Warum Kaffeeautomaten im Supermarkt meistens Quatsch sind

Warum Kaffeeautomaten im Supermarkt meistens Quatsch sind

Inhalt:

Aldi Süd kann sich vorstellen, Kaffeeautomaten in seine Filialen zu stellen. Klingt wie ein netter Kundenservice. Hat aber gleich mehrere Nachteile. Rewe kooperiert stattdessen mit Starbucks: im 2. Quartal 2016 geht’s los.

Partner und Sponsoren:

Anfang des Monats meldete die „Wirtschaftswoche“, dass es bei Aldi Süd in neuen Filialen bald Kundentoiletten geben wird. Zahlreiche Medien machten aus der Pipi-News reflexartig eigene Klicktextchen, und „Bild“ hyperventilierte sich sogar zur „Discounter-Revolution“: weil sich Aldi einer Sprecherin zufolge auch vorstellen kann, „in Zukunft“ Kaffeeautomaten in den Läden aufzustellen. (Vermutlich, damit sich die Toiletten rentieren.)

In dieser vor kurzem eröffneten Aldi-Süd-Filiale hat „die Zukunft“ bereits begonnen, und – mit Verlaub – sie sieht scheiße aus. Wie eine Bushaltestelle mit Heißgetränkeanschluss:

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Dafür lässt sich an dem abgebildeten Ensemble mit dem affigen Namen „Coffee hoch3 (To Go)“ ganz gut erklären, warum Kaffeeautomaten im Supermärkten in den allermeisten Fällen Quatsch sind.


Sie stehen falsch

Der Automat auf dem Bild oben ist hinter den Kassen aufgestellt, kurz vor dem Ausgang. Das Heißgetränkeangebot richtet sich also an Kunden, die gerade schon bezahlt haben und gleich den Tiefkühlfisch nachhause schleppen müssen, damit der ihnen nicht in der Tasche wegtaut. Selbst wenn der Einkauf weniger temperaturempfindlich ist: Haben Sie schon mal versucht, Ihren Aldi-Großeinkauf in den Kofferraum zu wuchten und dabei einen schönen Cappucchino zu trinken?

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Gut, man kann sich natürlich auch neben den Automaten auf die weiße Bank setzen, um einen Kaffee zu genießen: am hektischsten und stressigsten Punkt im ganzen Markt, wo sich die übrigen Kunden gegenseitig die Einkaufswägen in die Hacken rammen. Dafür muss der Koffeindruck aber wirklich kaum noch auszuhalten sein.

Sie lenken vom Einkaufen ab

Andere Lebensmittelhändler sind schon früher auf die Idee gekommen, Ihren Kunden Kaffee im Laden anzubieten. Die britische Supermarktkette Waitrose hat das sogar zu einem wesentlichen Teil ihres Treueprogramms gemacht.

In dieser Filiale in London steht der Kaffeeautomat gleich am Eingang:

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Für Leute, die stets in Eile sind, ist das prima – aber nicht unbedingt für den Supermarkt. Weil Kunden, die im Laden bloß eine Hand freihaben, schon aus Bequemlichkeitsgründen weniger einkaufen werden als andere.

Sie sind immer kaputt

Die schweizerisch-hessische Supermarktkette Tegut hat mitgedacht: In Filialen mit dem neuen Ladendesign, zu dem ein Kaffeeautomat in der Mitte des Ladens gehört, gibt es nämlich Einkaufswagen mit Becherhalter.

Das löst aber immer noch nicht den größten Nachteil der Kaffeeautomaten: Die Dinger sind erfahrungsgemäß die meiste Zeit kaputt – und die wenigsten Mitarbeiter im Handel gleichzeitig ausgebildete Kaffeemaschinentechniker (bzw. meistens schon ganz gut damit ausgelastet, Regale einzuräumen, an Bedientheken zu bedienen oder an Kassen zu kassieren).

Kaputte Kaffeeautomaten allerdings nehmen vor allem unnötig Platz weg.

