Edeka und Rewe teilen sich Kaiser’s Tengelmann: Nichts zu feiern

Edeka und Rewe teilen sich Kaiser’s Tengelmann: Nichts zu feiern

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Nach über zwei Jahren darf Edeka doch noch den Wettbewerber Kaiser’s Tengelmann übernehmen und gibt dafür Filialen an Rewe ab. Die Unternehmen und die Mitarbeiter jubeln. Aber für Kunden und mittelständische Supermarktketten gibt es nichts zu feiern.

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Am Donnerstag hat das Bundeskartellamt den Verkauf von bundesweit 67 Kaiser’s-Tengelmann-Filialen durch den künftigen Eigentümer Edeka an Rewe genehmigt. Damit steht endgültig fest: Die Ministererlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird umgesetzt, Edeka erkauft sich die Übernahme durch die Abgabe besagter Märkte an seinen schärfsten Konkurrenten. Der hat dafür seine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgezogen.

Edeka und Rewe feiern die Einigung. Tengelmann-Chef Karl Erivan Haub sagt: „Das ist eine gute Nachricht.“ Die Mitarbeiter, deren Jobs Haub aufs Spiel gesetzt hat, um Edeka als Partner für die Übernahme durchzusetzen, schließen sich an.

Alle anderen, die immer noch glauben, damit sei dem „Gemeinwohl“ geholfen, sollten jedoch so langsam mal von ihrem Mondurlaub zurückkommen.

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Zum 1. Januar 2017 – 27 Monate nach dem Vertragsschluss – übernimmt Edeka die Supermarktkette mit Filialen in Berlin, Rhein-Ruhr und München zunächst komplett (u.a. inklusive dem Lebensmittel-Lieferdienst Bringmeister und den Birkenhof-Fleischwerken) und verkauft dann die vereinbarten Läden an Rewe. Für zwei der fünf größten Lebensmittelhändler des Landes ist das ein guter Deal. Edeka kriegt noch Zugriff auf 80 Prozent des bestehenden Filialnetzes von Kaiser’s Tengelmann, Rewe immerhin die Hälfte der Märkte in Berlin und Umland (63 von 118).

Praktische Mini-Monopole

Das Kartellamt wertet diese Lösung unbegeistert als „relative Wettbewerbsverbesserung“, aber eben nur im Vergleich mit dem ursprünglichen Szenario, in dem Edeka sämtliche Läden übernommen hätte. Das Amt glaubt auch, dass die Abgabe an Rewe „zu keiner Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen führt, sondern sogar zu strukturellen Verbesserungen“.

kaisersberlin01Zumindest die Berliner dürften das beim Einkaufen künftig grundlegend anders wahrnehmen. Auf einer Karte hat der „Tagesspiegel“ verzeichnet, wie sich Edeka und Rewe die Berliner Filialen aufteilen. (Quelle dafür sind Rewe-Angaben, Edeka will die Informationen – vermutlich aus Gemeinwohl-Interesse – nicht bestätigen.)

In Schöneberg fallen sämtliche Kaiser’s-Filialen an Edeka. Im nördlichen Prenzlauer Berg kriegt Rewe nach zahleichen Neueröffnungen und Umbauten in den vergangenen Monaten fast alle Kaiser’s-Filialen obendrauf. Interessant ist die Aufteilung vor allem an Standorten, wo Kaiser’s bislang in Konkurrenz zu Discountern der beiden großen Handelsketten stand: In den Einkaufszentren Wilmersdorfer Arcaden und Schönhauser Allee Arcaden zum Beispiel, wo Edeka bereits mit seiner Discount-Tochter Netto (ohne Hund) vertreten ist und sich nun zugleich die bisherigen Kaiser’s-Filialen gesichert hat. Rewe lässt sich dort nieder, wo nebendran bereits die Discount-Tochter Penny grüßt. Und schafft sich an der Friedrichstraße durch die Kaiser’s-Übernahme einen lästigen Konkurrenten seines Untergeschoss-Markts im Einkaufszentrum The Q aus dem Weg.

