Was sich Just Eat Takeaway für Lieferando Go bei Deliveroo Hop abgucken kann

Was sich Just Eat Takeaway für Lieferando Go bei Deliveroo Hop abgucken kann

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Auch wenn große Erfolge bislang ausgeblieben sind: Nachzügler Lieferando scheint es ernst zu meinen mit seinen Ambitionen im Lebensmittel-Liefergeschäft. Eine neu angemeldete Marke würde sich hervorragend für den nächsten Vorstoß eignen. Den könnte man schlau von Deliveroo in Großbritannien übernehmen.

Partner:

Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass der europäische Liefergigant Just Eat Takeaway.com (JET) eine überraschende Kehrtwende vollzog und nicht mehr in erster Linie Betreiber einer Plattform für Restaurant-Lieferessen sein wollte. Sondern auch Partner für Supermarktketten und Lebensmittelhändler. Anfangs lief das eher schleppend (siehe Supermarktblog vom April 2022). Aber inzwischen hat das Zusatzgeschäft an Fahrt aufgenommen.

Heute lassen sich in zahlreichen Ländern über die landesspezifischen Marken (Just Eat, Thuisbezorgd, Lieferando & Co.) auch Lebensmittel nachhause ordern, die noch selbst zubereitet werden müssen.

Und kürzlich lieferte Carlos Hernandez, neuer JET-Global-Director für „Grocery and Convenience“, einen Ausblick auf die Ziele im Geschäftsfeld, das „an area of significant focus“ geworden sei.

Zuletzt habe man ein rasantes Wachstum für Partnerschaften mit großen Händlern verzeichnet: In den Niederlanden liefert die Flotte in Orange Lebensmittel von Spar, in Spanien von Dia, in Großbritannien von Asda und Sainsbury’s; außerdem spiegelt der Quick-Commerce-Wettbewerber Getir die Sortimente seiner europäischen Darkstores in den JET-Apps.

Große Partner fehlen weiterhin

Hernandez glaubt, die Lebensmittel-Sofortlieferung sei ein Trend, der sich nicht mehr rückgängig machen lasse und den man weiter bedienen wolle:

„As a leading marketplace for food delivery we believe expanding further into grocery is a natural evolution for us to provide our consumers with even more options.“

Dank seines Liefernetzwerks und seines großen Kund:innenstamms sei Just Eat Takeaway.com „well positioned to be a large player in this space“.

Lieferando bemüht sich verstärkt um klassische Handelspartner; Foto: Smb

Ganz so einfach geht die Rechnung freilich nicht auf: In Deutschland hat Lieferando gerade erst einen weiteren Rückschlag verkraften müssen und Tegut als Test-Partner für die Lebensmittel-Lieferung verloren (siehe Supermarktblog); offensichtlich haben die Kundinnen das Angebot nicht in dem Maße angenommen, in dem es sich die Partner gewünscht hätten.

In Berlin kann Lieferando dank zwei Express-Pilot-Stores derweil selbst testen, ob und wie Restaurant-Besteller:innen bereit sind, über die App auch Lebensmittel einzukaufen. Außerdem wird Lieferando Express gerade zum Hub für Produkte von Partnern aus anderen Handelssegementen ausgebaut. Vorbild sind die Express-Darkstores der kanadischen JET-Tochter Skip The Dishes. In Deutschland fehlen Lieferando weiterhin große Supermarkt- bzw. Discountketten als Partner.

Lieferando Express in Berlin; Foto: Smb

Neuer Convenience-Test?

Zumindest scheint die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, scheint aber weiter da zu sein. In der vergangenen Woche hat Just Eat Takeaway.com Schutz für eine neue Marke unter dem Namen „Lieferando Go“ beantragt (bislang schwerpunktmäßig in den relevanten Klassen für Computer-Software, Werbung und Transportdienstleistungen bzw. Verpackung und Lagerung von Waren). Und bezogen auf den Namen liegt es nahe, dass man sich an einen weiteren Convenience-Piloten herantraut.

Welcher genau das sein könnte, ist unklar. Schlau wäre aber, wenn Lieferando dafür einen Blick nach Großbritannien würfe.

Denn dort hat sich der ehemalige Lieferessen-Spezialist Deliveroo (der einst auch in Deutschland aktiv war) einem ganz ähnlichen Wandlungsprozess unterzogen, wie Gründer Will Shu zuletzt im Gespräch mit dem Fachmagazin „The Grocer“ (Abo-Text) erläuterte.

