“Die Marktlücke ist da”: Albert Heijn to Go exportiert sein Snackkonzept nach NRW

Vor anderthalb Jahren eröffnete Rewe in Köln seine erste Filiale speziell für Snacks – mit Sandwiches, geschnittenem Obst, Getränken und Fertigmahlzeiten. “Convenience” heißt das in der Supermarktbranchensprache. Oder, wie hier im Blog: Sofortessen. Inzwischen sind drei weitere Rewe-to-Go-Filialen hinzugekommen, zuletzt am Kölner Hauptbahnhof. Vor allem gibt es einen neuen Konkurrenten: Im September holte der niederländische Konzern Ahold sein Ladenkonzept “Albert Heijn to Go” nach Deutschland. Los ging’s in Aachen. In dieser Woche öffnete im Ruhrgebiet die zweite Filiale ihre Türen.

Das Supermarktblog hat sich vorm Sandwichregal mit Deutschland-Chef Jürgen Hotz unterhalten – über unterschiedliche Snackkulturen, nächtliche Eigenmarkenlieferungen und die Konkurrenz durch Backketten und Schnellrestaurants.

* * *

Herr Hotz, hier in Essen hat gerade die zweite deutsche Filiale von Albert Heijn to Go eröffnet. Schauen Sie sich jetzt erstmal an, ob die Deutschen Ihre Sandwiches mögen – oder geht’s gleich weiter?

Jürgen Hotz: Wir haben uns fürs erste Jahr insgesamt etwa zehn bis zwölf Filialeröffnungen vorgenommen. Das schaffen wir auch. Ich gehe davon aus, dass in jedem Monat eine neue Filiale hinzukommt. In zwei Wochen ist Düsseldorf dran, Anfang 2013 folgt Laden Nummer vier. Wir haben festgelegt, zunächst in Nordrhein-Westfalen zu bleiben. Daran halten wir uns auch.

Sie haben in Aachen erste Erfahrungen gesammelt: Was kommt bei den Kunden an? Und was funktioniert anders als gedacht?

Hotz: Wir haben gemerkt, dass uns viele Kunden schon sehr gut kennen – aus den Niederlanden. Sie kommen in den neuen Laden und vermissen dann typisch niederländische Produkte wie Hagelslag und Vla. Aus dieser Erfahrung lernen wir gerade und wollen diese Produkte künftig auch in den deutschen To-Go-Filialen anbieten.

Das hätten Sie sich doch eigentlich vorher denken können, oder?

Hotz: Jein. Wir haben das Konzept für Deutschland schon leicht angepasst: Es gibt natürlich viele typisch deutsche Marken. Und viel weniger Milchprodukte. In den niederländischen Filialen ist damit eine ganze Regalreihe gefüllt. Aber hier trinken die wenigsten Leute Buttermilch zum Mittagessen. Die Niederländer essen mittags häufig Brot, die Deutschen auch mal einen Salat oder etwas Warmes. Dementsprechend haben wir unsere “Meal Deals” angepasst, also die Kombinationen aus Snack und Getränk zum vergünstigten Preis. Es kommt außerdem sehr auf die Lage des Ladens an, welche Produkte funktionieren. In den Niederlanden haben unterschiedliche Albert-Heijn-to-Go-Filialen auch unterschiedliche Sortimente. In manchen wird zum Beispiel frisches Fleisch verkauft, in anderen Blumen.

Aber Sie suchen vor allem Läden in Fußgängerzonen und Innenstädten, oder?

Hotz: Ja. Wenn wir in einer Seitenstraße aufmachen, finden uns die Kunden nicht. In den Niederlanden gibt es Albert Heijn to Go aber auch an Bahnhöfen. Im nächsten Frühjahr werden wir auch eine deutsche Filiale in einem Bahnhof eröffnen.

Auf den wenigen Metern vom Bahnhof zu Ihrem neuen Laden sind mir hier gerade zwei Kamps-Filialen, zwei Backwerk-Läden, Nordsee, McDonalds’s und Starbucks begegnet. Sie sind erstmal nur ein Anbieter unter vielen. Warum sollen die Leute ausgerechnet bei Ihnen ihr Mittagessen kaufen?

Hotz: Wir haben einen Vorteil: Alle Läden, die Sie gerade aufgezählt haben, bieten nur ein ganz bestimmtes Sortiment. Bei uns gibt es alles: frische Backwaren, Salate, Säfte, Sushi, Tapas. Einen solchen Mix finden Sie in einem anderen Laden hier auf der Straße nicht.

Vielleicht wollen’s die Deutschen genauso haben: Schrippe mit Käse drauf – und das reicht. Sonst hätte es das Mix-Konzept doch schon viel früher geben müssen.