Damit scheint genau das zu passieren, was das Bundeskartellamt eigentlich verhindern wollte: In vielen Kiezen können Anwohner in der direkten Nachbarschaft kaum noch anders, als bei einer der beiden großen Supermarktketten (oder deren Discount-Töchter) einzukaufen.

Edeka und Rewe haben sich die Hauptstadt in praktische Mini-Monopole aufgeteilt, gegen die sich nun vor allem Lidl, Aldi und die zunehmend expandierenden Bio-Ketten (denn’s, Bio Compnay, Alnatura) stemmen.

Die einen haben Jobs, die anderen Pech

Möglich gemacht hat das der Wirtschaftsminister mit seiner Klientelpolitik für Verdi-Mitglieder; Sigmar Gabriel hat das Kunststück fertig gebracht, in seiner Ministererlaubnis das kurzfristige „Gemeinwohl“ einiger weniger über das langfristige Gemeinwohl vieler zu stellen. Zu denen gehören nicht nur die Kunden, für die eine weitere Konzentration in der Branche spürbare Folgen haben wird. Sondern auch alle Mitarbeiter im Lebensmittelhandel, die nicht das Glück haben, mit einer (vorübergehenden) Jobgarantie beschenkt worden zu sein.

Thomas Gutberlet, Geschäftsführer der zur Schweizer Migros gehörenden Supermarktkette Tegut, hat Gabriels Entschluss im Interview mit dem „Handelsblatt“ als „mittelstandsfeindlich“ bezeichnet (Paywall):

„Sie benachteiligt kleinere Händler und verschärft die Konzentration im Lebensmittelhandel. Minister Gabriel hat das Argument des Gemeinwohls einseitig zugunsten der großen Wettbewerber ausgelegt. (…) Der Markt hätte die bessere Lösung hervorgebracht als der politische Eingriff des Ministers.“

Vor allem die Standorte in Berlin und München wären auch für mittelgroße Supermarktketten interessant gewesen. Für die wird es zunehmend schwerer, sich gegen die Großen zu behaupten, die – politisch abgesegnet und gegen alle Widerstände von Experten – weiter Marktanteile gewinnen können und immer stärker dominieren.

Es ist gut, dass der Kampf um Kaiser’s Tengelmann, nachdem die Taktiererei der Beteiligten zwischenzeitlich absurde Züge angenommen hatte, vorbei ist. Das ist aber tatsächlich das einzige, was es jetzt zu feiern gibt.


Alle Blogtexte zur Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka.

Foto: Supermarktblog; Screenshot: kaisers.de

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28 Kommentare
  • Ich finde es auch interessant wie dicht sich an einigen Stellen Rewe (City) und Kaisers (von Rewe) kommen. Zum Beispiel im Prenzlauer Berg in der Pasteurstraße der Rewe und in der John-Schehr-Straße der Kaisers (Rewe). Die spielen ja in der gleichen Liga. Bleibt die Marke denn erhalten oder werden die alle zu Rewe? Dann wären es tatsächlich zwei nebeneinander.

  • Interessanter wird es in Berlin Pankow in der Herrman Hesse Strasse / Waldstraße.
    Dorf befand sich aus DDR Zeiten eine Kaufhalle, die bis Mitte 2016 von REWE betrieben wurde.
    Nun wurde diese Abgerissen und von REWE mit dem aktuellen Markttyp „Green Guilding“ (jede Menge Leichtbauweise mit Holz und Solar Dach) neu gebaut. ABER: Keine 200bis 300 Meter entfernt befindet sich in dem kleinen „Center am Schlosspark“ eine mittelgroße Kaiser´s Filiale die wiederum auch an REWE übernommen werden soll. Da stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit – oder schlimmer, dass dort in ferner Zukunft (nach der 5 Jahresfrist) diese auf die jeweilige Discount Markte umgemaut wird und von Anfang an eingeplant ist.

    Weiter sind die vor wenigen Jahren neu eröffnete Kaiser´s Märkte oft im Vergleich zu anderen Supermärkten recht klein. Ein bestes Beispiel ist hier der Markt in Berlin Karow – Hubertusdamm. Dieser könnte nur als REWE CITY weiter betrieben werden. Wenn selbst neu gebaute LIDL Märkte doppelt so groß an Verkaufsfläche bieten, als aktuell die Fläche von Kaiser´s.

