dm ersetzt Wegwerf-Plastiktüten durch Wegwerf-Infobroschüren

dm ersetzt Wegwerf-Plastiktüten durch Wegwerf-Infobroschüren

Inhalt:

Die Drogeriemarktkette dm versetzt die Medien in helle Aufruhr: In den Läden soll es ab sofort keine Gratis-Plastiktüten mehr geben! Das kann man vorbildlich nennen. Oder einfach: überfällig.

Partner und Sponsoren:

Sicher haben Sie auch bereits die „einschneidende Veränderung“ mitbekommen, von der u.a. die WAZ berichtet: „Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten.“ (Eigentlich hätte der Satz natürlich lauten müssen: „Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten!„)

Die Drogeriekette hat diversen Medien bestätigt, was zuvor diverse Medien berichtet hatten: Den Filialleitern ist es freigestellt, ob sie die billigen Plastikfetzen, die bislang das Ende des Kassentresens schmückten und zufällig in Tütenform gepresst waren, noch anbieten – oder nicht. In den Läden, die sich dagegen entschieden haben, hängt nun unter der Überschrift „Wo sind die kleinen Tüten hin?“ der Hinweis:

„Lassen Sie uns der Umwelt zuliebe den Tütenverbrauch reduzieren. Sprechen Sie uns an und erfahren Sie mehr über unsere nachhaltigen Taschen.“

dm-Tütenersatzrätsel an der Kasse

Das kann man vorbildlich nennen. Oder einfach: überfällig.


Wer im dm lieber stumm vor sich in shoppt, nimmt alternativ einfach eines der Infoheftchen an sich, die jetzt an den früheren Tütenhaken hängen, und in denen aufgelistet ist, womit sich so ein Drogerieeinkauf künftig nachhause befördern lässt: zum Beispiel mit der „Permanenttasche“, dem „stabilen Alleskönner“, der „Papiertasche“, der „geräumigen Standfesten“, der „Bio-Tasche“, dem „nachhaltigen Hingucker“, und der (großen) „Plastiktasche“, dem „flexiblen Klassiker“. Was man sich halt in Marketing-Abteilungen so ausdenkt, wenn der Feierabend noch so lange hin ist.

(Immerhin wissen Sie jetzt, dass es keineswegs eine Belästigung ist, wenn sich demnächst Kunden bei dm-Verkäufern erkundigen, wo sie „die geräumige Standfeste“ finden.)

Kurzum: Damit wir weniger Plastik wegschmeißen, das eigentlich keiner braucht, hat dm haufenweise Vierfarb-Broschürchen zum Wegschmeißen gedruckt, die eigentlich keiner braucht. Was in Sachen Nachhaltigkeit ein klitzekleiner Fortschritt sein mag, in Sachen Müllvermeidung aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann.

Alternativ hätte dm ja auch einfach Plakate in den Filialen aufhängen können, etwa mit dem folgenden Text:

Wo sind die kleinen Tüten hin?
Die gibt’s jetzt nicht mehr. Wir sparen uns das Geld dafür. Und wenn Sie ehrlich sind, waren die Dinger sowieso schon immer völlig unbrauchbar. Weil man für das, was reingepasst hat, keine Tüte braucht. Und weil alles, wofür man eine Tüte braucht, nicht reingepasst hat. (Falls doch, war das ein einschneidendes Erlebnis, weil Ihnen auf dem Heimweg eh die Henkel gerissen sind.)
Sie dürfen jetzt weiter einkaufen.
Höflichst, Ihr dm-Markt“

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Fotos: Supermarktblog

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25 Kommentare
  • Decathlon hat das doch vor einiger Zeit auch gemacht. Beim ersten Mal hatte ich mich noch gewundert, wo denn die Tüten hin sind – das hat mir dann eine Verkäuferin erklärt und damit war die Sache erledigt. Ich finds gut.

    • Sie müssten bitte eine gültige Emailadresse angeben, um hier kommentieren zu können. (Wird nicht veröffentlicht oder weitergegeben.)

  • Ein wunderbarer Vorschlag für den Plakattext 🙂 Er hätte auch lauten können: „Die gibt’s jetzt nur noch unbedruckt zu 25 Stück in einer Rolle.“ 😉

  • Ich finde die dm-Tüten nicht so problematisch, sondern dass man jedes noch so winzige Produkt in diesen festbetonierten Plastikverpackungen kaufen muss. Da könnte man sich langsam eine umweltverträglichere Alternative einfallen lassen!

  • Kein Witz, weil es keine Tüten mehr bei DM gibt, gehe ich nun regelmässig zu Rossmann, eine Ladenkette die ich jahrelang gar nicht aufgesucht habe, weil die DM Dichte hier so hoch ist und ich immer zufrieden war.

    BTW: Die Tüten bei Rossmann sind sogar besser.

  • Gut zu erfahren daß die Plastiktütchen nach Meinung des Autors überflüssig sind. Ich seh das ja anders, denn in die Tüten bekommt man schon einige Schminkteile oder z.B. eine Flasche Schampoo – in meine Handtasche passt die jedenfalls nicht. Ich würde eher behaupten daß es bei dm sehr wenig gibt, was nicht in die Tüte passt.

