Backwaren, Regional-Bio, offener Eingang: So renoviert Hofer in Österreich den (Innenstadt-)Diskont

Backwaren, Regional-Bio, offener Eingang: So renoviert Hofer in Österreich den (Innenstadt-)Diskont

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Mit mehr Bio, frischen Backwaren und modernisierten Filialen will der österreichische Aldi-Ableger Hofer Kunden von Drogerien und Supermärkten zu sich locken.

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Aus gefühlt jedem zweiten Hauseingang springt Passanten in der Wiener Innenstadt ein Supermarkt bzw. Discounter Diskonter an. Alleine der österreichische Aldi-Ableger Hofer kommt in der Landeshauptstadt auf rund 100 Filialen. Und strengt sich derzeit mächtig an, ihnen ein zeitgemäßes Erscheinungsbild zu verpassen.

An vielen Wiener Märkten hängt bereits das renovierte Logo. Manchmal ist aber auch ein Komplettumbau nötig, um die tendenziell eher kleinen und verwinkelten Innenstadt-Verkaufsflächen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu beamen.

Zum Beispiel in der Landstraßer Hauptstraße am Rochusmarkt, wo sich ganz gut besichtigen lässt, wie Hofer den Innenstadt-Diskont zu modernisieren versucht.

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Für die Neueröffnung Anfang August wurden die hellgrauen Fliesen des alten Markts abgeschlagen und riesige neue Fenster eingesetzt; auch der Eingang des Ladens ist verlegt worden. Drinnen führen bereite Gänge vorbei an der „Vinothek“ im Holzambiente und dem „Hofer-Marktplatz“ für Obst Und Gemüse. Das sind aber nicht die einzigen Überraschungen für Stammkunden.

1. Backwaren als Aushängeschild

Was sein Aufback-Engagement angeht, war Hofer der deutschen Aldi-Süd-Verwandschaft schon länger einen großen Schritt voraus und baute frühzeitig aufgebrezelte Backtheken-Ensembles („Backbox“) samt Kühltheke für frisches Sofortessen („Coolbox“) in seine Läden ein.

(Aldi Süd fühlt sch dadurch spät zur Entwicklung des Pendants „Meine Backwelt“ inspiriert; siehe Supermarktblog).

Großartig weiterentwickelt hat sich die Hofer-Variante zuletzt zwar nicht; die Österreicher wissen ihr Kombiangebot aber hervorragend in Szene zu setzen. Nicht nur in der Filiale, wo Kunden „ofenfrische“ Waren aus „hochwertigen Zutaten“ versprochen kriegen, die „regional aus heimischen Betrieben“ stammen.

Sondern auch draußen an der Ladenfront, wo über den Fenstern statt des Hofer-Logos eine große Tafel mit dem Angebot hängt, sich „Frisch aus der Backbox“ zu bedienen (Titelfoto oben). Damit dürfte ein für alle mal geklärt sein, welche Bedeutung frische Backwaren inzwischen für den regulären Diskont haben, nicht nur in Österreich.

(Die „Frisch aus der Backbox“-Tafel hängt übrigens auch an anderen Hofer-Filialen, zum Teil mit keck aus dem O herausschlüpfendem Symbolbäcker.)

2. Offener Eingang

Während viele Supermärkte ihre Eingänge möglichst offen gestalten, um Kunden willkommen zu heißen, setzen Discounter (und Diskonter) traditionell weiter auf separierte Ein- und Ausgänge, abgetrennt in der Regel durch selbstöffnende Schiebetüren mit Kaffeeautomaten als Empfangskomitee. Geht aber auch ohne: Am Rochusmarkt laufen Hofer-Kunden einfach links in den Laden und zahlen ihre Ware rechts an der Kasse. Trennung gibt es dazwischen keine mehr. Das wirkt sehr viel einladender und freundlicher.

3. Mehr Bio fürs Baby

Mit seiner 2014 gestarteten Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“ verpflichtet sich Hofer, garantiert gentechnikfreie Waren anzubieten, bei deren Produktion Regeln zum Tier- und Umweltschutz eingehalten werden. Zugleich ist eine Rückverfolgung der Inhaltsstoffe bis zu den (österreichischen) Erzeugern möglich.

Rund 450 Produkte umfasst das „Zurück zum Ursprung“-Sortiment in den Filialen, dazu gehören u.a. frische Brote, Käse, Obst und Gemüse.

Anfang Oktober ist Bio-Babynahrung dazu gekommen, mit der Hofer „neue Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards für die Kleinsten unter uns“ verspricht. In den Filialen ist die Werbung für das erweiterte „Zurück zum Ursprung“-Angebot für Babys und Kleinkinder derzeit kaum zu übersehen. Und ein hervorragendes Mittel für Hofer, um junge Familien von Drogerieketten wegzulocken und stattdessen an sich zu binden.

4. Einladung an Verpackungsvermeider

Alle großen Handelsketten haben versprochen, Verpackungen zu reduzieren; Hofer arbeitet dafür mit Aldi Süd und Aldi Nord in Deutschland zusammen, um die Verpackungsmenge bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren. Gleichzeitig sollen notwendige Verpackungen besser recycelt werden können. Die Österreicher gliedern die Initiative in ihr Nachhaltigkeits-„Projekt 2020“ ein und machen sie für Kunden am Regal unmittelbar sichtbar.

„Verzichten Sie auf das Obstsackerl und tun Sie der Umwelt was Gutes!“,

schlägt der Diskonter auf Hinweisschildern an der Knotenbeutelabrollstation vor.

Und probiert gleichzeitig aus, ob die Kunden bereit sind, alternativ auf Beutel umzusteigen, die vollständig biologisch abbaubar sind und zuhause z.B. zum Biomüllsammeln wiederverwertet werden können – an der Kasse allerdings mit 3 Cent zusätzlich bezahlt werden müssen.

Damit bei all diesen Initiativen, die vor ein oder zwei Jahrzehnten vermutlich undenkbar gewesen wären, keine Missverständnisse aufkommen, erinnert Hofer glücklicherweise alle paar Meter daran, worum es immer noch in erster Linie geht: um den „Hofer-Preis“ selbstredend, der „dauerhaft günstiger“ ist.

Mag sein, dass der Discount einst entstanden ist, um Leute unkompliziert, schnell und günstig einkaufen zu lassen. Schnell soll es immer noch gehen. In seiner modernisierten Variante scheint sich das Vertriebslinienkonzept aber zunehmend auf die drei großen B zu fokussieren. Mehr Backwaren, mehr Bio – und trotzdem billig.

Fotos: Supermarktblog

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