    • Aber Rewe City wäre ja okay, oder? Und dass einzelne Filialen womöglich an Penny abgegeben werden, halte ich auch für wahrscheinlich. (Die Frage ist nur, ob in diesen Fällen die Auflagen der Ministererlaubnis fürs Personal ohne Weiteres erfüllt werden können.)

    • Laut eines Artikels vom 10.12.2016 einer Zeitung des Axel Springer Verlages sollen beide Filialen in der Herrmann Hesse Straße der Marke REWE betrieben werden sollen. Der Trick wird bestimmt darin bestehen, dass das aktuelle Kaiser´s Personal teilweise an dem neuen Standort übernommen werden. Und der alte Kaiser´s Standort als Penny betrieben werden.

      Im Berlin Karow wird es insofern spannend, da die Kaiser´s Filiale zwar recht neu ist. Aber sehr klein ist. Die vorhandenen Rewe Filiale (direkt von Rewe betrieben) in der Achillesstraße über eine größere Verkaufsfläche verfügt, aber stark renovierungsbedürfig und nicht mehr zeitgemäß ist.

    • Also in Stuttgart am Marienplatz werden seit Jahren zwei Rewe Märkte nur vielleicht 150m voneinander entfernt betrieben. Wohl einfach um Wettbewerb fernzuhalten wird der ältere der beiden Standorte nicht aufgegeben. Gibt wohl genügend Kundenpotential in der Gegend.

    • Das unterbiete ich jetzt mit circa 50 Metern Abstand für Berlin-Köpenick. In der Bahnhofsstraße befindet sich ebenerdig ein kleinerer Rewe-Citymarkt. Direkt gegenüber im Einkaufszentrum Forum Köpenick befindet sich im Keller ein Kaiser’s-Markt, der jetzt schon auf Rewe umgestellt wurde.

      Die hier schon angesprochenen 2 Rewe-Märkte in Pankow liegen auch nur circa 50 Meter auseinander, sogar auf der gleichen Straßenseite. Noch ist es ein Kaiser’s-Markt.

  • Was mir nicht ganz klar ist: Ins Rollen kam das ganze ja nur, weil der Besitzer Kaisers aufgrund von tiefroten Zahlen verkaufen wollte. Da gab es also eine Supermarkt-Kette, die nicht mehr wirtschaftlich war.
    Was wäre denn passiert, wenn der „Markt das geregelt“ hätte? Dann wäre Kaisers pleite gegangen. Und Rewe und Edeka hätten sich über weniger Konkurrenz gefreut und womöglich hier und da an alten Kaisers Standorten eigene Filialen aufgemacht. Was hätte die Politik machen sollen? Kaisers verpflichten, weiterhin rote Zahlen zu schreiben, damit es weiterhin Wettbewerb gibt??

    Ist es tatsächlich so, dass wir zu wenig Wettbewerb im Lebensmittel-Einzelhandel haben? Oder ist die Schieflage von Kaisers nicht auch durch den harten Wettbewerb erst entstanden? Wäre es nicht auch im Sinne aller (Kunden, Angestellte und der Lebensmittelqualität) gut, wenn nicht mehr jeder Cent optimiert werden muss (und bspw. den Milchbauern vorenthalten wird), weil die Konkurrenz eben grad nicht mehr so groß ist? (Das setzt voraus, dass Rewe und Co. daran ein Interesse hätten und nicht ausschließlich an Profit – ich weiß…)

    • Ich kann zu all diesen Fragen sehr die Lektüre der Abwägungen von Bundeskartellamt und Monopolkommission bzw. weitere Beiträge in diesem Blog empfehlen, die Sie unter dem Link ganz unten finden.

