Rezepte, „Bundles“, Mittagessen: So verändern App-Bestellungen den Lebensmitteleinkauf

Rezepte, „Bundles“, Mittagessen: So verändern App-Bestellungen den Lebensmitteleinkauf

Foto [M]: Waitrose / Fiona Hanson, Smb
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Online-Supermarkt reicht nicht mehr: Handelsketten kuratieren Produkt-Kombinationen, um den Einkauf per App zu beschleunigen; Sofortlieferdienste machen Rezeptvorschläge und liefern fertige Gerichte aus. Die Angebote müssen zunehmend zur Bestellsituation der Kund:innen passen.

Partner und Sponsoren:

Die gerade zahlreich in großen Städten aufploppenden “Quick Commerce“-Anbieter sind sozusagen die City-Supermärkte der Lebensmittel-Lieferbranche: Wer als Kund:in nur mal schnell ein paar Kleinigkeiten für die Mittagspause oder den Feierabend braucht, möchte sich nicht aus zehn Kühlregalmetern Joghurt den passenden Artikel raussuchen, sondern: schnell zum Ziel kommen.

Anders gesagt: Je größer die Auswahl, desto umkomfortabler wird der Einkauf. Weil es wenig hilft, die gewünschten Produkte innerhalb von zehn oder zwanzig Minuten an die Tür gebracht zu kriegen, wenn man sich auf dem Smartphone vorher durch unendliche Untersortimente wischen muss.

Der Lebensmittel-Einkauf per App verändert nicht nur die Erwartung der Kund:innen – sondern auch die Anforderungen, denen die Anbieter und Handelsunternehmen gerecht werden müssen.


Wie das aussehen kann? Zum Beispiel so wie bei Waitrose, das in Großbritannien bekanntlich mit dem Schnelllieferdienst Deliveroo kooperiert (siehe Supermarktblog), um App-Einkäufe in den eigenen Märkten zu kommissionieren und schnell zuzustellen. Wer will, kann sich in der Deliveroo-App alles auf traditionellem Weg selbst zusammenklicken: Milch, Käse, Eier, Brot, Getränk – fertig. Alternativ bietet die Handelskette aber zunehmend Produkt-Kombinationen an, so genannte „Bundles“ (die in der Regel abwechseln).

Für jeden Anlass eine Kombi

Für ein orientalisches Abendessen kombiniert das „Levantine Table Mezze Feast“ zum Beispiel Baba Ganoush, Spicy Hummus, Flatbread, Chicken Kebaps, Eiscreme und Baklava, die mit wenigen Klicks untereinander in den virtuellen Einkaufskorb gelegt werden können. Wenn’s schnell gehen soll, empfiehlt sich das „Italian Bundle“: eine Kombination aus Knoblauchbrot und Fertigpasta mit einer Flasche Wein. Wer lieber selbst kocht, mag vielleicht das „Soy & Ginger Chicken Stir Fry“ mit allen dafür benötigten Zutaten? Wenn England bei der EM spielt, gibt’s ein passendes „Matchday Bundle“. Lust auf Vitamine? Früchte-Bundle! Selbstgemachte Burger? Burger-Bundle! Und als, die kürzlich noch ein Geschenk zum Vatertag brauchten, waren sicher froh über den radelnden Geschenkkorb: das „Fathers Day Gift Bundle“ mit Whisky, Craft Beer, Duschgel, Feuchtigkeitscreme und Chocolate Truffels.

Die Vorteile dieser oft anlassbezogenen Produkt-Kuratierung liegen auf der Hand:

  • Kund:innen können mit wenigen Klicks und ohne Suche mehrere Produkte in ihren Online-Einkaufswagen legen, vielleicht noch einen Snack und ein Getränk dazu bestellen und den Einkauf sofort abschließen – ähnlich wie bei der App-Bestellung im Restaurant.
  • Händler erzielen leichter höhere Bon-Summen.
  • Und der Blitzeinkauf passt perfekt zur Blitzlieferung.

Wer hat’s erfunden? Kann ich nicht genau sagen, aber ich weiß zumindest, von wem diese Taktik schon seit längerem verfolgt wird: den großen Fast-Food-Ketten.

Lieferando bringt „Packs“

McDonald’s bietet Kund:innen seines McDelivery-Diensts (über Lieferando) seit jeher Bundles, die es so nicht in den stationären Restaurants zu kaufen gibt, aber auf die Wünsche der Besteller:innen zuhause abgestimmt sind – aktuell z.B. das „Friends Menü“, die „Friends Party“ oder die „Deutschlandburger Family Party“ („Zum Teilen“) mit Burger nach Wahl, Pommes, Getränken und Cola-Gläsern – von 24,99 bis 34,99 Euro. Burger King hat u.a. das „Dinner für 4 Bundle“, das „Gamer Bundle“ (mit Engery Drink) und das „Beer Bundle“ im Angebot.

