Start in Südhessen: Amazon und Tegut kooperieren für Lebensmittel-Sofortlieferung mit Prime Now

Start in Südhessen: Amazon und Tegut kooperieren für Lebensmittel-Sofortlieferung mit Prime Now

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Vier Jahre nach dem Start in Berlin und München weitet Amazon das Liefergebiet seines Schnelllieferdiensts Prime Now auf den Raum Darmstadt und den Süden Frankfurts aus. Tegut hilft.

Partner und Sponsoren:

Vier Jahre nach dem Start in Berlin und München weitet Amazon erstmals das Liefergebiet seines Schnelllieferdiensts Prime Now aus und konzentriert sich dabei auf Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs. Beliefert werden ab sofort Prime-Mitglieder im Großraum Darmstadt und im Süden Frankfurts. Ein eigenes Lager eröffnet Amazon dafür nicht. Stattdessen kooperiert das Unternehmen mit einem langjährigen Partner: der Supermarktkette Tegut.

Die kommissioniert Bestellungen in ihrem Markt in Weiterstadt bei Darmstadt; Prime-Now-Kuriere holen die Ware ab und stellen sie innerhalb eines von den Kund:innen ausgewählten Zwei-Stunden-Zeitfensters am selben Tag zu.

Verfügbarkeit soll auf 10.000 Produkte steigen

Zum Start sollen nach Amazon-Angaben rund 6.000 Artikel aus dem Tegut-Sortiment verfügbar sein: Obst und Gemüse, Kühl- und Tiefkühlprodukte, vieles davon in Bio-Qualität; außerdem Getränke, Drogerieartikel und Tiernahrung. Dazu gehören auch eine Reihe regionale Produkte (Pfungstädter Bier, Bergsträßer Wein, Odenwälder Apfelsaft), die in einer eigenen Rubrik hervorgehoben werden. Die Auswahl an frischem Obst war am Dienstagnachmittag zunächst überschaubar.

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Bis zum Ende des Jahres kann dann aber aus 10.000 Artikeln ausgewählt werden. Das Liefergebiet reicht vom Süden Frankfurts bis nach Hessen-Ried sowie Bensheim und Heppenheim an der Bergstraße. Welche PLZ-Gebiete verfügbar sind, lässt sich auf primenow.amazon.de oder in der App prüfen.


Screenshot: primenow.de

Geliefert wird montags bis samstags zwischen 10 und 22 Uhr. Kostenlos ist die Lieferung allerdings erst ab 50 Euro Bestellwert. Zwischen 20 und 50 Euro fallen Lieferkosten in Höhe von 3,99 Euro an (vorübergehend 3,89 Euro während der Mehrwertsteuersenkung).


Screenshot: primenow.de


Update, 18.47 Uhr: Eine erste Testbestellung funktioniert reibungslos. Zwei Produkte aus der Einkaufsliste sind nicht verfügbar und hätten während der Kommissionierung getauscht werden können, wenn ich nicht gepennt hätte. Der Rest ist innerhalb einer Stunde fertig kommissioniert und wird kurz nach Beginn des Zeitfensters von zwei freundlichen Amazon-Flex-Fahrern mit ihrem Privat-PKW zugestellt, die sich auch noch dafür entschuldigen, dass sie kurz im Stau standen.

Kühlware kommt aus einer Tasche mit Kühlakkus, Tiefkühlware ist separat verpackt und trotz tropischer Außentemperaturen eiskalt. Obst und Gemüse wie im Supermarkt verpackt. Kurz: alles wie man sich das vorstellt.

Durch die Einbindung von privaten Fahrer:innen über das Amazon-Flex-Programm spart sich Amazon den Kurierauftrag; dass sich Flex-Zusteller:innen mit mehreren Prime-Now-Bestellungen auf den Weg machen, dürfte angesichts des großen Liefergebiets allerdings vorerst die Ausnahme bleiben. Amazon wird’s als Investment sehen, um den Bedarf außerhalb von Metropolen auszutesten.


Amazon kooperiert schon seit längerem mit Tegut. So lassen sich seit dem Start im Jahr 2016 u.a. Tegut-Eigenmarken über Prime Now kaufen; auch Amazon-Fresh-Kund:innen können sich mit den Artikeln beliefern lassen. Tegut zeigt damit Präsenz in Regionen, in denen die Kette (bislang) nicht vertreten ist.