    • na ich denke es ließe sich trefflich darüber streiten ob es schlechter gewesen wäre kaisers pleite gehen zu lassen. in dem falle hätten die meisten beschäftigten vermutlich jobs bei den händlern bekommen die die standorte neu besetzen hätten können. dies wären aber nicht nur edeka und rewe gewesen sondern möglicherweise einige kleinere auch. so haben die mitarbeiter eine halbgare jobgarantie mit der edeka die ursprüngliche zulassung des kartellamtes (teuer) „erkaufen“ wollte. nun finden einige hundert filialen ein neues zuhause bei den beiden mit abstand größten marktakteuren. das bedeutet dass sich deren absatzmengen (und damit umsätze) weiter vergrößern und damit ihre marktmacht. so können sie bei den produzenten weiter auf den einkaufspreis drücken. dann wird das kilo hühnerbrust wohl bald endlich die psychologisch wichtige 1-euro-grenze unterschreiten aber die jobgarantien sind dann ausgelaufen und die produktqualität wird eher nicht verbessert. abgesehen davon wird ein zulieferer/produzent der stärker unter druck gesetzt wird vermutlich auch überlegen ob er mit weniger mitarbeitern auskommen kann.

    • Hier im „Supermarktblog“ wurden in einem Bericht über Kaiser´s die Lobeshymnen über den guten Umsatz zu den jählichen Präsentationen der Geschäftszahlen zetiert. Wie auch viele andere ehemalige Supermärke als Familienbetrieb verdienen heute ihr Geld mit anderen Dienstleistungen und Beteiligungen. Ein bestes Beispiel hierfür ist die Leibband Gruppe. Denn was viele vergessen haben: Märkte wie Minimal und HL Märkte waren früher von dem Familienbetrieb Hugo Leibbrand gegründet worden. Und erst durch die übernahme durch Rewe ist Rewe selbst so groß geworden. Das Unternehmen Leibbrand gibt es immer nach. Aber im Bereich Immobilien und Beteiligungen. Die Zeit der Firmenübernahmen war in den 80er und Anfang 2000. Somit viel zu spät für die Tengelmann Gruppe. Zumal wird bei jeder Übernahme nie die volle Summe gleich bezahlt. Und darin liegt auch ein Teil des Problems bei Tengelmann mit dem ehemaligen Plus Discount. Natürchlich auch ein Teil durch das Kartellamt. Aber Tengelmann ist bis heute mit seinen ehemaligen Plus Märke zu 30 Prozent beteiligt. Laut Vertrag hätte vor 2-3 Jahre Netto (ohne Hund) die restliche Beteiligung aufkaufen sollen. Da aber Netto (ohne Hund) selbst in die Restrukurierung und Modernisierung der Märkte investieren muss, wäre das Unternehmen in eine schlechte wirtschaftliche Lage geraten.

    • Tengelmann hat an Netto keine 30 % Beteiligung, das hat das Kartellamt verhindert, ebenso den Einzug in die Aufsichtsgremien.

  • Hätte Kaisers noch 2-3 Jahre durchgehalten, wäre Amazon vielleicht ein heißer Käufer gewesen …
    Ich verstehe aber ohnehin nicht warum es nicht mehr Interessenten gab. Es gibt ja nun genügend große Supermarkt Konzerne die nicht im deutschen Markt aktiv sind. Auch neue Spieler hätten einen ordentlichen Markteintritt bekommen können. Gerade in Berlin, da laufen ja nun genug Kapitalkräftige Leute mit Ideen herum.

    • Es gab sicherlich für bestimmte Teile des Kaisers-Tengelmann-Paketes diverse Interessenten, aber man sollte Herrn Haub bei aller Kritik zugute halten, dass er von Anfang an den Verkauf als Ganzes durchziehen wollte. So blieben eigentlich nur eine Handvoll Handelskonzerne als mögliche Käufer übrig.
      Soweit , so gut gepokert. Das er das Wohl aller Beschäftigten als Argument vorbrachte, ist mit Vorsicht zu geniessen, da die Drohung der Zerschlagung als Plan B von ihm kommuniziert wurde.
      Als Online-Kunde in der Hauptstadt bin ich gespannt auf die Entwicklungen im Lieferbereich.