Hotz: Ein belegtes Brötchen kann ich Ihnen ohne Probleme auch anbieten. Aber genauso einen Salat oder eine Suppe mit Garnelen. Wir haben uns lange mit dem deutschen Markt beschäftigt und wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Die Marktlücke ist da.

Liegt das auch daran, dass die Läden gerade leichter zu haben sind? In Aachen haben Sie in einer früheren Schlecker-Filiale eröffnet.

Hotz: Nein, das ist Zufall. Es ist heute nicht leichter als vor fünf oder zehn Jahren, einen Laden in einer guten Lage zu finden. Wir suchen Flächen zwischen von 60 und 80 Quadratmetern, 130 sind aber auch machbar. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Unsere Lebensgewohnheiten haben sich geändert. Wir sind öfter unter Zeitdruck, essen auf der Straße, im Gehen. Es gibt viele Alleinerziehende, Berufstätige. Die Nachfrage nach schnellem, unkompliziertem und gesundem Essen ist deutlich gestiegen. Albert Heijn to Go ist das Konzept dafür. Weil die Leute nicht mehr überlegen müssen: Geh ich zum Bäcker oder in den Supermarkt? Sie können alles auf einmal haben. Auch mancher Bäcker erweitert sein Sortiment bereits mit Salaten. Es gibt also einen Bedarf. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.

Wie groß ist dann die Konkurrenz durch Backketten oder Discounter, die im Kühlregal auch schon Obst, Salate und Sandwiches für die Mittagspause anbieten?

Hotz: Unsere Stärke ist, dass wir eine sehr abwechslungsreiche Auswahl haben. Aber auch, dass alles sehr schnell geht. Wer seinen Zug kriegen muss oder nur eine kurze Mittagspause hat, für den ist Schnelligkeit entscheidend. Im Discounter stehen Sie womöglich in der Schlange zwischen den Menschen, die gerade ihren Wochenendeinkauf erledigen. Und das kann dauern. Bei uns können Sie innerhalb von zwei Minuten Ihren Einkauf erledigt haben.

Es gibt bei Albert Heijn to Go keine Kaffee-Selbstbedienung wie beim Konkurrenten Rewe to Go. Warum?

Hotz: Weil viele Kunden es tatsächlich schätzen, beim Kaffee bedient zu werden. An der Kasse fragt der Mitarbeiter zuerst, ob ein heißes Getränk gewünscht wird, das dann während des Kassierens durchläuft. Selbstbedientheken sehen, weil öfter mal was daneben geht, schnell nicht mehr so appetitlich aus.

Viele Snacks, Salate und Sandwiches von Albert Heijn to Go kommen aus eigener Produktion und sind einheitlich verpackt. Ist das ein Vorteil gegenüber Konkurrenten?

Hotz: Ja, fast alles sind Private Labels mit dem blauen Albert-Heijn-Logo. Sämtliche Frische-Snacks werden nachts aus den Niederlanden geholt und an die Filialen ausgeliefert. Das ist schon mal ein logistischer Vorteil. Außerdem ist der Inhalt auf vielen Verpackungen schon jetzt in vier Sprachen angegeben: französisch, englisch, niederländisch und deutsch. Ich kann mir aber auch vorstellen, ein tolles Produkt aus einem klassischen Albert-Heijn-Supermarkt in unser Sortiment aufzunehmen.

Das bedeutet aber auch: Sobald die erste Filiale außerhalb Nordrhein-Westfalens eröffnet, müssten Sie die Logistik umplanen.

Hotz: Ich kann Ihnen versichern: Auch dafür hätten wir schon Lösungen.

Wann entscheiden Sie, ob Albert Heijn to Go in Deutschland Zukunft hat?

Hotz: Das ist kein Test. Wir sind von unserem Konzept überzeugt. Es ist auf jeden Fall geplant, zu expandieren. Wir unterschreiben jetzt einen Mietvertrag nach dem anderen.

Mehr über den Laden und die “Lekkereijen” bei Albert Heijn to Go steht im nächsten Blogeintrag.

Fotos: Ahold, Supermarktblog

15 Kommentare zu “Die Marktlücke ist da”: Albert Heijn to Go exportiert sein Snackkonzept nach NRW

  1. Petra sagt:

    Entweder ziehe ich um nach NRW oder der Herr Hotz entscheidet sich nach Hamburg zu kommen. Ich könnte auf Anhieb mindestens 3 Standorte sagen, an denen es prächtig laufen könnte.

  2. Aufrechtgehn sagt:

    Ja, hab ich auch grad gedacht. Wie gemein, dass es die Läden erst mal nur in NRW gibt. Ich will so einen auch hier in Frankfurt haben. Vor allem, wenn er dann auch Vla und Hagelslag führt!