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Oder, um’s etwas knapper mit dem Costa-Kaffeeautomaten in einer britischen Tesco-Filiale zu sagen:

„Oops, we have a problem!“

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Sie sind selbst im Discount nix Neues

Mit seiner Pappbecher-Innovation ist Aldi nicht mal der erste im deutschen Discount: Penny hat in manchen Stadtfilialen schon länger Automaten stehen, die ein vergleichbares Getränkeangebot haben. Mit allen zuvor aufgelisteten Nachteilen und als Rausschmeißer hinter den Kassen.

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Das heißt aber noch lange nicht, dass Kaffee im Supermarkt ein Flop sein muss. Rewe will in diesem Jahr probieren, ob es auch anders geht und kooperiert dafür mit Starbucks, das Mini-Filialen in Großstadt-Supermärkte integrieren will. Auftakt soll im 2. Quartal 2016 in München sein, heißt es bei Rewe auf Anfrage.

Das Kombination klingt clever: Rewe hat Innenstadtlagen zu bieten, an die Starbucks sonst so leicht nicht rankäme; Starbucks wiederum ist als Kaffeespezialist bekannt und könnte für Kunden ein zusätzlicher Grund sein (z.B. in der Mittagspause), zu Rewe zu kommen. Heißgetränke für 1 Euro wie bei Aldi wird’s in den Rewe-Starbucksen vermutlich nicht geben. Noch ist nicht mal klar, ob Rewe dem Partner genug Platz freiräumen wird, um zwei oder drei Sessel aufzustellen, in denen die Kunden ihren Strawberry Cream Rewocchino genießen können.

Zumindest würde das aber in die erklärte Strategie passen, Supermärkte zu Gastro-Treffpunkten werden zu lassen, so wie es Rewe bereits mit dem eigenen Konzept „Oh Angie!“ versucht.

Wie sich das entwickelt, steht in den kommenden Tagen hier im Blog.

Fotos: Supermarktblog

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20 Kommentare
  • Eigentlich ja gut, wenn die Supermarktketten ihre Filialen attraktiver machen wollen. Aber der Artikel klingt schlüssig. Ein Kaffeeautomat ist wohl einfach nicht überall eine gute Idee.

  • Hmm, und gerade die Positionierung hinter der Kasse am Ausgang statt im Markt hat mir neulich in meinem Penny so sehr gefallen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich eben nichts zum Kofferraum tragen und hinterher ein Auto lenken muss und mich stattdessen durchaus freue, an der Haltestelle nun mit Heißgetränk auf den Bus warten zu können.

    Meine Erfahrung aus Einkaufsbesuchen in Holland ist übrigens, dass sich vor dem Gratis-Automaten bei Albert Heijn und Jumbo mitten im Markt auch gerne mal Schlangen bilden, die also durchaus gut angenommen werden. Macht den Einkauf gemütlicher (Becherhalter sind dort ebenfalls an den Wagen).

  • Ein Kaffeeautomat wurde hier in einer Lidl Filiale Mannheim Innenstadt auch aufgebaut. Hinter den Kassen kurz vor der Ausgangsschiebetür.
    Super Ort, vor allem wenn alle durch verschütteten Kaffee laufen müssen.

  • Fürs Protokoll: Mein Frankfurter Stadtteil-Lidl hat auch seit einigen Monaten einen Kaffee-Automaten hinter der Kasse. Ebenso wie der unweit entfernte Penny, der aber durch gemeinsamen Ein- und Ausgang wahlweise während und nach dem Einkauf getrunken werden kann.

    Ich vermutete bisher eigentlich eher eine Ergänzung der jeweiligen Snack-Kühlschrank-Strategien (v.a. Penny Togo!) und als Zielgruppe weniger die wochenend-einkaufende Familie mit TK-Fisch, sondern die Mittagspausen-einkaufenden Büroangestellten oder die frühstückspausierenden Handwerker auf Durchreise. („Gehn wir zu Backwerk?“ – „Ach lieber zu Lidl, da können wir noch ein bisschen in die Wühltische gucken!“)

    Ich habe bei ähnlichen Gelegenheiten (Pause zwischen Außerhaus-Terminen o.ä.) in der Vergangenheit manchmal mangels Alternative ein kaltes Milchkaffeegetränk aus dem Kühlregal zu meinem Brötchenknastfrühstück gekauft… Auf die Premiere, dass mir erstmals ein Discounter-Kaffeeautomat gelegen kommt, warte ich allerdings noch…

  • Der Edeka Rathaus Steglitz hat einen Kaffeeautomaten, da dieser Edeka direkt vor der Bushaltestelle ist, ist das wohl kein schlechter Standort.

