Edekas Kleinflächenkonzept „E xpress“ in Süddeutschland: Einsatz mit X

Edekas Kleinflächenkonzept „E xpress“ in Süddeutschland: Einsatz mit X

Inhalt:

Um die eigentlich viel zu kleinen Tengelmann-Märkte in sein Filialnetz einzugliedern, hat sich Edeka Südbayern ein neues Ladenformat ausgedacht, das gleichzeitig Nahversorger und Lunch-Versorger sein will. Kann das gutgehen?

Partner und Sponsoren:

Zwei Jahre ist es her, dass sich der artige Supermarktführer Edeka kurz vor Weihnachten einen lange gehegten Wunsch erfüllte und doch noch die (übrig gebliebenen) Filialen von Kaiser’s Tengelmann übernahm (siehe Supermarktblog). War das ein Fest? Kommt drauf an, wen man fragt. Zumindest scheint es so, als hätten sich die anschließend in die Pflicht genommenen Edeka-Regionalgesellschaften Schöneres vorstellen können als einen Haufen in die Jahre gekommener Kleinflächen in ihre Filialnetze zu integrieren.

Eigentlich seien ihm Filialen ab 1.600 Quadratmetern am liebsten, verriet der Edeka-Südbayern-Geschäftsführer Claus Hollinger im Sommer dem Branchenmagazin „Lebensmittel Praxis“. Viele der Tengelmann’schen Läden waren aber nicht mal halb so groß.

Um die Auflagen der Ministererlaubnis des damaligen Wirtschaftsministers und heutigen Politfrühpensionärs Sigmar Gabriel einzuhalten, war es für Edeka keine Option, die Filialen einfach selbstständigen Kaufleuten zu überlassen. Obwohl die sich zum Teil ganz hervorragend darauf verstehen, kleine City-Supermärkte in Stadtteilzentren zu betreiben, die ebenso funktional wie schick sind (einfach mal Edeka Niemerszein in Hamburg-Pöseldorf anschauen).


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Deshalb hat sich Edeka Südbayern „E xpress“ ausgedacht – ein Ladenformat speziell für kleinere Supermärkte mitten in der Stadt (und Kunden, die unallergisch gegen alberne Wortspiele sind).

Mehr Farbe, wenig Entzückung

Inzwischen hängt an zahlreichen Ex-Tengelmann-Filialen draußen das neue Logo im typischen Edeka-Schriftzug vor einer Silhouette mit lokalen Wahrzeichen, u.a. in Augsburg, Bad Tölz, Freising, Starnberg. Drinnen hingegen ist das Ladenformat, auf das man im Handelskonzern stolz zu sein scheint, ein ziemliches Durcheinander.

Nirgendwo lässt sich das so gut besichtigen wie in München, wo „E xpress“ einerseits als klassischer Nahversorger funktioniert (z.B. im Stadtteil Untergiesing, siehe Foto oben); und andererseits als City-Supermarkt mit erweitertem Lunch-Angebot (z.B. in der Karlstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs) – also, um’s mal mit der direkten Konkurrenz zu vergleichen: wie eine Mischung aus Rewe City und Rewe to Go. Kann das gutgehen?

Na ja. In Untergiesing hat Edeka vor allem die Obst- und Gemüseabteilung ordentlich aufgeräumt, die Wände knallgrün gestrichen, Boden mit Kopfsteinpflasteroptik verlegt und schicke Lampen im Industriedesign aufgehängt, wie sie bei Supermarktmodernisierungen gerade mächtig in Mode sind.

Im Rest des Ladens hielt sich die Umbauleidenschaft leider in Grenzen. Bereits zwei Meter weiter weicht das Kopfsteinpflasterimitat wieder den alten Tengelmann-Dalmatinerfliesen.

Die Wände sind anthrazit und hellblau gestrichen, die Sortimente in schlichten Großbuchstaben über die Regale geschrieben. Das schafft Übersicht. Aber nicht gerade Entzückung.