Eigenen Angaben zufolge gehört die Lebensmittel-Lieferung inzwischen zu den größten Treibern des Deliveroo-Geschäfts, mit alleine 8.000 Partnern in Großbritannien. Wöchentlich würden mehr Bestellungen ausgeliefert als vom Lebensmittel-Lieferspezialisten Ocado (der freilich auf deutlich höhere Warenkörbe kommen dürfte). „It’s still a huge growth area for us”, sagte Shu auf einem Live-Event – und gab zu, dass die Deliveroo-App anfangs allenfalls ein holpriges Einkaufserlebnis für Kund:innen und Handelspartner lieferte:

“When you tried to order grocery on Deliveroo in the early days, it looked like a restaurant menu.”

(Exakt so wie gerade bei Lieferando.)

Quick Commerce mit Supermarkt-Partnern

Mit wachsendem Stellenwert habe man die Bedienbarkeit aber den veränderten Bedürfnissen angepasst: Kund:innen können jetzt schneller einkaufen, Partner zügiger die bestellten Artikel in ihren Läden kommissionieren. (Was vermutlich auch Lieferando hinkriegen müsste, um mehr Handelspartner zu gewinnen.)

Darüber hinaus hat Deliveroo 2021 seinen eigenen Quick-Commerce-Dienst gestartet: Deliveroo Hop. Und zwar: von vornherein in Kooperation mit klassischen Supermarktketten, de sich gegen Gorillas & Co. zur Wehr setzen wollten. Morrisons war zuerst an Bord, Waitrose folgte, seit kurzem ist Asda mit im Boot. In Frankreich gehören Auchan und Carrefour zu den Partnern.

Das Hop-Prinzip besteht darin, schneller zu liefern als das bislang über die Bestellung aus instationären Läden möglich war. Dafür eröffnet Deliveroo eigene Darkstores jeweils mit einem dezidierten Supermarktpartner, der den Standort mit seinen Produkten und Eigenmarken beliefert; Deliveroo sorgt anschließend für die Zustellung in 10 bis 30 Minuten. (So sieht das im Web bzw. in der App aus.)

Weil man schon über ein großes Liefernetzwerk und Convenience-affine Kund:innen verfüge (so wie Lieferando), könne man damit „tatsächlich Geld verdienen“, erklärte Shu.

Abholtheke und Touchscreen-Säule

Gleichzeitig bietet man Hop den Partnern als Service für die eigenen Läden an: In einem seiner neu gestarteten Express-Stores hat Asda zum Beispiel einen speziellen Bereich für schnelles Picking ausgewählter Artikel reserviert, die per Deliveroo Hop zur Verfügung stehen. (Auchan versucht das gleiche im französischen Lille.)

Im vergangenen Oktober eröffnete schließlich einen Deliveroo Hop Store in allerbester City-Lage: mitten in der Londoner Innenstadt in der New Oxford Street, in der zahlreiche Pendler:innen unterwegs sind. Der „Laden“ besteht lediglich aus einer Abholtheke und drei Touchscreen-Säulen, auf denen die Deliveroo-App läuft. Einkäufe lassen sich ausschließlich darüber bzw. über das eigene Smartphone bestellen. Nach ein paar Minuten stehen sie an der Theke zur Abholung bereit.

Kund:innen können ihren Bestelleinkauf auf dem Heimweg selbst einsammeln oder zuhause bleiben und ihn per Deliveroo-Kurier dorthin ordern. Geöffnet ist von morgens 8 Uhr bis 23 Uhr am Abend. Das Sortiment umfasst aktuell 1.750 Artikel – mehr als mancher Discounter bieten kann.

Neu ist das Prinzip nicht, aber konsequent (und stylish) umgesetzt.

Lieferando, Go!

Und wenn man schlau wäre in Berlin, dann könnte man sich das für Lieferando Go einfach genau so abgucken, um zukünftigen Handelspartnern zu demonstrieren, dass das ein guter Deal für sie wäre, neue Abhol- und Bestellkund:innen zu gewinnen, ohne sich selbst mit der dafür notwendigen lästigen Infrastruktur beschäftigen zu müssen. (Ein paar Handelsketten, denen das potenziell gut täte, gibt es hierzulande ja.)

Oder wie’s JET-Grocery-Chef Hernandez formuliert hat:

„Moving forward, we believe it is important to continually innovate, such as using our tech to enhance the experience for both consumers and partners and expanding our food and non-food offerings.“

Prima, kann losgehen: Lieferando, Go!

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