  • Also hier in Düsseldorf gibt es einen Supermarkt der direkt ein eigenes Café integriert hat. Mit Kuchen und Sitzmöglichkeiten – mitten im Supermarkt. Das wird auch sehr gut frequentiert.

  • Die Kooperation zwischen Starbucks und Rewe kann funktionieren. Das fand ich vor 5 Jahren in den USA schon gut. Da findet man in Safeways am Ende der Kassenreihe manchmal kleine Starbucks-Inseln, die immer recht gut besucht waren….

  • Eine im letzten Jahr umgebaute Lidl-Filiale in Aachen (hatte ich schon in einem anderen Artikel hier im Blog erwähnt) gibt es auch einen Kaffeeautomaten im Eingangsbereich. Wenn ich mich recht erinnere, kann man den Automaten auch beim Rausgehen erreichen.

  • Ich denke, das ist einfach nur die konsequente Fortführung des „To-Go“-Konzepts, das bei fast allen Ketten Einzug gehalten hat.
    Mittags sieht man in Innenstadtmärkten viele Leute, die sich ihre Mittagsmahlzeit kaufen. Da kommt es vielen bestimmt gelegen, wenn sie für ein Heißgetränk nicht nochmal separat irgendwo rein müssen.
    Die Automaten mitten in den Läden (wie es scheint hauptsächlich Supermärkten) sind vielleicht eher zum „Entschleunigen“ gedacht.
    Sozusagen zur weiteren Steigerung des – wenn man mancher Werbung glauben mag – eh schon wahnsinnig tollen Einkaufserlebnis in entspannter Atmosphäre.

    Trotzdem passt es irgendwie nicht in meine Vorstellung von „Discounter“.
    Aber vermutlich soll genau die durch genau solche Maßnahmen verändert werden …

    Was die Sitzplätze angeht, die finde ich für ältere Personen toll !
    Viele strengt langes Gehen und Stehen an und überall wo es sowas gibt, wird es von den älteren Herrschaften gerne angenommen.

  • @Stefan: Dieses Konzept ist eigentlich schon uralt. Die Wertkauf* -Filialen hatten zumeist in der Mitte des Ladens liegende Restaurants. Da war immer gut Betrieb, auch außerhalb der Mittagszeit. Hugo Manns Supermarktkonzept war in vielen Dingen wegweisend, da können real,- und Kaufland immer noch von lernen.

  • Kaffeeautomaten sind im niederländischen Handelskonzern AH ein natürlicher Teil des Einkaufens. Zum einen bietet AH Kaffee und Wasser gratis an und schafft gleichzeitig eine kleine Oase im Supermarkt, die zum Treffpunkt für die Kunden wird. In vielen Supermärkten habe ich in den Niederlanden oft beobachten können, wie Senioren sich dort treffen und die niederländische „Gratis-Kaffee“-Kultur pflegen sind sie doch von ihrem Arbeitsplatz gewöhnt, denn auch dort sorgt der Arbeitgeber für den Gratis-Kaffee.
    Angeboten wird die Hausmarke, die schließlich auch vermarktet sein will und die im Praxistest ihre Konkurrenzfähigkeit zu Markenprodukt beweisen kann.
    Entspanntes Einkaufen, dass nicht nur auf schneller, billiger ausgerichtet ist, hilft übrigens auch den eigenen Alltag etwas weniger stressig zu gestalten. Aber vielleicht wäre so etwas in unserer Gesellschaft, in der wir immer wieder gerne dem Nachbarn beweisen wie gut, wie perfekt oder gar vollkommen wir doch sind, tatsächlich vollkommener Blödsinn ….

  • Bei uns im Lidl Ingolstadt steht der Automat im Eingangsbereich (zwischen Eingangstür zum Markt und Ausgangstür, ist so ein Zwischenraum). Ich finde den da sehr gut plaziert. Vorm Einkauf oder danach, perfekt!