    • Der Autor fragt sich gerade, ob in Ihre Handtasche auch keine wiederverwertbare Falttasche passt, in der Sie dann Ihre Shampoos nachhause tragen können.

  • Und das Konzept mit anderen Behältnissen ist so naheliegend wie unrealistisch. Ich kaufe eben beim Spontaneinkauf bei dm (oder weil mir gerade eingefallen ist, daß ich was brauche) noch für teuer Geld so eine Permanenttasche, vor allem wenn die dann viel zu groß ist und ich davon zuhause schon fünf habe. Und bevor jemand quakt: Ich bemühe mich nach Möglichkeit ggf. eine Tüte dabeizuhaben, aber das Leben ist nicht immer so planbar und ständig mit ner Plastiktüte in meiner Handtasche rumlaufen ist auch nicht praktikabel.

    Die kleinen Tütchen sind sicherlich keine optimale Lösung, aber da sie eben klein und auch sehr dünn sind, sind sie immer noch wesentlich verträglicher als z.B. die große und feste Supermarkttüte.

  • Ich finde es eigentlich super, da die Tüten am Ende ja wirklich im Müll lande. Budni bietet zum Beispiel Pfandtüten als Ersatz an: man kauft die Tüte einmal und kann sie bei Defekt beliebig oft umtauschen.

  • Übrigens stellen diese Plastik-Tüten keinerlei Umweltproblem dar, zumal im Verhältnis zu typischen Drogerieprodukten, die praktisch alle überflüssig aufwendig verpackt sind.

    Gerade DM ist hier kein Umweltvorreiter, die Eigenprodukte werden immer aufwendiger verpackt, z.B. früher Tube, heute Tube in Papp-Schachtel.

    Sieht halt wertiger aus und lässt sich teurer verkaufen, DM will mit den Tütenverzicht einfach nur Kosten sparen.

  • Stimmt, Plakat hätte gereicht. Es ist erstaunlich, wie viele sich dennoch informieren oder auch tatsächlich beschweren, dass es diese Tüten nicht mehr gibt. Es gibt mittlerweile Mehrwegtaschen, doch sind diese meist sehr sperrig. Super wäre es, wenn man bei dm diese kleinen Stoffbeutel kaufen könnte, die es bei Rossmann schon seit Jahren gibt. Ich habe immer drei in der Tasche, nehmen zusammen gefaltet keinen Platz weg, einfach perfekt 🙂

  • Eben bei Real – auch da sind im SB Kassen Bereich die Tüten weg.
    Gut so! Nur jetzt wird es wirklich unpraktisch.
    Denn entweder hängt man seinen Stoffbeutel ein, sagt dann der freundlichen Kassenhilfe Bescheid, sie möge die Waage wieder zurück stellen, damit man scannen kann oder man muss die Ware lose auf die Scanner/Waage legen.
    Vermutlich kam die Entscheidung keine Tüten mehr anzubieten toal plötzlich und unerwartet – und da konnte niemand mehr eine Tara Taste programmieren 🙁

    • Und was sagen die Mitarbeiter? Vielleicht bloß ein Tütenengpass? Das SB-Kassen-System funktioniert ja fast nur dann, wenn Tüten im Einsatz sind. Sonst dauert das ja ewig, bis da jeder seine Stofftasche raufgeruckelt hat.

    • Zumindest im Real,- im Ringcenter Frankfurter Allee in Berlin war es ein Tütenengpaß, weil laut Plakat der Tütenhersteller insolvent ist und nach einem neuen Lieferanten gesucht wird. Inzwischen gibt es da aber wieder Tüten an der SB-Kasse.

  • Zumindest Rossmann verkauft für ~2€ praktische Taschen aus robustem Kunststoff, die sich sehr klein zusammenfalten lassen. Das wäre für den dm (und jede andere Drogerie) eine gute Lösung. Es spart Kunststoff ein, der Kunde bekommt eine oft wiederverwendbare Tüte in sinnvoller Größe, und die Drogerie verdient an der Tüte auch noch Geld.

    Mit diesen faltbaren Tüten fällt dann auch das unsinnige Argument „Eine mitgebrachte Tüte nimmt in meiner XXL-Handtasche zu viel Platz weg!!!“ weg.

    Jetzt muss dm nur noch in Sachen Pillenverpackung mit gutem Beispiel vorangehen. Ein Karton, in dem 3x 20 Pillen einzeln in Kunststoff umhüllt auf einer Alu-/Kunststoffplatte liegen. Die Kunststoffhülle und die Platte kann man auch einfach streichen.

  • Unsere Müller-Filiale biete die Plastiktüten auch nicht mehr kostenlos an. Dafür wir jetzt JEDER Kunde beim Bezahlen gefragt, ob er eine Tüte dazu kaufen möchte(?!).

  • Viel schlimmer finde ich Läden wie C&A, wo man eine Tüte nehmen muss, „damit der Kaufhausdetektiv am Ausgang sehen kann, dass die Ware gekauft und nicht gestohlen wurde“ – was im Übrigen völliger Blödsinn ist, theoretisch könnte man ja auch mit einer gebrauchten C&A-Tüte zum Klauen kommen.

