ob da jetzt Bioland oder Biogrün draufpappt ist mir egal. Hauptsache es wird eine Biomarke angeboten und der Preis stimmt auch (nicht zu billig, würde gerne auch mehr für Milch zahlen, bietet aber keiner an).

    • Den jüngsten Preis- (und Qualitäts-)Kampf bei den Bananen hat wohl eher gerade Lidl ausgelöst, indem sie die Auswahl beseitigt haben. Man müsste da schon auch die Auswahl zwischen den Händlern beseitigen. Die Preise im Laden haben eh wenig damit zu tun, was bei den Herstellern ankommt und wofür das Geld da eingesetzt wird. Längerfristig führt sowas aber dazu, dass die Margen im oberen Bereich kleiner werden und die Produkte damit für die Masse der Käufer attraktiver.

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