    • Seit wann sind Wirtschaftsunternehmen in der heutigen Zeit an sozialen Interessen interessiert? Leider! Die Wahrheit ist aber, dass Herr Haub sehr viel Geld verlieren würde, wenn er nicht an Edeka verkauft. Den es geht schlicht um offende Gelder und um den Aufkauf von Beteiligungen von an Plus/ Tengelmann Beteiligung durch Netto (ohne Hund). Denn durch den Verkauf muss nicht Netto (ohne Hund) aufkommen, sondern wird mit den Zahlungen für das Tengelmann/Bringmeister.de-Paket verrechnet…

  • Danke für die Einschätzung. Die Jubelschlagzeilen zur jetzigen Einigung in weiten Teilen der Presse fand ich wirklich absonderlich und ganz sicher kein Beispiel für kritischen Journalismus.
    Als Bewohner von Schöneberg trifft mich genau die geschilderte Situation: Der noch nicht lange neu eröffnete Kaisers in der Hauptstraße – wir haben uns sehr gefreut – geht an Edeka und damit hat sich die kurze Konkurrenzsituation mit zusätzlicher Auswahl erledigt. Schade, hier gibt es in sinnvollber Fuß- oder Fahrraddistanz nun wirklich nur noch Edeka, da auch die beiden anderen Kaisersmärkte im Bezirk dorthin wandern. Definitiv eine Monopolsituation für etwa Hunderttausend Schöneberger.
    Besonders absurd: Der Kaisers in der Hauptstraße befindet sich im Nachbargebäude (!) eines Edeka-Reichelt. Ich kann nicht glauben, dass beide Läden als Vollsortimenter mit gleichem Personalbestand erhalten bleiben. Wahrscheinlich wird sich einer in einen Netto verwandeln, fürchte ich. Warum hat Rewe den nicht übernommen?
    Bei Gemeinwohl scheint die Betonung bei Herrn Gabriel & Co eher auf den ersten Wortsilben zu liegen…

    • Bei Kaiser´s gibt es doch immer den Bäcker BackSTOP. Edeka verfügt mit Thuürmann eine eigene Bäckerei. Aber Rewe vermietet diese Shops nur weiter. Was ist mit der Minister-Erlaubnis für die Angestellte des BackSTOP´s bei einer Übernahme durch Rewe???

    • Die Tagesspiegel-Liste scheint nicht in allen Punkten zu stimmen: Die Kaisers-Filliale in der Hauptstraße in Schöneberg im Keller wird laut Mitarbeitern ein Rewe-Markt, weil es ja schon den Edeka Reichelt nebenan im 1. Stock gibt.

  • Was wohl wird der rückwärtige Dienst in der Zentrale in Mülheim wohl konkret für neue Aufgaben bekommen, was werden wohl die drei (zwei + eins) Fleischwerke konkret produzieren und wie werden die Läger konkret in die bei den Erwerbern vorhandenen Strukturen integriert und was passiert mit dem Spezialfall Nieder-Olm, heute als Langsamdreherlager nur Zulieferer für die anderen Standorte.
    Ganz spezielle Fragen, deren Beantwortung heute wohl offen bleiben wird, mal vermute.

  • Ich komme aus der Region Kassel. Auch hier gibt es nur noch Rewe und Edeka. Mich nervt das so sehr, dass ich öfter 20km Weg zurücklege um nur einmal nicht in diesen Märkten einkaufen zu müssen. Für mich ist das ein aufgeteiltes Gebiet und diesem muss dringend ein Riegel vorgeschoben werden. Ich habe nämlich echt die Schnauze voll.

  • Es ist immer wieder das gleiche Missverständnis – die Edeka ist kein einheitlicher Konzern. Da davon auszugehen ist, dass die Kaiserfilialen im Gros an unterschiedliche Edeka.Kaufleute gehen wied, stehen auch diese in Konkurrenz miteinander. Man kann dies gut in sehr starken Edeka-Regionen (wie etwa Minden als Sitz der Edeka Minden-Hannover, der größten Großhandlung, in deren Einzugsgebiet auch Berlin fällt) beobachten – die einzelnen Edeka-Kaufleute (und auch in Regiemärkte) stehen untereinander in Konkurrenz und haben auch durchaus deutlich unterschiedliche Sortimente (z.B. profilieren sich die einzelnen Kaufleute und auch demgegenüber die Regiegroßflächen über unterschiedliche lokale Anbieter, die bei der Großhandlung offensichtlich nicht gelistet sind).