  • Ich persönlich finde es sehr gut, daß im ersten Bild eine der zuverlässigsten Kaffeemaschinen gezeigt werden, Black&White 3 vom Hersteller der Starbucks Maschinen und im unteren Bild mit dem Defekt Zettel, das übliche Bild des ehemaligen Deutschen Kaffeemaschinen Herstellers WMF mit seiner unausgereiften 1500 Maschine.

    Das beste Konzept hat aus meiner Sich der Rewe XXL Markt in Darmstadt und Egelsbach. Dort kommt man in eine offene Backstube und Küche wo die Kaffeemaachinen von uns separat stehen. Dort kann jeder erstmal in Ruhe seinen Kaffee genießen und dabei auch noch richtig lecker Essen oder auch nur einen Snack mitnehmen. Was hier nur noch fehlt, ist die Bestellmöglichkeit der Produkte vor Ort, sodass diese am Ende alle fertig eingetütet am Ausgang auf einen warten.

    Zu allen anderen Systemen in den Discountern kommt noch hinzu, daß man am Ende des Bezahlvorgangs erneut das Portmonaie gezügt werden muss, um eine Münze herauszuholen. Das nervt und hindert die meisten daran dort zu konsumieren.

    http://www.kaffee-management.de

  • Ob es Quatsch ist, oder Scheiße aussieht, ist mir egal.
    Seit ich davon weiß, mach ich für nen Euro gerne einen ExtraStop
    und latsch halt durch den Laden, außer beim Lidl, da ist der Automat optimal platziert.
    Wer viel unterwegs ist und gerne Kaffee trinkt,
    kann sich über dieses Angebot erfreuen.

  • Ja, es sicher sehr schlau, diese bekoppten „to go“ Becher jetzt auch beim Discounter der Wahl völlig gedankenlos zu konsumieren. Da jetzt endlich Bewegung in die Sache kommt und sich mehr und mehr Bäckerlädchen und sonstige Kaffee Verkaufsstellen von diesem Müll abwenden und ihre Getränke auch in mitgebrachte Becher füllen, gehen die Discounter den genau umgekehrten Weg und bieten eine weitere Quelle für völlig überflüssigen Müll an. Und das Schlimmste daran: Es gibt auch noch Leute, die das feiern und sich darüber freuen, weil sie ja so gerne unterwegs ihren Kaffee trinken. Herr, wirf Hirn vom Himmel!!

    • Ich wüsste jetzt aber nicht, was das näher mit dem Aufstellen durch Discounter zu tun hätte. Becherspartasten gibt es schon seit mindestens drei Jahrzehnten und die könnte man – einen ausreichenden Brauchwassertank vorausgesetzt – ohne Probleme auch beim Discounter in die Automaten bauen.

      Mir scheint es aber eher so, dass es keine Interessenten gäbe, die ihre Tasse beim Discounter in den Automaten stellen würden, sprich: Wenn die ihren Kaffee beim Bäcker statt im Marktausgang kauften, bräuchten sie genauso einen Becher. So sehr Ihnen also die Togoisierung des Kaffees persönlich missfallen mag, so wenig könnte man dort wohl „überflüssigen Müll“ vermeiden.

  • Ich hätte auch gedacht, dass da kein Mensch trinkt, aber der Blick auf die Kaffeeverkaufsautomaten in Lidl oder Aldi-Filialen zeigt, dass da immer wieder Menschen sich so einen Kaffee ziehen…und die, die das tuen, sehen immer so aus, als wenn sie sich das eigentlich nicht leisten können… es geht ja nicht nur der Wocheneinkäufer da vorbei, sondern auch der, der nur 1-2 Artikel gekauft hat …und der drückt sich so einen Kaffee…interessanter wird die Entwicklung auf dem Kaffeekapsel-Markt sein… da hat Nespresso ja jetzt auch das Patent um die Alu-Kapseln verloren…mal sehen, wie lange es dauert, bis Alu-Kapseln bei Lidl oder Aldi lauern…. siehe: https://www.freiburg-nachrichten.de/2017/12/08/urteil-nespresso-verliert-kaffeekapsel-patent/

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