App-Coupons bei Rewe, Rabattstufen bei Lidl Plus: Willkommen im Treueprogramm-Tohuwabohu

App-Coupons bei Rewe, Rabattstufen bei Lidl Plus: Willkommen im Treueprogramm-Tohuwabohu

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Anstatt sich auf ein Bonussystem zu konzentrieren, sprechen Supermärkte und Discounter verschiedene Zielgruppen zunehmend auf unterschiedlichen Wegen an. Das wird langsam etwas unübersichtlich.

Partner und Sponsoren:

Du sollst kein anderes Kundenbindungssystem neben mir haben. So lautete bislang ein ungeschriebenes Gebot des blauen Kugelgotts Payback, dessen Religion sich Rewe vor fünf Jahren anschloss (siehe Supermarktblog), um nichts eigenes aufbauen zu müssen. Das ist lange her. In den Läden stehen seitdem rote Gutschein-Säulen für die blauen Punkte, als Nichtmitglied wird man beim Einkauf in einer Tour an verpasste Bonus-Chancen erinnert und selbst an der SB-Kasse ist niemand von der Frage sich, ob die Bonuskarte gescannt werd… – nein, danke.

Weil dennoch viele Kund:innen mitmachen, scheint sich Payback für Rewe zu rentieren. Im vergangenen Jahr wurden zusätzliche Monatsboni für regelmäßige Nutzer:innen eingeführt.

Ausschließlich auf die blauen Bonusdrängler will sich aber auch Rewe nicht verlassen und veranstaltet weiterhin zusätzlich Treuepunkte-Aktionen, bei denen für bestimmte Einkaufswerte Klebepunkte zum Sammeln ausgegeben werden, mit denen sich nachher Prämien erwerben lassen, meist mit geringer Zuzahlung. Aktuell gibt’s Lunchboxen mit Disney-Aufdruck und Pfannen von WMF. Der eigentliche Einkauf wird dadurch aber nicht günstiger – anders als beim App-Couponing, für das Rewe gerade wirbt:

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„Attraktive Coupons in der REWE App sind der neue Weg, um beim Einkaufen zu sparen.“

Wer die Rewe-App auf ihrem bzw. seinem Smartphone installiert hat, kann wöchentlich neue Coupons aktivieren, um ausgewählte Produkte günstiger zu erhalten: z.B. Hohes C, Barilla Pesto, Äpfel, Müller Buttermilch, Pick-up-Riegel und Romana-Salatherzen (jeweils minus 50 Cent; die regulären Preise werden nicht dazu angegeben, weil die sich ja je nach Markt unterscheiden). Sobald das Smartphone mit dem entsprechenden QR-Code vor den Tulpenscanner an der Kasse gehalten wird, wird die Gutschrift automatisch verrechnet. Wer will, kann sich per Push benachrichtigen lassen, wenn neue Coupons vorliegen.

Vorgemacht hat das schon vor längerer Zeit (u.a.) die Rewe-Discountschwetser Penny mit ihrer App. Auch andere Handelsketten experimentieren mit digital aktivierbaren Vergünstigungen. Und in Österreich hat die Rewe Group gerade ihr eigenes Payback eingeführt, das Multipartnerprogramm „jö Bonus Club“ (für Billa, Merkur, Penny, Billa u.a.)

Das Praktische an der App-Variante von Rewe und Penny ist jedoch, dass dafür keine separate Anmeldung notwendig ist. Rewe weist in den FAQs explizit darauf hin:

„Sie müssen kein PAYBACK Kunde sein und kein REWE Kundenkonto anlegen, um diese Coupons bei Ihrem Einkauf einzulösen und zu sparen.“

So richtig ausgereift scheint die Lösung noch nicht zu sein: Die Coupons können zwar auch von Lieferservice-Nutzer:innen angewendet werden, „derzeit“ aber nicht an der SB-Kasse. Dafür kann Rewe mit seiner System-Hydra nun fast alle Kund:innen erreichen, die generell für Bonussysteme empfänglich sind: Alles-Abgreifer (mit Payback), Traditionalisten (mit analogen Treuepunkten) und Registrierungs-Allergiker (per App-Couponing). Sonderlich übersichtlich ist das alles freilich nicht mehr.

„Super Rabattsammler“ bei Lidl Plus – und baldiger Start in Deutschland?