    Die Rewe ist weitaus zentralisierter (die haben halt auch weniger Großhandlungen – die ja auch partiell autonom einkaufen). Das war ja übrigens auch die Kernargumentation der Edeka bei dem Versuch der Gesamtübernahme (auch von Gabriel partiell übernommen) – für die Presse und die öffentliche Diskussion offensichtlich zu kompliziert.

    Die Edeka (und partiell auch Rewe) unterscheiden sich in ihrer Struktur fundamental von z.B. Lidl, Aldi und der Metro.

    • Es handelt sich entgegen Ihrer Annahme nicht um ein Missverständnis. Meiner Ansicht nach spricht vieles gegen die Edeka-PR, die der Öffentlichkeit (und auch der Politik) weiszumachen versucht, ein Konzern im Genossenschaftsgewand mit 40 Milliarden Euro Umsatz könne sich am besten selbst Konkurrenz machen. (Nicht nur) Sobald es um die Verhandlungen mit Herstellern und Lieferanten geht, zeigt sich ganz gut, wie sehr Edeka als Konzern auftritt und seine Dominanz nutzt, um Konditionen vorzugeben.
      Aber vielleicht können Sie mir konkrete Beispiele dafür nennen, dass sich zwei Edeka-Händler an ein- und demselben Standort (sprich: in direkter Nachbarschaft) angesiedelt haben und dort gegenseitig direkt Konkurrenz machen? Konkurrenz, die die Edeka-Kaufleute schon nur schwer akzeptieren, wenn Netto (ohne Hund) in unmittelbarer Nähe eröffnen soll?
      Es wird in jedem Fall sehr interessant zu sehen sein, an welche selbstständigen Kaufleute Edeka (nach Ablauf der Frist aus der Ministererlaubnis) Ex-Kaiser’s-Filialen vergibt, die in unmittelbarer Nähe bereits existierender Edeka-Märkte von selbstständigen Kaufleuten liegen.

  • In Berlin verschwindet bis Ende Januar der nächste Tradionsname. Edeka Reichelt wird zu Edeka. Reichelt-Newsletter-Empfänger werden gebeten, den Edeka-Newsletter zu abonnieren, um weiterhin informiert zu sein.

    Die Angebote bei Reichelt waren schon länger identisch mit den Edeka-Angeboten, der einzige Unterschied im Newsletter war der Hinweis auf eigene Reichelt-Aktionen, wie Gewinnspiele oder verkaufsoffene Sonntage. Und an verkaufsoffenen Sonntagen gab es einen kleinen Unterschied: Edeka Reichelt gab keine 10 % Rabatt auf Super-Knüllerpreise, Edeka ohne Reichelt hatte noch nie Super-Knüllerpreise und gab auf die identischen Angebote schon immer 10 %.

    News der Reichelt-Seite: https://www.reichelt-berlin.de/news/aus-reichelt-wird-edeka
    Aktueller Werbezettel mit Ankündigung: https://www.reichelt-berlin.de/sites/default/files/product_handout/angebote-supermarkt-reichelt.pdf

  • Die Umstellung von Kaisers auf EDEKA wird in manchen Orten völlig absurde Züge aufzeigen. So gibt es in Duisburg Neudorf einen EDEKA, der 2015 für mehrere Millionen Euro umgebaut wurde und von einem Kaufmann betrieben wird. Wenige Meter Luftlinie entfernt gibt es einen 2013 neu eröffneten Kaiser´s der jetzt zu EDEKA werden wird. Einer der beiden Märkte müsste also logisch gedacht Nachteile davon haben bei dieser Nähe. Ich befürchte, dass es eher die EDEKA-MitarbeiterInnen treffen wird als die von Kaiser´s da diese ja 5 Jahre Jobgarantie haben. Diese Zwickmühle wurde bei der ganzen oft naiven Berichterstattung in großen Medien fast nie erwähnt.

