Nachwuchs bei „Emmas Enkel“: Es wird ein Filiälchen!

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Mal angenommen, Sie würden einen Einkaufsladen-Kaffeetrink-Abhol-Nachhauseliefer-Markt eröffnen. Würde es Ihnen da in den Sinn kommen, nach anderthalb Jahren das Konzept zu erweitern?

Vermutlich nicht.

Den beiden Gründern des Düsseldorfer Lebensmittel-Start-ups „Emmas Enkel“ aber schon. Mitte Februar haben Benjamin Brüser und Sebastian Diehl (die regelmäßigen Supermarktlesern ja bereits bekannt sind) ihren Markt übers Wochenende zugemacht – und Rollen unter die Holzwürfel geschraubt, in denen die Produkte im Verkaufsraum bisher standen.

Da stehen sie jetzt auch wieder. Bloß mobiler. Brüser sagt: „Wir haben schnell gemerkt: Ein Regal mit 150 Kilo räumt man nicht mal eben weg.“ Genau das sollte aber möglich sein, um in dem kleinen Innenstadtladen zum Beispiel morgens ein anderes Sortiment zu zeigen als abends. Jetzt geht das problemlos:

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„Bei gutem Wetter schieben wir die Grillzutaten und die Steaks nach vorne, bei schlechtem Wetter alles, was man für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa braucht. Und wenn Fortuna Düsseldorf gewonnen hat, kommt der Schampus vor. Andernfalls bleibt’s bei Selters.“

Die "Emmas Enkel"-Gründer Sebastian Diehl und Benjamin Brüser

Die Starlight-Express-Ladeneinrichtung hat noch einen Vorteil: Sie kann komplett rausgerollt werden, um im Laden Platz für Veranstaltungen zu machen. „Die Generalprobe hat gerade schon sehr gut funktioniert“, sagt Brüser. „Nach einer halben Stunde war alles weggeräumt.“

Über mangelnde Auslastung können sich Brüser und Diehl anderthalb Jahre nach der Eröffnung nicht beklagen. Die Kombination aus Lebensmittelmarkt, Café und Online-Shop scheint nicht nur bei den Kunden anzukommen, sondern erfreut sich auch bei den Medien einer nachhaltigen Aufmerksamkeit, die bis ins Ausland reicht.

Im vergangenen Jahr waren die „Enkel“ als Finalisten für die „World Retail Awards“ nominiert. Im Januar wurde der Laden als Ort im „Land der Ideen“ ausgezeichnet. Und auf der CeBIT schüttelten die Gründer gerade der Bundeskanzlerin die Hand, weil die sich ansah, was die beiden mit dem Telefonkonzern Vodafone vorhaben: „Shopping-Walls“, über die sich der Lebensmitteleinkauf unkompliziert mit per Handy erledigen lassen soll.

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(Wobei das freilich noch in der Praxis bewiesen werden muss, weil Vodafone-Kunden wissen, dass mit diesem Unternehmen sonst ungefähr nichts „unkompliziert“ funktioniert.)

Kürzlich outete sich der ehemalige Bertelsmann-Vorstand Hartmut Ostrowski als Finanzier (pdf). Der eigentliche Test, nämlich ob das „Enkel“-Konzept auch außerhalb Düsseldorfs funktioniert, steht aber erst noch bevor. Denn jetzt gibt’s Nachwuchs. Demnächst eröffnet in Essen ein Filälchen.

Das ist etwas kleiner als in Düsseldorf. Und die Nachbarschaft ist etwas sonderbar. Eingerahmt von einem holzbrettervernagelten Leerlokal zur Linken und „La Grappa“ zur Rechten lässt sich derzeit noch nicht so recht erahnen, wie der Ableger mal aussehen wird. Die Fenster sind mit Papier zugeklebt. Das Schild gehört noch dem Vormieter („Troya Restaurant – Türkisch für Gourmets“), für Neugierige klebt aber schon der Internethinweis www.hier-ensteht-etwas-gutes.de im Schaufenster. Eine separate Facebook-Seite gibt es auch.

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Noch uneröffnet: Der künftige "Emmas Enkel" in Essen

Unmittelbar gegenüber steht die riesige Firmenzentrale von Evonik Industries, die auf Fahnen ihren Claim „Kraft für Neues“ flattern lässt – und damit in Hinblick auf die Neueröffnung gegenüber ja auch nicht Unrecht hat. Vor allem aber waren natürlich die Nähe zum Bahnhof und die günstige Lage ausschlaggebend. Brüser sagt:

„Die reinen Fußgängerzonen kommen nicht in Frage: Der Laden muss mit dem Auto gut erreichbar sein.“

Im Essener „Emmas Enkel“ können die Kunden künftig nicht nur einkaufen, sondern – ähm: auch essen. Der Laden hat eine Gastronomieerlaubnis – und jeder, dem der Mittagstisch schmeckt, kriegt das Rezept dazu, um die Zutaten einzukaufen und zuhause selbst kochaktiv zu werden.

(Ähnlich wie bei den Online-Rezeptlieferdiensten und dem Zutatenkombinierer „Kochhaus“.)

Weitere „Enkel“ sind geplant – und zwar nach dem Franchise-Prinzip. „Der Begriff ‚Franchise‘ hat im Deutschen immer einen Beigeschmack, weil er meistens mit McDonald’s und Subway in Verbindung gebracht wird“, sagt Brüser. „Aber eigentlich trifft er das, was wir umsetzen, schon ganz gut.“ Jeder neue Laden, auch der in Essen, wird mit einem Partner betrieben, der sich in seiner Stadt gut auskennen soll, aber nicht noch mal dieselbe Zeit und Energie in den Aufbau eines Warensystems und den Webshop zu investieren braucht.

„Es ist eine klassische Arbeitsteilung: Wir kümmern uns um Online, der Partner um seinen Laden.“

Und dann stehen irgendwann die beiden Original-„Enkel“ in der Tür und meckern, wenn die Corporate Identity und das Sortiment nicht stimmen? Nee, meint Brüser:

„Was damals den Tante-Emma-Laden ausgemacht hat, der persönliche Bezug des Besitzers zu seinen Kunden, muss auch bei Emmas Enkeln praktiziert werden. Deshalb bringt es gar nichts, wenn wir jetzt von oben herab vorgeben, wie das komplette Sortiment eines Ladens auszusehen hat. Das bestimmt jeder Partner selbst.“

Es sind ziemlich viele Baustellen, auf denen das Gründerduo gerade gleichzeitig unterwegs ist. Vielleicht sogar ein oder zwei zuviel. Aber womöglich ist das die richtige Strategie, um sich im Wettbewerb stetig von den großen Supermärkten abzuheben.

Und an Selbstbewusstsein mangelt es den „Enkeln“ nach der medialen Aufmerksamkeit der vergangenen Monate sowieso nicht. Nach all dem, was er seit der Eröffnung über den Handel, nicht nur den mit Lebensmitteln, gelernt habe, glaubt Brüser, dass auch bei etablierten Läden „drastische Veränderungen“ notwendig seien, um sich gegenüber der reinen Onlinekonkurrenz zu wappnen:

„Sonst werden die Innenstädte auf Dauer ein großes Problem bekommen. Als stationärer Händler muss ich meinen Kunden gute Gründe bieten, nicht bequem von zuhause oder auf der Couch online einzukaufen.“

Wenn die Pläne von „Emmas Enkel“ aufgehen, reicht dafür vielleicht ja auch schon: ein warmes Mittagessen.

Fotos: Emmas Enkel/Supermarktblog

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