Auch Lidl hat sich für sein erstes Treueprogramm bekanntlich für eine App-basierte Lösung mit Coupons entschieden – bislang freilich nur im Ausland. Wie Lidl Plus (so heißt das Bonussystem) funktioniert, stand im vergangenen Jahr bereits ausführlich hier im Supermarktblog. Inzwischen ist das System nicht mehr nur in Österreich und Spanien, sondern auch in Dänemark und (seit April) in Polen aktiv. Der Deutschland-Start dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

+++ Update vom 1. Mai: Lidl Plus soll bereits an diesem Donnerstag in Deutschland starten, zuerst für Kunden in Berlin und Brandenburg. +++

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Umso interessanter ist, wie sich die „Vorteils-App“ in den vergangenen Monaten weiterentwickelt hat. Digitale Kundenkarte zum Scannen, wöchentlich wechselnde „Super-Gutscheine“ und „Super Rubbellos“ sind als Standard erhalten geblieben. Zusätzlich hat die Discountkette den „Super Rabattsammler“ gestartet.

Bei dem wird jeder ausgegebene Euro automatisch bis zum Monatsende addiert; wer gewisse Schwellen überschreitet, kriegt „Belohnungen“ gutgeschrieben – z.B. Kleinstbeträge von 50 Cent bis 1 Euro, aber auch „5 x GRATIS Semmeln“ (ab 125 € Einkaufswert) oder „1 x Belgische Meeresfrüchte GRATIS“ (ab, ähem, 350 € Einkaufswert – wobei die jeweiligen Betragsgrenzen auch nutzungsabhängig sein könnten).

Als eigenständiges Bonusversprechen wäre das ein bisschen mau. Offensichtlich positioniert der Discounter Lidl Plus aber nicht (mehr) als klassisches Bonusprogramm, sondern eher als Dachmarke für ein ganzes Sammelsurium an Möglichkeiten zur „Belohnung“ von Nutzer:innen – um dadurch den Anreiz zu erhöhen, sich überhaupt dafür zu registrieren. Denn genau das ist bei Lidl Plus weiterhin notwendig.

Lidl verspricht allerdings, dass die Registrierung künftig sehr viel einfacher sein soll, wenn es den „single account to all lidl online platforms“ gibt, den die Entwickler per App-Store ankündigen. Das heißt: ein Login für alle Lidl-Digital-Dienste, ohne sich jedes Mal einen neuen Account anlegen zu müssen.

Die neue „Single-Sign-on-Platform“ wäre auch eine hervorragende Gelegenheit, Lidl Plus in Deutschland einzuführen. Wenn z.B. alle bisherigen Nutzer des Lidl-Online-Shops automatisch die neue „Vorteils-App“ nutzen könnten, wäre Lidl Plus auf einen Schlag eine ziemliche Macht im deutschen Markt der Kundenbindungsprogramme.

Das wird die Handelskette vermutlich nicht davon abhalten, weiterhin Stickeez-Plastiksaugfiguren, Klebebilder und Miniplüschtiere per Treuepunkte-Aktion auszugeben. Aktuell tobt die „Frischebande“ durch die hiesigen Märkte. Wer für 150 Euro einkauft und Punkte zum Kleben oder in der (wiederum separaten) App sammelt, kriegt „Otto Aubergine“, „Betti Biene“ oder „Alfred Apfel“ geschenkt.

Zusammengefasst: Supermärkte und Discounter haben sich mit ihren Programmen zur Kundenbindung in den vergangenen Jahren zunehmend einander angenähert. Anstatt sich auf ein System zu konzentrieren, werden verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Wegen angesprochen. Und niemand braucht sich mehr zu wundern, wenn es demnächst an der Kasse länger dauert, weil Kund:innen auf die Idee kommen, nach der Aktivierung von Coupons in diversen Apps und dem Kundenkarten-Scan auch noch die ihnen versprochenen Treuepunkte einzufordern.

Alle, die sich lieber nicht „belohnen“ wollen, sondern einfach einkaufen, haben dann halt Pech.

Fotos: Supermarktblog

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8 Kommentare
  • Hinzu kommt bei EDEKA die Genuss+ App die gegenwärtig in Rhein-Ruhr (NRW), Südwest (BaWü + Umgebung) und EDEKA Nord (Schleswig, MeckPomm, Hamburg) angeboten wird und teilweise sogar parallel zur Deutschlandcard läuft. Diese verbindet Coupons mit Punktesammeln.

  • Die ganzen Kundenbindungsprogramme sind mit ein Grund, weshalb ich fast nur noch zu Kaufland gehe – kein Payback, keine App, keine Treueherzen und keine Stickeralben… Und zack geht es an der Kasse auch gleich viel schneller.

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