  • Die vom Autor genannten Mini-Monopole machen sich schon bemerkbar.

    Ich war in je einem ehemaligen Kaiser’s-Markt, der auf Edeka (Rhinstraße am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost) bzw. Rewe (Frankfurter Allee in Nähe des Ring-Centers) umgestellt wurde.

    Kostet die 100-Gramm-Tafel Merci-Schokolade bei Kaiser’s weiterhin 1,39 Euro wurde der Preis in den neuen Märkten auf 1,49 Euro erhöht (normaler Preis bei Edeka/ Rewe). Gleiches gilt für Aoste-Wurst. Kostet bei Kaiser’s 1,99 Euro weiterhin, im neuen Edeka 2,29 Euro, bei Rewe nicht mehr erhältlich.

    Konnten im Kaiser’s bislang vom Leergutautomaten nicht erkannte Flaschen manuell an der Kasse abgegeben werden, so scheiterte heute ein Kunde an der Edeka-Kasse. Im neuen Kassensystem der Edeka ist dafür keine Funktion vorhanden, so dass der Kunde die 25-Cent-Flasche wieder mitnehmen durfte. Der Mitarbeiter wußte nicht, ob das noch als Update eingespielt wird.

    Edeka reduziert nach Umstellung nicht, da stehen dann Gut & Günstig-Artikel (Edeka-Discounteigenmarke) und Jeden-Tag (Kaiser’s-Discounteigenmarke) zu identischen Preisen nebeneinander. Bislang werden auch nur die internen Prozesse umgestellt, Leergutbon und Kassenbon hören auf Edeka, einige Preisschilder wurden ausgetauscht, das war es dann aber vorerst auch. Die Kaiser’s-Werbung hängt im Schaufenster, die Kaffeekanne findet sich auch an den Einkaufswagen und der Dienstkleidung der Mitarbeiter.

    Rewe geht einen anderen Weg: Alle Kaiser’s-Namen sind durch Rewe überklebt bzw. ausgetauscht, sogar die Werbeschilder im Straßenraum. Die Mitarbeiter tragen Rewe-Dienstkleidung. Kaiser’s-Artikel, die Rewe auch im Sortiment hat, werden jetzt zu Rewe-Preisen verkauft. Kaiser’s-Artikel, die nicht Rewe-Sortiment sind, werden mit 50 % Rabatt in Gitterboxen verkauft. Je nach Filliale gibt es z. B. Kühne-Konservengläser, Kneipp-Medikamente, Swirl-Staubsaugerbeutel oder Handyzubehör reudziert.

    Fazit: höhere Preise, weniger Auswahl, weniger Service. Alles so wie von mir erwartet.

  • Im Großraum Berlin gibt es für die letzten 7 Kaiser’s-Fillialen sogar noch für die kommende Woche einen eigenen Werbeprospekt. Diese Fillialen sind zwar intern (z. B. auf den Leergut- und Kassenbons) schon auf Edeka umgestellt, draußen ist aber noch das Kaiser’s-Logo zu finden. Die letzten 7 Fillialen sind diese hier:
    Leipziger Platz 12/13 10117 Berlin
    Friedrichstraße 246 10969 Berlin
    Residenzstraße 34 13409 Berlin
    Reichsstraße 94 14052 Berlin
    Zum Teufelssee 8 14478 Potsdam
    Mahlsdorfer Straße 59-61 15366 Hönow
    Brückenstraße 12a 15562 Rüdersdorf
    bei Berlin

    Wer also noch einmal Kaiser’s-Flair schnuppern möchte, sollte sich beeilen. Bis Mitte/ Ende Mai soll der Umbau komplett abgeschlossen sein. Quelle für die o. g. Liste ist der aktuelle Berliner Prospekt unter http://www.kaisers.de/fileadmin/content/Wochenprospekt/berlin_KW20.pdf abrufbar. Die Homepage bietet unter der Fillialsuche einige Fillialen gar nicht mehr (z. B. Hönow), während andere Fillialen zwar noch aufgeführt werden, aber schon längst Rewe-Märkte sind (z. B. Pichelsdorfer Straße in Spandau).

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