Zwei neue Märkte in Planung: Edeka führt Budni-Expansion in Berlin fort

Zwei neue Märkte in Planung: Edeka führt Budni-Expansion in Berlin fort

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2018 startete Budni mit zwei Drogeriemärkten in der Hauptstadt. Danach geriet die Expansion ins Stocken. Jetzt schiebt Edeka zwei neue Standorte an – im Schlepptau von Supermärkten.

Partner und Sponsoren:

Aller guten Dinge sind – mehr als zwei. So deutete es Budni-Geschäftsführer Christoph Wöhlke an, als die Hamburger Drogeriemarktkette vor zwei Jahren ihre ersten beiden Filialen in Berlin eröffnete (Foto oben; siehe Supermarktblog). Weitere seien in Vorbereitung, hieß es damals. Der „Welt am Sonntag“ verriet Wöhlke beim Radel-Interview:

„Wir wollen weitere Filialen eröffnen, aber nur in sinnvollen Schritten und an den passenden Standorten. Wenn wir dieses Jahr vier oder fünf zusätzliche Filialen eröffnen, ist das super. Aber es ist auch gut, wenn es nur zwei werden.“

Es wurden dann aber doch erstmal: null. Bis zum Beginn der Corona-Krise schien Budni in Berlin damit beschäftigt zu sein, das Startsortiment weiter den Bedürfnissen der neuen Stammkund:innen anzupassen und die die ein oder andere Konzeptinnovation zurück zu bauen (siehe Supermarktblog).

Inzwischen steht aber der Standort für einen dritten Berliner Budni-Markt fest, diesmal nicht in Prenzlauer Berg, sondern im Bezirk Mitte, Ortsteil Wedding. Direkt am S-Bahnhof Wedding wird derzeit auf mehr als 20.000 Quadratmetern ein neuer Gebäudekomplex errichtet, in dessen Erdgeschoss Einzelhandel einziehen soll.

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Auf einem Baustellenschild sind Edeka und Budni als künftige Mieter angekündigt.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass es sich dabei um den ersten Kombi-Standort der beiden Vetriebskonzepte in der Hauptstadt handelt.

Zur Erinnerung: Um im Drogeriefachhandel ein Wörtchen mitzureden – und dm bzw. Rossmann das Geschäft nicht alleine zu überlassen – hatte Edeka sich mit Budni zusammengetan und zentrale Bereiche (Einkauf, Marketing, Werbung, IT-Dienste) in einem Joint-Venture gebündelt. Ende 2019 erlaubte das Bundeskartellamt Edeka, die Mehrheit der Anteile an der Budni Handels- und Service GmbH & Co. KG (BHSG) zu übernehmen.

Edeka nutzt Budni zur Konkurrenzabwehr

Zum Deal gehört auch, dass Edeka bundesweit eigene Drogeriemärkte unter dem Namen des Partners eröffnen kann. Unter anderem in Bamberg, Offenburg, Mannheim und Lahr ist das bereits geschehen, teilweise durch Edeka-Kaufleute, teilweise durch die Regionalgesellschaften selbst (siehe Supermarktblog). Viele Budnis außerhalb der Stammregion sind als Fachmarkt-Ergänzung zu bestehenden oder neuen Edeka-Supermärkten angelegt. Gleichzeitig können die bisherigen Budni-Eigentümer ebenfalls weiter neue Läden in Eigeninitiative eröffnen.

Bei dem Markt in Berlin-Wedding spricht jedoch einiges für eine von Edeka gesteuerte Lösung. Mark Rosenkranz, Vorstandssprecher der Regionalgesellschaft Minden-Hannover, hatte im Frühjahr in der Branchenpresse angedeutet, man habe „zwei [Budni-]Märkte am Start“; für das laufende Jahr sei geplant, „noch drei Filialen in unserem Absatzgebiet zu eröffnen“. Anfang 2019 hatten die Mindener in Bremerhaven bereits mit dem ersten Budni unter Edeka-Regie vorgelegt.

Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt eine Sprecherin der Regionalgesellschaft nun, dass es sich bei dem neuen Standort in Berlin ebenfalls um einen von Edeka-geführten Markt handeln wird. Die Fertigstellung des Komplexes wird vor Ort für das 1. Quartal 2021 angegeben.

Ein weiterer Berliner Budni-Standort ist Edeka zufolge in der Clayallee im Bezirk Zehlendorf in Planung, wo im Center Zehlendorfer Welle bereits im September zudem ein Edeka-Center der selbstständigen Händlerin Stefanie Brehm eröffnen soll.

Kein Bedarf fürs Nahversorgerkonzept?

Für Edeka ist die Kombination mit Budni praktisch, weil sich darüber Standorte komplett belegen lassen, an denen sich sonst vermutlich Wettbewerber wie dm oder Rossmann ansiedeln würden (so wie im Bürokomplex am Berliner Humboldthafen), die einen Großteil der Umsätze mit Drogerieartikeln auf sich zögen.

Mit Budni als Nachbar kannibalisiert sich Edeka allenfalls selbst.

Aus Budni-Sicht mag ein verbündeter Supermarktnachbar zwar für Frequenz sorgen – allerdings macht er auch das Nahversorgerkonzept, mit dem die Hamburger in Berlin (und zuhause in Hamburg) gestartet sind, ein Stück weit überflüssig. In Prenzlauer Berg bietet Budni als Nachbarschaftsmarkt außer dem klassischen Drogeriesortiment auch Bio-Lebensmittel und Kühlartikel, Lunch für die Mittagspause, frische Bio-Backwaren sowie eine (zuletzt geschrumpfte) Auswahl an Obst und Gemüse.