Kein Wunder, dass sich die Bündelei in der Lieferando-App auch auf neue Partner überträgt – so wie die Convenience-Markt-Kette Spar Express, die mit den orangefarbenen Kurierfahrer:innen testweise Getränke und Snacks aus ihren Läden ausfahren lässt. Wer keine Lust auf Selbstauswählen hat, bestellt einfach „Spar Packs“: den Fußball-Pack mit Bier und Chips, den „Mädelsabend“-Pack mit Wein und Schokolade, den „Filmabend“-Pack mit Softdrinks und Knabberzeug oder den Frühstücks-Pack mit Milch, Butter, Käse, Salami, Orangensaft. Drei Punkte Abzug für die fehlende Originalität (die zur Marke passt), aber wieder: klick – und fertig.

Lieferando tastet sich an die Lieferung von Lebensmitteln heran; Foto: Smb

Dass sich diese Art einzukaufen vor allem bei jüngeren Kund:innen, die regelmäßig Lebensmittel per App bestellen, durchzusetzen scheint, zeichnet sich bereits ab. Und macht auch vor Lieferanbietern nicht Halt, die eher auf Wocheneinkäufer:innen zielen.

Kochbereit mit ein paar Klicks

Supermarktketten schlagen ihren Kund:innen (online) regelmäßig vor, was sie als nächstes kochen sollen, so wie Rewe und Lidl. Der Trend zur Kochbox hat sich zwar wieder zerschlagen – zumindest im stationären Lebensmitteleinzelhandel. Online regieren Hello Fresh & Co., aber auch bei anderen Anbietern gibt’s immer mal wieder neue Versuche.

Gurkerl.at in Wien, Ableger des tschechischen Liefersupermarkts Rohlik, versucht sich in seinem Shop aktuell immer mal wieder an Rezeptvorschlägen, unter denen sich die dafür benötigten Produkte direkt in den Einkaufswagen klicken lassen. (Was aber leicht kontraproduktiv wirken kann, wenn einer der angezeigten Artikel gerade nicht verfügbar ist.) Wenn der deutsche Ableger Knuspr – wie gerade auf der K5 Digital angekündigt – Anfang August in München und im September in Frankfurt am Main startet (sowie 2021 – nach derzeitigem Plan – in Düsseldorf, Köln, Hamburg, Dortmund, Essen und vielleicht Berlin), dürften die Kund:innen dort mit ähnlichem rechnen.

Eher improvisiert wirkt derweil die Aktion des Sofortlieferdiensts Gorillas, der in seiner App neuerdings passende Produkte in den Untermenü-Punkten „Pasta“, „Curry“, „Burger“ und „Tacos“ auflistet – und den Rest der Fantasie seiner Besteller:innen überlässt. Cleverer ist die Kooperation mit The Good Bank, einem Berliner Fast-Casual-Restaurant, das Zutaten für komplette Menüs in der Kochtüte liefert („Good Bank Pasta mit grünem Spargel und cremiger Zitronensoße für 2 Personen“), allerdings zu Preisen um die 10 Euro.

Mittagessen? Dazu geliefert!

Dazu scheinen die Quick-Commer-Anbieter auszutesten, wie bereitwillig ihre Kund:innen auch (fast fertig) zubereitete Mahlzeiten bestellen: In München bringt Gorillas zum Beispiel verpackte Pasta-Gerichte der Restaurantkette L’Osteria nachhause, die einfach heiß gemacht werden können (und auch in Münchner Edekas zu kaufen sind).

Und an mindestens einem Berliner Standort liefert Konkurrent Flink nicht nur Supermarkt-Einkäufe, sondern auch Mini-Mittagessen des Fast-Casual-Restaurantpartners Beets & Roots dazu – per App auswählbar in der (von „Fertiggerichte“) umgetauften „Frisch & Fertig“-Kategorie: „New Oriental Bowl“, „Protein Bowl“, „Spicy Falafel Wrap“ und „Veggie Caesar Chicken Wrap“.

So wie sich die Franchise-Systeme aus der Gastronomie mit dem Transfer ihrer Kompetenzen in den klassischen Lebensmitteleinzelhandel nach Corona vielfältiger aufzustellen versuchen, drängen Gorillas, Flink & Co. zunehmend in die bisherige Domäne klassischer Restaurant-Lieferdienste. Das ist sozusagen die vorgezogene Rache dafür, dass Wolt, Lieferando, Foodpanda und Uber Eats auch auf die Zustellung von Lebensmitteln schielen (siehe Supermarktblog).

Die einen wollen ihre Logistik mit zusätzlichen Kund:innen besser auslasten; die anderen spekulieren auf höhere Einkaufssummen, um profitabel zu werden.

Kann’s sein, dass das alles langsam ein bisschen unübersichtlich wird? Ja, kann sein. Auf jeden Fall sieht es aber so aus, als würden bislang unterschiedliche Anbieter und Modelle ein Stück weit aufeinander zu rücken und neue Wege finden, um Kund:innen den Online-Einkauf von Lebensmitteln – für gleich und später – einfacher zu gestalten. Und dagegen gibt es aus Sicht der Verzehrenden ja nun wirklich nichts einzuwenden.

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