Neuer Anschub für Prime Now

Eine ähnliche Kooperation war Amazon 2017 schon einmal mit der Biofachmarktkette Basic eingegangen (siehe Supermarktblog); Basic hatte die Partnerschaft ein Jahr später aber wieder beendet. Tegut äußerte sich hingegen zufrieden über die Zusammenarbeit mit Amazon (siehe Supermarktblog). Geschäftsführer Thomas Gutberlet – gerade erst vom Wanderurlaub zurückgekehrt – sagt, er freue sich, Tegut-Kund:innen mit Prime Now „einen innovativen Service zu bieten“.

Um diesen Service war es hierzulande zuletzt eher still geworden, auch weil die erwartete Ausweitung des Prime-Now-Liefergebiets ausblieb. Zwischenzeitlich sprach vieles für eine Zusammenlegung des Diensts mit dem Lebensmittel-Lieferservice Fresh (siehe Supermarktblog). Die dürfte auch weiterhin nicht vom Tisch sein. Amazon arbeitet derzeit in mehreren Märkten daran, die kostenlose Sofortlieferung (frischer) Lebensmittel zum festen Bestandteil seines Prime-Mitgliederprogramms zu machen.

Am weitesten fortgeschritten ist der Konzern damit in den USA, wo Kund:innen – je nach Wohnort – Lebensmittel am selben Tag über Amazon Fresh oder Amazons Biomarktkette Whole Foods Market nachhause gebracht kriegen.

Mehrgleisige Strategie

In Großbritannien hat Amazon die Lebensmittel-Lieferung mit Amazon Fresh gerade von London auf den Südosten des Landes ausgeweitet und angekündigt, den Service vor Ende des Jahres mehreren Millionen Prime-Mitgliedern im ganzen Land zugänglich machen zu wollen. Hierzulande liefert Amazon vorerst weiter nur in Berlin, Hamburg, München und Potsdam.

Die jetzige Wiederbelebung von Prime Now spricht dafür, dass Amazon bei seinem Vorstoß in den Lebensmittelhandel zunächst mehrgleisig unterwegs sein will.

Das britische Fachmagazin „The Grocer“ vermutete bereits, dass neue Initiativen (im UK) zunächst weiter unter den bestehenden Marken (Fresh und Prime Now) starten, bevor sie zukünftig unter einem einheitlichen Namen gebündelt würden:

„The new service will be known as either Ultra Fast Fresh or Ultra Fast Grocery.“

Morrisons in Großbritannien macht’s vor

Der Vorstoß mit Tegut ist auch insofern interessant, weil er erstmals nicht auf eine klassische Metropolregion zielt, sondern auch Prime-Mitglieder außerhalb von Großstädten von einer schnellen Belieferung mit frischen Lebensmitteln profitieren lässt. Ob der Dienst auf weitere der 270 Tegut-Filialen ausgeweitet werden soll, etwa in Frankfurt am Main und Stuttgart, kommuniziert Amazon derzeit nicht.

Das wäre aber naheliegend: In Großbritannien kooperiert Amazon mit der Supermarktkette Morrisons, in deren Läden ebenfalls Bestellungen für Prime Now kommissioniert werden. Zuletzt hatte Morrisons angekündigt, die Zahl der Märkte, aus denen geliefert wird, auf 40 mehr als verdoppelt zu haben (u.a. in Edinburgh, Cardiff, Bristol).

Im Heimatmarkt sind Amazons Ambitionen im Lebensmittelhandel derweil schon sehr viel weiter fortgeschritten. Nach dem Kauf von Whole Foods Market und der Expansion mit den kassenlosen Amazon-Go-Märkten steht die Erweiterung des Lieferdiensts Fresh zur stationären Supermarktkette vermutlich unmittelbar bevor.

Mehr dazu – und zur Strategie, mit der Amazon zum Schwergewicht im Lebensmitteleinzelhandel werden will – steht hier in einer aktuellen Blog-Analyse.

Multimarkenstrategie mit Fresh, Go, Whole Foods: So will Amazon zum Schwergewicht im Lebensmittelhandel werden

Fotos: Supermarktblog"

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