Neben Edeka, das ja als Alnatura-Partner ebenfalls eine stattliche Bio-Produktauswahl führt, dürfte dafür allenfalls eingeschränkt Notwendigkeit bestehen.

Edeka legt neue Budni-Eigenmarken auf

Gleichzeitig arbeitet Edeka kontinuierlich an der Diversifizierung der zugekauften Markenkompetenz – und bereitet neue Drogerieartikel-Eigenmarken vor, die unter dem Budni-Label in die Läden kommen dürften (im Zweifel: auch bei Edeka selbst).

Kürzlich haben die Hamburger die Marke „Budni Joolea“ angemeldet, u.a. für die Kategorien Papier- und Schreibwaren, Büroartikel und Klebstoffe (siehe Supermarktblog). Jüngster Neuzugang in der Markenanmeldung ist „Budni Curafit“ für Produkte zu medizinischen Zwecken, pharmazeutische Artikel und diätetische Erzeugnisse.


Foto [M]: Edeka/DPMA, Smb

Was den Drogeriefachhandel als Ganzes angeht, ist derzeit schwer abzusehen, wie sich der Markt in den kommenden Monaten entwickelt. Corona hat die Verhältnisse zuletzt ziemlich durcheinander geschüttelt. Nach einem ersten Ansturm auf Lebensmittel, Hygieneprodukte und Putzartikel attestierte die Marktforscher:innen der GfK Anbietern wie dm, Rossmann, Müller & Co. zuletzt „fast zehn Prozent weniger Umsatz“ und urteilten, sie seien die „Verlierer der Coronavirus-Krise“.

Im Homeoffice würden Kund:innen auch auf absehbare Zeit weniger für Kosmetik und Styling-Produkte ausgeben; zudem habe es die (vorübergehende) Tendenz gegeben, Drogerieartikel während des Versorgungseinkaufs im Supermarkt oder Discounter mit zu besorgen, um sich einen zusätzlichen Ladenbesuch zu ersparen.

Danke an Sven für den Hinweis!

Fotos: Supermarktblog"

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9 Kommentare
  • Das „Nahversorger-extrem“-Konzept wird auch in Hamburg anscheinend nicht weiter ausgerollt. In Wandsbek Markt ist Budni im Einkaufszentrum (Quarree) letzten Dezember aus dem 1. OG in eine neue Fläche im Keller gezogen – durch die Position direkt am Gang von der U-Bahn zum Einkaufszentrum eine deutlich bessere Lage. Die Kassen sind wieder konventionell. Der Markt ist größer als ein mittelgroßer Supermarkt, aber Brötchen und Gemüse gibt es nicht. Dafür direkt nebenan einen neuen Aldi. In der Neuen Großen Bergstraße in Altona liegt ein Budni in einer stark frequentierten Fußgängerzone, direkt zwischen dem Bahnhof Altona und dem Ikea. Die nächsten Supermärkte sind 4-5 Minuten Fußweg entfernt. Vor der Tür ist ein Wochenmarkt, aber nur zwei Tage die Woche. Der Budni zeigt sich immer noch wie vor 10 Jahren.

  • Interessant finde ich die Preispolitik. War heute in Bremerhaven bei Budni… alle drei Produkte die ich haben wollte waren im benachbarten Edeka-Center günstiger. Komische Preispolitik oder purer Zufall?

  • Ich finde es sehr nachvollziehbar, dass Edeka sich beispielsweise dm vom Hals halten möchte und durch Budni neben einem Edeka-Markt das Geld im Konzern bleiben würde. Aber wie ist die Aufteilung zu verstehen, gibt es jetzt den Ur-Budni aus Hamburg, das JV mit Edeka (BHSG) UND ein Franchise-Modell für Kaufleute und Regionalgesellschaften, die nur Logo und Konzept übernehmen aber ansonsten für sich wirtschaften?

    • Die Hamburger Budnis werden vom bisherigen Eigentümer weiter geführt, der auch mit neuen Filialen expandieren kann; dazu kann Edeka mit Kaufleuten und Regionalgesellschaften mit der Marke aktiv werden. Das JV ist quasi der Überbau, von dem beide Partner profitieren sollen (allerdings unter zunehmendem Einfluss von Edeka). So hab ich es verstanden. Korrekturen gerne kommentieren!

    • Es gibt noch einen Unterschied bei den Kundenkarten: Die von Budni selber betriebenen Fillialen (z. B. die aktuell 2 Fillialen in Berlin) akzeptieren nur die Budni-Kundenkarte, die von Edeka betriebenen (z. B. Bremerhaven) sowohl die Budni-Kundenkarte als auch die Deutschlandcard.

      Auch im Service gibt es Unterschiede, Bremerhaven bietet Bargeldabhebung ab 10 Euro Einkaufswert an, die Berliner Fillialen nicht.

    • Also der Budni in Bamberg akzeptiert nur die Deutschlandcard.Die Budni-Karte wird dort nicht akzeptiert.Auf der Budni Homepage und auch in der App ist auch gelistet welche Filiale welche Karte akzeptiert.Sämtliche Edeka-Budnis akzeptieren nur die Deutschlandcard und sämtliche echte Budnis die Budni-Karte.

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