  • „Immerhin wissen Sie jetzt, dass es keineswegs eine Belästigung ist, wenn sich demnächst Kunden bei dm-Verkäufern erkundigen, wo sie “die geräumige Standfeste” finden.“
    Ich habe gelacht. Und Marketing-Bashing ist auch immer gut.

  • Falls es jemanden aufgefallen ist, ihr habt alle schlaue Ideen und Plastiktüten sind ja so praktisch. Dm geht es in erster Linie um Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Wer sich informiert, weiß, dass dm auch bereits den Nachhaltigkeitspreis gewonnen hat. Man kann nun mal nicht alles auf einmal ändern so wie man es sich vorstellt.

    Außerdem verkauft dm ebenfalls Recyclingtaschen/Pfandtaschen, die man bei defekt zurückgeben kann und dafür eine neue erhält und zwar die Bio- Baumwolltasche.
    Wenn man sich ansieht, wie samstags Familien einen Großeinkauf starten und alles in kleine Plastiktüten quetschen weil sie „halt umsonst“ sind, statt sich eine passende für 10ct – 2€ kauft, die man beim nächsten Einkauf einfach wieder mitnimmt. Das wäre ein wünschenswertes Bewusstsein von Kunden.

    Nicht immer gegen alles sein, sondern auch mal gute Aspekte sehen und auch mal an die Umwelt denken !

  • Schöner Beitrag, besonders die Pointe am Schluss. Ich habe zwei Jahre lang in England / Bristol gelebt und das fiel genau in die Zeit, in der auch dort ein Umdenken in Sachen Plastiktüten stattgefunden hat, das dem von dm durchaus ähnelt (eigtl. ist es natürlich umgekehrt). In englischen Supermärkten gab es lange auch kleinere Tüten, die die Einkäufer umsonst mitnehmen durften; Problem: die Tüten haben ebenfalls eine seltsame Größe, sind zu klein für große Einkäufe, und deshalb haben die Leute immer sehr viele Tüten mitgenommen und ihren Einkauf auf bis zu 5 oder 6 davon verteilt.
    Das hat natürlich zu einem sehr hohen Tütenverbrauch geführt, weshalb inzwischen die Tüten ähnlich wie bei uns kostenpflichtig geworden sind und „hinter die Bezahlschranke“ gewandert sind. Auch hier das Beispiel dass man den Kunden zu seinem ökologischen Glück ‚zwingen‘ kann od. muss. Das Thema lässt mich auch an eine zufällige Beobachtung vom Wochenende denken. Wir wollten so kleine Zip-Tüten bestellen für die vielen Steine unserer Brettspielsammlung bestellen (muss man da eigentlich auch schon ein schlechtes Gewissen haben?) Dann sind wir auf einen Anbieter gestoßen, der verkauft „Tragetaschen … aus umweltfreundlichem und weiss eingefärbtem Hochdruckpolyäthylen“ (Quelle) Weiter heißt es: „Sie sind lebensmittelecht, universell einsetzbar sowie recyclebar.“ Wenn ich aber Polyethylen bei Wikipedia nachschlage, kommt da das Wort „Umwelt“ oder „Öko“ in dem ganzen Artikel gar nicht vor, da heißt es auch, es handele sich um einen Standardkunststoff.
    Ich bin kein Chemiker, deswegen kann ich dazu nur sagen: Das klingt ja wie Aussage gegen Aussage. Wenn Plastik umweltfreundlich sein kann, hat dann die Revolution nicht schon stattgefunden? Was genau heißt denn „umweltfreundlich“ bezogen auf eine Plastiktüte? Oder „recyclebar“? Kann Plastik in was anderes als Plastik / einen anderen Kunststoff umgewandelt werden?

    • Polyethylen ist nun wirklich kein problematisches Material – ich trage das Zeug ohne Bedenken sogar direkt auf der Haut („Fleece“-Klamotten).
      Richtig übel dagegen sind ‚Plastiktüten‘ aus ‚nachwachsenden Rohstoffen‚, die nicht nur eine üble Ökobilanz aufweisen, sondern auch unbedingt in den Restmüll gegeben werden müssen, damit sie nicht das PE-Recycling verunreinigen.
      UBA: Bio-Plastiktüten sind Unsinn

      Grundsätzlich: Solange niemand auf die doofe Idee kommt, die Tüten nach jedem Spieleabend wegzuwerfen und durch neue zu ersetzen, wüßte ich nichts, was gegen sowas wie die ganz normalen Zipverschluß-Beutel aus dem dm-Sortiment spricht… Wenn’s umweltfreundlich sein soll, bitte nicht per Versandhandel bestellen, sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu einer dm-Filiale (oder einem britischen Äquivalent dazu) und dort einkaufen.

      P.S.: Gerüchteweise soll es auf diesem Planeten Menschen geben, die kostbares Erdöl direkt verbrennen(!), statt es vorher noch z.B. als PE-Produkt einzusetzen und erst danach „thermisch zu verwerten„…

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