  3. Florentin sagt:

    Ich freu mich schon auf die Expansion, hoffentlich gibt es diese Läden bald auch in Berlin.

  4. Sebastian sagt:

    Liegt das Angebot preislich denn auch auf dem Niveau von Rewe to go? (Geschnittene Ananas 4,40 Euro)
    Wenn ich in der Mittagspause schnell in einen Supermarkt gehe, dann vor allem um mir für 2 Euro eine Müllermilch, ein Körnerbrötchen und einen Liter Cola zu holen und noch Wechselgeld zu bekommen… Aber vielleicht bin ich da ein Exot und nicht “Convenience”-Zielgruppe…

  5. Sabrina sagt:

    @ Sebastian:

    Da bist Du nicht wirklich alleine. Ich finde die Preise für eine Mittagspause auch wesentlich zu hoch. Wenn man bedenkt, dass man für das Geld (4,40 €) in den meisten Mensen locker ein ganzes Menü inklusive Nachtisch bekommt, halte ich die Preise von Rewe to go auch für überzogen. Die Antwort auf diese Frage würde mich daher sehr interessieren.

    Ansonsten mag ich das Konzept schon: oft fehlt am Mittag einfach die Zeit, Obst oder kleine Snacks selber vorzubereiten. Wenn der Preis stimmt, werde ich demnächst auf jeden Fall mal vorbeisehen.

    Viele Grüße aus Hamburg

    Sabrina H.

  6. Thomas sagt:

    Also praktisch Tesco express bzw. Sainsbury’s Local.
    Tatsächlich bisher eine Marktlücke in Deutschland. Es steht und fällt aber einfach mit den Preisen. In Großbritannien sind diese ja recht erträglich bzw. die Meal Deals ziemlich konkurrenzlos, entsprechend laufen die Läden auch. Wie anscheinend Rewe zu versuchen, diesen Ladentyp als “gehoben” zu betreiben (und zu bepreisen) muss einfach nach hinten losgehen. Die nächste Dönerbude ist ja selten weit und auch nicht teurer als die Rewe-Ananas…

  7. Beatrix sagt:

    Ich kenne die Läden aus den Niederlanden.
    Super, da ich in NRW wohne, werde ich da bald Stammkunde.

  8. Bernd sagt:

    Ich wäre gespannt, das Konzept demnächst auch mal in Köln zu sehen. Hoffentlich hat AH mit seinem Konzept mehr Glück als seinerzeit Delhaize (Belgien), die waren nach einigen Jahren wieder weg. Etwas Abwechslung tut dem Lebensmittel-Einzelhandel durchaus gut – in Köln gibt es stellenweise fast eine Rewe-Monokultur, mit einer Handvoll Edeka und einigen ganz wenigen anderen (Kaiser’s, Hit etc.)

  9. Joey sagt:

    Na endlich werden mal wieder Lebensmittel um die halbe Welt gekarrt. Hauptsache Öko-Bildchen auf der Verpackung.

    • Peer Schader sagt:

      Ich bin ja auch kein Freund ewiger Lebensmittel-Transportwege. Aber Niederlande-Deutschland ist doch eher nicht “die halbe Welt”, oder?

    • Bernd sagt:

      Zumal es sich ja nicht um ganz Deutschland handelt, sondern zunächst mal nur um NRW – um noch genauer zu sein, ums Rheinland. Für die Aachener Filialen braucht Albert Heijn ja die Sachen quasi nur einmal übern Zaun werfen – und Essen, D’dorf und Köln sind auch nicht soooo die Entfernung von unseren holländischen Nachbarn.

  10. Mate Nils sagt:

    Wann gibt es endlich CVSs wie 7-Eleven in Deutschland? Mit Microwelle, Wasserspender usw… Alles was man so braucht um sich sein Essen auch warm zu machen.

    • Vonfernseher sagt:

      So Plätze wie, äh, Kantinen? Aufenthaltsräume? Es muss bei deutschen Arbeitgebern ja mittlerweile gar grausig zugehen, dass es überhaupt eine wahrnehmbare Zielgruppe für so etwas gibt, was wiederum nicht die Schuld der Zielgruppe wäre, nur glauben mag ich es nocht nicht. Ich war wohl zulange weg.

  11. janine sagt:

    Es ist hier in Duisburg schon eine Schande, dass Albert Heijn im Hauptbahnhof eine Filiale eröffnet hat.
    Die Mitarbeiter bei Albert Heijn müssen alle 2 Stunden die ” alten eingepackten” Sandwiches entsorgen, damit immer frisches in den Regalen liegt.
    Nach Ablauf der Schicht sind es 2 refood- Tonnen, mit Sandwiches…..

    Finde ich blöd!

Kommentieren

Geben Sie bitte eine gültige Email-Adresse an (wird nicht veröffentlicht).