Sonst sieht der Laden aber doch noch arg nach dem Vorgänger aus, bloß ein bisschen bunter – und kein bisschen aufgeräumter.

Das mag auch daran liegen, dass Edeka Südbayern, um höhere Umsätze aus den Läden herauszuholen, die Artikelanzahl im Schnitt „um 25 Prozent erhöht“ hat, wie Südbayern-Chef Hollinger der „LP“ erklärte: durch mehr Regalböden und eine Neuordnung der Regale. Zur Übersichtlichkeit hat das nicht beigetragen, ganz im Gegenteil. Vor allem aber erschließt sich den Kunden nicht, warum das alles „E xpress“ sein soll – außer, Edeka bezieht sich damit auf die Umbauzeit. (Die laut „Lebensmittel Zeitung“ für manche Filialen exakt einen Tag betrug.)

Der Markt in der Karlstraße hinterlässt einen anderen Eindruck.

Direkt hinter den Eingang hat die Handelskette drei Sitzbuchten mit Tisch und Bank ins Schaufenster gebaut, wo sich das dahinter an der Back- und Snack-Theke erworbene Sofortessen direktverzehrten lässt. Gute Idee!

Zumal die breite Theke eine ordentliche Auswahl an belegten Brötchen, unvermeidlichem Leberkäse und warmen Mittagsgerichten bietet.

Aus einer Kühltruhe nebenan lässt sich außerdem ein Salat fischen und direkt mitbezahlen, ohne dass man in den Laden muss.

Darauf ist Edeka-Südbayern-Chef Hollinger besonders stolz – offensichtlich, weil ihm bis jetzt keiner gesagt hat, dass diese oder ähnliche Formen der Sortimentsdurchlässigkeit in vielen Standard-Märkten von Konkurrenten inzwischen selbstverständlich ist.

Die Praxistauglichkeit des selbsterdachten „Convenience-Laufs“ gerät noch dazu schnell an ihre Grenzen, sobald der Kunde nämlich auf die Idee kommt, zum Lunch vielleicht noch eine Tüte Chips oder ein paar Kekse verzehren zu wollen. Oder ein Getränk, das an der Snack-Theke nicht verfügbar ist.

Dann heißt’s nämlich doch wieder: ab in den Laden – und an der Kasse anstellen. Mit Bedienung, versteht sich. Für SB-Kassen wäre zwar ausreichend Platz gewesen. Aus einem unerklärlichen Grund hielt man es bei Edeka Südbayern aber nicht für notwendig, in sein „xpress“-getauftes neues Ladenformat in der Münchner City auch Kassen einzubauen, an denen man wirklich expressbezahlten hätte können.

Gut möglich, dass das in weiteren der inzwischen über 40 „E xpress“-Märkte anders ist; und für sich genommen mögen die mal mehr, mal weniger stark modernisierten Läden auch durchaus funktional sein.

Ein großer Wurf ist Edeka mit dem Konzept, das inzwischen von anderen Regionalgesellschaften übernommen wird (von Edeka Südwest u.a. in Aichwald-Schanbach, Gemünden und Stuttgart-Asemwald), aber in seiner bisherigen Variante nicht gelungen.

Sondern eher der Beleg dafür, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler gewaltig ins Schwimmen kommt, sobald’s um die Entwicklung eines stringenten Kleinflächenkonzepts geht, das sich standortübergreifend einsetzen lässt.

Fotos: Supermarktblog

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1 Kommentar
  • Der in der Karlstraße war ein unrenovierter Tengelmann (noch in Weiß mit Rot) und hat anfangs nur ein neues Schild am Laden bekommen. Wie er dann total umgebaut worden ist, hat glaub ich schon der Penny ein Stück weiter existiert, also wohl erst dieses Jahr.

    Bei dem Kopfsteinpflasterimitat bin ich mir nicht sicher, ob das schon von Tengelmann eingeführt worden ist. Das Gemüsemobiliar im Bild ist jedenfalls offensichtlich noch von Tengelmann, auch wenn die meistens noch einen Aufbau gehabt haben (und in den meisten „E xpress“ noch haben).

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